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Band VI (1993)Spalten 1375-1377 Autor: Martin Persch

OTTO von Ziegenhain , Erzbischof von Trier, + 13. Februar 1430 in Koblenz. - O. entstammte dem hessischen Geschlecht der Grafen von Ziegenhain und Nidda und war ein Neffe des am 4.10. 1418 verstorbenen Trierer Erzbischofs Werner von Falkenstein, zu dessen Nachfolger er keine zehn Tage nach seinem Tod gewählt wurde, nachdem das Trierer Domkapitel zuvor eine Wahlkapitulation erlassen hatte, die die Rechte dieses Gremiums in starkem Maße vergrößerten. O. studierte in Wien und Heidelberg, wurde am 9.11. 1406 zum Dompropst von Trier gewählt, war seit dem 17.6. 1405 Propst von St. Martin in Worms, seit ca. 1405 Pfarrer von St. Wendel und von 1413 bis 1417 auch Propst von Koblenz-St. Florin. Diese Ämterhäufung dürfte er vor seiner Wahl zum Erzbischof bereinigt haben, zudem seine eifrige Tätigkeit in Staatsgeschäften noch zur Regierungszeit des Onkels ihm wenig Zeit zur Verwaltung der gesamten Pfründen gelassen haben dürfte. Nach der Bestätigung der Wahl O.s durch Papst Martin V. erhielt er am 12. März 1419 durch die Bischöfe von Verdun und Worms die Bischofsweihe. Zu seinem Weihbischof erwählte er, ein ausgesprochener Anhänger der Reformorden, sich den aus Aachen stammenden Dominikaner Johannes de Monte (1419-1442), übte aber, wann immer es möglich war, die bischöfliche Pontifikalfunktionen selbst aus. O. war auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) Leiter der Trierer Delegation und von daher mit den Reformanliegen vertraut. Die von Johannes Rode inspirierten Erneuerungsbewegungen (Bursfelder Reformkongregation der Benediktiner) hat er entscheidend mit beeinflußt. Im religiös-moralischen Leben persönlich untadelig, hat er 1423 eine Provinzialsynode in Trier abgehalten, deren Hauptanliegen eine Reform der Lebensweise des höheren wie des niederen Klerus war. Wenig Erfolg hatte O. mit der Reform der Augustiner-Chorherren von Springiersbach und der ihrer Aufsicht unterstellten adeligen Frauenklöster; durch Intrigen und eine vom Adel gesteuerte langwierige Appelationspraxis an höchste kirchliche Instanzen ließ sich Rom täuschen und die Reformbemühungen gingen unter. Trotz aller Frömmigkeit und Sittsamkeit nutzte O. viele Möglichkeiten aus, seine eigene finanzielle Situation zu verbessern und eigene Machtpositionen energisch zu stärken. Hinzu kam ein ausgeprägtes Familienbewußtsein mit dem Bemühen, die eigenen Verwandten zu begünstigen. Diese Tendenzen spielten bei O.s letztlich gescheitertem Versuch der Reform des Trierer Domkapitels eine entscheidende Rolle. Als das Domkapitel den Forderungen des Erzbischofs etwa nach erhöhter Präsenz beim Chordienst nicht entsprach, vielmehr 1428 damit drohte, Trier mit allen Reliquien und dem gesamten Domschatz zu verlassen, gab O. nach. Unglücklich verlief auch seine Teilnahme an den Feldzügen nach Böhmen (Hussitenkriege). Die Ausweisung aller Juden aus dem Gebiet des Trierer Erzstifts am 30. Dezember 1419 stellt eine unrühmliche und nicht verständliche Entscheidung des ansonsten als weitgehend ausgleichend und irenisch beschriebenen Fürsten dar. Die des Schutzes beraubten Juden (in Trier waren es etwa 50 Familien) zogen nach Polen und in andere östliche Gebiete. O. wurde im Trierer Dom vor dem Grab des Erzbischofs Theoderich v. Wied beigesetzt.

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Lit.: Gesta Trevirorum ed. J.H. Wyttenbach et M. J. F. Müller, vol. II, Augustae Trevirorum 1838, cap. CCLXXIII; - Rheinischer Antiquarius II/4, 163-174; - Johann Leonardy, Geschichte des Trierischen Landes und Volkes, Trier 21877, 553-558; - Johann Christian Lager, Aus dem Leben des Trierer Erzbischofs Otto von Ziegenhain (1418-1430), in: Pastor bonus 2 (1890) 203-211, 253-265 und 348-362; - Josef Hulley, Das Grab des Trierer Kurfüsten Otto von Ziegenhain, in: Pastor bonus 11 (1989/99) 186-189; - Kurt Löhnert, Personal- und Amtsdaten der Trierer Erzbischöfe des 10.-15. Jahrhunderts, Greifswald 1908, 55-56; - Gottfried Kentenich, Geschichte der Stadt Trier, Trier 1915, passim; - Carl Stenz (Hrsg.), Die Trierer Kurfürsten, Trier 1937, 41; - Handbuch des Bistums Trier XX (1952) 39 f.; - Emil Zenz (Hrsg.), Die Taten der Trierer. Gesta Treverorum, Band 6, Trier 1962, 19-22; - Ferdinand Pauly, Aus der Geschichte des Bistums Trier, Band III: Die Bischöfe bis zum Ende des Mittelalters, Trier 1969, 122-124; - Franz-Josef Heyen, Das Stift St. Paulin von Trier (= Germania Sacra N. F. 6), Berlin-New York 1972, 600 f.; - Petrus Becker, Dokumente zur Klosterreform des Trierer Erzbischofs Otto von Ziegenhain (1418-1430). Übereinstimmung und Gegensatz von päpstlicher und bischöflicher Reform, in: Revue Bénédictine 84 (1974) 126-166; - Erich Düsterwald, Kleine Geschichte der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier, St. Augustin 1980, 99-100; - Rudolf Holbach, »Disz ist dy ansprache dy wir dun wydder unssern heren ...« Bemerkungen zur Regierungszeit des Erzbischofs Otto von Ziegenhain (1418-1430), in: Kurtrierisches Jahrbuch 23 (1983) 17-35; - Bernhard Gondorf, Verwandtschaftliche Beziehungen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier zueinander, in: Archiv für Sippenforschung 51 (1985) 206 f.; - ADB XXIV 728-729.

Martin Persch

Letzte Änderung: 09.04.2011