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Verlag Traugott Bautz
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PACHELBEL, Johann, Komponist und Orgelmeister der Generation vor J.S. Bach, getauft am 1.9. 1653 in Nürnberg, Sohn des »Flaschers« (Weinhändlers) Hans P. (* 1613) aus Wunsiedel und seiner (2.) Ehefrau Anna Maria, geb. Mair. Am 25.10. 1681 heiratete P. in Erfurt Barbara Gabler, die am 9.10. 1683 (wie ihr Sohn, + 28.10. 1683) an der Pest starb. In 2. Ehe (14.8. 1684) war P. mit der Erfurter Kupferschmieds- Tochter Juditha Dommer verheiratet. Aus dieser Ehe stammten 2 Töchter (Amalia, * 29.10. 1688, † 6. 12. 1723) und 5 Söhne (Wilhelm Hieronymus, get. 29.8. 1686 in Erfurt, † 1764 in Nürnberg; Carl Theodorus, get. 24.11. 1690 in Stuttgart, † 15.9. 1750 in Charleston/USA; Johann Michael, * 6.10. 1692). † 3.3. 1706 in Nürnberg. - Von Kindheit an wissenschaftlich und besonders musikalisch interessiert, erhielt P. Instrumentalunterricht bei dem bekannten Nürnberger Sebalduslehrer und Stadt-MD. H.Schwemmer (1621-1696); er besuchte die Lorenzer Hauptschule und studierte 1669 an der Universität Altdorf, wo er auch an der Pfarrkirche St.Lorenz den Organistendienst versah. 1670 wurde P. in das Regensburger Gymnasium poeticum aufgenommen (Unterricht u.a. bei K. Prentz). 1673 ging er nach Wien, 1677 als Hoforganist des Herzogs Joh. Georg von Sachsen-Eisenach nach Eisenach (hier auch Verbindungen zur Bachschen Familie), 1678 nach Erfurt, wo 1686 der älteste Bruder J. S. Bachs, J. Christoph Bach, sein Schüler war. Am 1.9. 1690 trat P. als »Hof-Musicus und Organist« in den Dienst der Herzogin Magdalena Sibylla von Württemberg in Stuttgart. 1692 floh er vor der französischen Invasion nach Nürnberg. Am 8.11. 1692 wurde er Stadtorganist in Gotha. Wie vorher wohl vereinbart, wurde P. Nachfolger des am 20.4. 1695 verstorbenen Organisten G. Caspar Wecker an St. Sebald in Nürnberg. Seine zahlreichen Schüler (u.a. Johann Gottfried Walther) haben sein Orgel- und Klavierwerk weit verbreitet, das sich z.B. durch Wärme und Freundlichkeit der Harmonik, durch die Kantabilität der Melodik und Freude am Instrumental-Spielerischen auszeichnet. »Dieses Gepräge seiner Musik erklärt sich historisch aus P.s Mittlerstellung. Wie er in den Lehrjahren von Mittelfranken nach dem Süden zieht, dann lernend und lehrend in Thüringen weilt, doch nach Nürnberg zurückkehrt, so verschmelzen in seinem Werk südliche Errungenschaften, wie das Ariose und Virtuose, und mitteldeutsches Verharren im cantus-firmus- gebundenen Kontrapunktieren und Variieren: eine schöpferische Verbindung im handwerklichen, gemütvollen, nach innen gekehrten Geist der Nürnberger Schule« (Eggebrecht 547). Den wichtigsten Teil seines Schaffens bilden die Choralbearbeitungen (z.B. kurze Choralfugen, Orgelchoräle, Kombination beider), Magnificatfugen, Doppelfugen, Orgelpunkt- Toccaten usw. Seine Choralbearbeitungen mit zeilenweise vorimitierter Durchführung der Melodie erlangte als Typus (P.scher Orgelchoral) Bedeutung. Dem Vokalwerk P.s kommt nicht der gleiche Rang zu. - Von P.s Söhnen sind Wilhelm Hieronymus und (in Amerika) Carl Theodorus (Charles Theodore) als Kirchenmusiker hervorgetreten.
Werke: Das Werkverzeichnis findet sich bei Hans Heinrich Eggebrecht, in: MGG X, Sp.543-547 (zit.: Eggebrecht); ein Verzeichnis der Ausgaben ebd. Sp. 549.
Lit.: Die ältere Literatur findet sich bei Eggebrecht Sp. 549 ff.; - K. Matthaei, J.P. Zu seinem 300. Geb., in: Musik und Gottesdienst VII, 1953, 129-139; - Hans Joachim Moser, J.P., in: Musik und Kirche 23, 1953, 82-90; - Hans Heinrich Eggebrecht, J.P. als Vokalkomponist, in: Archiv für Musikwissenschaft XI, 1954, 120-145; - Ders., J.P. Zu seinem 250. Todestag, in: Musica X, 1956, 252-256; - ADB XXV, 44-48; - RGG3 V, 1; - MGG X, 540-552 (Lit.).
Karl Dienst
Werkeergänzung:
Jean M. Perreault, The thematic catalogue of the musical works of Johann Pachelbel. Ed. by Donna K. Fitch. Lanham, Md. [u.a.] 2004
Literaturergänzung:
Katharina Larissa Paech, Erfrischend klangschön. D. geistl. Vokalmusik J.P.s., in: MuK 76.2006, S. 105-108.
Letzte Änderung: 24.03.2006