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Band VI (1993)Spalten 1485-1486 Autor: Paul Gerhard Aring

PANTALEON, † um 305 in der Diokletianischen Christenverfolgung; des Martyriums dieses als Heiliger verehrten Leibarztes Kaiser Maximians wird im Heiligenkalender am 27. Juli gedacht, auch wegen seines Einsatzes für die Armen und Notleidenden. Vom frühen Mittelalter an zählte man ihn zu den »14 Nothelfern«, jenen »Heiligen«, die - wenn man sie in Not anruft - sich bei Gott für die Betenden einsetzen. So sagt man es in der christlichen Volksfrömmigkeit der West- und Ostkirchen bis heute. Auch Martin Luther berief sich auf sie (in: »Tesseradecas Consolatoria Pro Laborantibus Et Oneratis« von 1520). In Rom ist bereits für das Jahr 708 eine solche Pantaleon-Verehrung bezeugt. Allein in Rom gibt es vier dem Pantaleon geweihte Kirchen; Pantaleon-Reliquien wurden und werden in Konstantinopel, Bari, Neapel, Ravelle, Rom, Venedig, Lyon und Köln verehrt. - Pantaleon gilt als Schutzpatron der Ärzte, Hebammen und Krankenpflegenden. Die auf ihn bezogene Volksfrömmigkeit wird z.B. im mittelalterlichen Köln bezeugt; im Siegel der dortigen medizinischen Fakultät aus dem 14. Jahrhundert wird Pantaleon dargestellt; das amtliche Siegel der heutigen medizinischen Fakultät in Köln zeigt ihn als Arzt mit Märtyrerpalme und Salbenbüchse in Händen. Ein Kranz von Legenden umgibt das Bild eines Mannes, dessen Biographie historisch kaum faßbar ist, aber für »Fromme« im »christlichen Abendlande« bis heute viel bedeutet.

Lit.: H. Detzel, Christliche Ikonographie, Band II, 1896, S. 72 f.; - H. Weber, Die Verehrung der heiligen vierzehn Nothelfer, 1886; - H. Gunter, Legendenstudien, 1906, S. 111 ff.; - P. Gereke (Hrsg.), Die Legenden (Silvester, Alexius, Pantaleon, Konrad von Würzburg), 1925; - K. Künstle, Ikonographie der christlichen Kunst, 2 Bände, Freiburg/Brsg. 1926/28; - Die 14 Nothelfer in Volksfrömmigkeit und Sakralkultur (Schlern-Schriften Nr. 168), 1959; - J.B. Carroll, A Text Edition of the Pantaleon Legend according to Codex Sangallensis 589, Diss. Univ. North Carolina 1976; - Acta Sanctorum, hrsg. von Bollandus u.a., Antwerpen-Brüssel-Tongerloo-Paris 1643 ff., Venedig 1734 ff., Paris 1863 ff.; - Socii Bollandiani (Hrsg.), Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis, 2 Bände, Brüssel 1898 ff.; - Suppl. editio altera, Brüssel 1911; - P. Peeters (Hrsg.), Bibliotheca Hagiographica Orientalis, Brüssel 1910; - Socii Bollandiani (Hrsg.), Bibliotheca Hagiographiaca Graeca, 2. Aufl. Brüssel 1909; - H. Helehaye, Martyrologium Romanum, Brüssel 1940; - ders., Les passions des martyrs et les genres littéraires, Brüssel 1921; - ders., Les origines du culte des martyrs, 2. Aufl. Brüssel 1933; - Baudot-Chaussin (Hrsg.), Vies des Saints et des Bienheureux selon l'ordre du calendrier avec l'historique des fêtes, 12 Bände, Paris 1935 ff. (vgl. Band VII, S. 651 f.); - A. Pazzini, I santi nella storia della medicina, Rom 1937, 178 ff.; - Degli Agosti, Guiseppe, S. Pantaleone medico e martire. Crema, Festa del Patrocinio di S. Pantaleone, 18 settembre 1983; - E. Ayape de San Augustin, La sangre de San Pantaleon en Madrid, 1979.

Paul Gerhard Aring

Literaturergänzung:

2005

Peter von Steinitz, P. d. Arzt. 2. Aufl. Köln 2005; - Stefan Samerski, D. Kölner P.sverehrung. Norderstedt 2005; - Christine Laigneau, Le sanctuaire Saint P. à Buenos Aires. La régulation institutionnelle d'un culte thérapeutique, in: ASSR 50.2005, 130, S. 37-53; -

2008

Donatella Taverna, Culti orientali nel Piemonte medievale. San P., in: StOC 12.2008, S. 31-57; - Bodo Heil, Nothelfer. Graz 2008; - Heinrich Fürst, Die vierzehn Nothelfer. Unsere Freunde. Ihre Verehrung von d. Anfängen bis zum Dreißigjährigen Krieg. Petersberg 2008; - Luc Campana, Die 14 Heiligen Nothelfer. Herkunft und Verehrung. Konkurrenz zur Medizin . Leben und Legenden. Reichweite und Bildnisse. Schwerpunkt Schweiz. 2., überarb. u. erw. Aufl. Lauerz 2008.

Letzte Änderung: 21.07.2009