Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band VI. (1993) Spalten 1529-1530 Autor: Martin Luchterhandt

PARDUBITZ, Ernst von, erster Erzbischof von Prag. * vermutlich 1305/1310 in Hostin oder Glatz als Sohn des königlichen Burggrafen Ernst v. Hostinné, † 30.6. 1364 in Raudnitz/Elbe. - E. besuchte zuerst die Pfarrschule der Johanniter in Glatz, später die Schule des Benediktinerklosters in Braunau. Er studierte in Padua und Bologna Jura und beendete das Studium als Lizentiat des Kirchenrechts. Danach hielt er sich eine gewisse Zeit in Avignon auf. 1326 wurde er in Prag Domherr; bereits 1338 stieg er zum Domdekan auf. 1343 wurde er zum Bischof gewählt. Nach der vom Kaiser und böhmischen König Karl IV. betriebenen Erhebung des Prager Bm. zum Ebm. am 30.4. 1344 wurde er auch der erste Inhaber des neuen Amts. In dieser Eigenschaft legte er am 21. November 1344 den Grundstein der Kathedrale auf dem Hradschin, dem böhmischen Königssitz. E. war er dem böhmischen Herrscherhaus eng verbunden: er krönte Karl IV. und später auch drei seiner Frauen, begleitete ihn auf politischen Missionen (u.a. Romfahrt 1355) oder unternahm für ihn Gesandtschaften (u.a. Avignon 1346, 1350). Nach der Gründung der Prager Universität 1348 war er deren erster Kanzler und wesentlicher Förderer. 1349 hielt er in Prag eine Reformsynode ab, auf der erstmals Provinzialstatuten für das Ebm. verabschiedet wurden. - E. war ein spätmittelalterlicher Kirchenpolitiker, der »zu den gelehrtesten Männern seiner Generation und zu den größten Persönlichkeiten im Umkreis Karls IV. gehörte« (PolÚ). Neben der politischen Tätigkeit für Karl IV. widmete er sich hauptsächlich der Organisation des neugebildeten Prager Ebm., das u.a. durch regelmäßig abgehaltene Synoden, neue Statuten, eine nunmehr schriftliche Verwaltung mit Amtsbüchern und Stiftungsregistern oder auch Reformdedkreten für verschiedene Klöster gefestigt wurde. E. bemühte sich daneben, das Ebm. weitestmöglich der Avignoneser Besetzungspolitk zu entziehen. Durch seine Kirchenorganisation in Böhmen und Mähren legte er entscheidende Grundlagen für die enge Verbindung von kirchlicher und weltlicher Macht in diesem Territorium während der folgenden Jahrhunderte.

Werke: Cancellaria Arnesti [Formelbuch], in: Fr. Tadra, Archiv f. österr. Geschichte 61, 1880, 267 ff; J. Matousek, Cancellaria Arnesti a dve sbirky formularove stoleti patnacteho. Casopis archivni skoly 9-10, 1933, 108-127; Briefe, in: FRB Bd.1, 398-400, K.Burdach/ P. Piur (Hrsg.), Briefwechsel des Cola di Rienzo, Berlin 1922, P. Piur, Petrarcas Briefwechsel mit deutschen Zeitgenossen, Berlin 1933, 56 f.; Synodalverordnungen in: G.B. Pontanus, Statuta provinciar., 1606, Höfler, Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft d. Wissenschaft, 5. Folge 12, 1862.

Lit.: Bohuslaw A. Balbin (Hrsg.), Wilhelm von Lestkow, Vita venerabilis Arnesti, vulgo Ernesti, primi Archiepiscopi Pragensis etc., Prag 1664; - August Freschot, Pragensium ep. et archiep. vitae, 1716 ff; - M. Pelzel/J. Dobrovsky (Hrsg.), Series episcoporum Pragensium, SSRB Bd.2, 1784, 439 f; - F.A. Tingl-Emler, Libri confirmationum I, 1867/74; - Br. Dudik, Statuta prov., 1872 [Neuherausgabe er. Provinzialstatutensammmlung v. 1606]; - Wilhelm von Lestkow, Vita venerabilis Arnesti, vulgo Ernesti, primi Archiepiscopi Pragensis etc, in: J. Emler (Hrsg.), FRB Bd. 1, 1873, 385-400; - L. Borovy, Libri erectionum archidioc. Pragensis Bd. 1, 1875; - J. Novotny, Die religiösen Bewegungen in Böhmen im 14. und 15. Jh. I, 1915 (tschech.); - V. Chaloupecky, Arnost z Pardubic, prvni arcibiskup prazsky, 1946; - J.K. Vyskocil, Arnost z Pardubic a jeho doba, [E. v. Pardubitz und seine Zeit] 1947, 259-275; - V. Bartounek, Zrizeni arcibistupstvi v Praze, prvni arcibiskup, Duchovni pastyr 8, 1958, 12 f, 29 f, 50 f, 68 f; - B. Zlámal, Prirucka ceskych cirkevnich dejin. Bd. 4, Olmütz 1971, 58-76; - J. Kadlec, Prehled cirkevnich dejin ceskych, Bd.1, 1977, 113-121; - Z. Hedlikova, Kirche und König zur Zeit der Luxemburger, in: Ferdinand Seibt (Hrsg.), Bohemia Sacra, Das Christentum in Böhmen 973-1973, 1974; - Jaroslav PolcÚ, E.v.P., in: Ferdinand Seibt, Lebensbilder zur Geschichte der böhmischen Länder Bd. 3, 1978, 25-42; - KL X, 288-290; - ADB VI, 30O f; - CSB I, 663 f; - LThK IV, 770; - Zibrt II, 1049-1058.

Martin Luchterhandt

Textanmerkungen:

Im Text steht, dass P. in der Kirche des von ihm in Glatz gegründeten Augustinerklosters begraben worden sei, ist nicht richtig, vielmehr wurde er seinem Testament entsprechend in der Glatzer Pfarrkirche der Johanniter begraben. In dieser Kirche hatte er als Knabe seine Marienvision gehabt.

Literaturergänzung:

Franz Albert: Das Testament des Erzbischofs Ernst von Pardubitz (1352), in: Glatzer Heimatblätter 1928, 81-86; - anonym: Urkunde üher die Eröffnung des Grabes des sel. Arnestus in der Pfarrkirche zu Glatz. In: Vierteljahrsschrift für Geschichte und Heimatkunde der Grafschaft Glatz, I. Jg. 1881/82, 260-262.

Letzte Änderung: 14.11.2004