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Band XIV (1998)Spalten 1336-1340 Autor: Georg Denzler

OTTO I., der Heilige (ca. 1060-1139). - Otto, um das Jahr 1060 geboren, entstammte nicht dem Geschlecht der Andechs-Meranier, wie man im 17. Jahrhundert fälschlich meinte, sondern einem schwäbischen Rittergeschlecht. Ob er seine Ausbildung im Kloster Hirsau, im Kloster Wilzburg (Bistum Eichstätt) oder im Kloster Michelsberg (Bamberg) erhielt, ist ungewiß. In Regensburg erhielt er die Priesterweihe. Schon in jungen Jahren war Otto mit Judith, der Schwester des deutschen Königs Heinrich IV. und der Gemahlin des Ungarnkönigs Salomo, bekannt geworden. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Judith den Polenherzog Wladislaw-Hermann und berief Otto als Hauskaplan an den Hof in Gnesen. Wenige Jahre später trat Otto in den Dienst König Heinrichs IV., den Papst Gregor VII. wegen eigenmächtiger Einsetzung von Bischofen (Laieninvestitur) exkommunizierte. Da Otto Papst und König gleichermaßen loyal zu begegnen suchte, geriet er in eine schwierige Lage, als der König ihn 1102 zum Kanzler des Reiches und noch im selben Jahr zum Bischof von Bamberg ernannte. Drei Jahre nach dieser Einweisung in Amt und Pfründe begab sich O. nach Anagni, wo der Papst residierte, und ließ sich von Papst Paschalis II. die Bischofsweihe spenden. Jetzt galt für ihn: vom König ernannt und vom Papst geweiht. Auf der Rückreise von Anagni nahm O. 1106 an der Synode von Guastalla teil, bei der das einst von Gregor VII. erlassene Verbot der Laieninvestitur neu eingeschärft wurde. Da aber Heinrich V. den antipäpstlichen Kurs seines Vaters fortsetzte, bekam Otto die Ablehnung durch geistliche Fürsten des Reiches zu spüren und mußte sogar die Suspension durch den Mainzer Metropoliten hinnehmen. Trotzdem suchte O. immer wieder zwischen Papst und König zu vermitteln. Er trug entscheidend dazu bei, daß es im Wormser Konkordat (1122) zur Beilegung des von beiden Seiten mit Hartnäckigkeit geführten Investiturstreites kommen konnte. Charakteristisch für seine Haltung sind die Bibelworte, die er seiner Vertragsunterschrift anfügte: »Otto, Bischof von Bamberg, der Gott gab, was Gottes ist, aber auch dem Kaiser, was des Kaisers ist.« Wie Otto berechtigte Interessen des Reiches verteidigte, so kümmerte er sich auch als Bischof um die Anliegen seiner Diözese. Die 1081 durch Brand zerstörte Domkirche ließ er prächtiger als vorher aufbauen. Dasselbe gilt für das Benediktinerkloster auf dem Michelsberg, das durch ein Erdbeben schwer beschädigt worden war. Die Bamberger Kollegiatstifte St. Stephan, St. Gangolf und St. Jakob erlebten unter ihm ihre bauliche Vollendung. Auch außerhalb der Bischofsstadt entstanden Kirchen und wurden Pfarreien errichtet. O.s machte sich ferner verdient um die Gründung oder Wiederbelebung von Klöstern im Bistum Bamberg und in anderen Bistümern. Wenngleich er die von Hirsau ausgehende Klosterreform am meisten schätzte, förderte er doch auch die jungen Orden der Prämonstratenser und Zisterzienser. Das Benediktinerkloster Michelfeld an der Ostgrenze des Bistums und die vom Kloster Ebrach aus besiedelte Zisterze Langheim zählten zu seinen Lieblingsstiftungen. - O. gilt mit Recht als eifriger Promotor des bischöflichen Eigenklosterwesens, das ihm Reformen leicht ermöglichte. Nachdem Herzog Boleslaw III. von Polen das Nachbarland Pommern seiner Herrschaft unterworfen hatte, betraute er nicht einen polnischen Bischof, sondern den Bamberger Bischof mit der Missionierung. 1124 brach O. mit Wissen des Kaisers Heinrich V. und mit Billigung des Papstes Calixt II. zur Missionsreise nach Pommern auf. Die heidnische Bevölkerung sollte jeden Zwang, sondern nur mit Predigt und Katechese für den christlichen Glauben gewonnen werden. 1128 begab sich Bischof O., wiederum mit großem Gefolge, ein zweites Mal in das Land der Pommern, um das Evanglium zu verkünden. Er ließ auch schon Kirchen errichten und setzte Priester als reguläre Seelsorger ein. Zur Gründung des von ihm geplanten Bistums Kammin (Bischofssitz zuerst in Wollin) kam es erst im Jahr nach seinem Tod. Adalbert, einen seiner treuesten Begleiter auf den Missionsreisen, hatte O. noch selbst als ersten Bischof ausersehen. O. wird mit Recht als »Apostel der Pommern« bezeichnet. O.s letzte Lebensjahre waren mit Krankheit belastet. Er starb am 30. Juni 1139 fast achtzigjährig. Seinem Wunsch entsprechend, wurde O. im Kloster Michelsberg beigesetzt. Neben ungezählten Wunderheilungen gaben seine Missionstätigkeit in Pommern und sein seelsorgliches Wirken im Bistum Bamberg Anstöße dafür, daß er fünfzig Jahre nach seinem Tod, am 10. August 1189, heiliggesprochen wurde. Die Diözese Bamberg feiert sein Fest alljährlich am 30. September.

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Quellen: P. Petersohn: Otto v. Bamberg u. seine Biographen, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 43 (1980) 3-27.

Lit.: E. v. Gutenberg: Das Bistum Bamberg, T. 1 (Germania sacra, Bd. II/1,1), Berlin 1937, 115ff.; - E. Demm: Reformmönchtum u. Slavenmission im 12. Jahrhundert, Lübeck/Hamburg 1970; - G. Denzler: Der heilige Otto, Bischof v. Bamberg (um 1060 - 30. Juni 1139), in: G. Schwaiger (Hrsg.): Bavaria Sancta, Bd. II, Regensburg 1971, 144-156; - O. Meyer / B. Neundorfer: Bischof Otto v. Bamberg 1124-1974. 850 Jahre Missionsreise nach Pommern. Festschrift u. Ausstellungskatalog, Bamberg 1974; - Bischof Otto I. von Bamberg. Reformer - Apostel der Pommern - Heiliger (1139 gestorben, 1189 heiliggesprochen). Gedenkschrift zum Otto-Jubiläum 1989 (= 125. Bericht des Hist. Vereins Bamberg, Bamberg 1989.

Georg Denzler

Letzte Änderung: 09.04.2011