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Band XXIII (2004) Spalten 1058-1060 Autor: Bernhard Hemmerle

PARIS, Antonius, lothringischer Glockengießer, * in Pont a Mousson (?); † 1669 in Schwerte/Westfalen. A. Paris wird erstmals im Jahre 1639 genannt, als Claudi(us) Lamiral den Auftrag zum Guß mehrerer Glocken in Arnsberg erhielt, zu dem er die Brüder Antonius und Jean Paris sowie Jean Delapaix hinzuzog, die alle als "Schwager" bezeichnet werden. Noch im gleichen Jahr arbeiten Claudius Lamiral und Antonius Paris in Dortmund zusammen (zwei Glocken für St. Petri). Ein Jahr später gießen beide Meister zwei Glocken für die Marienkirche und eine Glocke für St. Jakob in Lippstadt. Danach trennen sich die Wege beider Gießer für mehrere Jahre. Jean und Antonius Paris und Jean Delapaix sind auch mit gelegentlichen Gemeinschaftsarbeiten fast ausschließlich im westfälischen Raum anzutreffen. Antonius Paris unternimmt ferner einige Arbeitsreisen. So gießt er im Jahre 1644 in der Region Friesoythe-Wildeshausen-Cloppenburg-Vechta sechs Glocken. Bei zwei Glocken steht ihm wiederum Jean Delapaix zur Seite. 1645 bis 1647 finden wir Antonius Paris in seinem westfälischen Arbeitsbereich. Als Claudius Lamiral im Jahre 1647 einen Großauftrag zum Guß von sechs Glocken für die Pfarrkirche und Abtei in Siegburg erhält, zieht er erneut Antonius Paris als Partner hinzu. Antonius Paris wird in Siegburg letztmals in einem Vertrag über die aufgeschobene Glockenprüfung vom 7. Februar 1648 erwähnt. Er hat die Stadt wohl wenig später verlassen, denn im gleichen Jahr gießt er gemeinsam mit Jean Delapaix die große "Osanna-Glocke" des Fuldaer Domes (82,5 Zentner, Ø 1900 mm; 1905 beim Brand des Turmes zerstört). 1650 gießt Antonius Paris eine Glocke für die Kath. Pfarrkirche in Bad Camberg und zwei Glocken für die Evang. Pfarrkirche in Hünfelden-Kirberg. 1651gießt er eine Glocke in Grüningen (Kreis Gießen). Nach weiteren Arbeiten im westfälischen Raum unternimmt Paris 1653 erneut eine Reise, die ihn diesmal in die Wetterau (Glocke Reichelsheim/Kreis Friedberg) führt. In den Jahren 1654 (Glocke für die Liebfrauenkirche in Hadamar) und 1655 (zwei Glocken für die Hachenburger Schloßkirche) ist Antonius Paris im Westerwald tätig, ehe er endgültig in seine Wahlheimat Westfalen zurück kehrt. Antonius Paris, der bisher mit 50 Glocken zwischen 1639 und 1665 belegt ist, starb im Jahre 1669 in Schwerte. Seine Glocken zeichnen sich durch eine vielfältig gestaltete Renaissanceornamentik aus. Die Inschriften sind von Zierfriesen umrahmt. Darunter ist im Abstand von mehreren Zentimetern, bzw. auf der Flankenmitte ein weiterer Zierfries angebracht. Der Zwischenraum ist mit Kreuzigungsreliefs und der Darstellung der stillenden Gottesmutter ausgefüllt. Bei letzterem Relief handelt es sich um eine Plakette des ital. Künstlers Antonio Abondi (1538-1591), die auch auf Glocken anderer Lothringer Gießer zu finden ist. Auf verschiedenen Glocken sind zudem Wappen kirchlicher oder weltlicher Würdenträger angebracht. Die Reliefs sind mit Borten aus dem Inschriftenfries gerahmt. Unterhalb des Zierfrieses auf der Flanke steht in der Regel ein auf mehreren Stufen errichtetes Ornamentkreuz, das ebenfalls aus Streifen der verwendeten Zierfriese zusammengesetzt ist. Auf der Glocke für Camberg verwendete Antonius Paris zudem ein weiteres Relief: Tischszene mit Jesus und Maria Magdalena.

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Lit.: Walter, Karl, Glockenkunde, Verzeichnis der Glockengießer, Regensburg 1913; - Söhngen, W., Geschichte der Stadt Hachenburg, 1914; - Berger, Dieter, Die Herkunft der Nassauischen Glocken. In: Nass. Annalen 63, 1952; - Koester, Kurt, Glocken und Glockenspiele von Lothringer Wandergießern in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh., In: Lusus Campanularum, Beiträge zur Glockenkunde, Siegrid Thurm zum 80. Geburtstag, München 1986; - J. Poettgen, Der Siegburger Glockenguß von 1647, Die beiden Geläute der Lothringer Meister Claudi(us) Lamiral und Antonius Paris. In: Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises, Jb. des Geschichts- und Altertumsvereins für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis e.V. 63. Jg, 1995; - Hemmerle, Bernhard, Die Glocken des lothringischen Wandergießers Antonius Paris im Taunus und Westerwald, in: Jb. 1999 des Kreises Limburg-Weilburg, 226-232, Limburg 1998.

Bernhard Hemmerle

Letzte Änderung: 15.11.2011