OSWIN von Deira, Hl. (Fest 20. August), angelsächsischer König, + wohl
am 20. August 651 in Gilling (bei Richmond, Yorkshire). - O. war
ein Sohn des Königs Osric von Deira (= der Südteil Northumbriens),
der 634 im Kampf gegen den britischen König Cadwallon den Tod fand.
Der Prinz verbrachte die nächsten Jahre in Wessex. Auf die Nachricht
vom Tode des northumbrischen Königs Oswald 642 kehrte O. in den Norden
zurück und übernahm die Herrschaft über Deira. Als freigebiger, demütiger
und frommer König erfreute er sich, wie Beda berichtet, der Zuneigung
seines Volkes. Freundschaft verband ihn mit dem heiligmäßigen Bischof
Aidan von Lindisfarne. Als König Oswy von Bernicia (= der Nordteil
Northumbriens) in Deira einfiel, trat ihm O. entgegen, löste dann
aber sein zahlenmäßig unterlegenes Heer auf und suchte bei einem Gefolgsmann
in Gilling Zuflucht. Dieser verriet ihn an Oswy, der O. ermorden ließ.
- Das Verbrechen und der vorausgegangene Vertrauensbruch erregten
in ganz Britannien größtes Aufsehen. O. wurde als Martyrer betrachtet.
Oswy ließ auf Betreiben seiner Gemahlin in Gilling ein Sühnekloster
errichten, in dem O. beigesetzt wurde. Viele Pilger suchten die Stätte
auf. In der Wikingerzeit wurden die Gebeine O.s nach Tynemouth überführt.
1065 erfolgte eine feierliche Translation durch Bischof Aethelwine
von Durham.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis
Anglorum, ed. C. Plummer, Oxford 1896 (Kommentar S. 163 f.); lat.-deutsch
ed. G. Spitzbart, Darmstadt 1982; Vita (von einem Mönch aus Tynemouth,
12. Jahrhundert) teilweise ed. bei J. Raine, Miscellanea Biographica
(Surtees Society, Bd. VIII), London 1838, 1-59 (enthält Wunderberichte).
Lit.: J. H. Newman u. a., Lives of the English Saints,
London 1844; - C. L. Kingsford, in: Dict. of Nat. Biogr. 43, 1895, 332 f.;
- P. Hunter Blair, An Introduction to Anglo-Saxon England, Cambridge
1966, 209 f.; - Oxf. Dict. of the Christ. Church, 1974, ND
1985, 1016 (Lit.).
Karl Schnith
Letzte Änderung: 09.04.2011