PARKER, Horatio William, * 15. Sept. 1863 in Auburndale (Massachusetts), † 18. Dez. 1919 in Cedarhurst, Long Island (New York); amerikanischer Organist und Komponist. Ab dem 14. Lebensjahr wurde H. Parker von seiner Mutter im Klavier- und Orgelspiel unterrichtet. 1880 trat er seine erste Organistenstelle in Dedham an und studierte in Boston u.a. bei George Whitefield Chadwick Klavier, Harmonielehre und Komposition. Im Alter von 19 Jahren ging Parker nach München, um an der Hochschule für Musik bei Joseph G. Rheinberger Orgel- und Kompositionsunterricht zu nehmen. Rheinberger überträgt Parker den Solopart bei der UA seines Orgelkonzertes in F-dur. Nach dem Studienaufenthalt in Deutschland war Parker ab 1885 als Organist und Lehrer in New York tätig. Zunächst lehrte er an der Cathedral School of St. John in Garden City und anschließend am National Conservatory. Als Komponist wurde Parker mit der UA seines Oratoriums <\>>Hora novissima<\<> (1892 New York) bekannt. Das Werk wurde anschließend in mehreren amerikanischen Städten und in England aufgeführt. Von 1893 bis 1899 war Parker Organist und Chordirektor an der Trinity Church in Boston. Im Jahre 1894 gründet er das <\>>New Haven Symphony Orchestra<\<>, und wird im gleichen Jahr mit der Leitung der neu gegründeten Musik-Abteilung an der Yale University in Boston beauftragt. Diese entwickelt sich unter Parkers Leitung zu einer School of Music, deren Dekan Parker im Jahre 1904 wird; von 1901 an wirkt Parker zudem als Organist der St. Nicholas Church in New York. Als Lehrer prägte Horatio Parker eine ganze Generation von Musikern. Zu seinen Schülern zählen u.a. Roger Session, Douglas Mogre und Charles Ives. 1902 wurde Parker von der Cambridge Universität in Bosten ehrenhalber der Titel Musikdirektor verliehen. Für seine Oper <\>>Mona<\<> erhielt Parker nach der Uraufführung an der Met in New York (1911) von der Metropolitan Opera einen Preis in Höhe von 10 000 Dollar zuerkannt. Den gleichen Betrag erhielt Horatio Parker im Jahre 1914 als Anerkennung von der National Federation of Music Clubs für sein Bühnenwerk <\>>Fairyland<\<>. Das kompositorische Schaffen Parkers lag hauptsächlich im Bereich der Chormusik; sein Oratorium <\>>Hora Novissima<\<> und verschiedene Chorwerke werden noch heute in den USA aufgeführt. Für die Orgel schrieb Parker über 30 Werke, die er zu Zyklen von vier oder 5 Stücken zusammenstellte. In den Werken Parkers ist der "europäische" Stil, bzw. die - auch von seinem Lehrer J. G. Rheinberger geprägte - deutsch-romantische Tonsprache deutlich zu erkennen. Parkers Musik wurde von einem amerikanischen Kritiker wie folgt beschrieben: " altmodisch, genial und herrlich".
Werke (Auswahl): a) Bühnenwerke: Mona op. 71, Oper in 3 Akten, UA 1911; Fairyland op. 77, 1914: Cupid and Psyche op. 80, Masque in 3 Akten, 1916; Yale Peagant, Begleitmusik, 1916. - b) Orchesterwerke: Konzert-Ouvertüre in Es-dur op. 4, 1883; Symphony in c-moll op. 7, 1884; Venetian Ouvertüre op. 12, 1884; Scherzo in g-moll op. 13, 1884; A Northern Ballad, op. 46, 1899. - c) Kammermusik: Streichquintett op. 11; Suite für Klav., Vl. Und Vc. op 35; Suite für Vl. und Klav. op. 41. - e) Chorwerke: The Lord is my Shephherd op. 3, 1883; The Ballad of a Knight an his daughter op. 6, Kantate, München 1884; King Trojan op. 8, Kantate (München 1885); Idylle op. 15, Kantate, 1891; Morning and Evening Service; Office fort he Holy Communion op. 18; Hora Novissima op. 30, Oratorium, 1892; The Holy child op. 37, Kantate, 1893; The Legend of St. Christopher op. 43, Oratorium; A Wanderer´s Psalm op. 50, Kantate, 1900; A Star Song op. 54, lyrische Rhapsody, 1902; Office of the Holy Communion op. 57; Spirit of Beauty op. 61, Ode; The Shepherd´s Vision op. 63, Kantate; A Song of Times op. 73, Kantate; The dream of Mary op. 82; viele Anthems und andere kleinere Chorwerke. - d) Singstimme und Begl.: viele Lieder. - e) Orgelwerke: Orgelkonzert op. 55, 1902; Sonate in Es-dur op. 57; viele kleinere Stücke, darunter Five Sketches op. 32 (1893 publ.), Neudruck, Dr. Josef Butz MV, St. Augustin 2000.
Lit.: Semler, I. P. und Underwood, Paul Horatio Parker, New York 1942; - Broder, Nathan, Horatio Parker, in: MGG Bd. 10, Kassel 1962, Spalte 806-807; - Horatio Parker, eingestellt im Internet unter: www.swr.de (17.11.2003).