PANKOK, Otto, * 6.6. 1893 in Mühlheim a. d. Ruhr, + 20.10.
1966 in Wesel. Maler und Graphiker. - Im Leben dieses Künstlers
lassen sich drei Werkperioden unterscheiden: Die erste umfaßt die
frühen Anfänge bis zur Reife, die zweite kann in die Jahre 1930/33-1945
gelegt werden, die dritte beginnt 1947 mit seiner Professur in Düsseldorf.
Beginnt P. als Impressionist, so wurde er berühmt durch seine expressionistische
Formgebung unter Verwendung von Schwarz-Weiß-Grau-Abstufungen. Sein
Hauptaugenmerk galt der sozialen Welt, dem Widerstand gegen alle Formen
von Anpassung, was ihn auch zum erbitterten Gegner der Nazis machte,
die ihn verfolgten und seine Kunst als entartet bezeichneten, was
dazu führte, das 56 seiner Werke aus deutschen Museen entfernt und
vernichtet wurden. In seiner Offenheit für alles Verfolgte galt seine
besondere Aufmerksamkeit den Zigeunern, nach seinen Worten den »kindlichsten
Menschen Europas« und den oft so verhaßten Juden. Eng damit in Verbindung
steht auch sein berühmtes Werk der »Passion«, das 1936 entstanden
ist. Im selben Lichte sind zu sehen die Schöpfungen »Jüdisches Schicksal«
von 1947 und die »Zigeuner« von 1947, bzw. 1958. Von der »Passion«,
die ihn vor allem in die Reihe von Sakralkünstlern dieses Jahrhunderts
einreiht, sagt bezeichnend Friedrich W. Heckmanns: »Der Umfang und
Expressivität aller bisherigen Passionsdarstellungen sprengende Zyklus
ist allerdings ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung - über
eine Deutung längst hinausgewachsen, die ihn allein aus seinem aktuellen
Zeitbezug zu erklären versucht. Seine offenbare Einmaligkeit läßt
ihn als ein Jahrhundertwerk erscheinen, von einer Ausstrahlung, wie
sie einem jeden Kunstwerk innewohnt.« (S. 164). 1950 entsteht der
Holzschnitt »Christus zerbricht das Gewehr«, damals ein eindringliches
Symbol für die Sehnsucht der Menschen nach Frieden. Dieses Werk schenkte
er Papst Pius XII. - Sein Holzschnittwerk verdichtete sich 1956-57
zu einem Zyklus von 40 farbschnitten zu dem berühmtesten Volksbuch
der chinesischen Literatur aus dem 13. Jh. »Die Räuber von Liang Schaan
Moor«. Auch hier wird das Thema deutlich: Gnade für die Unterdrückten
wird erzwungen. Heute findet sein Werk Ausstellung im Otto-Pankok-Museum
im Haus Esselt zu Hünxe-Drevenack.
Lit.: R. Zimmermann, Otto Pankok, das Werk des Malers,
Holzschneiders und Bildhauers, Berlin2 1972; - Fr. W. Heckmanns,
Die Passion in 60 Bildern von Otto Pankok, Köln 1992.