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Band VI (1993)Spalten 1407-1409 Autor: Horst Fassel

PACHA, Augustin, deutscher Bischof im Banat und Kirchenpolitiker, * 26.11. 1870 in Moritzfeld/Banat als Handwerkersohn, † 4.11. 1954 in Temeswar. - P. besuchte die Volksschule in Moritzfeld, war dann in Kecskemét und Szegedin in ungarischen Schulen. In Temeswar absolvierte er das katholische Priesterseminar. 1893 zum Priester geweiht, war er bis zur Jahrhundertwende Kaplan in Mezökovßcshßza, kam dann nach Temeswar und erreichte hier, durch Zielstrebigkeit und Leistungsvermögen, daß er zuletzt Bischof der Diöze Temeswar wurde. Vorher war er 1900 Sekretär des Tschanader Bischofs Dessewffy geworden, 1912 Diözesankanzler. Als zwei Drittel des Banats, das zur Tschanader Diözese gehört hatte, 1918 an Rumänien abgetreten wurde, war P. - anstelle des nach Szegedin ausgesiedelten Bischofs Glattfelder - von 1923-1927 Apostolischer Administrator. Am 15.5. 1927 zum Titularbischof von Lebedo geweiht, wurde P., nachdem es 1929 zur Ratifizierung des Konkordats zwischen Rom und Bukarest gekommen war, am 29.11. 1930 zum Bischof der Diözese Temeswar inthronisiert. Er blieb bis zu seinem Tod am 4.11.1954 Bischof, mußte jedoch nach 1945 zunehmende Diskriminierungen durch das neue kommunistische Regime in Rumänien hinnehmen. Dazu gehört auch seine Verhaftung, ein politischer Schauprozeß im Jahre 1951, bei dem P. als »Spion des Vatikans« zu 18 Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden war. Erst kurz vor seinem Tod, gezeichnet von den kommunistischen Gefängnissen, wurde P. aus der Haft entlassen. Als erster »Schwabenbischof« bemühte sich P. vor allem darum, die Gemeinschaftsfindung der Deutschen im Banat zu fördern. Er setzte die Bemühungen des Bischofs Glattfelder fort, ein konfessionelles deutsches Schulwesen im Banat wiederherzustellen, nachdem dieses unter ungarischer Herrschaft liquidiert worden war. Zu einem Bildungsmittelpunkt für das ganze Banat wurde das Schulzentrum der »Banatia«, 1926 errichtet und mit einer deutschen Lehrerbildungsanstalt, deutschen Schulen ausgestattet. Durch Vorträge, Gastspiele berühmter Künstler aus Deutschland und Österreich, durch ein anspruchsvolles Schultheater (1930 »Jedermann«-Aufführung, 1932 »Faust-Inszenierung) wurde die konfessionelle Minderheitenschule zum Vorbild für alle Banater Volksgruppen. In den dreißiger Jahren sind die Bemühungen P.s, der 1928 zum Ehrendoktor der Universität Münster gekürt worden war, durch die zunehmend nationalsozialistisch verbrämte Bewegung der Volksgemeinschaft, behindert worden. 1941 mußten die meisten kirchlich geleiteten Schulen an die Deutsche Volksgruppe abgetreten werden, die der NS-Ideologie dienstbar war. Nach 1945 wurden die Vertreter der Kirchen im kommunistischen Rumänien für die rechtsextremen Entgleisungen im Lande haftbar gemacht. Als 1948 das Konkordat mit Rom aufgekündigt, die Orden und Klöster aufgelöst waren, kam es zu Verfolgungen der Geistlichen. Zunächst waren die griechisch-katholischen Amtswalter an der Reihe, deren Beseitigung von Moskau diktiert worden war. Bischof P., dessen Diözese von Bukarest nicht mehr anerkannt wurde, wagte es als einziger, in seinen Hirtenbriefen gegen die Willkür und Gewalt der neuen Machthaber aufzubegehren. Weil er Recht und Menschlichkeit gefordert hatte, wurde er zur Zielscheibe des gehässigen Zerstörungsunternehmens. Eigene Publikationen P.s, ausgeschlossen sind dabei seine Hirtenbriefe, sind nicht bekannt; sein Tagebuch ist der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich. Allerdings sind die Hirtenbriefe, die den Schwierigkeiten der zwanziger und dreißiger Jahre nicht aus dem Weg gehen, vor allem aber seine Rede am 4. Juni 1950, Dokumente eines Widerstands der Kirche gegen politische Bevormundung.

Lit.: Nikolaus Engelmann: Hirte seines Volkes. Aus dem Leben und Wirken des Temesvarer Bischofs Dr. theol. h.c. A.P., 1955; - Hans Diplich: A.P., in: Biogr. Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, hrsg. von Mathias Bernath u. Felix v. Schroeder, 1979, Bd. III, 378-380; - Michael Lehmann: Die katholischen Donauschwaben in den Nachfolgestaaten 1918-1945. Im Zeichen des Nationalismus, 1972, Bd. III, 105-108.

Horst Fassel

Literaturergänzung:

William Totok, "Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Schauprozess gegen die so genannten "Spione des Vatikans"" (I), 1951 in Bukarest, in: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 17. Jg., Nr. 1/2005, S. 25-41; - ders., "Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Schauprozess gegen die so genannten "Spione des Vatikans"" (II), 1951 in Bukarest, in: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 17. Jg., Nr. 2/2005, S. 45-62; - ders., "Der vergessene stalinistische Schauprozess gegen die "Spione des Vatikans" in Rumänien 1951", in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2005, hrsg. von Hermann Weber, Ulrich Mählert u.a., Aufbau Verlag, Berlin 2005, S. 233-259; - Giuseppe M. Croce, Lo "spoglio" del cardinal B.P. nell'Archivio Segreto Vaticano, in: Papes, princes et savants dans l'Europe moderne. Genève 2007, S. 161-170.

Letzte Änderung: 03.07.2007