PACHA, Augustin, deutscher Bischof im Banat und Kirchenpolitiker,
* 26.11. 1870 in Moritzfeld/Banat als Handwerkersohn, † 4.11.
1954 in Temeswar. - P. besuchte die Volksschule in Moritzfeld,
war dann in Kecskemét und Szegedin in ungarischen Schulen. In Temeswar
absolvierte er das katholische Priesterseminar. 1893 zum Priester
geweiht, war er bis zur Jahrhundertwende Kaplan in Mezökovßcshßza,
kam dann nach Temeswar und erreichte hier, durch Zielstrebigkeit und
Leistungsvermögen, daß er zuletzt Bischof der Diöze Temeswar wurde.
Vorher war er 1900 Sekretär des Tschanader Bischofs Dessewffy geworden,
1912 Diözesankanzler. Als zwei Drittel des Banats, das zur Tschanader
Diözese gehört hatte, 1918 an Rumänien abgetreten wurde, war P. -
anstelle des nach Szegedin ausgesiedelten Bischofs Glattfelder - von
1923-1927 Apostolischer Administrator. Am 15.5. 1927 zum Titularbischof
von Lebedo geweiht, wurde P., nachdem es 1929 zur Ratifizierung des
Konkordats zwischen Rom und Bukarest gekommen war, am 29.11. 1930
zum Bischof der Diözese Temeswar inthronisiert. Er blieb bis zu seinem
Tod am 4.11.1954 Bischof, mußte jedoch nach 1945 zunehmende Diskriminierungen
durch das neue kommunistische Regime in Rumänien hinnehmen. Dazu gehört
auch seine Verhaftung, ein politischer Schauprozeß im Jahre 1951,
bei dem P. als »Spion des Vatikans« zu 18 Jahren Freiheitsentzug verurteilt
worden war. Erst kurz vor seinem Tod, gezeichnet von den kommunistischen
Gefängnissen, wurde P. aus der Haft entlassen. Als erster »Schwabenbischof«
bemühte sich P. vor allem darum, die Gemeinschaftsfindung der Deutschen
im Banat zu fördern. Er setzte die Bemühungen des Bischofs Glattfelder
fort, ein konfessionelles deutsches Schulwesen im Banat wiederherzustellen,
nachdem dieses unter ungarischer Herrschaft liquidiert worden war.
Zu einem Bildungsmittelpunkt für das ganze Banat wurde das Schulzentrum
der »Banatia«, 1926 errichtet und mit einer deutschen Lehrerbildungsanstalt,
deutschen Schulen ausgestattet. Durch Vorträge, Gastspiele berühmter
Künstler aus Deutschland und Österreich, durch ein anspruchsvolles
Schultheater (1930 »Jedermann«-Aufführung, 1932 »Faust-Inszenierung)
wurde die konfessionelle Minderheitenschule zum Vorbild für alle Banater
Volksgruppen. In den dreißiger Jahren sind die Bemühungen P.s, der
1928 zum Ehrendoktor der Universität Münster gekürt worden war, durch
die zunehmend nationalsozialistisch verbrämte Bewegung der Volksgemeinschaft,
behindert worden. 1941 mußten die meisten kirchlich geleiteten Schulen
an die Deutsche Volksgruppe abgetreten werden, die der NS-Ideologie
dienstbar war. Nach 1945 wurden die Vertreter der Kirchen im kommunistischen
Rumänien für die rechtsextremen Entgleisungen im Lande haftbar gemacht.
Als 1948 das Konkordat mit Rom aufgekündigt, die Orden und Klöster
aufgelöst waren, kam es zu Verfolgungen der Geistlichen. Zunächst
waren die griechisch-katholischen Amtswalter an der Reihe, deren Beseitigung
von Moskau diktiert worden war. Bischof P., dessen Diözese von Bukarest
nicht mehr anerkannt wurde, wagte es als einziger, in seinen Hirtenbriefen
gegen die Willkür und Gewalt der neuen Machthaber aufzubegehren. Weil
er Recht und Menschlichkeit gefordert hatte, wurde er zur Zielscheibe
des gehässigen Zerstörungsunternehmens. Eigene Publikationen P.s,
ausgeschlossen sind dabei seine Hirtenbriefe, sind nicht bekannt;
sein Tagebuch ist der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich. Allerdings
sind die Hirtenbriefe, die den Schwierigkeiten der zwanziger und dreißiger
Jahre nicht aus dem Weg gehen, vor allem aber seine Rede am 4. Juni
1950, Dokumente eines Widerstands der Kirche gegen politische Bevormundung.
Lit.: Nikolaus Engelmann: Hirte seines Volkes. Aus
dem Leben und Wirken des Temesvarer Bischofs Dr. theol. h.c. A.P.,
1955; - Hans Diplich: A.P., in: Biogr. Lexikon zur Geschichte
Südosteuropas, hrsg. von Mathias Bernath u. Felix v. Schroeder, 1979,
Bd. III, 378-380; - Michael Lehmann: Die katholischen Donauschwaben
in den Nachfolgestaaten 1918-1945. Im Zeichen des Nationalismus, 1972,
Bd. III, 105-108.
Horst Fassel
Literaturergänzung:
William Totok, "Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Schauprozess gegen die so genannten "Spione des Vatikans"" (I), 1951 in Bukarest, in: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 17. Jg., Nr. 1/2005, S. 25-41; - ders., "Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Schauprozess gegen die so genannten "Spione des Vatikans"" (II), 1951 in Bukarest, in: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 17. Jg., Nr. 2/2005, S. 45-62; - ders., "Der vergessene stalinistische Schauprozess gegen die "Spione des Vatikans" in Rumänien 1951", in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2005, hrsg. von Hermann Weber, Ulrich Mählert u.a., Aufbau Verlag, Berlin 2005, S. 233-259; - Giuseppe M. Croce, Lo "spoglio" del cardinal B.P. nell'Archivio Segreto Vaticano, in: Papes, princes et savants dans l'Europe moderne. Genève 2007, S. 161-170.