Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band VI (1993)Spalten 1464-1466 Autor: Peter Schmid

PALLAVICINO, Pietro Sforza, * 28.11. 1607 in Rom als Angehöriger eines lombardischen Adelsgeschlechts. + 5.6. 1667 in Rom. - Nach dem Studium der Philosophie und Theologie am Collegium Romanum trat er in den Verwaltungsdienst der Kurie ein. Gleichzeitig stand er in engem Kontakt zu schöngeistigen und literarischen Kreisen Roms, zu denen auch der päpstliche Sekretär Giovanni Ciampoli und Fabio Chigi, der spätere Papst Alexander VII., gehörten. Seine hoffnungsvolle Beamtenlaufbahn wurde im Jahr 1632 abrupt beendet, als er wegen seiner Freundschaft mit dem in Ungnade gefallenen Ciampoli das Mißfallen Papst Urbans VIII. auf sich lenkte und Rom verlassen mußte. Ein neuer Lebensabschnitt begann für ihn mit dem Eintritt in den Jesuitenorden am 21.6. 1637. Von seinem Orden wurde er von 1639-1651 als Professor, zunächst für Philosophie und später für Theologie, ans Collegium Romanum entsandt. Die höchsten geistlichen Würden erlangte er unter dem Pontifikat seines päpstlichen Freundes Alexander VII. Dieser ernannte ihn am 9.4. 1657 im Konsistorium zum Kardinal in petto. Die Publikation erfolgte am 10.11. 1659. P. verfaßte mehrere literarische Werke, darunter die Schultragödie Ermenegildo (1644), Gedichte und eine Schrift über Stilkunst (Considerazioni sopra l'arte dello stile e del dialogo, 1646). Als Frucht seiner Lehrtätigkeit am Collegium Romanum ist sein achtbändiges dogmatisches Werk »Assertiones theologicae« (1652) anzusehen. Die ersten fünf Jahre des Pontifikats Alexanders VII. beschrieb er in der Vita di Alessandro VII, bei der er aus seiner persönlichen Kenntnis und guten schriftlichen Quellen schöpfen konnte. Obwohl P. kein Historiker war, verdankt er seine bleibende historische Bedeutung seiner Tätigkeit als Geschichtsschreiber des Konzils von Trient. Im Jahr 1652 erhielt er von Papst Innozenz X. den Auftrag, eine Geschichte des Konzils von Trient aus päpstlicher Sicht zu schreiben und damit ein Gegengewicht zu der in der Zeit allgemein tonangebenden Darstellung des Servitenmönchs Paolo Sarpi zu schaffen. Vor allem sollte P. die Grundthese Sarpis widerlegen, wonach das Konzil eine große Intrige des Papsttums gewesen sei, um seine Macht zu erweitern. Bei seiner Arbeit konnte sich P. auf die Quellensammlung stützen, die Terenzio Alciati (+ 1651) seit dem Jahr 1625 zusammengetragen hatte, die er aber seinerseits noch beträchtlich erweiterte. 1656/7 lag seine Istoria del Concilio di Trento in zwei Bänden im Druck vor. Dieses Werk übertrifft das Opus Sarpis an Umfang beträchtlich, widerlegt Sarpis Aussagen in zahlreichen Punkten und ist insgesamt als wesentlich zuverlässiger einzustufen. Hinsichtlich der Darstellungsweise erweist sich P. allerdings Sarpi gegenüber als unterlegen. Auch wenn das Werk als Apologie des Papsttums konzipiert war, so versäumte es P. dennoch nicht, auch Fehler der päpstlichen Politik aufzuzeigen. Trotz der Vorzüge gegenüber Sarpis Darstellung und trotz der freudigen Aufnahme seitens der Kurie blieb P.s Werk aber der angestrebte durchschlagende Erfolg versagt. Es konnte Sarpis Sicht der Dinge nicht grundsätzlich verdrängen. Im Bereich der katholischen Kirche konnte es aber bis ins 19. Jh. den Rang beanspruchen, die maßgebliche Darstellung des Konzils von Trient zu sein.

Bibliographie: Carlos Sommervogel, Bibliothèque de la Compagnie de Jésus, VI, 1895, 120-143; IX, 1900, 748; XI, 1932, 137, 1844-1845; XII, 1960, 629, 1176-1177.

Lit.: Opere, 2 Bde., 1834; 33 Bde., 1844-1848; 5 Bde., hrsg. von D. Gigli, 1944-1948; - Assertiones theologicae, 8 Bde., 1649-1652; - Istoria del Concilio di Trento scritta dal Padre Sforza Pallavicino della Compagnia di Giesu ove insieme rifiutasi con autorevoli testimonianze un'Istoria falsa divolgata nello stesso argomento sotto nome di Pietro Soave Polano. Alla Santità di Nostro Signore Papa Alessandro VII, 2 Bde., 1656-1657; 3 Bde., 21663-1664; 6 Bde., hrsg. von F. A. Zaccaria, 1792-1797; lateinische Ausgabe von G. B. Giattino, 1670; deutsche Ausgabe, hrsg. von Th. F. Klitsche, 8 Bde., 1835-1836. Eine von P. verfaßte verkürzte Ausgabe erschien 1666 unter dem Namen seines Sekretärs G. Cataloni; - Ireneo Affò, Memorie della vita e degli studi di Sforza Pallavicino, in: Raccolta di opuscoli scient. e lett. ecc., V, 1780, 1-64; wieder abgedruckt bei Zaccaria, I, S. XVII-LII; - Ders., Sforza Pallavicino, cardinale, in: Memorie degli scrittori e letterati parmigiani, V, 1797, 89-160; - I. Pallavicino Mossi, Sforza Pallavicino, 1933; - Hubert Jedin, Der Quellenapparat der Konzilsgeschichte Pallavicinos. Das Papsttum und die Widerlegung Sarpis im Lichte neuerschlossener Archivalien, 1940 (Miscellanea Historiae Pontificiae, IV); - Ders., Das Konzil von Trient. Ein Überblick über die Erforschung seiner Geschichte, 1948; - Franco Croce, I critici moderato-barocchi -III- Sforza Pallavicino, in: Rassegna della letteratura italiana 60, 1956, 438-470; - C. Jannaco - M. Capucci, Il Seicento, 1963; - Remigius Bäumer, Das Konzil von Trient und die Erforschung seiner Geschichte, in: Ders. (Hrsg.), Concilium Tridentinum, 1979, 3-48; - LThK, VIII, 1963, Sp. 6-7; - RGG, IV, 1960, Sp. 876-877; - Enciclopedia Italiana, XXVI, 1949, 115-126; - Grande Dizionario Enciclopedico Utet, 31970, 29.

Peter Schmid

Letzte Änderung: 06.02.1999