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Verlag Traugott Bautz
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PETER von Luxemburg (Le Bienheureux Pierre de Luxembourg), Bischof von Metz (1384-1387) und Kardinal, * 20.7. 1369 in Ligny-en-Barrois (Frankreich, Département de la Meuse), Sohn des Wido von Luxembourg († 1371), Graf von Ligny und Saint-Pol (Frankreich, Dép. du Pas-de-Calais), und von Mahaut de Châtillon († 1373), † 2.7. 1387 in Villeneuve-les-Avignons (Frankreich, Dép. du Gard), begraben in Avignon (St.-Michaelskirche). - 1377 begann P. von L. das Studium der Theologie in Paris (Collège de Navarre), wo Nicolas Oresme und P. d'Ailly seine Lehrer waren. Seit November 1378 Kanoniker in Paris, erwarb er 1381 auch eine Pfründe in Cambrai und wurde Archidiakon in Brüssel (Diözese Cambrai) und Dreux (Diözese Chartres). Am 10.2. 1384 wurde er zum Bischof von Metz ernannt und am 15.4. 1384 zur Würde eines Kardinal-Diakons mit dem Titel Sankt- Georg in Velabro erhoben, obwohl er erst 14 Jahre alt war. Infolge des Widerstandes des urbanistischen Kandidaten Thielmann Vuss von Bettembourg gelangte er in seinem Bistum nicht zur Herrschaft. Aus Luxembourg, wohin er sich zurückgezogen hatte, wurde er im Frühjahr 1386 vom Papst nach Avignon gerufen, wo er starb. - Seine tiefe, von der am französischen Königshof stark verbreiteten Marienverehrung (s. Philippe de Maizières) geprägte Frömmigkeit und seine vielfach bezeugte Barmherzigkeit bewirkten, daß er bereits unmittelbar nach seinem Tode beim Kirchenvolk von Avignon als Heiliger betrachtet wurde: Man schrieb ihm Wunder auf dem St.- Michaelfriedhof zu, wo er seinem Willen nach begraben worden war. Eine Wallfahrtstätte entwickelte sich mit materieller Unterstützung der Grafen von Luxembourg-Saint-Pol, Genf, Savoyen und der Herzöge von Anjou; eine Kapelle wurde über seinem Grab erbaut und ein Celestinerkonvent 1393 begründet. König Karl VI. von Frankreich, die Universität bzw. das Domkapitel von Paris bemühten sich bei der päpstlichen Kurie um seine Kanonisation. Der Versuch blieb erfolglos und erst am 9.4. 1527 wurde P. von L. von Papst Clemens VII. seliggesprochen. Inzwischen hatte sich sein Kult um 1390 in der Diözese Cambrai (wo sein Lehrer Pierre d'Ailly Archidiakon war), später in Savoyen und Spanien sowie im belgischen Raum verbreitet. Reliquien von ihm werden noch heute in Avignon sowie in Ligny aufbewahrt. Im Worcester Art Museum (Massachusetts) befindet sich eine wahrscheinlich aus Norditalien stammende Darstellung von P. von L. (Ende des 14. Jh.). 1432 wurde Peter zum Stadtpatron von Avignon (Festtag am 5. Juli). Er erscheint unter den abgebildeten Personen auf der Darstellung (1454) der Marienkrönung des avignonesischen Malers Enguerrand Quarton (Musée de l'Hospice in Villeneuve-les-Avignons). Ein Anonymus hat um 1470-1475 die Ekstase des Seligen gemalt (Avignon, Musée du Petit- Palais). P. von L. wurde von Jean Juvenal des Ursins in seiner »Histoire du règne de Charles VI« sowie von Froissard und dem Metzer Chronist Philippe de Vigneulles mit hoher Verehrung bedacht. Eine Reihe von Biographien wurden noch im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts publiziert und sein Kult ist noch bis zum Ende des 19. Jahrhundert in Avignon bezeugt. - Heutige Historiker legen den Akzent auf seinen persönlichen »Hypermystizismus« und seine übertriebene Askese (»un saint égaré dans la politique«) sowie auf die politischen Gegebenheiten, die eine so steile Karriere erklären dürften, darunter das Bestreben des Clementinischen Papsttums, eine in ganz Europa berühmte Familie als Parteigänger an sich zu binden, um beim päpstlichen Stuhl in Avignon über eine Persönlichkeit mit wirkungsvoller Ausstrahlung zu verfügen, die als Gegengewicht gegen den Einfluß Katharinas von Siena in Rom bei Papst Urban VI. gelten konnte.
Werke: Es wurden von ihm selbst (oder später unter seinem Namen und wahrscheinlich aus der Kreis der Celestiner in Avignon) geschrieben und teilweise publiziert: lateinische Prosawerke (Bibliothèque Nationale, Paris); La diète du salut (in seinem in der Stadtbibliothek Avignon liegenden Gebetbuch enthalten, lange als Autograph angesehen, heute von der modernen Kritik als apokryphe Sammlung - vielleicht in Verbindung mit seiner Erhebung zum Stadtpatron in Avignon - betrachtet); Le dévot traité, épitre très utile à la personne vivant au monde (Handschrift in der Bibliothèque Nationale, Paris, aus dem Pariser Celestinerkonvent); Le Livre de Clergie ou Image du monde (als französische Übersetzung in Paris, Anfang des 16. Jahrhunderts ediert); Le voyage spirituel (Handschrift in der Bibliothèque Royale, Brüssel, n° 11118) ou »livre de P. de L. qui s'adresse à l'une de ses soeurs« (wahrscheinlich handelt es sich um Jeanne de Luxembourg 1363-1430), 1506 in Paris veröffentlich.
Lit.: Fourrier de Bacourt, Vie du bienheureux P. de L., étudiant de l'Université de Paris, évêque de Metz et cardinal (1369-1387), avec portrait, lettres et pièces justificatives, 1882; - Emile van Arenberch, Luxembourg (Le bienheureux Pierre de), in: Biographie Nationale publiée par l'Académie royale de Belgique, Bd. XII 1892, Sp. 621-624; - Louis Gennesson, Le bienheureux cardinal P. de L., 75° évêque de Metz (1384-1387), in: Le Pays Lorrain, 1954, 113 ff.; - Henri Tribout de Morembert, P. de L., évêque de Metz, in: Biographie Nationale du pays de Luxembourg, Bd. 11, 51-80; - Michel Feuillas, Une tradition historiographique: les panégyriques latins du bienheureux P. de L. dans l'église des Célestins d'Avignon au XVII° siècle, in: Le peuple des saints (table-ronde d'Avignon 1984), 1985; - Geneviève Hasenohr, P.de L., in: Histoire des saints et de la sainteté chrétienne, Bd. VII (unter Federführung von André Vauchez), 1986, 197-202.
Jan-Luc Fray
Literaturergänzung:
Johannes Hemrath, Aktenversendung u. Heilungswunder. P.v.L. (1369-1387) u.d. Überlieferung seines Kanonisierungsprozesses, in: Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Köln [u.a.] 2007, S. 649-672.
Letzte Änderung: 06.03.2008