Verlag Traugott Bautz |
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OTTO I., Kaiser, * am 23.11. 912 als Sohn des späteren deutschen (ostfränkischen) Königs Heinrich I. (919-936) aus sächsischer (liudolfingischer) Dynastie und dessen westfälischer Gattin Mathilde († 968) war Otto seit 936 deutscher, seit 951 (infolge seiner Verehelichung mit der Königinwitwe Adelheid, † 999) auch italischer König und seit 962 römischer Kaiser, † 7.5. 973 in Memleben. - Die (kirchen)historische Bedeutung des schon von Zeitgenossen als »groß« (magnus) eingeschätzten Herrschers war abgesehen von der Förderung der Kirche etwa auch durch Begründung neuer Bistümer, wie z.B. (nach dem Lechfeldsieg über die Magyaren 955) die erst 968 durchgesetzte Errichtung des Erzbistums Magdeburg zur Ostmission, zweifelsohne die (längst geplante) Wiederbegründung des (dann bis 1806 im Deutschen Reich fortdauernden) römischen Kaisertums, das nach der Karolingerzeit in der Epoche der sog. »italischen Kaiser« (seit 855) zunehmend universale Geltung verloren hatte und seit 928 vakant war. Die Kaiserkrönung am 2.2. 962 durch (den 963 abgesetzten) Papst Johannes XII. (955-964) erfolgte nach einem (hinsichtlich seines Urhebers nicht eindeutigen) Hilferuf aus Rom zur Wiederherstellung der kirchlichen Ordnung und der politischen Sicherheit des »Kirchenstaates«. Er beweist das hohe Ansehen des auch außerhalb seines Reiches, wie z.B. in Frankreich 946-948, für den kirchlichen Frieden tätigen Königs und traf sich mit den eigenen Interessen Ottos, der nach älteren (karolingischen und italischen) Vorbildern im (von der 1024 nachfolgenden Salier-Dynastie fortentwickelten) sog. »ottonisch-salischen Reichskirchensystem« hohe kirchliche Dignitäre, wie Bischöfe und Äbte, zur Reichsverwaltung herangezogen hatte, um durch zölibatäre Amtsträger der beginnenden Vererblichung im Lehenswesen und damit verbunden den (zu Beginn der Regierung deutlich werdenen) zentrifugalen Tendenzen in den deutschen Territorien entgegenzuwirken, dazu aber auf die Kooperation des Papstes angewiesen war bzw. konkurrierende Mandate aus Rom verhindern, also das Papsttum einbeziehen mußte. Analog zum anerkannten Mitspracherecht des Königs bei der Besetzung von hohen Kirchenämtern in Form der als Erstwahl angesehenen Nomination von meist in der Hofkapelle ausgebildeten Klerikern gipfelte die imperiale Herrschaft in Rom in der Beteiligung des Kaisers an der Besetzung des Papstthrones, die durch die aus der Karolingerzeit tradierten und 962 im »Privilegium Ottonianum« erneuerten, 963 gar erweiterten Kaiserpakten gesichert wurde. Erst der Investiturstreit und die Kirchenreform im 11. Jahrhundert haben dem ottonischen Regierungsstil weithin ein Ende bereitet.
Harald Zimmermann
Literaturergänzung:
2001
Otto der Große, Magdeburg und Europa. Hrsg. von Matthias Puhle. 2 Bde. Mainz 2001; - Werner Maleczek, Otto I. und Johannes XII. Überlegungen zur Kaiserkrönung von 962, in: Mediaevalia Augiensia. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters, hg. v. Jürgen Petersohn, Stuttgart 2001 (Vorträge und Forschungen 54), S. 151-203; -
2002
Martial Staub, Otton I. et Adélaide dans la cathédrale de Meißen, in: Adélaide de Bourgogne. Dijon 2002, S. 165-178; -
2007
Henry Mayr-Harting, Church and cosmos in early Ottonian Germany. The view from Cologne. Oxford 2007: - Hagen Keller, Das 'Erbe' Ottos d. Gr. Das otton. Reich nach d. Erweiterung zum Imperium, in: FMSt 41.2007, S. 43-74; -
2008
Herbert Zielinski, Der Weg nach Rom. Otto d. Gr. u.d. Anfänge d. otton. Italienpolitik, in: Die Faszination der Papstgeschichte. Köln 2008, S. 97-107; -
2009
Uta Luise Zimmermann-Krause, Otto der Große u. Mauritius in Magdeburg. Der Kaiser u. sein Patron - einst römischer Legionär. Magdeburg 2009; - Große Frauen u. Männer d. Weltgeschichte. Gesprochen von Achim Höppner und Axel Wostry. Sonderausg. Jakob Fugger, Alfred Krupp, Bertha von Suttner, Immanuel Kant, Valéry Giscard d'Estaing, Jan Hus, Otto der Große, Oliver Cromwell. Stuttgart 2009. 2 CDs + Booklet; -
2011
Robert Gordian, Abgründe d. Macht. Roman über e. Sachsenkönig. Darmstadt 2011.
Letzte Änderung: 09.04.2011