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Band VI (1993)Spalten 1327-1328 Autor: Franz Wöhrer

OSWALD von York (auch O. v. Worcester; O. v. Ramsey), engl. Heiliger; Erzbischof von York und Bischof von Worcester; * um 925 als Sohn einer heidnischen dänischen Militärsfamilie, + 29.2. 992 in Worcester. - O. erhielt früh eine profunde christliche Erziehung durch seinen Onkel Oda, den Erzbischof von Canterbury. O. schloß sich einer laikalen Ordensgemeinschaft im Kloster von Winchester an. Er ging kurz danach nach Frankreich um im Benediktinerstift St.Fleury-sur-Loire (im 10.Jhdt. ein bedeutendes cluniazensisches Ordenshaus und Bildungszentrum) das neugestaltete Klosterleben zu studieren. Er kehrte 958/9 als Priester nach England zurück, wurde - nach einer Pilgerfahrt nach Rom mit Oskytel, dem Erzbischof von York - 962 von Erzbischof Dunstan zum Bischof geweiht. König Edgar (959-975) betraute ihn, auf Wunsch Dunstans, mit der Diözese von Worcester (Dunstans Bischofssitz vor seiner Ernennung zum Erzbischof von Canterbury). Als Bischof und engagierter Missionar und Reformer war O. maßgeblich für die Abschaffung nicht-zölibatärer Laienorden und deren Vertreibung aus den Ordenshäusern, sowie für die Beseitigung von Mißständen in der Kirche (korrupter, weltverfallener Klerus) und die Restauration des monastischen Ordenslebens nach den strengen Regeln des Hl. Benedikt verantwortlich. Einer seiner Erlässe gegen »the married clergy« ging als »Oswald's law« (DNB, IX, 1218) in die engl. Kirchengeschichte ein. Er gründete zahlreiche Konvente, Klöster und Abteien (neben Worcester, Westbury, Ramsey, York u.a.m.) und trug wesentlich zum Wiederaufbau der durch die Überfälle der Vikinger zerstörten Klöster bei. 972 wurde O. zum Erzbischof von York ernannt, blieb aber in Personalunion weiterhin Bischof von Worcester, um in dieser Diözese die Klosterreformen weiterzuführen und die Klöster dieser Region gegen die Übergriffe des Königs von Mercien (das heutige Wales) zu verteidigen. - O. wurde zu Lebzeiten wegen seiner Heiligkeit, seiner umfassenden Bildung und Sangesgabe, sowie seiner Demut, seiner unermüdlichen Schöpfungskraft, Toleranz und Nächstenliebe geschätzt. Seine Hauptverdienste sind neben der Neugründung bzw. dem Wiederaufbau von insgesamt sieben Klöstern, Abteien und Kathedralen, die umfassende moralische und spirituelle Neuordnung des Ordenslebens nach den Grundsätzen der cluniazensischen Reform, und die Vertiefung der theologischen Bildung von Priestern, Ordensleuten und Gläubigen. Ramsey wurde unter O. zu einem blühenden Zentrum monastischer Kultur und blieb es bis ins Hochma. Seine Grabstätte in der Kathedrale von Worcester gilt als wundertätig. O. ist zusammen mit dem Hl. Dunstan und dem Hl. Ethelwold der bedeutendste Reformer und Ordensgründer der angelsächs. Klostertradition. - O. verfaßte mehrere Traktate, Bischofsdekrete und Briefe, die aber allesamt nicht überliefert sind. - O.s Festtag ist der 28. Februar.

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Lit.: Anon., Vita, in: Historians of the Church of York, hrsg. v. J. Raine, I, 1874, 399-475; - J.A. Robinson, St. O. and tbe Church of Worcester, 1919; - E.H. Pearce, St. O. of Worcester and the Church of York, in: York Minster Historical Tracts, 4 (1928); - Sir Ivor Atkins, The Church of Worcester from the Eighth to the Twelfth Century, in: Antiquaries Journal, 12, 1937, 371 ff.; - David Knowles, The Monastic Orders in England, London 1949, 40-56; - D.J.V. Fisher, The Anti-Monastic Reaction in the Reign of Edward the Martyr, in: Cambridge Historical Journal, 10, 1952, 254 ff.; - E. John, St. O. and the Tenth Century Reformation, in: Journal of Ecclesiastical History, 9, 1958, 158 ff.; - Tenth Century Studies, hrsg. v. D. Parsons, 1975, 84 ff.; - David Knowles, OSB, The Monastic Orders in England, London 1949, 40-56; - DNB XIV, 1217 ff.; - ODC, 997 f.; - SCBD, 343; - LThK VII, 1296 f.; - DS XI, 1055-57; - DMA IX, 294 f.; - ODS, 330-31.

Franz Wöhrer

Letzte Änderung: 09.04.2011