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Band VI (1993)Spalten 1429-1431 Autor: Siegbert Uhlig

PAEZ, Pedro, SJ, spanischer Äthiopienmissionar, * 1564 in Olmeda (Diözese Toledo), + 20.5. 1622 in GorgorØ (Äthiopien). - Nach Studium am Colegio das Artes, das zur Universität Coimbra gehörte, wurde er entsprechend seinem Wunsch, erklärt 1587, vom Jesuitenorden, dem er seit 1582 angehörte, für die Mission bestimmt. Er versuchte, über Goa (Westküste Indiens - 1588-89) und Hormuz (1589) nach Äthiopien zu reisen, wurde aber trotz der Verkleidung als armenischer Händler gefangengenommen und nach SancØ (Yemen) verbracht, wo er mindestens drei Jahre festgehalten wurde. Im Herbst 1596 im Auftrag des portugiesischen Vizekönigs von Indien freigekauft, wirkte er bis 1601 in der Indienmission. Im April 1603 gelang es ihm, Äthiopien zu betreten (vgl. sein Werk: »Litterae de suo in Ethiopiam ingressu...«). Das äthiopische Reich war nach dem Tode Kaiser Malak Sagads [= Èaróa Dengels, 1563-97] in einen zehnjährigen Machtkampf verwickelt, in dem Kaiser Za-dengel (1603-04) den Versuch unternahm, seine Position auch mit Hilfe ausländischer Kräfte zu festigen. So bat Za-Dengel Papst Clemens VIII. (1592-1605) 1604 um die Entsendung von Missionaren und erklärte sich bereit, den Papst anzuerkennen. Der Spanier wurde an den Hof geladen und gewann rasch das Vertrauen des reformfreudigen und gebildeten äthiopischen Herrschers. P. war klug: Er nahm Rückssicht auf die Glaubenstraditionen der äthiopischen Kirche (Sabbatobservanz, Beschneidung, Reinheitsgebote, etc.) und verfolgte eher eine Art Union (etwa nach maronitischem Muster) denn eine konfrontierende Missionsstrategie. Seine Kenntnis des Arabischen, des Amharischen sowie des Gecez verschafften ihm nicht nur Zugang zu wichtigen schriftlichen Quellen der Religion und Kultur des Landes, sondern machen seine detaillierten Beschreibungen verschiedener Regionen, seiner Bewohner und der Fauna zur Fundgrube der Äthiopienkunde des 17. Jh. Gegen den Widerstand des einheimischen Klerus holte der Kaiser in wichtigen Fragen den Rat des Europäers ein. Als im Lande das Gerücht umging, Za-dengel habe den katholischen Glauben angenommen, brach eine vom Metropoliten unterstützte Militärrevolte aus, in der der Kaiser umkam. Einem weiteren Interimsherrscher (YØcqob, 1605-07) folgte Susenyos [= Èel÷Øn Sagad, 1607-32] nach, der im 11. Regierungsjahr in einer Schlacht, in der der Metropolit und andere Kleriker den Tod fanden, seine Gegner bezwang. Susenyos achtete P. wegen seiner theologischen Kenntnis, der asketischen Lebensweise und wegen praktischer Fähigkeiten, die im Bau von Klöstern, Kirchen und Palästen ihren Ausdruck fanden. Der Kaiser, der sich bereits längere Zeit dem Glauben der Europäer genähert und in Korrespondenzen mit europäischen Herrschern und dem Papst um Bündnisse nachgesucht hatte - wobei gleichzeitig die Position des Hauptkontrahenten der Reformgruppe, des Metropoliten Semcon (1607-17) schwächer wurde -, unterrichtete Susenyos von 1613 an P. wiederholt davon, daß er sich von der äthiopischen Kirche trennen wolle. Eine Reihe von Disputationen, zu denen der Kaiser Klostervorsteher und äthiopische Gelehrte wie die Jesuiten 1614 lud, hatte einen Aufruhr der alexandrinischen Partei zur Folge. Nachdem P. den Bau verschiedener Gebäude wie einer Kirche im europäischen Stil überwacht und diese im Januar 1622 fertiggestellt und nachdem der äthiopische Herrscher definitiv die Übernahme des römnischen Bekenntnisses bekundet hatte, starb P. an einem Fieber im Mai 1622. Die Erklärung des römisch-katholischen Glaubens zur Staatsreligion durch den Kaiser führte nach dem Tode des Spaniers zum Bürgerkrieg und letztendlich mit zur Isolierung des Landes. In der europäischen Literatur machte die Konversion des Kaisers und der verordnete Bekenntniswechsel des äthiopischen Klerus P. zum »zweiten Apostel Äthiopiens«. Über Kirche und Mission hinaus hatte seine Entdeckung der Nilquellen und die von ihm verfaßte Geschichte Äthiopiens Bedeutung.

Werke: Litterae de suo in Ethiopiam ingressu, datae Fremonae, 24 julii 1603, in: Manuel de Almeida, Historia geral de Ethiopia a alta ov Preste Ioam ... abreviada ... pelo padre Balthezar Tellez ..., Coimbra 1660, 117-137; Litterae annuae Ethiopiae anni 1617, in: Lettere annve del Giapone, China, Goa, et Ethiopia. Scritte al M.R.P. Generale della Compagnia de Giesù. Da Padri dell' istessa Compagnia ne gli anni 1615. 1616. 1617. 1618. 1619 ...; Relatio de origine Nili, 1618, in: Athanasius Kircher, Mundus subterraneus, in XII libros digestus ..., Amstelodami 1665, 72 f. und in: Kircher, Oedipvs aegyptiacvs. Hoc est Vniuersalis hieroglyphicae veterum doctrinae temporum iniuria abolitae iustarratio ..., I Romae 1652, 57-59; Historia Aethiopiae, in: C. Beccari (Hrsg.), Historiae Aethiopiae = Rerum Ethiopicarum scriptores occidentales inediti a saeculo XVI. ad XIX... II-III, Roma 1905-06, auch in: [Pêro Pais,] História da Etiópia. Reproduço da códice coevo inédito da Biblioteca Pública de Braga I-III, Porto 1945-46.

Lit.: C. Beke, Memoire justificatif en réhabilitation des Pères P. Paez et J. Lobo en ce que concerne leurs visites à la source de l'Abbai (Le Nil)... 1848; - M.W. Desborough Cooley, Notice sur le p. P. Paes, in: Bulletin de la Société de Geographie III (Paris 1872) 532 f.; - C. Sommervogel, Bibliothèque de la Compagnie de Jésus, VI Brüssel-Paris 1895, 82-84; - P. Tacchi-Venture, Pietro Paez, Apostolo dell'Abissinia al Principio del Secolo XVII, in Civiltà Cattolica 3, 1905, 560-581; - C. Beccari (s. unter »Werke«) VIII-XIV; - J.-B. Coulbeaux, Histoire politique et religieuse d'Abyssinie depuis les temps les plus reculés jusqu'à l'avènement de Ménélick II ..., Paris 1929, 173-208; - C. Wessels, Pedro Paez, 1622-1922, in Studies 92, 1922, 1-20; - L. Koch, SJ, Jesuiten-Lexikon. Die Gesellschaft Jesu einst und jetzt, Paderborn 1934, Nachdruck Löwen-Heverlee 1962, II, 1358 f.; - Philip Caraman, The Lost Empire. The Story of the Jesuits in Ethiopia 1555-1634, London 1985.

Siegbert Uhlig

Letzte Änderung: 06.03.2003