PAEZ, Pedro, SJ, spanischer Äthiopienmissionar, * 1564 in Olmeda
(Diözese Toledo), + 20.5. 1622 in GorgorØ (Äthiopien).
- Nach Studium am Colegio das Artes, das zur Universität Coimbra
gehörte, wurde er entsprechend seinem Wunsch, erklärt 1587, vom Jesuitenorden,
dem er seit 1582 angehörte, für die Mission bestimmt. Er versuchte,
über Goa (Westküste Indiens - 1588-89) und Hormuz (1589) nach
Äthiopien zu reisen, wurde aber trotz der Verkleidung als armenischer
Händler gefangengenommen und nach SancØ (Yemen) verbracht,
wo er mindestens drei Jahre festgehalten wurde. Im Herbst 1596 im
Auftrag des portugiesischen Vizekönigs von Indien freigekauft, wirkte
er bis 1601 in der Indienmission. Im April 1603 gelang es ihm, Äthiopien
zu betreten (vgl. sein Werk: »Litterae de suo in Ethiopiam ingressu...«).
Das äthiopische Reich war nach dem Tode Kaiser Malak Sagads [= Èaróa
Dengels, 1563-97] in einen zehnjährigen Machtkampf verwickelt, in
dem Kaiser Za-dengel (1603-04) den Versuch unternahm, seine Position
auch mit Hilfe ausländischer Kräfte zu festigen. So bat Za-Dengel
Papst Clemens VIII. (1592-1605) 1604 um die Entsendung von Missionaren
und erklärte sich bereit, den Papst anzuerkennen. Der Spanier wurde
an den Hof geladen und gewann rasch das Vertrauen des reformfreudigen
und gebildeten äthiopischen Herrschers. P. war klug: Er nahm Rückssicht
auf die Glaubenstraditionen der äthiopischen Kirche (Sabbatobservanz,
Beschneidung, Reinheitsgebote, etc.) und verfolgte eher eine Art Union
(etwa nach maronitischem Muster) denn eine konfrontierende Missionsstrategie.
Seine Kenntnis des Arabischen, des Amharischen sowie des Gecez
verschafften ihm nicht nur Zugang zu wichtigen schriftlichen Quellen
der Religion und Kultur des Landes, sondern machen seine detaillierten
Beschreibungen verschiedener Regionen, seiner Bewohner und der Fauna
zur Fundgrube der Äthiopienkunde des 17. Jh. Gegen den Widerstand
des einheimischen Klerus holte der Kaiser in wichtigen Fragen den
Rat des Europäers ein. Als im Lande das Gerücht umging, Za-dengel
habe den katholischen Glauben angenommen, brach eine vom Metropoliten
unterstützte Militärrevolte aus, in der der Kaiser umkam. Einem weiteren
Interimsherrscher (YØcqob, 1605-07) folgte Susenyos [= Èel÷Øn
Sagad, 1607-32] nach, der im 11. Regierungsjahr in einer Schlacht,
in der der Metropolit und andere Kleriker den Tod fanden, seine Gegner
bezwang. Susenyos achtete P. wegen seiner theologischen Kenntnis,
der asketischen Lebensweise und wegen praktischer Fähigkeiten, die
im Bau von Klöstern, Kirchen und Palästen ihren Ausdruck fanden. Der
Kaiser, der sich bereits längere Zeit dem Glauben der Europäer genähert
und in Korrespondenzen mit europäischen Herrschern und dem Papst um
Bündnisse nachgesucht hatte - wobei gleichzeitig die Position des
Hauptkontrahenten der Reformgruppe, des Metropoliten Semcon
(1607-17) schwächer wurde -, unterrichtete Susenyos von 1613 an P.
wiederholt davon, daß er sich von der äthiopischen Kirche trennen
wolle. Eine Reihe von Disputationen, zu denen der Kaiser Klostervorsteher
und äthiopische Gelehrte wie die Jesuiten 1614 lud, hatte einen Aufruhr
der alexandrinischen Partei zur Folge. Nachdem P. den Bau verschiedener
Gebäude wie einer Kirche im europäischen Stil überwacht und diese
im Januar 1622 fertiggestellt und nachdem der äthiopische Herrscher
definitiv die Übernahme des römnischen Bekenntnisses bekundet hatte,
starb P. an einem Fieber im Mai 1622. Die Erklärung des römisch-katholischen
Glaubens zur Staatsreligion durch den Kaiser führte nach dem Tode
des Spaniers zum Bürgerkrieg und letztendlich mit zur Isolierung des
Landes. In der europäischen Literatur machte die Konversion des Kaisers
und der verordnete Bekenntniswechsel des äthiopischen Klerus P. zum
»zweiten Apostel Äthiopiens«. Über Kirche und Mission hinaus hatte
seine Entdeckung der Nilquellen und die von ihm verfaßte Geschichte
Äthiopiens Bedeutung.
Werke: Litterae de suo in Ethiopiam ingressu, datae Fremonae,
24 julii 1603, in: Manuel de Almeida, Historia geral de Ethiopia a
alta ov Preste Ioam ... abreviada ... pelo padre Balthezar Tellez
..., Coimbra 1660, 117-137; Litterae annuae Ethiopiae anni 1617, in:
Lettere annve del Giapone, China, Goa, et Ethiopia. Scritte al M.R.P.
Generale della Compagnia de Giesù. Da Padri dell' istessa Compagnia
ne gli anni 1615. 1616. 1617. 1618. 1619 ...; Relatio de origine Nili,
1618, in: Athanasius Kircher, Mundus subterraneus, in XII libros digestus
..., Amstelodami 1665, 72 f. und in: Kircher, Oedipvs aegyptiacvs.
Hoc est Vniuersalis hieroglyphicae veterum doctrinae temporum iniuria
abolitae iustarratio ..., I Romae 1652, 57-59; Historia Aethiopiae,
in: C. Beccari (Hrsg.), Historiae Aethiopiae = Rerum Ethiopicarum
scriptores occidentales inediti a saeculo XVI. ad XIX... II-III, Roma
1905-06, auch in: [Pêro Pais,] História da Etiópia. Reproduço da códice
coevo inédito da Biblioteca Pública de Braga I-III, Porto 1945-46.
Lit.: C. Beke, Memoire justificatif en réhabilitation
des Pères P. Paez et J. Lobo en ce que concerne leurs visites à la
source de l'Abbai (Le Nil)... 1848; - M.W. Desborough Cooley,
Notice sur le p. P. Paes, in: Bulletin de la Société de Geographie
III (Paris 1872) 532 f.; - C. Sommervogel, Bibliothèque de la
Compagnie de Jésus, VI Brüssel-Paris 1895, 82-84; - P. Tacchi-Venture,
Pietro Paez, Apostolo dell'Abissinia al Principio del Secolo XVII,
in Civiltà Cattolica 3, 1905, 560-581; - C. Beccari (s. unter
»Werke«) VIII-XIV; - J.-B. Coulbeaux, Histoire politique et religieuse
d'Abyssinie depuis les temps les plus reculés jusqu'à l'avènement
de Ménélick II ..., Paris 1929, 173-208; - C. Wessels, Pedro Paez,
1622-1922, in Studies 92, 1922, 1-20; - L. Koch, SJ, Jesuiten-Lexikon.
Die Gesellschaft Jesu einst und jetzt, Paderborn 1934, Nachdruck Löwen-Heverlee
1962, II, 1358 f.; - Philip Caraman, The Lost Empire. The Story
of the Jesuits in Ethiopia 1555-1634, London 1985.