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Band VI (1993)Spalten 1411-1412 Autor: Norbert Werner

PACHER, Michael, dt. Maler und Bildschnitzer, * um 1435 wahrscheinlich in Bruneck (Pustertal), + 1498 in Salzburg. - M. P. zählt als Maler und Bildschnitzer zu den überragenden Doppelbegabungen der dt. Kunst in der 2. H. des 15. Jhrh.s. Seiner Lehrzeit in Südtirol folgen Reisen nach Oberitalien (Padua, Venedig), nach Ulm, in die Rheinlande und nach Flandern. Während sein Frühstil bis etwa 1465 noch stark von den Meister in Südtirol geprägt ist, führt der Einfluß von Hans Multscher und der oberitalienischen Kunst (Donatello, Mantegna) zu einem entscheidenden Wandel im Stil- und Formempfinden M. P.s. 1467 ist M. P. als Werkstattinhaber in Bruneck bezeugt, 1471 sind die Verträge für die Altäre in Gries b. Bozen und St. Wolfgang, 1495 bis 1498 sein Aufenthalt in Salzburg überliefert. - M. P. zählt zu den Wegbereitern einer neuen Kunst, deren Gestaltungsprinzipien auf den Gesetzen der Linearperspektive aufbauten und damit kontinuierlich eine Verbindung zwischen Raum und Figuren rational herbeiführten. Figur, Architektur und Natur gehen einen neuen Zusammenhang ein, der die bisher geltende Ordnung mittelalterlicher Darstellungs- und Ausdrucksweisen überwindet. Im Verzicht auf den Goldgrund, in der Eroberung des Bildraumes, im realistischen Bewegungsrhythmus der plastischen, monumentalen Körper entwickelt M. P. seine künstlerische Formensprache zu meisterhafter Reife. Die Sicherheit in der Behandlung der Form und in der Gestaltung der Dinge und Figuren, die realistische Erfassung von Möbeln und Architekturen und die heroisierende Ausdruckskraft der Geste heben M. P. aus den Künstlern seiner Generation heraus und bestimmen seine außerordentliche Bedeutung als Maler und Bildschnitzer in der deutschen Kunst vor Albrecht Dürer.

Werke: Graz, Joanneum, Thomas-Becket-Altar, 1483/84; Gries b. Bozen, Alte Pfarrkirche, Marienkrönungsaltar, 1471-1475; München, Alte Pinakothek, Tafeln vom ehem. Hochaltar der Pfarrkirche von St. Lorenzen, 1462- 1483; Kirchenväteraltar aus Neustift, 1483 voll; St. Wolfgang, Pfarrkirche, Hochaltar, 1481 voll; Salzburg, Franziskanerkirche, Thronende Madonna vom ehem. Hochaltar, 1498 voll; Wien, Österreichische Galerie, Tafeln vom ehem. Hochaltar der Pfarrkirche von St. Lorenzen, 1462-1483; Flügelfragmente vom ehem. Hochaltar der Franziskanerkirche Salzburg, 1498 voll.

Lit.: R. Stiassny, M. P.s St. Wolfganger Altar, Wien 1919; - A. Schwabik, M. P.s Grieser Altar, Bonn 1933; - E. Strohmer, Der Pacher-Altar in St. Wolfgang, Wien 1940; - O. Schürer, M. P., Bielefeld-Leipzig 1940; - E. Hempel, Das Werk M. P.s, Wien 61952; - D. Frey, M. P.-Studien, in: Wiener Jhb. f. Kunstgeschichte, Bd. XV (XIX), Wien 1953, 23 ff.; - O. Demus, Studien zu M. P.s Salzburger Hochaltar, in: Wiener Jhb. f. Kunstgeschichte, Bd. XVI (XX), Wien 1954, 87 ff.,; - P. Halm, M. P. - Der Kirchenväter-Altar, Stuttgart 1957; - N. Rasmo, M. P., München 1969; - V. Oberhammer, Zu P.s St. Michael-Altar für die Pfarrkirche in Bozen, in: Wiener Jhb. f. Kunstgeschichte, Bd. 25, Wien 1972, 154 ff.; - B. Decker, Zur geschichtlichen Dimension in M. P.s Altären von Gries und St. Wolfgang, in: Städel-Jahrbuch, N. F. Bd. 6, München 1977, 293 ff.; - G. Goldberg, Zu M. P.s Kirchenväter-Altar in der Alten Pinakothek, in: Pantheon, Bd. 37, München 1979, 263 ff.

Norbert Werner

Letzte Änderung: 05.02.1999