PEDERSEN, Johannes Peder Eljer, dänischer evangelischer Oriantalist
und Alttestamentler, * 7.11. 1883 in Illebølle, Langeland, † 22.12.
1977 in Kopenhagan. - P., Sohn des Lehrers Søren P. (1852-1940)
und dessen Gattin Ida Ingeborg Sindet Noiesen (1852-1944), besuchte
die Schule in Sorø, wo er auch 1902 das Abitur ablegt, und nimnt
daraufhin das Theologiestudium auf, in dem er sich bald unter dem
Einfluß von Frantz Buhl (s.d.) dem Alten Testament hinwendet. 1906
gewinnt P. die Universitätsmedaille, und 1908 legt P. das theologische
Examen ab. Von 1909 bis 1912 setzt P. in Leipzig, Leiden und Budapest
seine orientalistischen Studien fort; von einer Nahostreise zurückgekehrt,
wird P. Mitarbeiter von Edvard Lehmann. Die nächsten Jahre betreibt
P. arabistische Forschungen. 1916 erhält P. einen Lehrstuhl für Altes
Testament, wirkt daneben aber noch als Gastdozent in Kairo (1920-1922).
1922 wird P. Nachfolger seines Lehrers Buhl auf dem Lehrstuhl für
semitische und morgenländische Philologie, sich in den nächsten Jahren
intensiv mit dem Islam auseinandersetzend. Am 20.12. 1921 heiratet
P. in Sorø die Professorentochter Thora Caroline Gertz (4.1. 1888-13.9.
1946). P. gehörte seit 1924 der Wissenschaftlichen Gesellschaft an,
war seit 1924 Leiter der Philosophisch-historischen Klasse und Präsident
der Gesellschaft von 1963-1969. 1950 wurde P., von drei Universitäten
mit dem Ehrendoktorat geehrt (Lund 1923, Manchester 1947, Glasgow
1951) und vielfaches Mitglied auswärtiger Akademien (Lund 1923, Oslo
1932, Göttingen 1936, Berlin 1939, Stockholm 1940, Göteborg 1947,
British Academy und Mainz 1950) sowie wissenschaftlicher Organisationen
(Society for Old Testament Studies 1931, Society of Biblical Literatur
and Exegesis 1947, American Oriental Society 1947, Deutsche Morgenländische
Gesellschaft 1953, Royal Asiatic Society, London, 1961), emeritiert.
- In seiner Habilitationsschrift von 1912 verfolgt P. für das
religionsgeschichtliche Verständnis des Alten Testaments interessante
semitische Parallelen zu den Vorstellungskreisen um Schwur und Fluch
(Der Eid, s.u.). Die gängige Pentateuchkritik versucht P. durch den
Nachweis zu widerlegen, daß Ex 1-15 eine kunstvoll komponierte Passahlegende
(s.u.) darstellt, die in ihrer jetzigen nachexilischen Forn doch auf
Traditionen aus der Zeit der Landnahme verweist. Die religionsgeschichtliche
Relativierung der Erkenntnisse der Wellausen-Schule oder Hermann Gunkels
(s.d.) bleibt P.s Thematik; sein theologisches Konzept hat er 1931
in der Druckfassung eines 1930 in Uppsala gehaltenen Vortrages niedergelegt.
Eine hinreichende Darstellung jüdischer Prophetie kann nach P. nur
gelingen, wenn Israel zunächst als nomadisches Volk in seiner realen
und geistesgeschichtlichen Beziehung der Umwelt zu seinen Nachbarn
und in der Entfaltung seines inneren religiösen Lebens betrachtet,
dann erst nach diesen historischen Vorarbeiten der Versuch unternommen
wird, die alttestamentliche Theologie systematisch zu entfalten. So
gelangt P. zu der Theorie, daß in dem Seher (ro'ä, chozä) keine Vorstufe,
sondern eine später allerdings zurücktretende Nebenform der Prophetie
anzusehen ist (The Rôle, s.u.). Zustimmend ist P.s Annahme aufgenommen
worden, daß Passahlamm und Mazzenbrot nomadischen Ursprungs sind und
erst später mit der kultischen Gestaltung der Exodustradition verschmolzen
wurden (Passahfest u. Passahlegende, s.u.). Zurückhaltend äußert sich
P. zur Verwertbarkeit mündlicher Traditionen; der Wert von Überlieferung
ergibt sich, aus semitischen Parallelen von P. erhellt, aus dem jeweiligen
Stand der Schreibkultur.
Werke: Den semitiske Ed og beslægtede Begreber samt Eden
Stilling i Islam, København 1912 (dt. Der Eid bei den Semiten
in seinem Verhältnis z. verwandten Erscheinungen sowie die Stellung
des Eides im Islam. Stud. z. Gesch. u. Kultur des Islam. Orients [=
Islam Beih. 3], Straßburg 1914); AlAzhar, et muhammedansk Universitet,
København 1922; Muhammedansk Mystik. En Samling Texter, oversat
og forklaret, København 1923; Zur Erkl. der eschatologischen Visionen
Henochs: Islamica 2 (Leipzig 1926), 416-429; Israel, Its Life and
Culture, 2 vol., London/Kopenhagen 1926-1940, Kopenhagen 19342;
Islams Kultur, København 1928; Scepticisme israélite: RHPhR 10
(1930), 317-370; Die Auffassung v. AT: ZAW NF 8 [49] (1931), 161-181;
Opfattelsen af det gamle Testamente: NTT 32 (1931), 136-162; Seelenleben
u. Gemeinschaftsleben, 1934; Passahfest u. Passahlegende: ZAW NF 11
[52] (1934), 161-115; Canaanite and Israelite Cultus: Acta Orientalia.
Societatas orientales: Batava, Danica, Nervagica (Svecica) 18 (Leiden
1940), 1-14; Den arabiske bog, København 1946; The Rôle played
by Inspired Persons among the Israelites and the Arabs, in: Harold
Henry Rowley (Ed.), Studies in Old Testament Prophecy Presented to
Theodore Henry Robinson (Edinburgh 1950), 127-142; The Fall of Man
(Gen. 2,4b-c.3): NTT 56 [Festschr. Sigmund Mowinckel] (1955), 162-172;
Wisdom and Immortality: Vetus Testamentum 5 (1955).
Lit.: Gustav Hölscher, J. P.s »Israel«: ThStKr 108 (1937/1938),
234-268 (schwed. Svensk Exegetisk Årsbok 2 [1937], 65-92); - Leonhard
Rost, Weidewechsel u. altisrael. Festkal.: ZDPV 66 (1943), 205-216
(in: Ders., Das kleine geschichtl. Credo u. andere Stud. z. AT (Heidelberg
1965), 101-112); - Martin Noth, Die überlieferungsgesch. des Pentateuch,
Stuttgart 1948, 70 ff.; - Studia Orientalia Ioanni P. Septuagenario
A.D. VII ID. Nov. Anno MCMLIII a collegis discipulis amicis dicata,
Havniae 1953; Frede Løkkegaard, J.P.: København Universitets
Årbog 1978, 459-463; - Dansk Biografisk Leksikon XI (København
1982), 216-218; - RGG3 V (1961), 204.
Klaus-Gunther Wesseling
Literaturergänzung:
Seelenleben und Gemeinschaftsleben. In: Klaus Koch (Hg.), Um das Prinzip der Vergeltung in Religion und Recht des AT (Darmstadt 1972),8-86 (Übersetzung von: J.P., Israel I-II, Sjaeliv og samfundsliv, [Kopenhagen 21934], 294-352. Aus dem Dän. übers.v. Volkmar Hand) Wege der Forschung
Bd.CXXV.