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Band VII. (1994) Spalten 66-89 Autor: Karl-Heinz Uthemann

PAULUS von Samosata, um 260/1 bis 268, faktisch bis 272 Bischof von Antiochien. - Die historische Forschung hat in den letzten zwei Dezennien gezeigt, daß die Quellenbasis recht brüchig und schmal ist, auf der unsere Kenntnisse über Leben und Werk dieses Mannes beruhen, und zwar umgekehrt proportional zur kirchen- und dogmengeschichtlichen Bedeutung, die ihm seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zugeschrieben wird und die ihm faktisch in der dogmatischen Auseinandersetzung des 4., aber auch der folgenden zwei, ja drei Jahrhunderte zukam. Um 260 wird Paulus, der vermutlich in Samosata, einer in der Antike nicht unbedeutenden Stadt am oberen Lauf des Euphrats, geboren war, zum Bischof von Antiochien gewählt. Er wird Nachfolger jenes Demetrianus, der, wie eine Legende berichtet, vom Sassanidenherrscher Sapor I. (241-272) nach der Einnahme von Antiochien (260) ins persische Reich verschleppt wurde. Es ist jene Zeit, in der die römische Oberhoheit an der Euphratgrenze bis ins Zentrum der aus diesen Wirren hervorgehenden Diözese Oriens nicht mehr gesichert war, ja über einige Jahre nicht mehr bestand. Ein Kaiser, Valerian (253-260), starb in persischer Gefangenschaft; der Herrscher von Palmyra verstand es, offiziell als Verbündeter Roms, seit 260 seinen eigenen Machtbereich zu erweitern und, nachdem er um 267/268 einem Anschlag zum Opfer gefallen war, gelang es seiner Gemahlin Zenobia nicht nur das Erreichte zu sichern, sondern sogar im Angriff auf das Römische Reich bis Asien, ja, bis zum Bosporus, und Ägypten zu expandieren. Das Jahr 270 markiert den Höhepunkt des palmyrenischen Reichs. Kaiser Aurelian (270-275) stellt 271 auf 272 die römische Oberherrschaft in diesem Gebiet wieder her und führt Zenobia mit ihrem Sohn im Triumphzug durch Rom. Paulus von Samosata steht als Bischof von Antiochien, der bedeutendesten Stadt im Expansionsbereich von Palmyra, zwischen den Fronten; wie und wann auf welcher Seite läßt sich aus den Quellen nicht eindeutig sichern, auch wenn im Standardwerk über die Geschichte von Antiochien (G. Downey) und in Handbüchern der Kirchengeschichte von einem national begründeten Bündnis zwischen Paulus und dem Reich von Palmyra gesprochen wird, das nicht nur gegen Rom, sondern auch gegen den für die Städte Syriens prägenden Einfluß der hellenistischen Kultur gerichtet gewesen sei. Dabei ging man davon aus, daß Palmyra schon 260 seinen Einfluß in Antiochien geltend machen konnte; doch wahrscheinlich gelang dies erst später, sicher schon vor der militärischen Einnahme der Stadt durch die Truppen Zenobias Ende des Jahres 270. De facto wissen wir über die Umstände, unter denen Paulus Bischof wurde, und über seine politische und kulturelle Einstellung auf Grund der wenigen, historisch glaubwürdigen Quellen nichts. Daß er den Titel ducenarius geführt hat, steht fest (Eusebius, Historia ecclesiastica, VII,30,8). Damit bezeichnete man ursprünglich einen Steuereinnehmer, dessen jährliches Einkommen auf 200.000 Sesterzen kam; doch schon zu Beginn des 3. Jahrhunderts wird daraus ein reiner Ehrentitel, mit dem keinerlei Amt verbunden ist. Ob Paulus nur dem Titel oder auch der Funktion nach (procuratorius) ducenarius, ob er dies im Auftrage Roms oder Palmyras gewesen ist, wissen wir nicht. Nur eines könnte hierdurch, aber auch durch andere Aussagen feststehen: Paulus war ein Bischof, der im politisch-bürgerlichen Bereich einen Einfluß besaß, den andere Bischöfe seiner Zeit nicht im selben Maße hatten, auch wenn, wie vor allem die Politik des Kaisers Galienus (260-268), doch auch die hier zu berichtende »Affäre des Paulus von Samosata« mit dem Appell der Gemeinde von Antiochien an Kaiser Aurelian im Jahre 272 zeigt, christliche Gemeinden auf dem Weg zu einer »staatlich inkorporierten Existenz« waren und damit ihren Leitern eine neue Stellung in der Polis oder civitas zuwuchs. Doch, ob man sich tatsächlich auch auf den Titel ducenarius berufen darf, um die zivile Stellung des Samosateners zu kennzeichnen, scheint nicht eindeutig, wenn auch auf Grund des Kontextes der Aussage wahrscheinlich zu sein. Denn es könnte sich auch um eine Kennzeichnung des Bischofsamts selbst und damit um eine Aussage über das Verständnis desselben als eines durch seinen Träger prokuratorisch besorgten Amtes handeln. Gegen Paulus wurde schon bald der Vorwurf erhoben, er denke rationalistisch (»niedrig und ordinär«) über Christus, als ob dieser »seiner Natur nach ein gewöhnlicher Mensch« gewesen sei (Eusebius, Historia ecclesiastica, VII,27,2), was um 264 zur Einberufung einer ersten gegen ihn gerichteten Synode führte. Wer sie einberufen hat, wird nicht berichtet; doch entsteht der Eindruck, daß sie von außen, wahrscheinlich von Helenus von Tarsus und Firmilianus, dem Bischof des kappadokischen Caesaraea, angeregt wurde. Dionysius von Alexandrien mußte sein Kommen wegen seines Alters und seiner Gesundheit absagen, schrieb aber einen Brief an die Synode, der offensichtlich schon bald verlorenging, aber Fälscher, vermutlich des 4. Jahrhunderts, zum Schreiben eines solchen anregte (vgl. unten), um durch den Angriff auf Paulus die alt-nikänische Theologie zu diffamieren. Neben den schon genannten Bischöfen erschienen aus dem Osten Gregor Thaumaturgus und sein Bruder Athenodor, beide Bischöfe im Pontus, und Nikomas aus Ikonium; die übrigen genannten Synodalen stammen aus Palästina, nämlich Jerusalem und Caesaraea, und vom arabischen Limes (Bostra), Gebiete, die sicher schon im 3. Jahrhundert in ihrer kirchlichen Organisation Antiochien zugeordnet sind. In der Sicht des Eusebius waren diese ebenso wie der genannte Dionysius gewiß alles Vertreter seiner eigenen theologischen Richtung, einer an Origenes orientierten Theologie. Doch für die moderne Forschung geht diese Formel nicht auf. Zumindest in der Zeitspanne, um die es bei der Auseinandersetzung mit dem Samosatener geht, gilt nicht, was Eusebius zeigen möchte, daß im Osten seine, d.h. die origenistische Logostheologie, allgemein akzeptiert ist. Analog zum Verfahren, wie man in Senatssitzungen vorging, versuchte man gegen Paulus fündig zu werden; doch gaben dieser und sein Anhang sich keine Blöße (VII,28,2). Und die Synode schloß offensichtlich, ohne Maßnahmen gegen Paulus zu treffen, nachdem dieser, wie in einem späteren Schreiben behauptet wird, gewisse Zusagen gemacht hatte (VII,30,4; 706,20). Im Winter 268 findet eine zweite, wenn nicht dritte Synode statt, die zur Absetzung des Samosateners führt (VII,29,1). Sieht man von dem inzwischen verstorbenen Firmilianus ab, so hat sich am leitenden Gremium nichts geändert. Eusebius kannte noch Aufzeichnungen dieses Konzils und zitiert aus dem teils geschwätzigen Schreiben der Synodalen an Dionysius von Rom und Maximus von Alexandrien, dem Nachfolger des 268 verstorbenen Dionysius, ziemlich ausführlich, ohne aber etwas festzuhalten, was ein Beitrag zum Verständnis der Theologie und Christologie des Samosateners sein könnte (VII,30,1-17), sieht man von den Hinweisen ab, Paulus sei ein Anhänger des Artemas (30,16), also ein Ebionit, und er habe nicht dem Bekenntnis der Synodalen zustimmen wollen, »Gottes Sohn ist aus dem Himmel herabgekommen«, wobei zugleich auf beigefügte Akten verwiesen wird, insbesondere auf eine Stelle, an der Paulus sage: »Jesus Christus ist von unten« (30,11). Wohl aber zitiert Eusebius ausführlich Aussagen, die Paulus moralisch und charakterlich in ein ungünstiges Licht rücken; es entsteht das Bild eines eitlen, geldgierigen, weltlich gesinnten Mannes, eines Parvenus, der »einst arm« war und auf ein Erbe nicht hoffen konnte, »jetzt aber in maßlosem Reichtum« lebt, der sich diesen durch Erpressung und Betrug erworben hat, der sich mit einer Leibwache und zahlreichen Klienten umgibt, der sich Statussymbole hoher Staatsbeamter wie einen »hohen Thron« anmaßt, dessen Predigt mit dem Auftreten von Sophisten und Gauklern, wie sie auf Märkten begegnen, verglichen wird, der »die Religion für eine Einnahmequelle hielt.« Manches, was hier berichtet wird, ist kirchengeschichtlich hoch interessant, z.B., daß Paulus mit seinem Verhalten nicht die »dem Hause Gottes« angemessene Würde wahre, daß er »Psalmen auf den Herrn Jesus Christus«, also Hymnen, die in Konkurrenz zu den Gnostikern auch in den Kirchen Eingang gefunden hatten, als eine Neuerung verboten habe, d.h. wohl, daß er für die Liturgie nurmehr die biblischen Psalmen und Cantica akzeptierte. Zugleich wirft man ihm vor, er habe zu Ostern »mitten in der Großen Kirche« Frauen Lieder auf ihn selbst singen lassen. Wer diese Frauen singen gehört habe, den habe es nur so geschaudert. Und zum Thema Frauen weiß man auch noch zu berichten, daß Paulus mit nichtverheirateten jungen Frauen, »die die Antiochener Syneisakten nennen«, zusammenlebe. Was zu einem Terminus der Autoren des 4. Jahrhunderts und der Kirchengeschichtsschreibung wurde, das Syneisaktentum, geht, wie man hier wohl interpretieren darf, auf die Umgangssprache der antiochenischen Gemeinde, wenn nicht gar auf einen Spitznamen zurück; und obwohl man Paulus nichts Konkretes vorwerfen kann, es sei denn, daß er »zwei junge, voll aufgeblühte und hübsche Frauen in seinem Haushalt hat und diese, wenn er verreist, mit sich nimmt«, wird diese Lebensgemeinschaft Zölibatärer für die kirchliche Praxis scharf abgelehnt. Auch nach der Synode hält in Antiochien eine Gruppe an Paulus als Bischof fest, und es bildet sich die Gemeinde der Paulianisten, deren Taufe und Weihe, wie der Kanon 19 des ersten ökumenischen Konzils von Nikaia (325) zeigt, allgemein nicht anerkannt wurde. Sie scheint sich Anfang des 4. Jahrhunderts schon in Auflösung zu befinden. Paulus selbst hat das Urteil der Synode ignoriert. Er verblieb in seiner Position und übergab das Kirchengebäude vermutlich mit allem, was dazu gehörte, nicht dem durch die Synode bestimmten Nachfolger, Domnus, einem Sohn von Pauls Vorgänger. In der Chronik des Abû-l-Faraå, auch Barhebraeus genannt (um 1225-30.7. 1286), wird berichtet, daß Paulus erst nach der Synodalentscheidung von 268 von Zenobia unterstützt wurde; diese Notiz könnte auf eine direkte Überlieferung zurückgehen und würde gut erklären, warum der Samosatener Haus und Kirche nicht räumte. Domnus wandte sich in dieser Frage an Aurelian, als dieser 272 nach seinem Sieg über Zenobia in Antiochien weilte. Der Kaiser entschied nicht, wie die Aussage des Eusebius (VII,30,19) meist interpretiert wird, daß Paulus den strittigen Besitz an jene Gemeinde Antiochiens ausliefern müsse, die mit den Bischöfen Italiens und der Stadt Rom in kirchlicher Gemeinschaft lebte und darum miteinander in jenem Briefverkehr stand, der für die frühe Kirche Ausdruck der Gemeinschaft (koinonia) war. Vielmehr entschied Aurelian, »jenen das Haus zu überlassen, denen« die genannten Bischöfe »ihren Beschluß schriftlich mitteilen würden.« Der Kaiser verwies die Sache also, wie es später auch Konstantin in der Frage der Rechtmäßigkeit der Ordination Caecilians von Karthago tun sollte, an eine Synode und damit an eine kirchliche Instanz, die sich römischer Verfahrensweise einpassen ließ, nämlich analog zum normalen Kognitionsverfahren in der Rechtsprechung der Kaiser. Ob diese Synode stattgefunden hat, läßt sich auf Grund unserer Quellen nicht beantworten. Auf jeden Fall wurde Paulus nach den Worten des Eusebius »durch die weltliche Gewalt aus der Kirche vertrieben« (30,19). - Wie Eusebius betont, beherrschte Paulus die Kunst, seine Gedanken zu verbergen und zu täuschen (VII,29,2). Diese Aussage sollte der Zunft der Theologen im Gedächtnis bleiben, um ihn und auch sein Denken zu charakterisieren. Zu diesem Bild des Paulus reichte selbstverständlich die Aussage des Eusebs an dieser Stelle nicht; es mußte mehr hinzukommen, insbesondere die Jahre später im Streit um die Auslegung des nikänischen Homoousios von Eusebius initiierte Interpretation der Theologie des Samosateners, die ihn als einen Vorläufer Markells von Ankyra abstempelte. Auf die griffige Kurzformel gebracht, die Eusebius kurz vor 337 und damit ein Vierteljahrhundert nach seiner Kirchengeschichte mit seiner Schrift De ecclesiastica theologia seinen Mitstreitern anbot, hieß dies, daß beide, Paulus und Markell, den Sohn als »bloßen Menschen (psilos anthropos), der aus Leib und Seele besteht« und Gott als »eine einzige Hypostase (mia hypostasis) mit drei Erscheinungsweisen (prosopa)« auffassen, so daß »Gott (Vater) und der in ihm seiende Logos und der heilige Geist ein und derselbe (Gott) sind« (I,20,43; III,8,4). Die kolportierten Aussagen des Paulus zu dem, was man in der alten Kirche theologia nannte, mußten vom Standpunkt eines Logostheologen, der die Gottheit Christi, wie immer er sie auch dachte, als Wirklichkeit (Seiendes, Existentes) auffaßte, wie eine bewußte Täuschung wirken, wenn er sah, daß sie zugleich mit adoptianischen Aussagen vertreten wurde. M.a.W. sobald man des Samosateners Theologie und Christologie, d.h. die über seinen strengen Monotheismus und seinen puren Adoptianismus zusammengetragenen Sätze, welche Aussagen über einen präexistenten Logos und Gottes ewige Weisheit enthalten und so einen konstitutiven Zusammenhang zwischen Theologie und Christologie herstellen, als eine Vorwegnahme der Lehre Markells und dann vor allem der des Photinus interpretierte, konnte man auch sein Denken als Täuschungsmanöver kennzeichnen, da er für beide Aussagen die dem Logostheologen jeweils selbstverständliche Konsequenz nicht zog. Für den Logostheologen konnte man wohl wie der jüdische Theologe angesichts prophetischer Inspiration zugleich strenger Monotheist und Adoptianist sein; interpretierte man Jesus Christus als Propheten, wie es im Judenchristentum geschah, dann lag, ging man vom Standpunkt des Logostheologen aus, der Fehler nicht in einer Inkonsequenz, sondern im Unglauben, der die Radikalität des göttlichen Handelns nicht sehen wollte. Doch sobald man diese akzeptierte und in den Theophanien des Alten Testaments und in Jesus Christus das Wirken von Gottes Logos selbst sah, dann bedurfte sowohl der Monotheismus und als auch das Modell einer adoptianistisch gedachten Gottessohnschaft einer neuen Definition. Diese mußte gewährleisten, daß der Logos sowohl in Gott als auch in Jesus Christus wirklich als etwas Eigenes existiert, nicht nur Moment eines anderen oder Metapher ist. Dann aber reichte es einem Logostheologen nicht, beide Auffassungen, den puren Monotheismus und den puren Adoptianismus, durch eine Transformation zu einem dynamischen Monarchianismus zu wahren, d.h. dadurch zu wahren, daß man die Transzendenz so betonte, daß das Wirken des Logos in den Theophanien und in Christus »das Wesen Gottes«, die monarchia, die eine hypostasis, nicht tangiert. Hielt man in der an Origenes orientierten Theologie an der eigenen Existenz des Logos, also an einer irgendwie zu denkenden realen Differenzierung oder Stufung im Transzendenten fest, dann hatte dieses Konsequenzen für die Christologie, ohne daß eine solche schon entfaltet werden mußte. Zumindest schien jeder Adoptianismus, jedes Modell eines enthousiasmos, ausgeschlossen; der Logos konnte dann als wirklich vom Vater unterschiedener »herabsteigen«. Christus mußte dann für diesen anti-monarchianischen Logostheologen vom ersten Moment seiner irdischen Existenz an Gott sein, Gottes Logos, der Fleisch geworden ist, und nicht ein Mensch, der von Gottes Geist ergriffen und so von Gott als Sohn angenommen wurde. Denn beides zugleich, eine echte Logostheologie und ein purer Adoptianismus, schien nicht kohärent. Gewissermaßen plausibler wurde der Zusammenhang für den Logostheologen, wenn er die Blickrichtung umdrehte, und so hat er sein Kohärenzargument auch meistens dargestellt. Denn sah man in Christus und dann auch in den Theophanien das Wirken von Gottes Logos, dann genügte dem nicht die Behauptung eines puren Monotheismus. Wenn es wirklich der Logos war, der die Theophanien wirkte, dann hatte dies eine Konsequenz für »das Wesen Gottes«; ohne die ihm vertraute negative Theologie anzutasten, mußte in Gott selbst etwas wirklich Unterscheidendes zwischen Vater und Sohn/Logos bestehen. Auch in dieser Blickrichtung sah man eine plausible Kohärenz, ohne schon die spätere christologische Reflexion zu eröffnen, ja, eröffnen zu müssen, wie vor allem die Tatsache lehrt, daß man das Problem auch an den Theophanien erläutern konnte. Für wen die genannten Kohärenzen nicht bestanden, den konnte der Logostheologe in einer Diskussion nicht greifen; er blieb ihm jemand, der ihm stets wieder etwas verbarg. Wer Eusebs Kirchengeschichte auf dem Standpunkt jener häresiologischen Konstruktion des 4. Jahrhunderts las, die Paulus zum Vorläufer von Markell und insbesondere von Photinus machte, der konnte mit der Aussage, daß der Samosatener seine Gedanken zu verbergen wußte (Historia ecclesiastica, VII,29,2), mehr verbinden, als es Eusebius beim Schreiben dieser Zeilen im Sinn hatte. Denn in seiner Kirchengeschichte kennzeichnet er Paulus noch, wenn auch ohne jeden Beleg, schlichtweg als einen häretischen Judenchristen, einen Ebioniten, d.h., um mit einem Wort von ihm (VII,27,2) zu sprechen, als einen »ordinären« Adoptianisten. Die Auseinandersetzung mit Markell liegt noch in weiter Ferne. Auch der Hinweis auf Malchion, jenen antiochenischen Presbyter, der Vorstand einer Ausbildungsstätte für Rhetorik gewesen ist, hilft nicht weiter. Diesem gelang es zwar nach Eusebius Beweise in jenen Angelegenheiten zu sichern, in denen Paulus zwar Rechenschaft ablegen sollte, aber alles zu kaschieren versucht hatte. Doch wir erfahren nichts Inhaltliches. Hieronymus kannte noch einen langen Brief des Malchion, der hierauf Bezug nahm. Doch ob dieser auch tatsächlich aus der Feder des Malchion stammt, ist angesichts der Tatsache, daß alles, was an Zitaten mit dem Erfolg Malchions auf der Synode von 268 etwas zu tun hat, insbesondere die überlieferten Fragmente von angeblichen Akten der Synode, nichts anderes als Fälschungen des 4. Jahrhunderts sind, die wahrscheinlich von Apollinaristen besorgt wurden, höchst fragwürdig. Mit der Frage nach den Akten der Synode von 268 verbindet sich auch jene um die von den Homoiousianern Basilius von Ankyra und Georg von Laodicea 358 am Hof des Kaisers Konstantius in Sirmium lanzierte Nachricht, die antiochenische Synode des Jahres 268 habe die Formel vom homoousios »zurückgewiesen« (repudiauerint), nachdem sie von Paulus vorgetragen worden sei, um mit ihr auszusagen, daß »Vater und Sohn für sich transzendent (monos) und einzig« seien (solitarium atque unicum sibi esse). So heißt es zumindest bei Hilarius von Poitiers (De synodis, 81, PL 10, 534 A), der wichtigsten und besten Quelle zu dem nicht mehr überlieferten Original, der sog. epistula Sirmiensis, die somit dem Samosatener eine monarchianische Theologie unterstellt und ihn so in die Nähe von Markell und Photinus rückt. Diese Sichtweise zeigt sich schon seit der Kirchweihsynode in Antiochien (341) in der sog. dritten Formel und dürfte als Wirkungsgeschichte der von Eusebius von Caesaraea ( 337) in seinem Spätwerk De ecclesiastica theologia vorgetragenen oben schon genannten häresiologischen Konstruktion zu interpretieren sein, die Paulus zum Vorläufer Markells macht. Dreißig Jahre hatte in der Diskussion zwischen den Anhängern von Nikaia (Athanasius von Alexandrien und Markell von Ankyra, um die exponiertesten zu nennen) und den arianischen und arianisierenden Theologen das homoousios, wie neuere Forschungen gezeigt haben, keine wesentliche Rolle gespielt. Mitte des 4. Jahrhunderts wird es, nachdem im Westen eine Neubesinnung auf den Inhalt des nikänischen Bekenntnisses eingesetzt hatte, zum Streitthema, wird aber von den Nikänern, wie besonders eindrucksvoll auch des Athanasius Standpunkt auf der Synode von Alexandrien im Jahre 362 gegenüber einer inner-nikänischen Entwicklung in Richtung der späteren kappadokischen Trinitätstheologie zeigt, im Sinn der Identität von Usie und Hypostasis interpretiert. Sie vertraten zur Erläuterung des homoousios durchaus die Formel, »Gott Vater, Sohn und Geist« sei mia hypostasis, die den Theologen aus der origenistischen Tradition des Eusebius und erst recht den Arianern nur als Ausdruck eines monarchianischen Modalismus, als die Lehre des Sabellius, erscheinen konnte. In dieser Situation mußte allen Gegnern einer solchen Interpretation von Nikaia gedient sein, wenn Paulus von Samosata, der Vorläufer Markells und der Alt-Nikäner, dieses homoousios genau im Sinn einer monarchianischen Theologie schon gebraucht und die Synode von 268 eine solche Theologie schon zurückgewiesen hatte. Die Entdeckung eines solchen Dokuments auf der Synode von Ankyra zu Ostern 358 und der Bericht darüber an Kaiser Konstantius, die sog. epistula Sirmiensis, passen genau in diese Situation, in der, wie L. Abramowski gezeigt hat, auch die Dokumentation zum sog. »Streit der Dionyse« gehört, der in die Zeit kurz vor der Synode von 268 zu situieren wäre. Die zu diesem Streit des römischen und alexandrinischen Bischofs zitierten Urkunden setzen die Schriften des Eusebius von Caesaraea gegen Markell von Ankyra (CPG 3477; 3478) voraus. In welchem Lager sind nun die Fälscher zu suchen? Kaum in jenem der Apollinaristen, die ansonsten genügend solcher Machwerke vorgelegt haben. Eines dieser gehört zur Wirkungsgeschichte der Synode von 268. Es handelt sich um einen Brief, den Dionysius von Alexandrien an Paul von Samosata geschrieben haben soll und an den sich eine Sammlung von zehn Thesen anschließt, die einem Schreiben des Paulus an Dionysius entnommen seien und die in diesem Dossier von Dionysius ausführlich beantwortet werden. Auch hier spielt das Motiv, daß Paulus seine wahren Gedanken verborgen gehalten habe, eine Rolle. Paulus wird hier als derjenige angegriffen, der »zwei Hypostasen und zwei Prosopa des einen und einzigen Christus und zwei Christusse und zwei Söhne« lehre, nämlich »einen (Sohn), der seiner Natur nach präexistenter Sohn Gottes ist und einen (Sohn), der (nicht wirklich, sondern nur) dem Namen nach Christus ist und Sohn Davids, der nicht präexistent ist, sondern in Zeit existierte und, da er Gott wohlgefiel, den Namen des Sohnes empfangen hat, so wie z.B. eine Stadt nach ihrem Herrscher und ein Haus nach seinem Erbauer (benannt wird)« (204,1-7). Dieser Text eröffnet im Vaticanus gr. 1431 ein Dossier, das seinem ursprünglichen Bestand nach gegen den Nestorianismus gerichtet war, d.h. gegen eine Christologie, die Unterschied und Koexistenz der »zwei Naturen« (Gott und Mensch) in Christus betonte. Da sich diese zumindest vom Standpunkt eines Theologen, der die von oben gewirkte seinshafte Einheit in Christus betonte, nicht wesentlich von jener Christologie unterschied, die Papst Leo I. in seinem berühmten Tomus (CPG 8922) - ganz im Sinn westlicher Tradition - vertreten und die das Konzil von Chalkedon (451) akzeptiert hatte (CPG 9001), wundert es nicht, daß dieses Dossier zu einer auch gegen die Christologie von Chalkedon gerichteten Sammlung von Urkunden erweitert wurde. In der zweiten Handschrift, die den angeblich von Dionysius geschriebenen Brief überliefert (Coislinianus 299), eröffnet er ein monophysitisches, also sowohl gegen Nestorius, als auch gegen die chalkedonische Reichskirche argumentierendes Dossier. Die apollinaristischen Fälschungen gehören zu jenem Fundus an Schriften, aus denen die Monophysiten die Berechtigung ihrer Interpretation der Christologie Kyrills von Alexandrien als »Tradition der Väter« ableiteten. Im Unterschied zu den zuvor genannten Fälschungen geht es hier um die Christologie, und manche Parallele z.B. mit dem im Jahre 428 veröffentlichten, gegen Nestorius gerichteten Protest des Eusebius von Dorylaeum (CPG 5940) könnte für eine spätere Datierung sprechen. Doch typisch monophysitische Aussagen fehlen in den Ausführungen des Dionysius, und betont wird, daß die Einheit Christi eine solche ist, daß Christus »dem Menschen als Mensch und Gott als Gott« verbunden ist und daß in ihm Mensch und Gott »auch etwas wirken können, das eines (hen) ist« (208,8-209,1). Wenn man die Einheit Christi nicht als jene »eines Proposon« definieren kann, dann darum, weil dies schon der Logos sei, »ein Prosopon ewig und eine Hypostase eines Prosopon«, und zwar als »enhypostatischer Logos des Vaters« (209,1-14) auf der Basis des homoousios (214,2). Was innertrinitarisch gelte, gilt nicht - und dies ist ein Hauptgedanke des Briefes und des Dossiers von Thesen und Antworten - für die ontologische Konstitution des Menschen; bei Menschen sei ganz allgemein der Logos, also sein Verstand und sein Sprachvermögen, nur »ein nicht-hypostatischer Teil des einen Menschen«, nicht identisch mit dem konkret existierenden Menschen noch »Sohn eines Menschen« (209,5-9; 221,13-222,12 ). Dies unterscheidet präzis das Verhältnis von Logos und Gott(vater) in Gott und Logos und Mensch im Menschen. Es handelt sich hier also um einen Angriff auf das theologische Paradigma des Markell. Für den Schreiber ist Christus »von Natur aus Gott« (210,9), der auch durch die »Fleischwerdung« seine Einfachheit nicht verliert, »der nicht geteilt wird in Fleisch und Logos«, so wie es das Paradigma impliziere, daß »der Logos in einem Menschen wohnt« (211,9-212,4). Denn es gehe dabei um eine wahre Geburt des (in Gott) enhypostatischen Logos durch die Jungfrau als ein individuelles, also konkretes Geschehen (212,4-10). Abgelehnt wird jede Logos-anthropos-Christologie, verteidigt wird eine Logos-sarx-Christologie, die eine seinshafte Einheit betont und für die das, was Christus wirkt, eines (hen) ist. Damit läßt diese Christologie nicht die in der dyophysitischen Sicht des Neuen Testaments herausgearbeitete Unterscheidung einerseits von Wundern und anderseits von menschlich-natürlichen Taten zu. Zugleich aber erlaubt sie auch nicht das Dreier-Schema eines Kyrill von Alexandrien zu gebrauchen (Wunder, rein menschliches Tun und »gemischte«, gott-menschliche Handlungen wie z.B. das Wandeln auf dem See). Auch der in den christologischen Aussagen angezielte Gegner könnte bis hierher sehr wohl Markell sein und der Schreiber ein Apollinarist. Zu letzterem würde gut passen, daß er in Christus ein nicht mit dem Logos identisches Geistprinzip (alogon pneuma) ablehnt (213,6). Wenn er im Kontext auch verneint, daß das Menschliche in Christus als »unbeseelte Materie« (apsychos hyle) begriffen werden könne, dann muß dies kein Plädoyer für eine menschliche Seele Christi sein. Vielmehr könnte es sich um eine zugespitzte Formulierung für das vitalistisch-dynamische Verständnis der Einheit von Logos und Sarx im apollinaristischen Christusbild handeln. Die gegen Markells Theologie gerichtete Analyse des anthropologischen Paradigmas zeigt deutlich, warum dieses für Apollinaristen ein Modell für die Christologie oder Inkarnation, d.h. für die Frage der in Christus verwirklichten Einheit von Gott und Menschlichem (sarx), werden konnte. Beim angehängten Dossier von Thesen und Antworten sollte man wegen der 5. These, die zumindest auch gegen Eunomius gerichtet ist, und wegen des Stilbruchs in der Anrede der 10. These damit rechnen, daß dieses Dossier nicht aus einem Guß geschrieben ist. - Gewissermaßen als Anhang zu beiden Stücken, dem Brief des Dionysius und dem Dossier, findet man in den genannten Handschriften einen Brief, den eine Gruppe von Bischöfen an Paulus geschrieben haben. Es handelt sich um jene Synodalen aus Palästina und Arabien, die 264 und 268 in Antiochien dabei gewesen sind, an der Spitze Hymenaeus von Jerusalem, nach dem dieser Brief allgemein benannt wird. Er wird in einer Weise als eine Kopie ausgewiesen, daß man davon ausgehen sollte, er sei den Akten einer dieser Synoden entnommen worden. In der Forschung besteht bezüglich der Authentizität dieses Briefes keine Übereinkunft. Manche möchten ihn als ein echtes Dokument retten. Die eigentlich christologische Problematik spielt in ihm noch keine Rolle. Es geht zunächst um das Verhältnis des »einen ungewordenen Gottes«, der menschlichem Denken unzugänglich ist (324,12.15), zum Sohn, der »als Logos und Gott zugleich« wahrhaft Gott ist und als solcher in der Schöpfung und in den Theophanien wirkt (325,19-327,12), mag das Alte Testament, wie betont wird, auch nicht vom Sohn als Subjekt der Theophanien sprechen, sondern vom Engel Gottes, vom Herrn und einfach von Gott (326,20-21). Wenn der Mensch eine »Anschauung« (ennoia) des ungewordenen Gottes (theos agennetos) besitzt, dann einzig auf Grund der Offenbarung des Sohnes (324,15-17). Mit dieser These wird deutlich eine Antwort auf die Theologie eines Aetius von Antiochien (+ 366) und seines Schülers Eunomius von Cyzicus ( 394) gegeben, eine Antwort, die auf der Basis eines theologischen Problembewußtseins formuliert ist, das mit jenem des Eusebius von Caesaraea übereinstimmt, wie es schon in seiner Historia ecclesiastica Ausdruck findet (I,2,1-4,15). Zum zweiten geht es um die Menschwerdung des Sohnes Gottes, der als Mittler zwischen Gott und Mensch (327,18-328,22), wie emphatisch gesagt wird, Mensch und nicht nur »Fleisch« (sarx) geworden ist (327,12; 328,22-329,1). Damit ist trotz der nun folgenden Interpretation von Col. 2,9 im Sinn einer unwandelbaren, vergöttlichenden Einheit von menschlichem Körper Christi und Gottheit (329,1-3) jeder Apollinarismus ausgeschlossen. Drittens geht es dem Brief um die Identität »des Christus vor der Inkarnation« mit dem im Alten und Neuen Testament wirkenden Christus (329,11-330,2). Überblickt man diese Aussagen, dann gehören sie in die Diskussion des 4. Jahrhunderts; und die auffälligen Parallelen, die nach H. de Riedmatten mit der sog. Ersten Formel der Synode von Sirmium (351) bestehen, die über den Samosatener Photinus treffen wollte (CPG 2128.12), sind wohl kein Zufall, aber auch kein Widerhall, wie H. Riedmatten meint, der Akten von 268 und insbesondere des sog. Hymenaeusbriefes. Über den historischen Paulus und seine Theologie erfahren wir aus diesen Dokumenten nichts, wohl aber viel über häresiologische Konstruktionen sog. Semiarianer, die der Sicherung ihrer eigenen theologischen Anschauungen gelten. Damit entfällt für den Hymenaeusbrief selbst das Jahr 351 als gesicherter terminus ante quem. Auf dem bisher vorgestellten Hintergrund wird verständlich, warum Epiphanius von Salamis glauben konnte, in seinem Panarion oder »Medikamentenkoffer« gegen alle Häresien (CPG 3745) die Ketzerei des Samosateners trotz ihm fehlender direkter Quellen darstellen und widerlegen zu können, indem er eine Schrift des Apollinarius gegen Photinus (CPG 2243) »ausplünderte«. - In den Beginn des arianischen Streits gehört auch die Aussage des alexandrinischen Bischofs Alexander ( 328), die Irrlehre des Arius leite sich über Lukian von Antiochien vom Samosatener und damit von den Ebioniten ab (CPG 2002). Diese Genealogie sollte auch Athanasius betonen. Arius und die Schüler Lukians, die Syllukianisten, stehen, so gesehen, in einer theologischen Tradition, die für Antiochien kennzeichnend sein soll. Wenn Alexander in seiner Enzyklika (CPG 2000) aus Arius zitiert, dann darum, weil er in diesen Sätzen die Unterscheidung zwischen Logos und Sohn findet, die er ablehnt. Der Sohn sei »weder seiner Natur nach des Vaters wahres Wort (logos), noch dessen wahre Weisheit (sophia)«, sondern Geschöpf. Mit dieser Aussage ließ sich, wenn man vom innergöttlichen Subordinatianismus bei Arius absah, eine Linie zum Samosatener ziehen, sofern man in ihm einen Ebioniten sah: Christus ist im eigentlichen Sinn nicht Gottes Logos, sondern nur der Gnade nach (logos kata charin). So tragen spätere Quellen eine Formel der Anhänger des Samosateners vor, die behauptet, »ein anderer« (allos) sei der Logos, »ein anderer« (allos) der Sohn. Dies aber zeige, daß sie »Logos und Sohn trennen«. Für diese Häresiologen standen Markell, Photinus und Arius in ihrer Christologie nicht weit auseinander. Und insofern Apollinarius mit seiner Betonung der seinshaft-dynamischen Einheit Christi eine Reaktion auf den Arianismus als einer »Trennnungschristologie« war, konnte er sich in dieser Hinsicht auch dieser Ableitung einer Scheidung (dihairesis) in zwei Naturen (dyo physeis) anschließen (CPG 3669: 256,19-257,10). Als im Winter 428/429 der theologische Angriff auf Nestorius begann, veröffentlichte Eusebius von Dorylaeum einen gegen diesen gerichteten »Protest« (contestatio, griechisch: diamartyria), in dem Aussagen des Samosateners und des Nestorius einander gegenübergestellt wurden. Es ging um einen Protest gegen das Trennen von göttlichem und menschlichem Sein in Christus. Diese Contestatio wird in den folgenden drei Jahrhunderten immer wieder zitiert, wenn es in Byzanz um den Vorwurf eines Nestorianismus geht. Sie vertritt dieselbe Linie, die Kyrill von Alexandrien in seiner Anklage gegen Nestorius in Rom (430) vertreten ließ (CPG 5310; 5311) und die zur gleichen Zeit Johannes Cassianus (um 360-435) in einer gegen Nestorius gerichteten Schrift, die der spätere Papst Leo I. angeregt hatte, betonte. Daß es sich bei der Contestatio um eine häresiologische Konstruktion handelte, hat ein Zeitgenosse, der Kirchenhistoriker Sokrates, deutlich erkannt. Er habe die Schriften des Nestorius gelesen und gefunden, daß dieser »nicht dieselben Ansichten wie Paul von Samosata und Photinus« vertreten habe (VII,32). Erst im 6. Jahrhundert wird man in dieser Frage wieder ein kritisches Wort lesen; es stammt aus der Feder eines Monophysiten. Severus, von 512 bis 518 Patriarch von Antiochien, betont die Unterschiede (Contra Grammaticum, III,2,28) und relativiert so die im Streit um die Quellen nestorianischer Christologie und dann um Quellen und Rezeption des Konzils von Chalkedon (451) ausgeuferte Formel vom Samosatenus redivivus. Denn inzwischen waren Diodor von Tarsus und (nicht nur vom monophysitischen, sondern auch von einem (neu-)chalkedonischen Standpunkt aus) Theodor von Mopsuestia zu Anhängern einer vom Samosatener inaugurierten antiochenischen »Trennungschristologie« (oder »Menschenanbetung«) deklariert worden. Und dies, obwohl sich bei allen Betroffenen eindeutige Aussagen gegen Paulus von Samosata, gegen die Trennung von Logos und Sohn sowie gegen eine adoptianische »Christologie von unten« finden. Bei reichskirchlichen Theologen bildete sich im 6. Jahrhundert ein häresiologisches Schema aus, das dazu diente, die eigene Position dialektisch als goldene Mitte aufzuweisen: Arius und Nestorius »trennen« Gott und Mensch in Christus, da sie allzusehr die Transzendenz Gottes betonen, Sabellius und Severus von Antiochien, der Erztheologe der Monophysiten, »vermischen« Gott und Menschliches, da sie die in der Epiphanie bleibende Transzendenz Gottes nicht erkennen. In diesem Schema konnte man Paulus beiden Genealogien zuordnen und tat dies auch, was der Lehre des Samosateners einen schillernden Eindruck gab und dazu beitrug, den bei Eusebius von Caesaraea grundgelegten Topos zu verstärken, Paulus zeige nie sein wahres Gesicht. Besonders merkwürdig berührt dabei die Einordnung von Aussagen, die dem Samosatener zugeschrieben werden und die formal ihrem Wortlaut nach »zwei Naturen in Christus« ausschließen, um zu betonen, daß dieser Christus »nur Mensch« (psilos anthropos) sei. Man denke z.B. an die vor kurzem entdeckten Fragmente in Pamphilus von Jerusalem. Solche Aussagen wurden als Beweis eines monophysitischen Bekenntnisses des Samosateners zitiert, um Paulus als einen Vorläufer des Severus von Antiochien auszuweisen. Daß man dies tat, zeigt, daß die von Eusebius initiierte Genealogie, die Paulus via Markell mit Sabellius verband, noch stets als häresiologische Plausibilität im theologischen Denken nachwirkte. Wie man am Ergebnis festhalten, doch auf Grund seiner historischen Kenntnisse den Bezug auf Sabellius vermeiden kann, zeigt die Darstellung des Theodor von Raithu (CPG 7600). Hinzukam bei dieser Konstruktion, daß man sich in der Bestreitung des Monophysitismus der höchst spärlich überlieferten Aussagen von Arianern der zweiten Generation bediente, die wie ihr Zeitgenosse und Gegenspieler Apollinarius von Laodicaea eine menschliche Seele Christi bestritten und so zu höchst apollinaristisch klingenden Aussagen über »eine einzige, zusammengesetzte Natur Christi« kamen. Verständlich wird ein solches dialektisches Vorgehen der reichskirchlichen Theologen, wenn man bedenkt, daß zum einen der kirchlich organisierte Nestorianismus nur jenseits der Reichsgrenzen bestand und zum anderen die chalkedonische Christologie mit ihrer Betonung der zwei Naturen sich gegen den Vorwurf der Monophysiten verteidigen mußte, nichts anderes als ein Nestorianismus zu sein, der sich von den Urketzern Arius und Paul von Samosata herleite. Angriff ist die beste Verteidigung; nach dieser Maxime handelte man und scheute wohl auch vor Fälschungen nicht zurück. Kein einziges Zitat aus diesem Kontext ist in seiner Authentizität unbestritten, und man kann hinzufügen, daß die meisten in den Quellen erst auftauchen, als in der Reichskirche selbst eine monenergetische und monotheletische Interpretation der chalkedonischen Christologie entstand. Bei diesen Quellen handelt es sich z.B. um die Doctrina patrum (CPG 7781), den Ketzer-Traktat eines Mönchs Georg (CPG 7820) oder Quellen des Anastasius Sinaites (CPG 7745: CCSG 8; 7756: CCSG 12), alles Produkte des 7. Jahrhunderts. Es ist bekannt, wie sich die Verteidiger einer Christologie der zwei Energien und zwei Willen schwer taten, ein Väterargument vorzutragen. Eine der bekannten Fälschungen, die in diesen Kontext gehören, ist der sog. Brief des Irenaeus von Lyon an Demetrius (CPG 1320). A. von Harnack hing seinen Versuch, die Form einer noch nicht hellenisierten Christologie bei Paul von Samosata zu entdecken, an Fragmenten von Reden auf, die sich in einer Quelle der zitierten Doctrina patrum finden, nämlich in einem Florileg, das zeigen will, daß der Samosatener und andere Ketzer »gleichen Sinnes sind wie diejenigen, die eine Energie und einen Willen in Christus bekennen«. Es dürfte sich um eine dyotheletische Fälschung des 7. Jahrhunderts handeln. L.R. Sample hat neuerdings versucht, trotz der Quellenlage die ursprüngliche Lehre des Samosateners zu rekonstruieren. Basis ist ihm hierfür der sog. Hymenaeusbrief, der theologische Standpunkte enthalte, die der Diskussion des 4. Jahrhunderts vorausliegen. Christus sei für Paulus der in Gottes Vorsehung präexistente Prophet, der den Heilsplan »aktualisiert«, der auf Grund seines Gehorsams gegen den Willen Gottes dessen Gnade und damit »Vergöttlichung« verdient habe. Und in diesem Sinn sei er tatsächlich Vorläufer des Arius gewesen, der jedoch im Blick auf die Entscheidung der Synode von 268 eine Konzession (»concession«) habe machen müssen und darum in seine eigentliche, nämlich soteriologische Perspektive (im Sinn von D. Groh und R. Gregg) - gewissermaßen als Bruch im System - eine metaphysische Präexistenz eingebaut habe. Daß diese in den Vereinigten Staaten seit Jahren gängige Interpretation Arius nicht gerecht wird, kann hier nicht ausgeführt werden. Die historische Basis, die Authentizität des sog. Hymenaeusbriefes, wurde oben bestritten; und es sei hinzugefügt, daß sich R.L. Sample für seine These nicht auf diese Quelle beschränken kann, sondern auch andere Quellen als historisch gesichert herbeiziehen muß, insbes. jene, die für A. von Harnack eine nicht-hellenisierte Christologie belegte. Zum theologischen Standpunkt Pauls von Samosata führt für die historische Forschung kein Weg zurück, wenn man mehr sagen will, als daß er eine »Christologie von unten« vertreten habe. Schon der Versuch, ihn in eine Reihe mit den uns durch Origenes bekannten, etwas jüngeren Theologen der römischen Provinz Arabien, Beryllus und Herakleides, und deren Synthese einer monarchianischen Theologie und adoptianischen Christologie in Zusammenhang zu bringen, überzieht das historisch Belegbare.

Quellen: (1) Frühe Quellen zum Leben und zu Aussagen des Paulus: (a) In ihrer Authentizität nicht bestrittene Quellen: Pamphilus von Caesarea, Apologia pro Origene (CPG 1715), 5, PG 17, 578 C - 579 A; Eusebius von Caesarea: Historia ecclesiastica (CPG 3495), ed. E. Schwartz, Eusebius Werke II,1-3. Die Kirchengeschichte (Die griechischen christlichen Schriftsteller 9,1-3), Leipzig 1903-1909 (editio minor 1908), VII, 27-30, 702-714. - (b) Fälschungen aus dem 4. Jahrhundert, die sich als Quellen des 3. Jahrhunderts darstellen: [1] Zur verlorengegangenen sog. epistula Sirmiensis des Basilius von Ankyra und Georg von Laodicaea (1-4): 1) Hilarius von Poitiers, De synodis (CPL 434), 81, PL 10, 534 (zu vgl. ebd., 82, PL 535 A); 2) Athanasius von Alexandrien, De synodis (CPG 2128), 43-45, ed. H.-G. Opitz, Athanasius Werke II,1, Berlin 1935-1941, 268-270; 3) Basilius von Caesaraea, Epistula 52,1 (CPG 2900), ed. Y. Courtonne, Saint Basile. Lettres I, Paris 1957, 133-135 (PG 32,393). Zum homoiousianischen Hintergrund: Epiphanius, Panarion (CPG 3745), 73,12,2-3, ed. K. Holl, Epiphanius, III (Die griechischen christlichen Schriftsteller 37), Leipzig 1933, 284-285. - [2] Ps.-Dionysius von Alexandrien an Paul von Samosata (CPG 1708), ed. E. Schwartz, Eine fingierte Korrespondenz mit Paulus dem Samosatener (Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philos.-philol. und hist. Kl., Jahrgang 1927, 3. Abhandlung), München 1927, 3-9. - Dossier der zehn Thesen des Paulus von Samosata mit Antworten des Dionysius von Alexandrien (CPG 1709), ed. E. Schwartz, a.a.O., 9-41. - [3] Sog. Hymenaeusbrief (CPG 1705), ed. E. Schwartz, a.a.O., 42-46 (trotz der Angaben in CPG nicht authentisch). - [4] sog. Akten der Synode von 268 (CPG 1706), zusammengestellt aus den verschiedenen Quellen (vgl. 2) von H. de Riedmatten, Les Actes du procès de Paul de Samosate. Étude sur la christologie du IIIe au IVe siècle (Paradosis 6), Fribourg 1952, 136-158: Fragmente 8-13; 21-23; 25; 27-18; 35-39. - [5] Sog. Antiochenisches Glaubensbekenntnis des Jahres 268 (CPG 3736), ed. H. Lietzmann, Apollinaris von Laodicea und seine Schule. Texte und Untersuchungen, Tübingen 1904 (Nachdruck Hildesheim-New York 1970), 293-294. - [6] Angeblicher Brief des Papstes Felix von Rom an Maximus von Alexandrien und dessen Klerus, u.U. als Reaktion auf den Empfang des bei Eusebius (Quellen: 1a) bezeugten Schreibens der Synode von 268 (CPG 3741.2), ed. H. Lietzmann, a.a.O., 318. - (2) Spätere Quellen, in denen die ein oder andere Aussage des Paulus bzw. wichtige historische Mitteilung aus dem 3. Jahrhundert noch enthalten sein könnte: Hieronymus, De uiris illustribus (CPL 616), 71, ed. E.C. Richardson, Texte und Untersuchungen, hrsg. von O. v. Gebhardt und A. Harnack, Band 14,1, 40. - Eusebius von Dorylaeum, Contestatio (CPG 5940): ed. E. Schwartz, in: Acta Conciliorum Oecumenicorum, Berlin 1914-1940, I,1,1, 101-102. - Timotheus Aelurus, Contra eos qui dicunt duas naturas (CPG 5475 mit Angaben zu den Editionen der armenischen und syrischen Überlieferung), ausführlich beschrieben von E. Schwartz, Codex Vaticanus gr. 1431, eine antichalkedonische Sammlung aus der Zeit Kaiser Zenos (Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philos.-philol. und hist. Kl., Bd. 32), München 1927, 88-117; auch schon bei H. Lietzmann, a.a.O. (Quellen: 1b), 96-100. - Abû-l-Faraå, genannt Barhebraeus: Gregorii Barhebraei Chronicon ecclesiasticum, I,16, ed. J.B. Abbeloos - Th. J. Lamy, Lovanii 1872, I, 58; ders., Historia dynast., ed. Pococke, Oxford 1663, 81. - (3) Wichtige Quellen des 4. bis 7. Jahrhunderts zur häresiologischen Einordnung des Paulus, die unter (2) noch nicht genannt wurden: [1] Alexander Alexandrinus, Epistola ad Alexandrum Thessalonicensem (CPG 2202), überliefert in Theodorets Kirchengeschichte, I,4,1-61, ed. L. Parmentier (Die griechischen christlichen Schriftsteller, 19), Leipzig 1911 (21954), 8-25, bes. I,4,35-36, 18,1-3. - [2] Eusebius von Caesarea, Eclogae propheticae, (CPG 3475) III,19; IV,22 (PG 22, 1144 B; 1229 D); ders., De ecclesiastica theologia (CPG 3478), I,14,2; I,20,43; III,8,4, ed. E. Klostermann, Eusebius Werke IV (Die griechischen christlichen Schriftsteller, 14), Leipzig 1906 (Berlin 21972), 74; 88; 164. - [3] Synoden Mitte des 4. Jh.: Kirchweihsynode in Antiochien (a. 341) bei Athanasius, De synodis (CPG 2128), 24,5, ed. H.-G. Opitz, a.a.O. (Quellen: 1b), 250. - Synodalbrief der Orientalen von Serdika (a. 342) bei Hilarius von Poitiers, Collectanea antiariana Parisina (CPL 436), A IV 1,2.4; 1,4.2; 1,28.2, ed. A.L. Feder, S. Hilarii Pictaviensis opera, IV (Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, 65), Vindobonae-Lipsiae 1916, 50; 52; 67. - Synode von Sirmium (a. 351) bei Athanasius, De synodis (CPG 2128), 26-27, ed. H.-G. Opitz, a.a.O., 252-254. - [4] Athanasius von Alexandrien, Orationes contra Arianos (CPG 2093), II,13; 43 (PG 26, 173 A; 237 C); III,30-32; 51 (PG 26, 388 A - 392 C; 429 B); ders., De decretis Nicaenae synodi (CPG 2120), 10; 24, ed. H.-G. Opitz, a.a.O. (Quellen: 1b), 9; 20; ders., Epistula ad Maximum philosophum (CPG 2100), 3, PG 26, 1089 A-B. - [5] Apollinarius von Laodicaea, Epistula prima ad Dionysium (CPG 3669), ed. H. Lietzmann, a.a.O. (Quellen: 1b), 256-262; ders., Demonstratio de diuina incarnatione ad similitudinem hominis (CPG 3652), fragm. 24, ed. H. Lietzmann, ebd., 210, in Gregor von Nyssa, Antirrheticus aduersus Apollinarium (CPG 3144), 9, ed. F. Müller, Gregorii Nysseni opera III,1, Leiden 1958, 142. - [6] Ps. Athanasius Alexandrinus, Oratio IV contra Arianos (CPG 2230), 30; 31; 32 (PG 26, 513 C - 516 A; 516 C; 517 B-C). - [7] Ps. Athanasius Alexandrinus, De incarnatione contra Apollinarium (CPG 2231), II,3, PG 26, 1136 B. - [8] Brief der Synode von Konstantinopel (382) an Damasus und die Bischöfe des Westens (CPG 8602) aus Theodorets Kirchengeschichte, V,9-18, a.a.O., 289-294, mit Theodorets abschließender Bemerkung V,9,19, 294,20-22. - [9] Diodor von Tarsus, Commentarii in psalmos (CPG 3818), ad Ps. 109, ed. M.J. Rondeau, Le »Commentaire des Psaumes« de Diodore de Tarse et l'exégèse antique du Psaume 109-110, in: Revue de l'Histoire des Religions 176 (1969) 9-14. - [10] Epiphanius von Salamis, Panarion (CPG 3745), 65, ed. K. Holl, a.a.O. (Quellen: 1b), benützt nach R.M. Hübner (Literatur: 3d-2) als Quelle seiner Darstellung und Widerlegung des Samosateners ein Werk des Apollinarius von Laodicaea gegen Photinus: Ps.-Athanasius, Contra Sabellianos (CPG 2243), ed. B. de Montfaucon, wiedergegeben in PG 28,96-121; zur Zuschreibung an Apollinarius vgl. R.M. Hübner, Die Schrift des Apolinarius von Laodicea gegen Photin (Pseudo-Athanasius, Contra Sabellianos) und Basilius von Caesarea (Patristische Texte und Studien, 30), Berlin - New York 1989. - [11] Nestorius, Sermo XVIII De diuina inhumanatione (CPG 5707), ed. E. Schwartz, Acta Conciliorum Oecumenicorum, I,5, 39,39-42; 40,11; ed. F. Loofs, Nestoriana. Die Fragmente des Nestorius, Halle 1905, 299. - [12] Kyrill von Alexandrien, Epistula ad Caelestinum papam (CPG 5310), ed. E. Schwartz, ebd., 10-12, mit einer Anweisung für den Überbringer, den Diakon Posidonius (CPG 5311), ed. E. Schwartz, a.a.O., I,1,7, 171-172. - [13] Marius Mercator, Commonitorium (CPL 780), 18, ed. E. Schwartz, Acta Conciliorum Oecumenicorum, I,1,5, 28. - [14] zu Nestorius-Pelagius: Iohannes Cassianus, De incarnatione domini contra Nestorium (CPL 514), I,3; V,1-2.4.14; ed. M. Petschenig (Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, 17), Vindobonae - Lipsiae 1888, 239-241; 301-304; 306; 323. - [15] Sokrates, Historia ecclesiastica (CPG 6028), VII,32, 8, PG 67, 812 B-C. - [16] Ibas von Edessa, Epistula ad Marim (CPG 6500), ed. E. Schwartz, Acta Conciliorum Oecumenicorum, II,1,3, 32-34 (391-393). - [17] Unechte, nicht von Nestorius stammende Einschübe in seinem Werk, das der Bazar des Herakleides genannt wird (CPG 5751), I,64,27-28 in der Übersetzung von G.R. Driver - L. Hodgson, Nestorius. The Bazaar of Herakleides, Oxford 1925, 44-45. - [18] Severus von Antiochien, Liber contra impium Grammaticum (CPG 7024), ed. J. Lebon in: Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium 111(-112): I-II; 93(-94): III,1; 101(-102): III,2, Louvain 1929-1938 (21952); Zusammenstellung der Fragmente, die angeblich aus dem Schreiben der Synode von 268 stammen (Quellen: 1a), zusammengestellt von H. de Riedmatten, a.a.O. (Quellen 1b), 140-145. - [19] Fragmente in syrischen Florilegien, ed. J.B. Pitra, Analecta Sacra Spicilegio Solesmensi parata, IV, Paris 1883, 185, zitiert bei H. de Riedmatten, a.a.O. (Quellen 1b), 145-147. - [20] Petrus Diaconus, Leontius et alii, De incarnatione et gratia domini nostri Jesu Christi (CPL 663), 3, PL 62, 85 C - 86 A. - [21] Leontius von Byzanz, Aduersus Nestorianos et Eutychianos (CPG 6813), ed. A. Mai, Rom 1844, wiedergegeben in PG 86,1,1268-1396, enthält in Buch III, neben Zeugnissen aus der Contestatio des Eusebius von Dorylaeum (Quellen: 2) und den sog. Akten von 268 bzw. einem Dialog des Paulus, der gegen Malchion gerichtet ist (Quellen: 1b), Zitate aus apollinaristische Fälschungen; der Text wurde mit bei A. Mai nicht benutzten Handschriften kollationiert von H. de Riedmatten, a.a.O. (Quellen: 1b), 150-155. - [22] Leontius Scholasticus, De sectis (CPG 6823), III,3, PG 86, 1213 D - 1216 B. - [23] Kaiser Justinian, Contra Monophysitas (CPG 6878), ed. E. Schwartz, Drei dogmatische Schriften Justinians (Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Kl., N.F. 18), München 1939 (Nachdruck Mailand 1973), 7-43, enthält drei Zitate des Samosateners, die den Akten zugeschrieben werden; vgl. H. de Riedmatten, a.a.O., 157-158. - [24] Pamphilus von Jerusalem: Capitulorum diuersorum seu dubitationum solutio (CPG 6920), ed. A. Mai, Novum Patrum bibliotheca II, Romae 1844, 597-693 (neue Edition in Vorbereitung für das CCSG); im Codex Vatopedi 236 liest man dort in einem Florileg zwei Zitate aus »dem, was Paulus an Zenobia geschrieben hat«. Die Texte bei J. H. Declerck, Deux nouveaux fragments attribués à Paul de Samosate, in: Byzantion 54 (1984) 132-133. - [25] Timotheus von Konstantinopel, De receptione haereticorum (CPG 7016), PG 86,1,24 C. 24 D - 25 A. 29 C-D. -[26] Theodor von Raithu, Praeparatio (CPG 7600), PG 91, 1485 D - 1488 A. - [27] Anastasius Sinaita, Viae dux (CPG 7745), ed. K.-H. Uthemann (Corpus Christianorum Series Graeca 8), Turnhout - Leuven 1981: bes. I,1,56-70; VII,2,16-26; XIII,10,1-79; XXI,1,73-83 und XXI,2,1-50 (mit Wiedergabe der Contestatio Eusebii Dorylaei). - [28] Doctrina patrum (CPG 7781): ed. F. Diekamp, Doctrina Patrum de Incarnatione Verbi, Münster i.W. 1907, insbes. 303-304: die Reden an Sabinus (CPG 1710).

Lit.: in zeitlicher Folge geordnet: (1) Ältere wichtige Werke: (a) Insbes. zu den dogmengeschichtlichen Fragen: A. Réville, La christologie de Paul de Samosate, in: Études de critique et d'histoire, 2e série (Bibliothèque de l'École des Hautes Études, Sciences religieuses, 7), Paris 1896; - Fr. Loofs, Paulus von Samosata. Eine Untersuchung zur altkirchlichen Literatur- und Dogmengeschichte (Texte und Untersuchungen, 44), Leipzig 1924; - G. Bardy, Paul de Samosate. Étude historique. Nouvelle édition entièrement refondue (Spicilegium Sacrum Lovaniense, 4), Louvain 21929; - H. de Riedmatten, Les actes du procès de Paul de Samosate. Étude sur la christologie du IIIe au IVe siècle (Paradosis, 6), Fribourg 1952 (wichtige Rezensionen: G. Bardy, in: Revue d'histoire ecclésiastique 47 [1952] 643-644; - ders., in: Revue des sciences religieuses 26 [1952] 294-296); - zusammenfassend: A. Grillmeier, Christ in Christian Tradition. From the Apostolic Age to Chalcedon (451), London 1965, 177-178. - (b) Zur geschichtlichen Einordnung: G. Downey, A History of Antioch in Syria from Seleucus to the Arab Conquest, Princeton 1961; - J.G. Février, La religion des Palmyréniens, Paris 1931; - H.-G. Pflaum, Les carrières procuratoriennes équestres sous le haut-empire romain, II, Paris 1960, 950-951. - (2) Ältere Veröffentlichungen zu Einzelfragen, die heute noch zu berücksichtigen sind: N. Bonwetsch, Der Brief des Dionysios von Alexandrien an Paulus von Samosata (Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften, philol.-hist. Kl. aus dem Jahre 1909), Göttingen 1909, 103-122; - G. Bardy, La lettre des six évêques à Paul de Samosate, in: Recherches de science religieuse 16 (1916) 17-33; - P. Galtier, L'OMOOUSIOS de Paul de Samosate, in: Recherches de science religieuse 12 (1922) 30-45; - A. von Harnack, Die Reden Pauls von Samosata an Sabinus (Zenobia?) und seine Christologie (Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Philos.-histor. Kl. 22), Berlin 1924, 130-151. - (3) Zur neueren Forschung: (a) Zu den kirchen- und dogmengeschichtlichen Fragen (Übersicht): A.M. Ritter, Dogma und Lehre in der alten Kirche, in: Die Lehrentwicklung im Rahmen der Katholizität (Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte 1), Göttingen 1982, 131-132; - J.H. Declerck, Deux nouveaux fragments attribués à Paul de Samosate, in: Byzantion 54 (1984) 116-140. - (b) Zu kirchengeschichtlichen Fragen mit dogmengeschichtlichen Konsequenzen: M. Richard, Malchion et Paul de Samosate. Le témoignage d'Eusèbe de Césarée, in: Ephemerides Theologicae Lovanienses 35 (1959) 325-338 (Nachdruck in: Opera Minora, II, Turnhout - Leuven 1977, n. 22). - (c) Zu den kirchengeschichtlichen Fragen: R.L.P. Milburn, O THS EKKLHSIAS OIKOS, in: The Journal of Theological Studies 46 (1945) 65-68; - U. Instinsky, Bischofsstuhl und Kaiserthron, München 1955, 11-25; - korrigiert durch E. Stommel, Bischofsstuhl und hoher Thron, in: Jahrbuch für Antike und Christentum 1 (1958) 52-78; - mit einer Antwort: U. Instinsky, Offene Fragen um Bischofsstuhl und Kaiserthron, in: Römische Quartalschrift 66 (1971) 68-73; - M.H. Shepherd, The formation and influence of the Antiochene liturgy, in: Dumbarton Oaks Paper 15 (1961) 36-37; - Chr. Mohrmann, Les dénominations de l'église en tant qu'édifice en grec en en latin au cours des premiers siècles chrétiens, in: Revue des sciences religieuses 36 (1962) 158-159; - F. Millar, Paul of Samosata, Zenobia and Aurelian: The Church, Local Culture and Political Allegiance in Third-Century Syrian, in: Journal of Roman Studies 61 (1971) 1-17; - Th. Klauser, Bischöfe als staatliche Prokuratoren im dritten Jahrhundert?, in: Jahrbuch für Antike und Christentum 14 (1971) 140-149; - A. Baldini, Il ruolo di Paolo di Samosata nella politica culturale di Zenobia e la decisione di Aureliano ad Antiochia, in: Rivista storica dell'antichità 5 (1975) 57-78; - J. Burke, Eusebius on Paul of Samosata: A New Image, in: Kleronomia 7 (1975) 8-20; - E. Herrmann, Ecclesia in Re Publica. Die Entwicklung der Kirche von pseudostaatlicher zu staatlich inkorporierter Existenz (Europäisches Forum 2), Frankfurt 1980, 86-92; 181-188; - H.-J. Drexhage, Wirtschaft und Handel in den frühchristlichen Gemeinden (1.-3. Jh. n. Chr.), in: Römische Quartalschrift 76 (1981) 1-72, bes. 52-56; - G.J.M. Bartelink, »Maison de prière« comme dénomination de l'église en tant qu'édifice, en particulier chez Eusèbe de Césarée, in: Revue des Études Grecques 84 (1971) 107 f. 115 f.; - F.W. Norris, Paul of Samosata: Procurator ducenarius, in: The Journal of Theological Studies n.s. 35 (1984) 50-70; - J.A. Fischer, Die antiochenischen Synoden gegen Paul von Samosata, in: Annuarium Historiae Conciliorum 18 (1986) 9-30. - (d) Zu den dogmengeschichtlichen Fragen: (d-1) vorwiegende Perspektive: Rekonstruktion der Aussagen des 3. Jahrhunderts: F. Scheidweiler, Paul von Samosata, in: Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche 46 (1955) 116-129; - D.S. Wallace-Hadrill, Christian Antioch. A study of early Christian thought in the East, Cambridge 1982; - R.L. Sample, The Messiah as Prophet: The Christology of Paul of Samosata, Diss., Evanston, Illinois 1977; - ders., The Christology of the Council of Antioch (268. C.E.) Reconsidered, in: Church History 48 (1979) 18-26. - (d-2) im Blick auf Probleme des 4. Jahrhunderts: E.T. Pollard, The Origins of Arianism, in: The Journal of Theological Studies n.s. 9 (1958) 103-111; - A. Grillmeier, Christ in Christian Tradition (oben: Lit. 1a), London 1965, bes. 190 mit 187-192; 217; 221-222; - ders., Jesus der Christus im Glauben der Kirche, Band 1 Von der Apostolischen Zeit bis zum Konzil von Chalcedon (451), Freiburg - Basel - Wien 1979, bes. 120 (Echtheit des Hymenaeusbriefes »definitiv gesichert« [sic]); 296-298; 321; 358; 482-483; - E. Boularand, Aux sources de la doctrine d'Arius. La théologie antiochienne, in: Bulletin de littérature ecclésiastique 68 (1967); - R. Hübner, Die Hauptquelle des Epiphanius (Panarion, haer. 65) über Paulus von Samosata: Ps-Athanasius, Contra Sabellianos, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 90 (1979) 201-220 (= 55-74); - R.M. Grant, Eusebius as Church historian, Oxford 1980, 93; - H.C. Brennecke, Zum Prozeß gegen Paul von Samosata: Die Frage nach der Verurteilung des Homoousios, in: Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche 75 (1984) 270-290. - (d-3) zu in d-1 und d-2 implizierten Fragestellungen: zur Theologie des Dionysius von Alexandrien, nach Eusebius Vorstreiter gegen Paulus von Samosata: W.A. Bienert, Dionysius von Alexandrien. Zur Frage des Origenismus im dritten Jahrhundert (Patristische Texte und Studien 21), Berlin 1978; - L. Abramowski, Dionys von Rom ( 268) und Dionys von Alexandrien ( 264/5) in den arianischen Streitigkeiten des 4. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 93 (1982) 240-272; - zu den genannten Synoden sowie zum Kontext der Synode von Ankyra 358 (Quellen 1: epistula Sirmiensis): H.C. Brennecke, Hilarius von Poitiers und die Bischofsopposition gegen Konstantius II. Untersuchungen zur dritten Phase des arianischen Streites (337-361) (Patristische Texte und Studien 26), Berlin 1984; - zur Frage des homoousios im 3. Jahrhundert: Ch. Stead, Divine Substance, Oxford 1977, 190-266; - W. Bienert, Das vornicaenische 4moousioV als Ausdruck der Rechtgläubigkeit, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 90 (1979) 5-29 (151-175); - M. Simonetti, Ancora su Homoousios a proposito di due recenti studi, in: Vetera Christianorum 17 (1980) 85-98; - R. Williams, Origen on the Soul of Jesus, in: R. Hanson and H. Crouzel (ed.), Origeniana tertia (The Third International Colloquium for Origen Studies), Roma 1985, 131-137; - (d-4) zur Häresiologie im 5. bis 7. Jahrhundert: A. de Halleux, Die Genealogie des Nestorianismus nach der frühmonophysitischen Theologie, in: Oriens Christianus 66 (1982) 1-14; - A. Grillmeier, Jesus der Christus im Glauben der Kirche, Band 1 (vgl. oben), 623; 661; 666; Band 2/2, Freiburg-Basel-Wien 1989, bes. 67; 84; 161; 219; 353; 481.

Karl-Heinz Uthemann

Literaturergänzung:

2008

Joseph A. Fischer, Die antiochen. Synoden gegen P.v.S., in: AHC 18.1986, S. 9-30; -

2008

U. M. Lang, The Christological Controversy at the Synod of Antioch in 268/9, Journal of Theological Studies N.S. 51 (2000), 54-80.

Letzte Änderung: 07.09.2008