PAGANO, Eustachio, SJ, Beichtvater und Berater der Erzherzogin Claudia
von Tirol, * 1590 in Neapel, + 16.VII.1656 in Neapel. -
1605 trat P. in die Gesellschaft Jesu ein und wirkte später als Professor
für Philosophie und Theologie und als Rektor des Kollegs von Wien.
Erzherzogin Claudia von Tirol, Witwe des 1632 verstorbenen Erzherzogs
Leopold, schickte P. 1634 nach Madrid, um bei Philipp IV. die Übertragung
der bisherigen Pensionszahlungen auf ihre Kinder zu erwirken. P. erreichte
nicht nur die Fortzahlung der Gelder, sondern auch die Zusage, daß
Claudia und ihre unmündigen Kinder (ihr Vormund war Kaiser Ferdinand
II., Bruder des verstorbenen Leopold) fortan unter dem Schutz der
spanischen Krone stünden. Philipp IV. war nicht nur aus dynastischen
Gründen an einem guten Verhältnis zum Haus Tirol interessiert; für
seine Truppentransporte von Mailand in die Niederlande brauchte er
die Durchzugserlaubnis der Erzherzogin. Claudia war außerdem im Besitz
der strategisch wichtigen Festung Breisach am Oberrhein, die für die
Sicherheit der Freigrafschaft Burgund von größter Bedeutung war. Deshalb
bot Philipp IV. 1635 durch P. an, den Schutz der Festung durch eine
spanische Garnison zu verstärken. 1637 überbrachte P. das Einverständnis
Claudias. Der spanische Staatsrat riet jedoch zur Vorsicht, da Kaiser
Ferdinand III., der seinem 1637 verstorbenen Vater auf dem Thron gefolgt
war, mit Rücksicht auf die Stimmung im Reich keine Präsenz spanischer
Truppen auf Reichsboden wünschte. 1638 wurde Breisach dann von Herzog
Bernhard von Weimar eingenommen. P. bat in Madrid auch um Unterstützung
des Königs bei der Verheiratung der Kinder Claudias und bei der Durchsetzung
ihrer Rechte gegenüber Graubünden. - Im November 1642 ist P. noch
in Madrid belegt. 1644-49 war er der Sprachlehrer der erzherzoglichen
Kinder; 1647 trat er die Nachfolge Pietro Malaspinas als Beichtvater
der Erzherzogin an. - Dem Jesuitengeneral Muzio Vitelleschi mißfiel
die enge Bindung P.'s an den Innsbrucker Hof und seine diplomatische
Tätigkeit. Aber Claudia widersetzte sich einer Abberufung des Paters.
- Nach dem Urteil des kaiserlichen Botschafters in Madrid war
P. dem Haus Österreich treu ergeben. - 1654 kehrte P. nach Italien
zurück und starb 1656 im Dienste der Pestkranken.
Lit.: Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern
deutscher Zunge, 2.2 (1913); - Hildegard Ernst: Madrid und Wien
1632-1637. Politik und Finanzen in den Beziehungen zwischen Philipp
IV. und Ferdinand II., 1991.