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Band XXVII (2007) Spalten 1033-1042 Autor: Christoph Brandhuber

PACHLER, Amand, Abt des Stifts St. Peter in Salzburg (1657-1673), * 29.9. 1624 in Reichenhall, † 9.9. 1673 in Salzburg, begr. in der Stiftskirche St. Peter. - In Reichenhall als Sohn des Baders und Wundarztes Wolfgang Pachler und dessen erster Ehefrau Martha Leder (†1648) geboren, wurde der spätere Abt v. St. Peter am 30.9. 1624 auf den Namen Hieronymus getauft. Sein Taufpate war der Reichenhaller Zollgegenschreiber Gallus Rigel († 1643). Ab 1631 besuchte A. die Schule in Reichenhall, 1633 spendete ihm der Bischof v. Chiemsee, Johann Christoph Graf v. Liechtenstein († 1643), das Sakrament der Firmung. Im Juni 1636 kam er als Sängerknabe nach St. Peter und besuchte ab der Syntax-Klasse das Akademische Gymnasium in Salzburg. Zu Ostern 1641 trat er 17jährig in das Kloster St. Peter ein; seine Einkleidung erfolgte am 19.5. 1641. Im Stift führte er seither den Ordensnamen A. Nach dem Noviziat legte er am 31.8. 1642 die ewige Profeß in die Hände des Abtes Albert Keuslin (1591-1657) ab. Im September 1642 erhielt A. die vier niederen Weihen. 1645 begann er sein vierjähriges Theologiestudium, wurde zum Subdiakon geweiht und im Jahr darauf zum Diakon. Nach der Priesterweihe zu Weihnachten 1648, hielt A. seine Primiz am 3.1. 1649. Noch im selben Jahr wurde er Novizenmeister u. im Juni 1650 Subprior. Ab 1651 lehrte A. an der Benediktineruniversität Salzburg Philosophie, am 22. Juni 1653 promovierte er zum Dr. theol. Im selben Jahr erkrankte er jedoch schwer. Erst im Herbst 1654 nahm er seine Lehrtätigkeit wieder auf, indem er zum zweiten Mal den zweijährigen Philosophiekurs an der Universität leitete. 1656 wurde A. auf den Lehrstuhl für Moraltheologie berufen. - Am 3.1. 1657 starb Abt Albert Keuslin. Nachdem die beiden letzten Äbte v. auswärts zur Leitung des Stifts St. Peter bestellt wurden, fand im Februar 1657 wieder eine freie Abtswahl im Kloster statt. Trotzdem sollten dem Konvent drei Kandidaten zur Wahl vorgeschlagen werden: Abt Michael Trometer v. Michaelbeuern, P. Alphons Stadlmayr OSB, Rektor der Universität Salzburg, und P. Roman Miller OSB aus dem Kloster Seeon. Doch dieses Mal wollten die Ordensbrüder v. St. Peter einen Abt aus ihren eigenen Reihen wählen. Am 6. Februar begab sich der Landesfürst, FEB Guidobald Graf Thun (1616-1668), nach St. Peter, um die Bedingungen für eine korrekte Wahl zu prüfen. Er gestattete die freie Wahl doch sollte im Gegenzug der Konvent sein Präzedenzrecht bei Prozessionen an das Domkapitel abtreten. Als Wahlkommissare setzte er den FB v. Lavant, Maximilian Gandolph Graf v. Kuenburg (1622-1687), Abt Michael v. Michaelbeuern, Balthasar Zauchenperger, Direktor des feb.lichen Konsistoriums, und den Notar Dr. Johann Wilhelm Turner ein. Unter dem Vorsitz dieser Kommissare fand am 8. Februar 1657 die Wahl zum 71. Abt v. St. Peter statt, die bereits im ersten Wahlgang entschieden wurde. Von 19 Stimmen entfielen 17 auf A. - Der neue Abt wurde in einer für das Kloster St. Peter sehr schwierigen Situation gewählt. Da die Südseite des Domplatzes zu dieser Zeit architektonisch noch nicht geschlossen war, hatte FEB Thun den Bau eines zur Nordseite symmetrischen Gebäudes beschlossen. Dieser hätte jedoch dem Stift St. Peter Luft und Licht genommen, zudem wären die Fenster auf der Rückseite direkt über dem Klostergarten gewesen und hätten dem Salzburger Hofleben Einsicht in die Zellen der Konventsbrüder geboten. Außerdem war ein tief fundierter Treppenturm mit einer Latrine direkt vor den Fenstern des Refektoriums von St. Peter geplant und der Bau bereits begonnen worden. Gleich nach seiner Wahl überlegte daher Abt A., wie es ihm gelingen könnte, den FEB von diesem Bauvorhaben abzubringen. Er fertigte eine Modellskizze zunächst grob auf Papier an, wobei ihm der Gedanke kam, die äußere Mauer des neuen Gebäudes ähnlich in Höhe und Aussehen der gegenüberliegenden Residenzfassade zu errichten. Dieser Bau berücksichtigte auch die vom FEB gewünschte Galerie vom Residenzgebäude bis zur Domkirche ohne Behinderung des Klosters. Als der Salzburger Geheimrat und Hofkammerdirektor Johann Freiherr von Plaz (†1666) dem Abt zu seiner Wahl gratulierte, bat ihn A. sich beim FEB für das Kloster St. Peter zu verwenden. Am 16. März durfte er in Sonderaudienz vor FEB Guidobald vorsprechen, der ihm daraufhin erlaubte, eine genaue Skizze, Grundriss und Modell seines Planes anfertigen zu lassen. Drei Tage später ließ der FEB den Abt v. St. Peter zur Tafel rufen und bat ihn nach dem Mahl gemeinsam mit Rektor P. Alphons Stadlmayr und Mathematikprofessor P. Philibert Utz aus Melk zur Audienz. Vom Fenster aus musste A. noch einmal seine Pläne darlegen, dann erklärte sich der FEB bereit, dem Kloster St. Peter das bereits begonnene Gebäude zu schenken unter der Bedingung, dass die Fassade dasselbe Aussehen erhalte wie die Residenz und eine Galerie aufweise. Seit Guidobald Graf Thun am 19. März, dem Festtag des Hl. Joseph, in der Streitfrage endgültig eingelenkt hatte, war A. ein besonderer Verehrer dieses Heiligen. - Die Konfirmation von A. als Abt von St. Peter erfolgte am 20. März 1657 auf Schloß Mirabell, den Segen erhielt er am Tag darauf in der Stiftskirche St. Peter. Dem FEB assistierten dabei die Äbte von Michaelbeuern und Seeon. Wenige Wochen später erkrankte A. schwer. In der Karwoche 1657 litt er unter so heftigen Schmerzen, daß er seinen Verpflichtungen nicht nachkommen konnte. - Am 5. April sandte der FEB den Präsident des Konsistoriums, Dr. Balthasar Zauchenperger, nach St. Peter, um Abt u. Konvent an das Versprechen zu erinnern, das Präzedenzrecht abzutreten. Als der Abt auf Betreiben seiner Mitbrüder zunächst den Verzicht verweigerte, indem er vorschlug, daß sich der Konvent in Zukunft an keinen öffentlichen Prozessionen beteiligen werde, änderte auch der Landesfürst sein Vorhaben. Durch seine Geheimräte Dr. Zauchenperger und Ludwig Franz v. Rehlingen ließ FEB Guidobald ausrichten, sollte St. Peter nicht auf seine Rechte verzichten, so gedenke er, den geplanten Bau seinen ursprünglichen Vorstellungen gemäß zu errichten. In dieser ausweglosen Situation sahen sich Abt und Konvent gezwungen einzulenken. Am 4. Mai 1657 schenkte der FEB St. Peter das bereits angefangene Gebäude samt dem bereitgestellten Baumaterial und am 5. Mai wurden die Rangfragen des Vortritts durch einen Verzichtsvertrag geklärt. Der Abt v. St. Peter sollte demnach auf ewige Zeiten den Rang vor dem Domdechanten haben und gemeinsam mit Prior und Konvent künftig am Fronleichnamstag mit Chorrock und Pluviale auf der Epistelseite des Domes und bei der Prozession den rangniederen Platz gegenüber den Domherrn einnehmen. Die Beteiligung bei solchen Prozessionen wurde auf den Einzug und das Begräbnis des FEBs, Empfänge des Kaisers oder des Papstes sowie Überführung hl. Gebeine beschränkt. Das Domkapitel hatte fortan dem Stift St. Peter jährlich am Festtag des Hl. Benedikt acht Speziesdukaten zum Dank für den Verzicht zu reichen. - Das neue Gebäude wurde in der von FEB Thun gewünschten Form errichtet, jedoch auf Kosten des Stifts St. Peter, das der Hauptnutznießer der neuen Räumlichkeiten werden sollte. Der gesamte Bau wurde senkrecht geteilt; dem Salzburger Hof verblieben lediglich Teile des Erdgeschoßes und des dritten Stockes Richtung Domplatz. Das Erdgeschoß wurde für wirtschaftliche Zwecke genutzt; der dritte Stock diente künftig als Verbindungsgang zwischen dem heutigen Wallistrakt und den südlichen Dombögen, daneben als Museum und Galerie. In den Hauptteilen des Gebäudes, die Richtung St. Peter angelegt waren, entstanden unten die Fortsetzung des Kreuzganges, oben Kapitelsaal und Refektorium, im zweiten und vierten Stock zusätzlich ein neues Dormitorium. Der Bau war nach drei Jahren fertiggestellt und wurde v. Abt A. am 19.3. 1660, am Festtag des Hl. Joseph, gesegnet. Noch im selben Jahr wurde am 21.8. eine Kapelle im Dormitorium dem Hl. Nährvater Joseph geweiht. - Die neuen Räumlichkeiten erlaubten dem Abt verstärkt Personen in sein Kloster aufzunehmen, die den Verlockungen der Welt entsagen u. innerhalb der geschützten Klostermauern ihren Lebensabend verbringen wollten, um sich fernab des Hofes auf einen christlichen Tod vorbereiten zu können. Dazu zählten etwa der Hofkanzler Johann Christoph Mezger (1594-1658) und seine Ehefrau, die Ingolstädter Professorentochter Maria Elisabeth Menzel (†1671), deren drei Söhne als Ordensbrüder in das Stift St. Peter eingetreten waren, ebenso der mehrfach erwähnte Präsident des Salzburger Konsistoriums, Dr. Balthasar Zauchenperger († 1666). - Abt A. ließ 1658 einen Weinkeller anlegen, der mit großem Aufwand aus dem Mönchsberg gehauen werden mußte. Die Inschrift über dem Eingang zu Ehren der Hll. Petrus und Rupert verfaßte der Universitätsprofessor P. Roman Miller OSB. Zur Bautätigkeit des Abtes zählt auch die Einrichtung einer Konventgruft unter der St.-Veits-Kapelle. Ab 1661 wurden hier die Religiosen des Stifts St. Peter entweder "in cornu Epistolae" oder "in cornu Evangelii" bestattet. 1817 wurde die Gruft geräumt und die sterblichen Überreste der Mönche im Petersfriedhof begraben. - In der Stiftskirche ließ Abt A. vier neue Altäre errichten, die den Hll. Rupert, Benedikt und Joseph sowie der Jungfrau Maria geweiht wurden. Daneben entstand ein neues Oratorium für den Landesfürsten, während die beiden kleineren Oratoria nahe der Orgel erweitert wurden. Weiters bemühte sich der Abt um neuen Schmuck für das Grab des Hl. Rupert; er kaufte auch zwei Reliquiare hohen Wertes für die Gebeine der Hll. Rupert und Amandus. Die fast verfallene Einsiedelei des Hl. Maximus über dem Petersfriedhof befahl der Abt wieder instand zu setzen. - A. gelang auch die Beilegung der Streitigkeiten um die Pfarre Dornbach bei Wien. Der am 14.6. 1659 errichtete Vertrag zwischen dem Bischof v. Wien und dem Abt v. St. Peter legte fest, daß der Abt v. St. Peter einen geeigneten Konventbruder als Pfarrer v. Dornbach einsetzen dürfe. Verschiedener Ursachen wegen gelang es jedoch erst A.s Nachfolger, Abt Edmund Sinnhuber (1631-1702), einen Konventbruder als Pfarrer nach Dornbach zu bringen. - Anhand alter Manuskripte hatte der Abt in der Stiftskirche St. Peter nach dem Grab des Hl. Amandus graben lassen. Am 31.3. 1661 wurde es tatsächlich unter dem Hochaltar entdeckt. Die Reliquien wurden vor den vom Salzburger Hof entsandten Kommissaren geborgen; der hochfürstl. Leibarzt hatte ein genaues Protokoll über die gefundenen Gebeine zu diktieren, das notariell beglaubigt wurde. Am 26.10. 1661 wurden die Reliquien des Hl. Amandus im Altar des Hl. Johannes d. Täufers beigesetzt. Das Hochamt sang an diesem Festtag der Abt selber, die Messe lasen der FEB und einige Domherrn, dann sammelten sich die Marienkongregation und die Bruderschaften zur Prozession. Ihnen folgten die Augustiner-, Kapuziner- und Franziskanerordensbrüder, darauf das Konvikt und seine Professoren gefolgt von ihren Zöglingen und den Hofmusikanten. Der Konvent v. St Peter und die Domherrn reihten sich ein. Sechs Patres aus dem Kloster zogen den Festwagen mit den Reliquien, dem der Abt v. St. Peter u. der Salzburger FEB folgten. Der gesamte Hof und eine gewaltige Volksmenge schlossen sich ihnen an. Nach der Prozession kehrte man über den Petersfriedhof wieder ins Stift zurück. Vor dem Hochaltar wurden die Reliquien abgestellt u. der Universitätsprofessor P. Roman Miller OSB hielt eine panegyrische Festpredigt, nach deren Ende die Reliquien im Altar des Hl. Johannes d. Täufers beigesetzt wurden. Der Abt stimmte einen Hymnus Ambrosianus an u. fünfzig Kanonenschüsse beendeten den großartig inszenierten Festtag. - Als ehemaliger Sängerknabe war der Abt ein besonderer Musikliebhaber, knüpfte noch vor seiner Wahl Kontakte zum Innsbrucker Hofkapellmeister Johann Stadlmayr (um 1575 - 1648) und reformierte später die Kantorei seines Stiftes. Neben einem Kantor waren seither ein Organist, ein Präbendist, der als Choralsänger wirkte, und 15 bis 20 Sänger und Instrumentalisten angestellt, die meist an der Universität studierten und aufgrund ihrer guten Ausbildung mitunter in die Hofmusik überwechselten. - Obwohl A. ab seinem dreißigsten Lebensjahr unter schweren Gichtanfällen an Händen und Füßen zu leiden hatte, hinterließ er ein gewaltiges Corpus an Schriften, in welchen sich zunächst seine Lehrtätigkeit als Philosophie- u. Theologieprofessor an der Benediktineruniversität Salzburg widerspiegelt. Nach seiner Wahl zum Abt entwickelte A. ein ausgeprägtes Interesse an der Geschichte seines Stifts. In Druck erschienen aus aktuellem Anlaß eine Geschichte über den Hl. Amandus und seine Reliquien (1661), eine Abhandlung zum restaurierten Eremitorium über dem Petersfriedhof (1661), Untersuchungen über Leben u. Wunder des Hl. Vitalis (1663), die auch in deutscher Sprache erschienen, und eine historische Berichterstattung über die Reliquien des Hl. Martin v. Tours in Salzburg (1664). Aus Bescheidenheit ließ Abt A. diese Werke nicht unter seinem Namen drucken - als Verfasser wurde stets ein "asceta quidam monasterii S. Petri" genannt. - Neben diesen gedruckten Schriften hinterließ A. eine Vielzahl von Manuskripten. Er verfaßte eine kurze Selbstbiographie und führte nach seiner Wahl zum Abt ein Tagebuch, das in zwei Bänden erhalten ist. Auch mit seinen handschriftlichen Notizen in den Schreibkalendern des Priorats haben sich wertvolle biographische Daten aus seinem Leben erhalten. Daneben hinterließ A. genaue Aufzeichnungen und Zusammenfassungen über die v. ihm errichteten Gebäude. Große Aufmerksamkeit widmete er den Salzburger Heiligen und den Reliquien mit ihrer Geschichte. Er verfaßte eine zweibändige Chronik über das Stift Admont, schrieb die Geschichte seiner Vorgänger, der Äbte Martin, Joachim und Albert v. St. Peter, sowie Viten über Erzbischof Gebhard v. Salzburg und Bischof Hartmann v. Brixen. Eingehend befasste er sich mit seinem besonderen Schutzpatron, dem Hl. Nährvater Joseph, sammelte zahlreiche Legenden und stellte sämtliche Orte seiner Verehrung in detailgetreuer Beschreibung zusammen. Auch eine Passionsgeschichte des Hl. Thiemo ist aus der Feder dieses Abtes erhalten, daneben kritische Anmerkungen zu Franz Dückhers Salzburger Chronik. Ein Großteil seiner asketischen Schriften stammt noch aus seiner Zeit als Novizenmeister, wie Anleitungen zu verschiedenen Exerzitien, denen er selbst zwischen acht u. zehn Tagen im Jahr oblag. Diese Schriften hatte er teilweise seinen Novizen diktiert u. sind daher nicht v. seiner Hand erhalten. Mit dem Auftreten eines Steinleidens sammelte A. Gebete zu den Hll. Liborius u. Theobald, von deren Beistand er sich die Linderung seiner Krankheit versprach. - Am 14.4. 1673 erlitt Abt A., während des Hörens einer Messe in der Abteikapelle, einen Schlaganfall. Nach einem langen Leiden an Gicht, Steinschmerzen, Auszehrung u. Gedächtnisverlust starb Abt A. am 9.9. 1673, erst 48 Jahre alt. Das Begräbnis fand am 14.9. im Beisein des Salzburger FEBs Maximilian Gandolph Graf v. Kuenburg, mehrerer Äbte, Domherrn u. weiterer geistlicher Würdenträger statt. Der gesamte Hof und eine große Volksmenge gaben dem Abt das letzte Geleit, die Trauerrede hielt der Salzburger Theologieprofessor P. Desiderius Schapperger OSB (†1698). Abt A. wurde vor dem Altar des Hl. Josephs in St. Peter begraben, sein Herz in der Konventskrypta unter der St.-Veits-Kapelle beigesetzt. Sein erhaltenes Epitaph auf der linken Seite des Hochaltars gestaltete Bartholomäus van Obstal (um 1631-1694), der für seine Dienste 150fl. erhielt. Aufgrund seiner Bautätigkeit zählt Abt A. zu den bedeutendsten Äbten von St. Peter. Sein umfangreicher schriftlicher Nachlass zeigt ihn als einen umfassend gebildeten Barockgelehrten mit philosophischen, theologischen und nach seiner Abtwahl vor allem historischen Interessen. Die weitgehend lateinisch abgefassten Tagebücher lassen einen zutiefst religiösen und spirituellen Menschen erkennen, der am Alltagsgeschehen seiner Zeit regen Anteil nimmt, in Wirtschaftfragen geschickt taktiert, sich seiner lokalhistorischen Bedeutung gewiss ist und diese in demütiger Bescheidenheit der Nachwelt zu bewahren versucht.

Manuskripte und Texte Amand Pachlers im Archiv der Erzabtei St. Peter (nach P. Lindner): A. Historische: Rationale super novo aedificio ad S. Petrum Salisburgi annis 1657, 1658, 1659 et 1661 erecto et antiquo destructo sub Abbate Amando, 1661; Rationale super novum aedificium ad S. Petrum Salisburgi erectum et antiquum destructum ab 1657 - 1661; Compendiosa descriptio sacrarum reliquiarum, quae in Ecclesia cathedrali Salisburgensi asservantur; De allationibus (inventionibus et translationibus) Corporum Salisburgensium. Item Descriptio Reliquiarum et ossium in Ecclesia cathedrali in Sacristia asservatorum; De rebus Salisburgensibus variis antiquitatibus, possessionibus atque aliis rebus memorabilibus tam de Monasterio S. Petri, quam de Provincia et urbe Salisburgensi, 1659; Passio St. Thyemonis Juvavensis Archiepiscopi; Tabulae antiquae (numero 45) ligneae et aliae hinc inde repertae, in quibus multa notatu digna ab antiquis conscripta fuere, 1662; Vita et res gestae Beati Gebhardi, Archiepiscopi Salisburgensis, Fundatoris Monasterii Admontensis, 1665; Chronicon Admontense, 2 Bde., 1667; Acta Martini - Joachim - et Alberti Abbatum Monasterii S. Petri 1585-1657; Notae historico-criticae ad Chronicon Dückeri; Res gestae Abbatis Alberti; Diarium (privatum) P. Amandi Pachler, pro tempore Magistri Novitiorum a die 14. Aug. 1649 - Decembris 1656; Diarium abbatiale Amandi Pachler Abbatis; Brevis Autobiographia cum syllabo defunctorum benefactorum familiarium; Annotata in Calendariis usque ad 9. Julii 1673; Vita, translatio, epitaphia et officium B. Hartmanni Episcopi Brixensis, 1668.

B. Asketische: Domus cordis decem diebus aedificata, sive spiritualia Exercitia accommodata secundum ordinem trium viarum, purgativae, illuminativae et unitivae, 1650; Intentiones sanctae, quibus asceta spiritualis tota die Deo intendere et animam suam spiritualibus deliciis omni momento recreare poterit; ad distributionem monachorum Benedictinorum Congregationis Salisburgensis pro humilibus et spiritualis pugnae amantibus ascetis collectae et compositae, 1650; Libellus Sanctorum per annum collectus a P. Amando Pachler, Supriore et Novitiorum Magistro, 1651; Devotiones hebdomadales, quibus amabilis trias Jesus, Maria et Joseph speciali affectu in suis cultoribus coli et honorari possunt, 1651; Sententiae S. Bernardo valde familiares, Orationes ad S. Liborium et S. Theobaldum contra morbum calculi; Notamina, lumina, proposita in annuis Exercitiis spiritualibus ab 1664 usq. 1672 inclus.; Concio in festo A. Amandi, lingua latina habita 26. October; Exhortationes ad Novitios et Fratres Clericos 1650 et seq.; Quaestio scripturistica, quo sensu dixerit Apost. Paulus ad Galatas III, 10: "Quicunque ex operibus legis sunt, sub maledicto sunt.".

C. Philosophische: Compendium in physicam, dictata ab A. R. P. Amando Pachler, 1652-1653.

D. Verlorene: Catalogus Librorum Bibliothecae abbatialis; Catalogus Manuscriptorum secundum 44 titulos; Varia notabilia recentioria, seu Collectanea; Notata varia, theologica, historica, ascetica; Monita quaedam spiritualia; Libri precatorii; Tractatus de vita et virtutibus Patriarchae S. Josephi.

Gedruckte Werke: Historia de Corpore S. Amandi hujus nominis primi, in ordine vero secundi Episcopi Wormatiensis, a S. Ruperto Wormatia Salisburgum translato et hoc currente anno in Ecclesia S. Petri Salisburgi invento ac noviter translato die 26. October (1661). Ex antiquis monimentis Monasterii S. Petri collecta a quodam asceta ejusdem Monasterii, 1661; Brevis historia de Origine, Consecratione et Reparatione Speluncae seu Eremitorii ejusque Capellae in Monte prope coemeterium Monasterii S. Petri in civitate Salisburgensi, in lucem protracta collectore quodam asceta ejusdem monasterii, 1661; Disquisitiones in vitam et miracula Sanctissimi Vitalis, confessoris et pontificis, floridi Patroni, Episcopi secundi Salisburgensis, Praesulis et secundi Abbatis antiquissimi Monasterii S. Petri Salisburgi collectae ex antiquis monimentis authore asceta quodam ejusdem asceterii, 1663; Historische Beschreibung vom Leben und Wunderzeichen des hl. Vitalis anderten Bischoffen zu Salzburg und Abten des uhralten Closters St. Peter allda, 1663; Relatio historica de venerando Corpore S. Martini Episcopi Turonensis, qua ratione illud ex Gallia in Germaniam et Salisburgum delatum fuerit, 1664.

Quellen im Archiv der Erzabtei St. Peter: Descriptio vitae Amandi abbatis (Hs. A 55); Hauptinventar nach Abt Amand Pachler (Hs. A 490); Tod des Abtes Amand Pachler, Familiensachen (Akt 6); Briefe von verschiedenen Prälaten an die Äbte Albert und Amand (Akt 452).

Lit: Franz Dückher von Haslaw zu Winckl: Saltzburgische Chronica, Das ist: Beschreibung deß lands, Stifftung und denckwürdiger Geschichten, auch aller Bischöff, Ertz=Bischöff und Abbten zu St. Peter, deß Hoch=Löbl. Ertz=Striffts Saltzburg, 1666; - Series ac successio Salisburgensium abbatum S. Petri, ord. D. Benedicti, a primo fundati anno post virgineum partum D.LXXXII. coenobij antistite D. Ruperto Bojorum Apostolo usque ad reverendissimum ac amplissimum Dominum, Dominum Edmundum felicissimè nunc monasterio praesidentem, versibus ac gentilitijs insignibus adornata, 1687; - Historia Salisburgensis. Hoc est vitae Episcoporum et Archiepiscoporum Salisburgensium; nec non Abbatum Monasterij S. Petri ibidem: ac quae per illos ab Anno Domini 582. usque per XI. continua saecula, ad annum 1687. gesta fuêre, historica relatione proposita. Intermixtis insuper Rebus memorabilibus, quae illorum temporibus passim in Orbe Terrarum contigerunt. Authore Admodùm Reverendo Religiosissimo & Clarissimo P. Josepho Mezger (...). Quo, cum ad Ernesti Archiep. tempora pervenisset, fatis intercepto, reliquam Operis partem ad finem perduxerunt ipsius germani Fratres, Admodùm RR. RR. & Clarissimi PP. Franciscus et Paulus Mezgeri (...), 1692; - Historia almae et archi-episcopalis Universitatis Salisburgensis sub cura Benedictinorum, 1728; - Beda Seeauer, Novissimum Chronicon antiqui monasterii ad Sanctum Petrum Salisburgi Ordinis Sancti Benedicti. Exhibens ordinem chronologicum Episcoporum, Archiepiscoporum & Abbatum, qui per XII. saecula ab anno 583. Usque ad annum respective 1772, 1772, 563-581; - Placidus Berhandsky, Auszug der Neuesten Chronick des alten Benediktiner Klosters zu St. Peter in Salzburg, 1782, Bd. 2, 147-174; - Magnus Sattler, Collectaneen-Blätter zur Geschichte der ehemaligen Benedictiner-Universität Salzburg, 1890, 203f.; - Pirmin Lindner, Profeßbuch der Benediktiner-Abtei St. Peter in Salzburg (1419-1856), in: MGSL 46 (1906), 46-51; - Ägidius Kolb, Präsidium und Professorenkollegium der Benediktiner-Universität Salzburg 1617-1743, in: MGSL 102 (1962), 117-166; - Franz Martin, Salzburgs Fürsten in der Barockzeit, 19824; - Petrus Eder, Die Sankt-Petrischen Musikanten, in: Das Benediktinerstift St. Peter in Salzburg zur Zeit Mozarts, hrsg. v. d. Erzabtei St. Peter in Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Salzburg, 1991, 95-126; - ders., Abt Amand Pachler OSB: Rechenschaftsbericht über den Neubau zu St. Peter in den Jahren 1657 bis 1661 und über den Abriss des alten Gebäudes, in: Heinrich Franz Biber 1644-1704. Musik und Kultur im hochbarocken Salzburg. Studien und Quellen, hrsg. v. dems. u. Ernst Hintermaier, 1994, 111-140; - Adolf Hahnl, Der hochbarocke Neubau des Klosters St. Peter unter den Äbten Amand Pachler und Edmund Sinnhuber, in: Heinrich Franz Biber 1644-1704. Musik und Kultur im hochbarocken Salzburg. Studien und Quellen, hrsg. v. Petrus Eder u. Ernst Hintermaier, 1994, 95-110; - Jürg Stenzl, Ernst Hintermaier u. Gerhard Walterskirchen (Hrsg.), Salzburger Musikgeschichte. Vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert, 2005.

Christoph Brandhuber

Letzte Änderung: 25.02.2007