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Band XXIII (2004) Spalten 1039-1058 Autor: Hubertus R. Drobner

PANKRATIUS, hl., Martyrer in Rom, 3. oder 4. Jh. (Fest: 12. Mai). - Die historische Gestalt des P. ist nicht in allen Einzelheiten eindeutig faßbar, seine Verehrung aber so alt und weit verbreitet, daß an seiner Existenz und den Grundzügen seiner Vita nicht zu zweifeln sein dürfte. Die von den Bollandisten herausgegebene Passio aus dem 6. oder 7. Jh. (ActaSS Maii III [1680] 17-22) berichtet, P. sei als einziges Kind eines vornehmen Ehepaares namens Kleonios und Kyriada in der Stadt Synnada in Phrygien zur Welt gekommen. Nach dem Tod der Mutter habe ihn sein Vater seinem Bruder Dionysios zur Erziehung anvertraut. Drei Jahre darauf seien P. und Dionysios nach Rom gereist und hätten auf den Familiengütern auf der insula Cuminiana am Mons Caelius Wohnung genommen. Gleichzeitig habe sich in demselben Viertel Papst Caius vor der Christenverfolgung verborgen gehalten, dort den Menschen zahlreiche Wohltaten erwiesen und viele durch sein Wort und Zeugnis zum Christentum bekehrt. Davon angezogen, hätten P. und sein Onkel Dionysios den Papst aufgesucht und von ihm nach zwanzigtägiger Unterweisung die Taufe empfangen. Diese habe sie mit solch heiliger Begeisterung erfüllt, öffentlich für den Glauben Zeugnis abzulegen, daß sie sich freiwillig den Verfolgern ausgeliefert hätten. Unmittelbar darauf erzählt die Passio aber, Dionysios sei wenige Tage nach der Taufe friedlich entschlafen und nur P. aufgrund eines generellen Verfolgungsbefehls Kaiser Diokletians gefangengenommen worden. Da P. vornehmer Abstammung gewesen sei, habe man ihn Kaiser Diokletian persönlich vorgeführt. Dieser habe versucht, den Jüngling von höchstens 15 Jahren, dessen Vater er gut gekannt habe, durch Versprechungen von Ehre und Reichtum bzw. Androhung der Todesstrafe und Verbrennung seines Leichnams von dessen in seinen Augen irrsinnigem Christenglauben abzubringen. P. habe aber dem Kaiser ins Angesicht widerstanden und vielmehr seinerseits den Götterglauben des Kaisers geschmäht, so daß Diokletian aus Wut darüber, von einem Knaben öffentlich erniedrigt zu werden, befohlen habe, ihn an der Via Aurelia zu enthaupten. In der folgenden Nacht habe eine Frau namens Octavilla den Leichnam an sich genommen, ihn mit Spezereien gesalbt und in Linnen gehüllt und ihn am 12. Mai in einem neuen Grab bestattet. - Diese Version des Lebens und Sterbens des hl. P. ist die bekannteste und weithin akzeptierte. Sie bietet allerdings eine Reihe innerer und äußerer Schwierigkeiten. Es scheint anfangs so, als ob sich die ganze Geschichte zur Zeit der Christenverfolgung unter den Kaisern Diokletian und Maximian zugetragen habe. Wenn aber, wie später berichtet, zwischen dem Tod der Eltern und der Romreise drei Jahre vergehen und außerdem das Edikt des Kaisers zur Christenverfolgung erst erlassen wird, als sich P. bereits in Rom aufhält, muß der Tod seiner Eltern noch in die Friedenszeit fallen. Man könnte zwar den einleitenden Satz lediglich als eine vorangestellte pragmatische Zeitbestimmung für das folgende Zeitgeschehen betrachten, was als literarisches Stilmittel durchaus üblich ist. Dennoch wird aber davon ausgegangen, daß bereits bei der Ankunft des P. und seines Onkels Dionysius in Rom Verfolgung herrschte, weswegen sich Papst Caius verbergen mußte, wiederum bevor das kaiserliche Edikt ergeht. Tatsächlich war es aber so, daß die Verfolgung unter Kaiser Diokletian ab dem Jahr 303 bis zu den Toleranzedikten der Kaiser Galerius (311) und Konstantin (313) erst durch das Edikt vom 23. Februar 303 ausgelöst wurde; und ein allgemeiner Opferbefehl, auf dessen Verweigerung Zwangsarbeit in den Bergwerken oder die Todesstrafe stand, erging sogar erst im Frühjahr 304. Nicht ganz klar wird auch der Zeitpunkt, wann P. in die Obhut seines Onkels kam: nach dem Tod seiner Mutter oder nach dem Tod auch seines Vaters? Wahrscheinlich doch letzteres, denn es ist kaum denkbar - und es läge auch kein Grund dafür vor -, daß der Vater ihn nicht weiter im eigenen Hause behielte, wenn er nicht selbst bereits auf dem Sterbebett läge. - Man mag diese Unklarheiten noch dem mangelnden Geschick des Erzählers anlasten, der es nicht gut verstehe, die Chronologie stringent einzuhalten, schwerer wiegen aber die ausdrücklichen Widersprüche des Textes: (1.) Einerseits wird erzählt, P. und Dionysius seien durch die Taufe vom Christentum so begeistert gewesen, daß sie sich beide freiwillig den Verfolgern ausgeliefert hätten. Im nächsten Satz aber stirbt Dionysius eines friedlichen Todes, dann erläßt der Kaiser den Verfolgungsbefehl und erst daraufhin wird P. - und zwar allein - gefangengenommen. (2.) Der letzte Abschnitt der Passio datiert das Martyrium des P. in das neunte Regierungsjahr des Kaisers Diokletian (284-305) und das achte seines Mitkaisers Maximian (286-305), also in das Jahr 292/93. Gleichzeitig wird aber der Opferbefehl Diokletians vorausgesetzt, der erst im Februar 303 erging. Außerdem soll P. vor Kaiser Diokletian in Rom seinen Glauben verteidigt haben. Diokletian hat aber nachweislich Rom nach 286 nicht mehr betreten. Hält man also an der Authentizität der Kaisernamen fest, ist aufgrund dieser Widersprüche eine sichere Datierung des Martyriums des P. in ihre Regierungszeit nicht zu erzielen. (3.) Andere Handschriften überliefern daher die Kaisernamen Valerian (253-259) und Gallienus (253/59-268). Unter diesen Kaisern gab es von 257-259 eine Christenverfolgung, es wurden auch eigene Edikte dafür erlassen. Dann müßte man freilich das Martyrium des P. in diese Jahre datieren. (4.) Eine letzte Schwierigkeit zieht allerdings auch diese Möglichkeit in Zweifel. Die Handschriften nennen durchgehend Cornelius (251-253) als römischen Bischof zur Zeit des Todes des P. Das stimmt aber weder mit der Verfolgung unter Valerian noch der unter Diokletian zusammen; man würde vielmehr in die Verfolgungszeit unter Kaiser Decius (250/51) verwiesen. Der Name Caius (283-296), den die Bollandisten nennen, ist von ihnen ergänzt, um zu einer Übereinstimmung mit der Regierungszeit Diokletians zu gelangen. Damit akzeptieren sie 292/93 als das Todesjahr des P., was, wie oben gezeigt, mit den übrigen Angaben nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Wenn man, wie die Tradition es getan hat, 303 als Todesjahr des P. annimmt, müßte als Papstname der des hl. Marcellinus (296-304) eingesetzt werden - dieser ist aber nirgends überliefert. - Da die Probleme um die Lebensbeschreibung des P. nicht lösbar sind, muß diese Version als historisch nicht zulässig eingestuft werden. Dennoch dürften die verbleibenden unstrittigen Grunddaten, an denen die P.verehrung seit frühester Zeit festhält, nicht von der Hand zu weisen sein: daß P. aus dem Osten stammte und in Rom um seines Glaubens willen als vierzehnjähriger Knabe vor dem Aurelianischen Tor enthauptet wurde, dort, wo sich heute seine Basilika erhebt. - Ab 1854 wurde durch das in mehrere Sprachen übersetzte Buch des englischen Kardinals Nicholas Wiseman, "Fabiola oder die Kirche der Katakomben" eine zweite Version der Passio Pancratii populär. P., der Protagonist der Erzählung, sei als letzter einer Gruppe von Christen in der Arena wilden Tieren vorgeworfen worden. Kein Tier habe sich aber an ihn herangewagt. Daraufhin habe die Menge vermutet, P. trage ein Schutzamulett um den Hals, so daß der Kaiser ihn aufgefordert habe, es abzulegen. P. habe erwidert, er trage kein Amulett, sondern eine Kapsel mit dem Martyrerblut seines Vaters, der an demselben Ort von einem Panther zerrissen worden sei. Vielleicht sei ja auch ihm das Martyrium durch einen Panther vorbehalten. Dieses prophetische Wort habe sich dann in der Tat als wahr erwiesen. Diese Legende hat schnell in den künstlerischen Darstellungen des P. Eingang gefunden, hat aber mit seiner historischen Gestalt nichts zu tun. Das Buch Kardinal Wisemans ist ein Roman über die frühe Christenheit, der den in England populären Heiligennamen P. für seine Hauptfigur wählt und dessen Martyrium frei nach Motiven altchristlicher Martyrerakten gestaltet. - Wie die Passio des hl. P. berichtet und auch die Tradition festhält, wurde er an der westlichen Ausfallstraße Roms, an der zweiten Meile der Via Aurelia (gerechnet ab dem Forum Romanum), außerhalb des Aurelianischen Tores enthauptet und in der Nähe des Ortes seines Martyriums von Octavilla bestattet. Dort befand sich ein Gräberfeld mit Katakomben darunter, die heute vom rechten Seitenschiff der Basilika aus zu betreten sind, an dem Ort, wo der Überlieferung nach P. enthauptet wurde. Sie verzweigen sich in mehreren Gängen und Stockwerken; mehrere ausgemalte Grabkammern (cubicula) sind erhalten. Man darf annehmen, daß bereits im 4. Jh., bald nach dem Tode des P., über seinem Grabe eine kleine Gedenkstätte errichtet wurde. Von ihr ist aber keine Spur erhalten, und auch andere monumentale oder literarische Quellen, die seine Verehrung bereits im 4. Jh. bezeugten, sind nicht überliefert. Selbst in einer Liste der in Rom verehrten Martyrer (Depositio martyrum) aus dem Jahre 354 fehlt noch sein Name. Die ersten sicheren Nachrichten des P.kultes in Rom enthalten Verzeichnisse der Heiligen (Martyrologien) und Meßbücher (Sacramentarien) des 5.-8. Jh. Das Martyrologium Hieronymianum (431-450), das Sacramentarium Gelasianum (6. Jh. ?) und das Sacramentarium Gregorianum (715-731) nennen den 12. Mai als seinen Festtag, enthalten die dafür vorgesehenen Meßformulare sowie Litaneien, die u. a. den hl. P. anrufen. Die Aufnahme in diese Bücher weist allerdings darauf hin, daß P. bereits seit längerer Zeit verehrt wurde, da man immer eine gewisse Zeitspanne zwischen Beginn des Kultes und offizieller Aufnahme in die liturgischen Bücher voraussetzen muß. Anfang des 6. Jh. wurde eine hier zu vermutende Kapelle über dem Grab des hl. P. durch eine erste Basilika ersetzt, die Papst Symmachus (498-514) bauen ließ. Der Liber Pontificalis berichtet darüber (I 46): "Zu derselben Zeit ließ er eine Basilika des hl. P. bauen, wo er auch einen silbernen Bogen von 15 Pfund Gewicht errichten ließ und an demselben Ort ein Bad baute". Mauerstücke dieser ersten Kirche sind noch heute in der durch die Jahrhunderte vielfach umgebauten und erneuerten Basilika erhalten. Damals war die P.basilika übrigens nicht selbständig, sondern von der Kirche St. Chrysogonus in Trastevere abhängig, wie zwei Inschriften der Jahre 521 und 522 bezeugen. Im 6. Jh. erreichte die Verehrung des hl. P. in Rom einen ersten Höhepunkt. Wahrscheinlich ist auch seine Lebensbeschreibung zu dieser Zeit verfaßt worden. Auch wurde das Stadttor an der Via Aurelia, wo er enthauptet worden war und das bislang Porta Aurelia geheißen hatte, in Porta Pancratii umbenannt. Das geht aus einem Kriegsbericht des Prokopius von Caesarea aus dem Jahre 537 hervor. Die Ostgoten belagerten die Stadt Rom, die von dem oströmischen Feldherrn Belisar verteidigt wurde. U. a. werden dabei Kämpfe "am P.tor" geschildert. Noch heute kann dieses Tor, in späteren Jahrhunderten von den Päpsten erneuert und umgebaut, in Rom besichtigt werden. Der große Förderer des P.kultes in und außerhalb Roms wurde Ende des 6. Jh. Papst Gregor der Große (590-604). Zu seiner Zeit bestand bereits am Lateran ein Kloster, das den Namen des hl. P. trug, und bei der P.basilika gab es das Kloster des hl. Victor, dessen Mönche für die Basilika und ihre Gemeinde zu sorgen hatten. Offenbar hatten sie aber ihre Aufgabe in der Vergangenheit so sehr vernachlässigt, daß sich Papst Gregor im März 594 genötigt sah, eine grundlegende Reform durchzuführen und einen neuen Abt zu ernennen. Das Ernennungsschreiben ist erhalten (Registrum epistularum IV 18: CCL 140 [1982] 236 f.). Die Fürsorge des Papstes um das Andenken des hl. P. mag daher rühren, daß das von ihm auf seinem väterlichen Besitz gegründete Andreaskloster auf dem Grund liegen soll, der ehemals zum Erbgut des P. gehörte. Eine unter den Werken Gregors überlieferte Predigt, die er am Festtag des hl. P. in dessen Basilika hielt, stellt ein weiteres Zeugnis für die enge Verbundenheit dieser beiden Heiligen dar (Homilia in Evangelia 27: PL 76, 1204-1210). - Der römische Kirchbau war wohl zunächst einschiffig. Erst Papst Honorius (625-638) erweiterte sie um die zwei Seitenschiffe, um so auch die Stätte des Martyriums einzuschließen, die sich jetzt im rechten Seitenschiff zwischen der zweiten und dritten Säule befindet. Um 658 dürfte die Basilika die heutigen Umrisse gehabt haben. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie von verschiedenen Päpsten ausgebaut und geschmückt (z. B. Hadrian 772-795) und im Jahre 1517 von Leo X. zur Titelkirche eines Kardinalpriesters erhoben. 1606 wurde sie Ludovico de Torres, Kardinal von Monreale, als Titelkirche zugewiesen, der zum großen Erneuerer der Basilika wurde. Sein Name ist im Türsturz der rechten Seitentür der Fassade verewigt. Auf ihn geht die heutige barocke Innenausstattung zurück, mit dem Baldachin über dem Hochaltar und der Kassettendecke aus Holz, die in der Mitte den hl. P. mit Schwert und Palme darstellt. Im Heiligen Jahr 1975 war S. Pancrazio Stationskirche zur Gewinnung des Jubiläumsablasses und ist ständige Stationskirche in der Fastenzeit. Kurz zuvor (1966) war in die Kirche des Heiligen die wichtigste Reliquie zurückgekehrt, das Haupt des P., das seit 850 in der Lateranbasilika aufbewahrt worden war. Der Leib liegt zusammen mit anderen Reliquien in einem Porphyrsarkophag unter dem Hauptaltar bestattet, das Haupt ist aber in ein silbernes Reliquiar gefaßt, das eine Büste des hl. P. darstellt und im rechten Seitenschiff an der Stelle des Martyriums steht. Darüber ist ein barockes Relief seiner Enthauptung angebracht. - Auf dem Höhepunkt der Verehrung des hl. P. in Rom im 6./7. Jh. breitete sich sein Kult schnell in Europa aus. Als erster sandte Papst Pelagius II. (579-590) eine P.-Reliquie nach Marseille. Der große Förderer und Verbreiter des P.kultes wurde aber Papst Gregor der Große (590-604). Am 5. Oktober 591 sandte er mit einem uns erhaltenen Begleitschreiben eine P.reliquie nach Messina, damit die dortige Basilika auf die Heiligen Stephanus, P. und Euplius geweiht werden konnte. Im Juli 596 schickte er weitere Reliquien nach Saintes, 599 nach Neapel, Mailand und Marsala. Außerdem ließ er durch den früheren Konsul Leontis der Langobardenkönigin Theodolinde Öllämpchen vom Grab des hl. P. überbringen, die heute in Monza aufbewahrt werden (Registrum epistularum IV 18: CCL 140 [1982] 236 f.; IX 184, 233: CCL 140 A [1982] 740, 815). Als Gregor im Jahre 596 den Prior des von ihm selbst auf seinen väterlichen Gütern gegründeten Andreas-Klosters, Augustinus, zusammen mit 40 Mönchen zur Missionierung Englands aussandte, gab er ihm ebenfalls eine Reliquie des hl. P. mit. Damit weihte Augustinus die erste Kirche, die er in der Königsstadt Canterbury errichtete, auf den Namen des P. Papst Vitalianus (657-672) setzte die Verbreitung von P.-Reliquien nach Frankreich und England fort, so daß er in diesen Ländern bald zu einem recht beliebten Heiligen wurde. In London erinnert heute noch der Name einer U-Bahn-Station an ihn. - Immer wieder wird vermutet, daß der hl. Bonifatius, der große Missionar und Apostel Deutschlands, die Verehrung des hl. P. nach Deutschland gebracht habe. Er stammte aus England, wo der P.kult bereits verbreitet war; er brachte von seinen drei Romreisen der Jahre 719, 732 und 737 jeweils eine große Zahl von Reliquien mit, und in seinem Missionsgebiet Hessen, Thüringen und Bayern sind auffällig viele P.patrozinien feststellbar. Ein Beweis dafür aber, daß sich unter den von ihm aus Rom mitgebrachten Reliquien auch welche des hl. P. befanden oder daß er selbst eine Kirche zu Ehren des hl. P. geweiht habe, fehlt jedoch. Aus der Zeit des hl. Bonifatius fehlen jedwede Nachrichten über eine wie auch immer geartete P.verehrung in Deutschland. A. Z. Huisman trägt noch eine Reihe weiterer Theorien zu möglichen Verbreitungswegen der P.verehrung vor. Alkuin, der Organisator des Bildungswesens und der Mission unter Karl dem Großen, stamme aus York, einem Zentrum des englischen P.kultes, und sei dann Leiter der Domschule in Tours gewesen, wo er mit Sicherheit die Schriften Gregors von Tours kennengelernt habe, der über P. berichtet. Seine Schüler und Freunde Hrabanus Maurus, Walahfrid Strabo, Hartmut von St. Gallen und Arno von Salzburg hätten möglicherweise zur Verbreitung beigetragen, was aus der Existenz von P.-Weihen in ihrem Wirkungsgebiet geschlossen wird. Ein konkreter Nachweis fehlt jedoch auch hier. Einen gewissen Einfluß mögen die liturgischen Bücher gehabt haben. In St. Gallen und Rheinau besaß man eine Abschrift des Sacramentarium Gregorianum, und die Martyrologien Adalberts, Hrabanus Maurus' und Notkers des Stammlers gehen auf die des Ado, Beda und Florus zurück. Sie alle enthielten Meßformulare für den Festtag des hl. P. - Es ist nur ein einziges Ereignis bekannt, das ausdrücklich nachweist, wie, wann und wohin P. von Rom nach Deutschland gekommen ist: die Reliquientranslation und Kirchengründung durch Kaiser Arnulf von Kärnten im Jahre 896. Im Frühjahr 896 hatten die Langobarden Rom besetzt. Papst Formosus rief Kaiser Arnulf zu Hilfe. Dieser folgte auch dem Ruf, betete vor der Schlacht am Grab des hl. P. und erstürmte dann durch das P.tor die Stadt. Zum Dank und zur Erinnerung an den Beistand des hl. P. schenkte ihm Papst Formosus Reliquien des hl. P. und des Apostels Jakobus. Mit diesen Reliquien stiftete Kaiser Arnulf am 2. August 896 in Roding eine Pfalzkapelle. Diese wurde zwar in den Ungarnstürmen zerstört, das P.patrozinium wurde aber auf alle Nachfolgekirchen (1634, 1755, 1959) übertragen und bis heute beibehalten. Von diesem Ereignis sind zwei weitere Kirchengründungen am Niederrhein veranlaßt. In Konzen gab es wohl schon zu Kaiser Karls Zeiten einen Königshof mit einer Hofkapelle. Erstmals erwähnt wird Konzen in einer Schenkungsurkunde König Lothars an die Marienkapelle in der Pfalz zu Aachen, die von König Arnulf 888 bestätigt wurde. Er ließ dann nach 896 dort auch aller Wahrscheinlichkeit nach eine Kirche zu Ehren des hl. P. errichten. Das P.patrozinium in Paffendorf ist zwar nicht von Arnulf selbst gestiftet worden, wohl aber von seinem Sieg in Rom inspiriert. Die dortige Kirche wurde bald nach 896 zum Dank für die Befreiung Roms dem hl. P. geweiht. Alle anderen vermuteten Einflüsse Arnulfs von Kärnten auf Gründungen von P.kirchen in Deutschland aufgrund zeitlicher Nähe und aus Mangel an Kenntnis anderer Wege bleiben rein hypothetisch. - Das zweite Ereignis, das häufig herangezogen wird, um die Ursprünge des P.kultes in Deutschland zu erklären, ist die feierliche Überführung von P.-Reliquien von Rom nach Gent im Jahre 985 (Annales S. Bavonis Gandensis: MGH.SS 2 [1829] 188). Westfalen stand damals in engen Handelsbeziehungen mit Flandern, so daß eine solche Verbindung durchaus möglich ist. Es berufen sich auch ausschließlich westfälische Patrozinien auf diesen Ursprung: Buldern bei Dülmen, Gescher, Borgloh bei Hilter, Hövel bei Hamm und Osterfeld bei Oberhausen. Bei näherer Prüfung der tatsächlichen Nachweisbarkeit dieses Zusammenhangs muß man aber feststellen, daß er bei allen Orten mehr oder weniger lediglich in der zeitlichen und räumlichen Nähe ihrer Kirchen- bzw. Gemeindegründung besteht. - Wie um jeden Heiligen ranken sich auch um den hl. P. durch die Jahrhunderte zahlreiche Legenden. Er gilt seit frühester Zeit als Schützer des Eides und Rächer des Meineides. Gregor von Tours (538-594) berichtet in seinem Werk De gloria martyrum 38 (MGH.SRM 1 [1885] 512 f.): "Es liegt aber nicht weit von der Stadtmauer der Martyrer Pankratius, der große Rächer des Meineides. Wenn der unreine Geist eines Menschen an seinem Grab einen Meineid schwören will, wird er, noch bevor er sein Grab erreicht, d. h. bevor er zu den Chorschranken unter dem Bogen kommt, wo die Kleriker üblicherweise zum Psalmengesang stehen, sogleich von einem Dämon hinweggerissen, oder er stürzt zu Boden und haucht seinen Geist aus. Deswegen wendet sich jeder, der die Zuverlässigkeit eines anderen erfahren will, nirgendwo anders hin als an seine Basilika. Man bringt nämlich viele, die bei den Basiliken der Apostel oder anderer Martyrer bleiben, nirgendwo anders hin zu dieser Notwendigkeit als zum Haus des hl. Pankratius, um aufgrund seiner strengen Entscheidung öffentlich zu unterschreiben, ob sie glauben sollen, die Wahrheit gehört zu haben, oder das Urteil des seligen Martyrers für den Betrug erfahren." - Aus derselben Zeit überliefert der Liber Pontificalis (I 303), eine Sammlung von Papstbiographien bis zu Martin V. (1417-1431), daß Papst Pelagius (556-561) vor seiner Krönung in St. Peter erst zur Basilika des hl. Pankratius gezogen sei, um dort einen Reinigungseid abzulegen. Sein Vorgänger, Papst Vigilius (537-555) war nämlich von Kaiser Justinian nach Konstantinopel verschleppt worden und auf dem Rückweg verstorben. Kaiser Justinian befahl seinem Feldherrn Narses in Rom, Pelagius zum Papst zu erheben. Daraufhin kam das Gerücht auf, Pelagius habe am Tod des Vigilius Mitschuld und sei nicht rechtgläubig. Daher beschwor dieser am Grab des hl. Pankratius seine Rechtgläubigkeit und Unschuld, ehe er von dort zur Bischofsweihe in die Petrusbasilika zog. - Das Mittelalter spitzte die Funktion des hl. Pankratius dahingehend zu, daß er im Falle eines Meineides der einzig zuverlässige, weil strengste Richter sei, während andere Heilige den Übeltäter womöglich begnadigten. So erzählt die vom Erzbischof von Genua, Jacobus de Voragine (1292-1298), gesammelte Legenda aurea folgendes: "Also geschah es einst, daß ein großer Streit war zwischen zwei Menschen, dem Richter aber war der Schuldige wohl kund. In seinem Eifer für das Recht führte der Richter sie beide vor Sanct Peters Altar und zwang den Schuldigen, daselbst seine Unschuld zu beschwören, die er beteuerte; und er flehte den Apostel an, daß er durch ein Zeichen die Wahrheit offenbar machen wolle. Da nun der Schuldige schwur, und es nicht an ihm gerochen ward, rief der Richter, der seine Bosheit wußte, in seinem großen Eifer 'Dieser alte Sanct Peter ist zu barmherzig über diese Sünde oder er will dem jüngeren Heiligen die Ehre geben; darum laßt uns zu dem jungen Sanct Pankratius gehen, ob er unsere Bitte erhöre'. Also gingen sie hin zu seinem Grab, und der Schuldige war so vermessen, daß er seinen Meineid schwur über dem Grab: da mochte er die Hand nicht wieder von dem Grab ziehen, und starb kürzlich danach an derselben Statt". - Diese Begebenheit wird auch von einer mittelalterlichen Legende tradiert (vgl. Huisman 19 f.) sowie von einem lateinischen Kirchenlied, das noch weitere Wunder besingt (Huisman 29 f.; J. M. Dreves, Analecta Hymnica medii aevi VII, Leipzig 1892, 197). In Ausdeutung der Notiz am Ende der Lebensbeschreibung, daß eine vornehme Dame namens Octavilla Pankratius bestattet habe, erzählt das Lied, Pankratius selbst habe, als er schon enthauptet im Grab lag, prophezeit, Octavilla werde bald von der Pest errettet werden. Ein Mann namens Hilarius habe ihr dies mitgeteilt, woraufhin sie aus Dankbarkeit Pankratius ein Grabmahl habe errichten lassen. - Ein vornehmer, reicher Mann pflegte die Basilika des hl. Pankratius mit goldenem Gerät und Kerzen zu schmücken, obgleich sein weiterer Lebenswandel offenbar nicht vorbildlich war. Als nun bei seinem Tod seine Seele von bösen Geistern der ewigen Strafe zugeführt werden sollte, errettete ihn Pankratius um der frommen Verehrung seiner Person willen. - Die einzige Tochter eines römischen Tribuns ist verstorben. Unter Tränen wendet er sich vertrauensvoll an den hl. Pankratius, der ihm sein Gewand sendet. Als dieses dem Mädchen aufgelegt wird, steht sie wieder lebendig und unversehrt auf. - Ein Gespann Rinder stürzte einmal unter dem Druck des allzu schweren Joches. Als der arme Bauer den hl. Pankratius um Hilfe bittet, stehen sie unverletzt wieder auf und sind imstande, den Wagen weiterzuziehen. - Im Jahre 850 belagerten Barbaren die Stadt Rom. Die Bevölkerung, die außerhalb der Stadtmauern wohnte, floh in den Schutz der Mauern. Dabei überließen sie auch den hl. Pankratius, dessen Basilika ja außerhalb der Mauern liegt, nicht der Plünderung der Barbaren, sondern nahmen den Reliquienschrein, der sein Haupt barg, mit in die Stadt. Es fand dort seinen ehrwürdigen Aufenthaltsort in der Bischofskirche Roms, der Lateranbasilika, wo es bis 1966 blieb. Heute wird das Reliquiar in Form einer Silberbüste des Heiligen wieder im rechten Seitenschiff der Pankratiusbasilika aufbewahrt. Als im Jahre 1300 die Lateranbasilika in Flammen aufging, drei Tage lang das Feuer wütete und die Kirche völlig zerstörte, wurde nach dem Brand das Haupt des hl. Pankratius unversehrt in den Trümmern aufgefunden. Es hatte drei Tage lang Blut geschwitzt und Tränen vergossen, das Feuer aber hatte ihm nichts anhaben können. - Ein letztes Heilungswunder erzählt, wie das Pankratius-Heiligtum von Pianezza in Turin entstand. Am 12. Mai 1450 befand sich Antonio Casella auf dem Feld, um das Gras zu mähen und Heu zu machen. Seine Frau kam auf das Feld, um ihm das Mittagessen zu bringen. Er aber bemerkt sie nicht und mähte ihr Bein ab. In diesem Moment erschien ihnen der hl. Pankratius, tröstete sie und versprach ihnen, das Bein zu heilen, wenn sie ihm zu Ehren dort einen Bildstock stifteten. Sie gelobten dies, und das Bein heilte sofort wieder an. Die Eheleute aber vergaßen ihr Versprechen und stellten keinen Bildstock des hl. Pankratius auf, sei es aus Armut oder aber aus Geiz. Nach einem Jahr, wieder am 12. Mai um dieselbe Stunde, in der das Heilungswunder geschehen war, fiel das Bein wieder ab, so wie es ein Jahr zuvor abgetrennt worden war. Auf das Geschrei der Frau hin liefen ihr Ehemann, der Pfarrer und eine Menge Leute des Dorfes zusammen. Die Eheleute erneuerten daraufhin feierlich ihr Gelübde, worauf die Frau erneut geheilt wurde. - Das Patronat des hl. Pankratius als Schützer des wahren Eides und Rächer des Meineides dürfte auf seinem furchtlosen Bekenntnis der christlichen Wahrheit vor dem Kaiser beruhen und auf seine kindliche Unschuld, die erwarten läßt, daß er die Unschuldigen schützen werde. Aufgrund dieses Patronats entstand der Brauch, daß die in der Osternacht Neugetauften, die bis zum achten Tag nach der Taufe ihre weißen Taufkleider trugen, am Tage, als sie diese ablegten (woher der Weiße Sonntag seinen Namen hat), zur Basilika des hl. Pankratius zogen, dort ihr Taufgelöbnis erneuerten und somit die Gültigkeit ihres Versprechens unter den Schutz des hl. Pankratius stellten. Die Pankratius-Basilika war daher im Mittelalter Stationskirche am Weißen Sonntag, und diese Tradition setzt sich bis heute fort, so daß die Erstkommunionkinder Roms auch einen Besuch in S. Pancrazio machen. - Auf der Jugend und Unschuld des hl. Pankratius gründet auch sein zweites, bereits antikes Patronat: er wird Patron der Kinder und Jugend. - Ebenso alt ist sein Patronat der Kranken. Schon die griechische Übersetzung seiner Passio weist darauf hin; "An diesem Ort (des Martyriums) geschehen auch Heilungen an denen, die sich in verschiedenen Krankheiten dort aufhalten, und viele Wohltaten werden durch seine Heilungen denen, die mit reinem Glauben kommen, zuteil". Pankratius wird dann speziell angerufen bei Migräne (wohl wegen seiner Enthauptung), Ekzemen, Krämpfen und Leibschmerzen, Milchschorf und Weinen der Kinder. - Der hl. Pankratius wird daher im Spätmittelalter manchmal auch zu den 14 Nothelfern gerechnet. - Eisheiliger wird er aus rein kalendarischen Gründen, weil für die Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung ist, ob die Gedenktage des hl. Pankratius, Servatius und Bonifatius (12.-14. Mai) eisfrei bleiben oder nicht. Damit kein Frost die Saat zerstört, ruft man ihn als Schützer der jungen Saat und der Blüten an. Es haben sich daher schon in alter Zeit Verse gebildet:

Pancratius und denn noch wol drie
und die jungfrowe Sante Sophie -
Darnach let sich der sumer an.
Oder auch:
Pankrazi, Servazi, Bonifazi
sind drei eiskalte Bazi.
Und zum Schlusse fehlet nie
genau so kalt Sofie.

Das im Mittelalter in Deutschland bedeutendste Patronat ist schließlich das der Ritter und des Adels. Es rührt mit Sicherheit von der Reliquientranslation Arnulfs von Kärnten und seiner Kirchengründung in Roding her und darf in seiner Bedeutung für die Verbreitung des Pankratiuskultes in Deutschland kaum hoch genug veranschlagt werden. An vielen Orten ist nachweisbar, daß es ursprünglich Burg- und Schloßkapellen sind, die Pankratius geweiht sind und dann auf die Gemeindekirche ihr Patrozinium übertragen. Normalerweise liegt das Patronats- und Präsentationsrecht bei einer adligen Familie oder bei vom Adel geführten Klöstern. Darüber hinaus ist bei mancher Familie bekannt, daß sie Pankratius nicht nur allgemein als Patron des Adels, sondern speziell als Familienpatron verehrte. - Entsprechend der überragenden Bedeutung des hl. Pankratius als Patron der Ritter und des Adels ist, zumindest in Deutschland, seine Darstellung als Ritter bzw. Adelsherr die am weitesten verbreitete, wobei sie jeweils nach Epochen, Region und Stil der Zeit variiert. Wegen seines Martyriums in Rom wird er gern als römischer Soldat dargestellt, mit Helm, Schwert und Martyrerpalme, wobei einzelne Elemente fehlen können. Das Schwert ist dabei sowohl Attribut des Soldaten als auch Hinweis auf seine Todesart. In Schwetzingen ruht sein rechter Fuß zudem auf einer Weltkugel zum Zeichen seines Sieges über die Welt in seinem Martyrium. Immer wird Pankratius aber gemäß seinem überlieferten Alter als bartloser Jüngling vorgestellt. - Daneben finden sich auch Darstellungen des Heiligen als römischer Jüngling in Tunika und/oder Mantel, Schwert und Palme, wie z. B. in der Hamerslebener Bibel. In Drensteinfurt-Rinkerode wird er zwar ohne Palme, dafür aber mit einer phrygischen Mütze gezeigt, die seine Herkunft andeutet. Seit dem Spätmittelalter gehen die ritterlichen Attribute so weit, daß Pankratius auch in vollem Harnisch, mit hohen Stiefeln, Küraß, Lanze und Wimpel, ja sogar zu Pferd und bärtig abgebildet wird. - Bei den Abbildungen des hl. Pankratius mit Krone, wie man sie auf einem Fresko des 13. Jh. in der Josefikapelle in Roding, auf dem gotischen Altarbild des Schlosses Rapottenstein (Anfang 15. Jh.), sowie bei einer Statue in Gießen-Groß Förste (2. Hälfte 17. Jh.) findet, denkt man zunächst spontan an die Krone des Heiles, die der Martyrer durch seinen Tod erwirbt. Im Falle des Schlosses Rapottenstein scheint es aber eine Adels- (Fürsten-, Grafen-) Krone zu sein, die das Haupt des Pankratius schmückt, wie aus dem Kontext der Darstellung hervorgeht, da er weiterhin mit Schild und Speerfahne ausgestattet ist. Auf dem Fresko in Roding sieht die Krone zwar auch wie eine Grafenkrone aus, und seine Gewandung und sein Schwertgehänge sind durchaus fürstlich; er steht aber in einer Reihe mit der hl. Margaretha, die dieselbe Krone trägt, so daß hier doch das Martyriumsmotiv das vorherrschende scheint. Für Groß-Förste ist die Frage nicht eindeutig zu klären. - Davon abweichende Einzelwerke stellen Pankratius auch dar mit Rosenkorb (20. Jh.), mit Palme und Herzscheibe (Rom, S. Pancrazio), mit Buch und Palme (Burglengenfeld-Dietldorf, spätgotisch), sowie mit einem Löwen bzw. Panther zu Füßen (Südkirchen, Warstein). Der Rosenkorb und die Herzscheibe können nicht näher gedeutet werden. Die Figur mit Buch und Palme zeigt aber wohl nicht den jugendlichen Martyrer Pankratius, sondern den hl. Bischof Pankratius von Taormina. Dieselbe Verwechslung tritt auch in England auf und ist in Dietldorf verständlich, da das Patrozinium der Kirche wegen des günstigeren Festdatums vom Bischof zum Martyrer Pankratius wechselte. Die beiden Darstellungen des hl. Pankratius mit Panther schließlich datieren notwendigerweise aus dem 19. Jh., da sie sich an die von Kardinal Wiseman 1854 kreierte Version des Pankratiusmartyriums halten (Südkirchen: Kirchenfenster 1890; Warstein: Statue im Hochaltar 1856). - Von den Szenen aus dem Leben des hl. Pankratius werden gern dargestellt: die Enthauptung (z. B. Rom, S. Pancrazio, Relief im rechten Seitenschiff; Ahlen Vorhelm, Chorfenster der Kirche 1892/3; Tübingen-Bühl, Fahnenbild); die Taufe; die Verteidigung vor dem Kaiser (z. B. in Roding); in der Glorie (z. B. Altarbild in Burglengenfeld-Dietldorf 1432). In Ranshofen und Saulgau-Braunenweiler schließlich gibt es zwei Pankratiuszyklen von fünf bis sechs Bildern, die das Leben des Heiligen nachvollziehen. - Einige Aufmerksamkeit ist auch den Materialien und Gegenständen zu widmen, auf denen Pankratius dargestellt wird. Die ältesten sind zwei romanische Taufsteine des 12./13. Jh. in Beckum-Vellern und Sundern-Stockum. In Vellern zeigt zudem noch ein Schlußstein des Kirchengewölbes das Bild des Pankratius. - In Siegeln führen den Heiligen als Schutzpatron neben Pfarrkirchen die Städte Bockenem und Iserlohn, Frickingen-Altheim hat Schwert und Palme ins Gemeindesiegel genommen und in Köln-Worringen ist ein Schöffensiegel des Niedergerichts um 1300 überliefert. - Pankratiusfenster gibt/gab es in Hamm-Hövel, Hamminkeln-Dingen (1945 zerstört), Isselburg-Anholt, Korschenbroich-Glehn, Nordkirchen-Südkirchen, Tübingen-Bühl. - Weitere Überlieferungsformen sind: Reliquiare (Rom S. Pancrazio: Büste; Hilter 2-Borgloh: Schwurhand; Düsseldorf: Kreuzreliquiar mit Medaillon 17. Jh.; Tübingen-Bühl: Wettersegenkreuz, Ende 18. Jh.); Meßgewänder (Köln-Worringen; Baesweiler-Beggendorf); Monstranzen (Tübingen-Bühl: zwei; Konzen; Lommersum; Odenthal); Kelche (Warstein 2-Belecke 1509); Kanzel-Deckel (ebd.); Glocken. - Als weitere Formen und Bräuche der Verehrung sind nachzuweisen: Prozessionen am 12. Mai oder am Sonntag danach, die ihren Ursprung in seinem Patronat als Eisheiliger haben dürften und somit eine Flurprozession für das Gedeihen der Feldfrüchte darstellen; Flurbezeichnungen; Vereinsnamen. In Borgloh wird ein Reliquiar aufbewahrt, das als Unterarm mit zum Schwur erhobener Hand geformt ist und eine Reliquie des hl. Pankratius enthält. Sie wurde in früheren Zeiten, z. B. in Goslar, im Gerichtssaal vor den Schwörenden aufgestellt. Es wurde damit gleichsam die Funktion des Pankratius als Schützer des Eides und Rächer des Meineides nicht nur in seiner Basilika in Rom möglich, sondern durch seine Gegenwart in der Reliquie überall. In Roding werden zum Fest des hl. Pankratius, das grundsätzlich am zweiten Sonntag im Mai begangen wird, Brote mit einem Pankratius-Stempeleindruck gebacken, gesegnet und verteilt. In Burkheim erhält am Festtag die Pankratiusstatue in der Kirche (aus der 2. Hälfte des 19. Jh.) die ersten Kirschen des Jahres in die Hand, wohl gleichsam als süßes Geschenk und Lohn für den bisherigen Schutz der Früchte und als Bitte für die weitere Bewahrung. Eine der schönsten Formen der Verehrung des hl. Pankratius sind Lieder, die zu seinen Ehren gedichtet und komponiert wurden.

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Hubertus R. Drobner

Literaturergänzung:

José Declerck, Les recensions grecques de la Passion de S. P., martyr à Rome (BHG 1408-1409), in: AnBoll 105.1987, S. 65-85; - Hubertus R. Drobner, D. hl. P. 2., überarb. u. aktualis. Aufl. Paderborn 2005.

Ein weiterer Beitrag über Pankratius

Letzte Änderung: 06.06.2008