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Band XXVIII (2007) Spalten 1204-1206 Autor: Christian Schröder

O'TOOLE, Laurence, Irisch: Lorcan Ua Tuathal, Erzbischof von Dublin, Heiliger, geboren 1128 in Castledermot, Co. Kildare, gestorben 14.11. 1180 in Eu, Normandie. - V: Muirchertach, König von Nordleinster; M: Dervail O'Byrne. - L. wurde als Sohn eines Regionalkönigs von Nordleinster im Jahre 1128 geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er jedoch unter der Obhut Donagh O'Connors, des Königs von Offaly. Irische Adlige ließen ihre Kinder häufig als Vertrauensbeweis in der Familie eines Verbündeten aufwachsen. Im Alter von zehn Jahren kam L. an den Hof Dermot Mac Murroughs, des Königs von Leinster. Als dieser sich der Gefolgschaft von Laurences Vater Muirchertach nicht mehr versichert sah, hielt er L. als Gefangenen. 1140 war es Muirchertach jedoch gelungen 10 Männer Mac Murroughs gefangen zu nehmen und für ihre Freilassung seinen Sohn zurückzuerhalten. Der Geiselaustausch fand im Kloster Glendalough statt. L. schloß sich bald dem dortigen Kloster an und wurde 1153 im Alter von 25 Jahren Abt dieser bedeutenden Abtei. Er selbst hat wohl nicht nach höheren geistlichen Ämtern gestrebt, lehnte er es doch 1157 ab auch noch das Amt des Bischofs von Glendalough anzunehmen. Fünf Jahre später freilich wurde er Erzbischof von Dublin, nachdem nicht nur die Bischöfe und Adligen, sondern sogar die Dubliner Bürgerschaft sich eindeutig für ihn als neuen Oberhirten ausgesprochen hatte. L. war damit der erste Ire auf dem Dubliner Bischofsstuhl. Er ließ die Christ Church Kathedrale neu bauen und richtete in ihr ein Augustinerstift ein, das er mit aus Frankreich kommenden Chorherren besetzte. - 1169 hatte sich Dermot Mac Murrough an Henry II. von England gewandt und ihn um Hilfe gegen den einflußreichen Hochkönig Roderick O'Connor, den König von Connacht, gebeten. So landete 1169 das erste normannische Heer in Irland. Als Richard de Clare, genannt Strongbow, ein Jahr später Dublin belagerte, zog L. vor die Mauern um mit ihm über Frieden zu verhandeln, doch die Stadt wurde letztlich eingenommen. 1171 war Henry II. selbst nach Irland übergesetzt und wieder war es L., der vermitteln wollte. Diesmal zwischen dem Normannen Heinrich und dem Hochkönig Roderick. 1175 wurde zwischen beiden der Vertrag von Windsor geschlossen. Einer der Unterzeichnenden war L. - Rein kirchliche Belange ließen ihn 1179 nach Rom reisen. Zusammen mit anderen irischen Bischöfen nahm er am III. Laterankonzil teil und wurde von Papst Alexander III. zum päpstlichen Legaten für Irland ernannt. Zurück in Irland begann L. sogleich die Reformen, die sich im mittlerweile überall in Europa verbreitet hatten, durchzuführen. Er berief die Synode von Clonfert ein, die noch vor Jahresende 1179 zusammentrat. Die Laieninvestitur war trotz des Verbots durch die Synode von Cashel (1101) noch immer weit verbreitet. Außerdem ging die Synode gegen den Nepotismus vor, indem sie die Ordination von Söhnen und Enkeln von Bischöfen verbot. - Im Februar des Jahres 1180 setzte L. erneut nach England über, um wieder einmal in einem Streit zwischen Hochkönig Roderick O'Connor und Henry II. zu vermitteln. Henry aber schien der päpstliche Legat in Irland zu viel Einfluß zu besitzen und er verbot ihm die Rückreise. Um den König umzustimmen, folgte L. ihm in die Normandie. Er erkrankte jedoch unterwegs und starb am 14. November 1180 im Augustinerstift Eu. Bereits 1225 wurde er kanonisiert. - Laurence O'Toole ist eine herausragende Gestalt der irischen Kirchengeschichte. Anders als die frühmittelalterlichen Klostergründer Irlands steht er jedoch mitten im politischen Leben seiner Zeit. Sein Einsatz für die kirchlichen Reformen und das Bemühen um Vermittlung zwischen irischem und normannischem König belegen seine Bedeutung für die Geschichte Irlands an der Schwelle zur folgenreichen normannischen Eroberung der Insel.

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Lit.: C. Plummer, Vie et miracles de St Laurent, archevêque de Dublin, Rouen 1914; - M.V. Ronan, St Laurentius, Archbishop of Dublin. Original Testimonies for Canonization, in: IER 27 (1926), 347-64; 28 (1926), 247-56, 467-80; - J.F. O'Doherty, St Lawrence O'Toole and the Anglo-Norman Invasion, in: IER 50 (1937), 449-77, 600-25, 51 (1938), 131-46; - Aubrey Gwynn, St Laurence O'Toole as Legate in Ireland, London 1950; - P. Carpentier, St Laurent O'Toole, Paris 1953; - J. Ryan, The Ancestry of St Laurence O'Toole, Reportorium Novum 1 (1955), 64-75; - Herbert J. Thruston, Donald Attwater, Butler's Lives of the Saints, Bd. 4, London 21956 (ND 1981), 341-344; - John Meagher, St Lorcán Ua Tuathail, 1128-1180. An essay in twelfth-century history, Dublin 1980; - M.F. Roche, The Latin lives of St Laurence of Dublin, Diss., Dublin 1981; - Des Forristal, The man in the middle, Dublin 1988; - J. Hennig, The Place of the Archdiocese of Dublin in the Hagiographical Tradition of the Continent, Dublin 1988; - Aubrey Gwynn, St Laurence O'Toole, in: Ders., The Irish church in the 11th and 12th centuries, hg. v. Gerard O'Brien, Dublin 1992, 135-143; - Michael Rodgers und Marcus Losack, St Laurence O'Toole, in: Dies., Glendalough. A Celtic Pilgrimage, Dublin 1996, 35-46; - Stuart Kinsella, From Hiberno-Norse to Anglo-Norman, c. 1030-1300, in: Kenneth Milne (Hrsg.), Christ Church Cathedral Dublin. A History, Dublin 2000, 25-52.

Christian Schröder

Letzte Änderung: 09.04.2011