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Band VI (1993)Spalten 1431-1432 Autor: Hildegard Ernst

PAGANO, Eustachio, SJ, Beichtvater und Berater der Erzherzogin Claudia von Tirol, * 1590 in Neapel, + 16.VII.1656 in Neapel. - 1605 trat P. in die Gesellschaft Jesu ein und wirkte später als Professor für Philosophie und Theologie und als Rektor des Kollegs von Wien. Erzherzogin Claudia von Tirol, Witwe des 1632 verstorbenen Erzherzogs Leopold, schickte P. 1634 nach Madrid, um bei Philipp IV. die Übertragung der bisherigen Pensionszahlungen auf ihre Kinder zu erwirken. P. erreichte nicht nur die Fortzahlung der Gelder, sondern auch die Zusage, daß Claudia und ihre unmündigen Kinder (ihr Vormund war Kaiser Ferdinand II., Bruder des verstorbenen Leopold) fortan unter dem Schutz der spanischen Krone stünden. Philipp IV. war nicht nur aus dynastischen Gründen an einem guten Verhältnis zum Haus Tirol interessiert; für seine Truppentransporte von Mailand in die Niederlande brauchte er die Durchzugserlaubnis der Erzherzogin. Claudia war außerdem im Besitz der strategisch wichtigen Festung Breisach am Oberrhein, die für die Sicherheit der Freigrafschaft Burgund von größter Bedeutung war. Deshalb bot Philipp IV. 1635 durch P. an, den Schutz der Festung durch eine spanische Garnison zu verstärken. 1637 überbrachte P. das Einverständnis Claudias. Der spanische Staatsrat riet jedoch zur Vorsicht, da Kaiser Ferdinand III., der seinem 1637 verstorbenen Vater auf dem Thron gefolgt war, mit Rücksicht auf die Stimmung im Reich keine Präsenz spanischer Truppen auf Reichsboden wünschte. 1638 wurde Breisach dann von Herzog Bernhard von Weimar eingenommen. P. bat in Madrid auch um Unterstützung des Königs bei der Verheiratung der Kinder Claudias und bei der Durchsetzung ihrer Rechte gegenüber Graubünden. - Im November 1642 ist P. noch in Madrid belegt. 1644-49 war er der Sprachlehrer der erzherzoglichen Kinder; 1647 trat er die Nachfolge Pietro Malaspinas als Beichtvater der Erzherzogin an. - Dem Jesuitengeneral Muzio Vitelleschi mißfiel die enge Bindung P.'s an den Innsbrucker Hof und seine diplomatische Tätigkeit. Aber Claudia widersetzte sich einer Abberufung des Paters. - Nach dem Urteil des kaiserlichen Botschafters in Madrid war P. dem Haus Österreich treu ergeben. - 1654 kehrte P. nach Italien zurück und starb 1656 im Dienste der Pestkranken.

Lit.: Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge, 2.2 (1913); - Hildegard Ernst: Madrid und Wien 1632-1637. Politik und Finanzen in den Beziehungen zwischen Philipp IV. und Ferdinand II., 1991.

Hildegard Ernst

Letzte Änderung: 06.02.1999