PEDERSSØN, Geble, * um 1490 in Herøy in Helgeland, Norwegen,
+ 1557 als Bischof in Bergen in Westnorwegen. Zuerst ging er
in Trondheim zur Schule, aber als sein Vater Ratsherr in Bergen wurde,
setzte er dort sein Studium fort. Der Domkapitel sandte ihn ins Ausland
um weiter zu studieren. Er zog nach Alkmaar, Minden und Löwen. Als
beide seinen Eltern dem niederen Adel in Norwegen gehörten waren seine
Möglichkeiten eine Karriere außerhalb der Kirche zu machen, begrenzt.
Mathematik und Musik waren seine größten Interessen aber auch die
lateinische Sprache zog ihn an. Während seines Studienaufenthaltes
wurde er von dem erasmischen Humanismus geprägt. Mit den reformatorischen
Gedanken ist er wahrscheinlich nicht in Berührung gekommen. -
Nachdem er Magister in Löwen geworden war, kehrte er wahrscheinlich
1517 nach Bergen zurück, wo er Schulmeister an der Kathedralschule
wurde. 15.10. 1518 wurde er Mitglied des Domkapitels und bald auch
Pfarrer an der Marienkirche. Als Bischof Andor 1521 starb wurde G.
P. vom Domkapitel beauftragt mit dem König Christian II. über die
bevorstehende Bischofswahl zu beraten. Als der Erzdiakon Olav Torkellsson
1523 ausgesehen war, sandte er G. P. nach Rom, um die Bestätigung
des Papstes einzuholen. Selbst wurde G. P. in einem Brief vom 15.7.
1523 vom Papst als Nachfolger vom Bischof Olav als Erzdiakon bestätigt.
- 1526 wurde zum ersten Mal reformatorisch in Bergen gepredigt,
wahrscheinlich meistens unter den hanseatischen Kaufleuten. 1529 kamen
dänische, lutherische Prediger mit königlicher Genehmigung nach Bergen,
wo große Teile der Bevölkerung sie hörten. Der reformatorische Gottesdienst
wurde nach und nach in allen Kirchen eingeführt. Der Bischof verließ
die Stadt und starb 1535 in Voss, einer Stadt in der Nähe von Bergen.
Die Rolle G. P.s in diesen bewegten Zeiten geht nicht klar hervor.
Im April 1531 klagte er in einem Brief an den Erzbischof Olav Engelbrektsson
darüber, daß die lutherische Ketzerei sich so stark verbreitet hatte.
1535 scheint er noch dem Erzbischof treu zu sein, in den konstitutionellen
politischen Streitigkeiten dieser Zeit hat er sich jedoch nicht engagieren
wollen. - Nach dem Tode Bischof Olavs wurde G. P. als der Bischofskandidat
des Domkapitels zu Bergen gewählt. Doch wurde der Erzbischof in einem
offiziösen Brief dafür gewarnt, ihn zu ernennen. Diese Zuschrift war
von vier der Reichsräte unterzeichnet. Sie schrieben, daß auch wenn
G. P., »ein feiner, gelehrter und ehrlicher Mann« sei, »fehle es ihm
an Mut«. Deshalb schlugen sie den Probst Morten Krabbe in Oslo vor.
In einem Brief vom Mai 1536 ist G. P. mit dem Titel electus bezeichnet.
Aber er wurde nicht in der katholischen Zeit eingesetzt. Er muß jedoch
das Vertrauen Christans III. gewonnen haben, wie auch die Auffassung
sich verbreitet hatte, daß er keine Einwendungen gegen die neue Lehre
hätte. Im November 1536 wurde er vom König ernannt mit dem Amtmann
zu Bergenshus, Eske Bille, zusammen die Güter des Bischofsitzes zu
verwalten. Am 26. August 1537 wurde G. P. in Kopenhagen von Bugenhagen
als lutherischer Superintendent von Bergen eingesetzt. Er blieb dann
bis 1541 der einzige Superintendent in Norwegen. - Es ist unmöglich
festzulegen wie und wann G. P. lutherisch geworden ist, aber in einem
Brief anfangs 1538 scheint er lutherisch zu denken. Er scheint niemals
antikatholisch geworden und er heiratete auch nie obwohl er ein treuer
lutherischer Superintendent war. Im Sommer 1539 reiste er in den Stiften
Hamar und Oslo herum, um für die Anerkennung der neuen Lehre und der
Kirchenordnung zu plädieren. Er war auch ein Freund von dem dänischen
Superintendent Peder Palladius, den er um mehrere gute evangelische
Pfarrer für sein Stift ersuchte. - Die alte Kathedralschule in
Bergen wurde von G. P. neu errichtet, um für die Kirche evangelische
und gut ausgebildete Pfarrer zu besorgen. Dem Schulmeister wurde von
G. P. ausdrücklich auferlegt, den kleinen Katechismus Luthers den
Schülern einzuprägen. Diese Schule hat evangelische, humanistische
Bildung in Westnorwegen verbreitet.
Lit.: A.Chr. Bang, Kirkehistoriske Smaastykker, 1890;
- A.Chr. Bang, Den Norske Kirkes Historie i Reformations-Aarhundredet,
1895; - Absalon Pederssøn, Dagbok og Oration om Mester Geble,
Hrsg. R. Iversen u. O. Kolsrud, 1963; - T. Ellingsen, Mester Geble
- Adelsmann og kirkeleder, in Kirke og Kultur 91, 1986, 466-480.