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Band VI (1993)Spalten 1427-1429 Autor: Peter Schmid

PACK, Otto von, * um 1480. + 8. Februar 1537 in Brüssel. - Er entstammte einem Meißnischen Adelsgeschlecht. Nach dem Studium der Rechte in Leipzig trat er in die Dienste Hg. Georgs von Sachsen und stieg bis zum Vizekanzler auf. Hg. Georg betraute ihn seit 1519 mit wichtigen Geschäften, namentlich mit der Vertretung auf den Reichstagen in den Jahren von 1522 bis 1526. O. v. P. steht im Ruf, das Vertrauen, das ihm Hg. Georg entgegengebracht hat, mißbraucht zu haben, um sich auf betrügerische Weise finanzielle Vorteile zu verschaffen. Das finanzielle Interesse scheint auch das Hauptmotiv für die Intrige gewesen zu sein, durch die er auf mehr unrühmliche Weise in die Geschichte eingegangen ist. Mit seinem Namen sind die sog. Packschen Händel verbunden, die das Reich in der angespannten religiösen Situation Ende der zwanziger Jahre des 16. Jh. an den Rand eines Religions- bzw. Bürgerkriegs gebracht haben. Auch innerhalb des Luthertums rissen die Packschen Händel eine tiefe Kluft in der Frage der Wahl und Rechtfertigung der Mittel zur Behauptung der neuen Konfession auf. Im Januar 1528 spielte O. v. P. Landgf. Philipp von Hessen die Nachricht zu, im Mai 1527 hätte sich in Breslau Ferdinand, der Bruder Karls V., mit den Kurfürsten von Mainz und Brandenburg, dem Erzbischof von Salzburg, den Bischöfen von Würzburg und Bamberg, Hg. Georg von Sachsen und den bayerischen Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig zu einem Bündnis zusammengeschlossen, um das Luthertum in Deutschland gewaltsam zu beseitigen und die lutherischen Gebiete unter sich aufzuteilen. Landgf. Philipp von Hessen, der mit großer Leidenschaft für die Belange des Luthertums eintrat und sich zum Schutze des neuen Glaubens und der fürstlichen Libertät auch mit dem Gedanken eines Krieges gegen den Kaiser und die katholischen Reichsstände anfreunden konnte, schenkte den Dokumenten, die ihm O. v. P. vorlegte, Glauben. In einem Präventivschlag fiel er in würzburgisches und bambergisches Gebiet ein. Die Veröffentlichung der vermeintlichen Bündnisurkunde, durch die sein Angriff gerechtfertigt werden sollte, führte aber zum Nachweis, daß es sich dabei um eine Fälschung handelte. O. v. P. blieb allerdings auch während des Verhörs, dem er sich im Juli 1528 im Beisein sächsischer Gesandter in Kassel unterziehen mußte, bei seiner Behauptung. Landgf. Philipp deckte ihn weiterhin trotz aller Zweifel, die ihm selbst mehr und mehr an dem angeblichen Bündnis kamen, und entließ ihn im Juni 1529 aus dem Gewahrsam. Verfolgt von den Häschern Hg. Georgs, floh O. v. P. durch das Reich, bis er schließlich im Jahr 1536 in den Niederlanden aufgegriffen wurde. Erst auf der Folter war er dazu bereit, seinen Betrug einzuräumen. Wegen Verrats und Anstiftung zur Empörung wurde er auf Betreiben Hg. Georgs von Sachsen zum Tode verurteilt und mit dem Beil hingerichtet.

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Lit.: Karl Schottenloher, Bibliographie zur deutschen Geschichte im Zeitalter der Glaubensspaltung 1517-1585, Bd. 4, 21957, Nrr. 40556a-40591; - Kurt Dülfer, Die Packschen Händel. Dartstellung und Quellen, 1958 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 24,3); - Paul Hansel, Die Auseinandersetzung des Schwäbischen Bundes mit Nürnberg vor dem Hintergrund der »Packschen Händel« 1528/29, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 66 (1979) 172-191.

Peter Schmid

Letzte Änderung: 15.11.2011