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Band XXIII (2004) Spalten 1061-1083 Autor: Hein Retter

PETERSEN, Peter, * 26.6. 1884 in Großenwiehe, Kreis Flensburg, † 21.3. 1952 in Jena, war von 1923 bis zu seinem Tod ordentlicher Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Jena. Als Leiter der Jenaer Universitätsschule entwickelte er ein Schulmodell mit altersgemischten Gruppen ("Jena-Plan"), das zum klassischen Bestand der internationalen Reformpädagogik zählt. - Schule und Studium: Petersen war das älteste von neun Kindern (zwei Schwestern und ein Bruder starben in jüngstem Alter) des Kleinbauern Carsten Petersen und seiner Frau Catharine Marie, geb. Johannsen (nach Kluge 1992, S. 40 f.). Er besuchte von 1890-96 die Dorfschule in Großenwiehe, erhielt vom Lehrer, vom Küster und vom Pfarrer die Bildungsgrundlagen vermittelt, die es ihm ermöglichten, im Herbst 1896 in die Quinta (2. Klasse) des Flensburger Gymnasiums aufgenommen zu werden. Dort legte er das Abitur Ostern 1904 ab. Ab dem Sommersemester 1904 studierte er in Leipzig Theologie (Evangelische Religionslehre), Philosophie, Geschichte und Anglistik. Seine Lehrer in Theologie waren für Altes Testament und Exegese Rudolf Kittel (1853-1929), für Dogmatik und Neues Testament Otto Kirn (1857-1911). Philosophie studierte er - unter anderem - bei Wilhelm Wundt (1832-1920), Geschichte bei Karl Lamprecht (1856-1915). Allen vier Leipziger Gelehrten widmete Petersen 16 Jahre später seine Hamburger Habilitationsschrift. - Auf Grund eines Stipendiums der Herzog-Friedrich-Stiftung, einer traditionsreichen Einrichtung seines Flensburger Gymnasiums, das zum Studium an der schleswig-holsteinischen Landesuniversität verpflichtete, wechselte er nach zwei Semestern an die Heimatuniversität Kiel und setzte hier für die folgenden drei Semester seine Studien fort. Petersen gewann einen von der Kieler Theologischen Fakultät ausgesetzten Preis durch seine - nicht mehr erhaltene - Abhandlung über das Thema: "Die Entwicklung unserer Anschauungen vom Heidenchristentum und Judenchristentum seit Ferdinand Baur". Das Preisgeld ermöglichte es ihm, das Wintersemester 1906/07 an der Universität Kopenhagen zu verbringen. Hier hörte er Vorlesungen über Philosophie, Psychologie, Logik, ältere und neueste Geschichte sowie Religionswissenschaft. Der Kopenhagener Aufenthalt führte zur lebenslangen Freundschaft mit dem Religionshistoriker Edvard Lehmann (1862-1930). - Nach dem Kopenhagener Gastsemester ergriff Petersen die Gelegenheit, sein Studium selbst zu finanzieren. Er folgte dem Angebot des Historikers und Leipziger Extraordinarius Prof. Dr. Gustav Buchholz (1856-1916), der zum 1.10. 1906 an die Königliche Akademie Posen berufen wurde, als dessen Privatassistent die hauptverantwortliche Redaktion der von Buchholz herausgegebene Zeitschrift "Ostdeutschen Korrespondenz für nationale Politik" zu übernehmen. Petersen hielt sich von März 1907 bis Januar 1908 in Posen auf. Die Posener Akademie, 1903 von Wilhelm II. gegründet, besaß keinen Universitätsstatus. Sie sollte als allgemeine Bildungseinrichtung "das deutsche Geistesleben in den Ostmarken" heben. Die Akademie hatte allerdings schon in den ersten Jahren ihres Bestehens mit abnehmenden Hörerzahlen zu kämpfen. Nicht das Abitur, sondern nur das "Einjährige" (Obersekundareife und einjähriger freiwilliger Wehrdienst) waren Voraussetzung für die Einschreibung als Hörer. Vielleicht war dies dafür ausschlaggebend, daß sich der Universitätsstudent Petersen in einem 1942 geschriebenen Lebenslauf als "erster Vollstudent" der Akademie Posen bezeichnete. Zur Aufrechterhaltung des Vorlesungsbetriebes besaß die Akademie neben Lehrbeauftragten und Lektoren auch eine Reihe von Professoren mit Ordinariengehalt. Petersen hörte in seinen beiden Posener Semestern Pädagogik-Vorlesungen des Dilthey-Schülers Rudolf Lehmann, der zum gleichen Zeitpunkt wie Buchholz an die (1919 aufgelöste) Posener Akademie berufen worden war. - Im Januar 1908 bot sich für Petersen die Möglichkeit, den Posener Aufenthalt zu beenden und für die kommenden (letzten) beiden Studiensemester an die Universität Leipzig zurückzukehren. Er wurde Privatassistent des Leipziger Nationalökonomen Priv.-Doz. Dr. Wilhelm Eduard Biermann, den er bei einem Forschungsprojekt über den Sozialreformer Karl Georg Winkelblech (1810-1866) unterstützte. Winkelblech veröffentlichte ab 1850 unter dem Pseudonym Karl Marlo ein mehrbändiges Werk zur Gesellschaftsreform, das aber weitgehend unbekannt geblieben war. - An seiner Dissertation zu arbeiten hatte Petersen in Posen Zeit gefunden. Mit dem Thema, "Der Entwicklungsgedanke in der Philosophie Wundts" konnte er allerdings nicht in Leipzig promovieren, weil die Fakultät Dissertationen über ihre Mitglieder nicht annahm. Petersen promovierte im Mai 1908 mit dieser Arbeit in Jena bei Rudolf Eucken (der im gleichen Jahr den Literaturnobelpreis erhielt); wenige Monate später erschien die Abhandlung in einer von Karl Lamprecht herausgegebenen Schriftenreihe. - Als Oberlehrer und Schulleiter in der Hamburger Schulreformbewegung: Im Februar 1909 legte Petersen in Leipzig die Prüfung für das Höhere Lehramt mit Auszeichnung ab und begann in einem Leipziger Gymnasium das Referendariat. Auf Drängen des Hamburger Schulrates Dr. Brütt entschloß er sich jedoch, nach Hamburg zu gehen. Er trat zum 1.10. 1909 in das Kollegium des traditionsreichen Hamburger Gymnasiums "Johanneum" ein und wurde dort zwei Jahre später, 1911, fest angestellter Oberlehrer (Studienrat). Petersen unterrichtete neben Evangelischer Religionslehre und Englisch auch Geschichte (ein Fach, für das er 1913 an der Universität Kiel nachholte) sowie philosophische Propädeutik und Hebräisch. - Die Diskussion um die Reform des Bildungswesens war in Hamburg im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts in vollem Umfang entbrannt. Petersen gewann bald Kontakt zu führenden Kreisen der Reformer. Er setzte sich insbesondere für einen undogmatischen, kindgemäßen Evangelischen Religionsunterricht ein. In der Hamburger Lehrergruppe des Deutschen Protestantenvereins hatte sich eine "Vereinigung für Religionsunterricht im liberalen Sinn" gebildet, der Petersen 1909 beitrat. Mit Edvard Lehmann, der 1910 einem Ruf auf den ersten deutschen Lehrstuhl für "Allgemeine Religionsgeschichte und Religionsphilosophie" an der Berliner Universität gefolgt war, gab Petersen 1912 zwei Bibelbearbeitungen im Verlag Westermann, Braunschweig, heraus, "Die Bibel fürs Haus" und "Die Bibel für Schule und Heim". Da Lehmann 1913 an die Universität Lund wechselte, führte Petersen die notwendig gewordene Revision beider Bibelausgaben 1914/15 mit dem für Lehmann eingesprungenen Theologen Reinhold Seeberg (1859-1935) durch. Beide Bibeleditionen erlebten bis in die zwanziger Jahre mehrere Auflagen. - 1911 war der führende Vertreter der experimentellen Pädagogik, Ernst Meumann, an das Hamburger Vorlesungswesen berufen worden. Petersen hörte Vorlesungen bei ihm und übernahm 1913 in dem von Meumann geleiteten "Institut für Jugendkunde" eine Arbeitsgruppe für Religionsunterricht. Im Oktober 1912 wurde Petersen in den Vorstand des "Bundes für Schulreform" gewählt, dem er zuvor beigetreten war. Er schreibt in seinem Lebenslauf, daß er hier die Funktion eines "Generalsekretärs" bzw. "Geschäftsführers" von 1912 bis 1923 ausgeübt habe (in Kluge 1992, S. 256, S. 376). Im Verbandsorgan des Bundes, der Zeitschrift "Der Säemann", veröffentlichte Petersen ab 1912 mehrere Artikel zu Fragen des evangelischen Religionsunterrichts; das Fach stand in dieser Zeit im Mittelpunkt einer lebhaften Reformdiskussion, nachdem die Amtskirche gegenüber liberalen Religionslehrern auf einem dogmatischen Standpunkt verharrte. 1916 gab Petersen im Auftrag des "Deutschen Ausschusses für Erziehung und Unterricht" den Tagungsband "Aufstieg der Begabten" heraus. Hatte der seit 1908 existierende "Bund für Schulreform - Allgemeiner deutscher Verband für Erziehungs- und Unterrichtswesen" das Ziel verfolgt, reformorientierte Lehrer aller Schularten, Vertreter der Schulverwaltungen, Universitätsdozenten und interessierte Laien zusammenzuschließen, so erkannte man bald, daß für die Durchsetzung von Reformen die Berufsverbände eine entscheidende Rolle spielen. Auf Betreiben der Hamburger Zentrale des "Bundes für Schulreform" führte diese Überlegung zu seiner Umstrukturierung und Fortführung unter dem Namen "Deutscher Ausschuß für Erziehung und Unterricht" am 28. Dezember 1915. Der "Deutsche Ausschuß", fungierte als Dachorganisation von 32 Verbänden im Deutschen Reich; ihm gehörten zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an. - 1912 wurde Petersen außerdem Mitarbeiter der "Hamburger Nachrichten", eine der großen, dem konservativen und nationalliberalen Spektrum zugehörigen deutschen Tageszeitungen. Er verfaßte für sie gelegentlich Artikel zu Themen aus den Bereichen Psychologie, Religion und Philosophie. Für die "Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik" schrieb Petersen 1914-19 Jahresberichte über den Stand der Psychologie in Form von Übersichtsreferaten. - Neben seiner Unterrichtstätigkeit hatte sich Petersen auf Grund einer Anregung Rudolf Euckens einer umfangreichen Forschungsarbeit zugewandt, die in seiner Habilitationsschrift "Die aristotelische Philosophie im protestantischen Deutschland" ihren Abschluß fand. Ihr waren Schriften wie "Die Philosophie Friedrich Adolf Trendelenburgs. Ein Beitrag zur Geschichte des Aristoteles im 19. Jahrhundert" (1913) und "Goethe und Aristoteles" (1914) sowie kleinere Aufsätze aus dem Themenkreis des Forschungsprojektes vorausgegangen. Petersen habilitierte sich 1920 an der neu gegründeten Hamburger Universität. Die Habilitationsschrift machte ihn zum führenden Aristotelismusforscher in Deutschland; die 1925 erschienene Wundt-Monographie auch zum führenden Interpreten Wilhelm Wundts, dessen Philosophie aber bald in Vergessenheit geriet. Umsonst hoffte Petersen, nach vollzogener Habilitation den Ruf auf die Pädagogik-Professur der 1919 gegründeten Universität Hamburg zu erhalten. Er wurde auf der Berufungsliste nur als Drittplatzierter geführt. - Als wehruntauglich zurückgestellt, hatte Petersen nicht als Soldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen, sondern war neben seiner Tätigkeit als Lehrer am Johanneum in der Hamburger "Kriegshilfe" aktiv, einer Hilfsorganisation für die Zivilbevölkerung. Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieg wurde er Mitglied im Hamburger "Werkbund geistiger Arbeiter", einem Kreis von radikalen, freiheitlich-demokratisch denkenden Intellektuellen, der in Verbindung mit dem Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat stand. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren engagierte sich Petersen stark in der Hamburger Volkskirchenbewegung; mit Franz Tügel (dem späteren deutschchristlichen Bischof von Hamburg) gab er 1919/20 die Zeitschrift "Die Neue Kirche" heraus. Petersen war in Hamburg-Eppendorf, seinem Wohnort, Kirchenvorsteher und Mitglied der Synode. Seine Vorstellungen von einem religiös geprägten "Sozialismus der Bruderschaft" kommen am deutlichsten in seinem Aufsatz "Neugestaltung des Religionsunterrichts in den höheren Schulen" (1919) und in seiner Schrift "Gemeinschaft und freies Menschentum" (1919) zum Ausdruck. - Im Februar und März 1920 nahm Petersen auf deutscher Seite als Helfer bei den Wahlkämpfen zu den Abstimmungen der deutschen und dänischen Bevölkerung Schleswigs teil, deren Ergebnis nach dem Versailler Vertrag die neu festzulegende Grenze zwischen Dänemark und Deutschland bestimmen sollte. Der Erhalt Südschleswigs für das Deutsche Reich mit dem heutigen Grenzverlauf und damit auch der Verbleib des elterlichen Hofes bei Deutschland auf Grund der zweiten Abstimmung - die erste ließ Nordschleswig dänisches Staatsgebiet werden - war für Petersen eine prägende politische Erfahrung, die in der volkstheoretischen Grundlegung der "Allgemeine Erziehungswissenschaft" von 1924 ihren Niedrschlag fand. - Ostern 1920 wurde Petersen Schulleiter an der Realschule Hamburg-Winterhude. Lehrer der in Baracken untergebrachten, aber von revolutionärem Geist erfüllten Oberschule waren an ihn herangetreten, um ihn für die Idee zu gewinnen, als ihr Leiter einen reformerischen Neuanfang zu wagen. Das Hamburger Schulgesetz ("Selbstverwaltungsgesetz") von 1920 hatte die traditionelle Institution des von Schulbehörde eingesetzten, gegenüber dem Kollegium weisungsbefugten Direktors abgeschafft zugunsten der demokratischen Wahl des Schulleiters aus der Mitte des Kollegiums. Petersen nahm das Amt, in das er gewählt wurde, erst an, nachdem er von der Hamburger Oberschulbehörde die Zusicherung hatte, daß die von ihm gestellten Forderungen zur materiellen Verbesserung der Schulsituation erfüllt werden. Allerdings übte er während der drei Jahre an der Lichtwarkschule das Amt des Schulleiters nur für ein Schuljahr aus. Im Februar 1921 verlieh der Senat der Stadt Hamburg der Realschule in Winterhude auf Grund eines von Petersen formulierten Antrages den Namen "Lichtwarkschule". Benannt nach dem Direktor der Hamburger Kunsthalle und Mitbegründer der Kunsterziehungsbewegung, Alfred Lichtwark (1852-1914), sah die Lichtwarkschule ihre Aufgabe in erster Linie nicht wie das traditionelle Gymnasium in der reinen Wissensvermittlung, sondern in der Erziehung einer kulturbewußten Jugend durch Entwicklung und Gestaltung ihrer Fähigkeiten. Mit dem neuen Profil eines "deutschen Gymnasiums" blieb die Lichtwarkschule auch nach Petersens Weggang eine der führenden Reformoberschulen. Im Juni 1920 hatte Petersen an der Reichsschulkonferenz in Berlin teilgenommen. Im Ausschuß "Schulaufbau" brachte er einen Antrag (gemeinsam mit G. Kerschensteiner) ein, daß die Schüler der Grundschule auch außerhalb des Klassenverbandes gefördert werden sollten - ein erster Hinweis auf Petersens Kritik der Jahrgangsklasse. - Die Anfänge der Jenaplan-Pädagogik: 1923 folgte Petersen dem an ihn ergangenen Ruf der linksdemokratischen Landesregierung Thüringen auf den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft an der Universität Jena. Petersen war Nachfolger von Wilhelm Rein (1847-1929), dem international bekannten, letzten großen Vertreter der Pädagogik Herbarts - einer Pädagogik, die die Vertreter der sog. "Neuen Erziehung", zu denen Petersen sich rechnete, als "alte" Schule ablehnten. Petersen brachte an die Jenaer Universität aus Hamburg Reformvorstellungen mit, die als "sozialistisch" galten - was sie nicht waren -, jedenfalls der Mehrheit der durch den Herbartianismus geprägten Thüringer Lehrerschaft nicht geheuer erschienen. Petersens Reformvorstellungen waren nicht durch eine einzige, sondern durch mehrere Richtungen geprägt: durch die Landerziehungsheimbewegung, die Kunsterziehungsbewegung, die Arbeitsschulbewegung, die Montessori-Pädagogik und die empirische Pädagogik, die er durch Ernst Meumann kennengelernt hatte. - Petersen begann Ostern 1924 an der Jenaer Universitätsschule (unter Wilhelm Rein hieß sie "Übungsschule") seine eigenen Reformvorstellungen zu realisieren, die von der Idee der sozialen Gemeinschaft durchdrungen waren. Der Gedanke, aus Alters- und Erfahrungsunterschieden ein für das gemeinsame Lernen fruchtbares "Bildungsgefälle" wirksam werden zu lassen, führte zu einer Pädagogik altersgemischter Gruppen ("Stammgruppen"), die das wechselseitige Helfen der Kinder zum Grundprinzip pädagogischer Situationen macht. - Erziehung ist für Petersen die sich in der menschlichen Gemeinschaft entfaltende geistige Urfunktion, die das Humanum (Güte, Liebe, Mitleid, Andacht, Ehrfurcht) zur Entfaltung bringt. Pädagogisches Handeln ("Führung") ist eingebettet in eine Erziehungsmetaphysik, die von der Idee der Bruderschaft und des Dienens ausgeht. Die gemeinschaftsbezogenen Grundsituationen der Bildung sind Spiel, Arbeit, Gespräch und Feier. Petersens "pädagogischer Realismus" ist durch Existenzphilosophie und die dialektische Theologie beeinflußt. In seiner Lehre von der pädagogischen Situation knüpft er an Karl Jaspers' Begriff der "Grenzsituation" an. - Auf dem 4. Internationalen Kongreß der New Education-Fellowship 1927 in Locarno wurde das von Petersen vorgestellte Schulmodell mit viel Beifall bedacht und erhielt hier auch den Namen "Jena-Plan". Im gleichen Jahr erschien Petersens Locarno-Vortrag als selbständige Schrift, die in den weiteren Auflagen die Bezeichnung "Der Kleine Jena-Plan" erhalten hat. Der "Kleine Jena-Plan" wurde in 10 Sprachen übersetzt; er ist eine der meistbekannten Schriften der Reformpädagogik. 1927 wurde Petersen auch zum Mitglied der gemeinnützigen Akademie der Wissenschaften zu Erfurt berufen, die seit 1926 eine Abteilung für Erziehungswissenschaft und Jugendkunde besaß. Nach den Akademiegründungen in Berlin und Göttingen ist die seit 1754 existierende Akademie zu Erfurt die drittälteste in Deutschland. Petersens Schrift "Grundfragen einer pädagogische Charakterologie" von 1928 erschien als Nr. 10 der Schriftenreihe der Abteilung für Erziehungswissenschaft und Jugendkunde der Erfurter Akademie. Petersens schulpädagogisches Hauptwerk, ursprünglich als "Pädagogik des Unterrichts" angekündigt, erschien 1937 unter dem Titel "Führungslehre des Unterrichts". - Das unterrichtlich Geleistete führten die Schülergruppen der Jenaer Universitätsschule ihren Eltern halbjährlich in einer "pädagogischen Rückschau" vor. Die Lehrer verfaßten über das jeweils abgelaufene Schuljahr Jahresberichte, die Petersen als Grundlage seiner Veröffentlichungen zur Jenaplan-Pädagogik dienten. Aktuelle Ereignisse der Jenaer "Erziehungswissenschaftlichen Anstalt", wie das vormalige "Pädagogische Seminar" auf Betreiben Petersens seit Mai 1924 hieß, wurden in einem Periodikum veröffentlicht, den "Mitteilungen der Erziehungswissenschaftlichen Anstalt der Thüringischen Landesuniversität Jena". Ab 1925 führte Petersen "Pädagogische Wochen" durch, Lehrerfortbildungsveranstaltungen von einwöchiger oder mehrtägiger Dauer, in denen er Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland in die Grundlagen seiner Pädagogik in Verbindung mit Unterrichtshospitationen einführte. Zwischen 1926 und 1949 kam es unter Petersens Leitung zu ca. 25 "Pädagogische Wochen" mit verschiedenen Themenstellungen, meist unter Hinzuziehung auswärtiger Referenten. Überwiegend fanden die pädagogischen Wochen in Jena statt, im Einzelfall auch anderenorts, wie im Mai 1932 an der Weltlichen Schule in Finsterwalde oder im Mai 1934 - mit 230 Teilnehmern - in Rahden/Westfalen. - Die internationale Wirksamkeit Petersens: Von April bis Oktober 1928 hielt sich Petersen mit einer Reihe weiterer deutscher Pädagogen zu einer Kontakt- und Vortragsreise in den USA auf. Er lernte führende amerikanischen Reformdenker kennen und schätzen, wie John Dewey (1859-1952) und Carleton Washburne (1889-1968). Am Peabody-College in Nashville/Tennessee richtete Petersen eine Schule nach den Grundsätzen des Jenaplans ein und hielt Gastvorlesungen. - In einer Übersicht Petersens aus dem Jahr 1929 sind folgenden Institutionen und Gruppen aufgeführt, mit denen die Erziehungswissenschaftliche Anstalt der Thüringischen Landesuniversität in Kontakt stand: Institut Jean-Jacques Rousseau, Genf; Pädagogische Fakultät der II. russischen Staatsuniversität, Moskau; "Pædagogisk Studiekreds", Kopenhagen; International Institute Columbia-University, New York; Antioch College, Ohio Springs/ Ohio; "Revista de Pedagogia", Madrid; "De Nieuwe Opvoeding", Hilversum; New Education Fellowship, London. - Von Mai bis Oktober 1929 ging Petersen auf Einladung des chilenischen Unterrichtsministeriums nach Santiago de Chile. Er hatte die Aufgabe, die Regierung bei der Reform des höheren Schulwesens und der Lehrerbildung zu beraten, und er hielt Vorlesungen am dortigen Universitätsinstitut für Pädagogik. Der ursprünglich für zwei Jahre geplante Aufenthalt wurde allerdings vorzeitig ohne Ausführung der Reformvorhaben beendet, weil Petersens Tätigkeit zu einer Kontroverse führte, die seine Entlassung bewirkte. 1930 wurde Petersen in den Vorstand des Internationalen Kongresses für Sittliche Erziehung gewählt. 1933 ernannte der "Budapester Verein der Freunde der Freiluftschulen" Petersen zum Ehrenmitglied. 1937 erhielt Petersen von der Universität Athen die Ehrendoktorwürde verliehen. - Seit seiner Berufung nach Jena führten zahlreiche Kongreß- und Vortragsreisen Petersen ins Ausland. Abgesehen von den erwähnten mehrmonatigen Aufenthalten in den USA und in Chile hielt er sich von Juli bis Oktober 1937 zu Vorträgen in der Südafrikanischen Union auf. Weitere Vortragsaufenthalte kürzerer Dauer hatte er in folgenden Ländern: Dänemark (1923, 1924, 1930), Schweiz (1923, 1927, 1932), Norwegen (1923), Niederlande (1927), Frankreich (1930), Großbritannien (1930), Polen (1934), Schweden (1935), Rumänien (1942), Bulgarien (1942), Österreich (1947). - Verstand Petersen seinen Jenaer Reformversuch als "Arbeits- und Lebensgemeinschaftsschule" so wurde von ihm ebenso das Schulgemeindekonzept Friedrich Wilhelm Dörpfelds (1824-1893) betont, das auf der Grundlage schulischer Selbstverwaltung durch die Betroffenen den Eltern eine zentrale Rolle in allen Schulangelegenheiten einräumte. Das führte an der Jenaer Universitätsschule zum Beispiel dazu, daß es Eltern gestattet war, unangemeldet in die Schule zu kommen und im Unterricht anwesend zu sein. Auch die Einbeziehung von Eltern als erläuternde Experten oder authentische Zeugen für erlebte Zeitgeschichte war nicht ungewöhnlich. - Die religiöse Dimension: Der Wahlspruch, unter den Petersen die Universitätsschule stellte, war das Jesuswort: "Der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener" (Lukas 22, Vers 25-26.). Petersen war eng befreundet mit dem Hamburger Pastor Carl Ludwig Heitmann (1880-1953), Mitbegründer des Berneuchner Kreises und der Evangelischen Michaelsbruderschaft, und er schätzte den Theologen Helmuth Schreiner (1893-1962), dessen Religionspädagogik er im Rahmen einer Promotionsarbeit darstellen ließ (T. Poptodorow, Der pädagogische Realismus Helmuth Schreiners, Diss. phil. Jena, 1942); Petersen lernte Schreiner in der gemeinsamen Hamburger Zeit kennen; Schreiner war 1921-1926 Leiter der Hamburger Stadtmission. Angesichts der Tatsache, daß Schreiner aus politischen Gründen 1937 seinen Rostocker Lehrstuhl für praktische Theologie verlor und dem NS gegenüber mit Kritik nicht zurückhielt, ist die von Petersen geförderte Dissertation über ihn ein bemerkenswerter Tatbestand. Seit Ende der zwanziger Jahre wurde Petersens Pädagogik von Vertretern der praktischen Theologie rezipiert. - 1932 trat Petersen dem Reichsverband Deutscher Evangelischer Schulgemeinden bei, einer in der Tradition Friedrich Wilhelm Dörpfelds stehenden Organisation, die sich für das Schulgemeindeprinzip und die evangelische Bekenntnisschule einsetzte. In der NS-Zeit orientierte sich der Reichsverband am Bekenntnisstandpunkt, äußerte Widerstand gegenüber der vom NS-Staat propagierte "Gemeinschaftsschule" und agierte zugunsten des Erhalts von evangelischen Bekenntnisschulen. Im Juli 1937 wurde er von der Gestapo verboten und aufgelöst. - Politisch aktiv wurde Petersen 1932 in einer seit 1930 an den Reichstagswahlen teilnehmenden evangelischen Gruppierung: im "Christlich-Sozialen Volksdienst (Evangelische Bewegung)". Der CSVD war eine für die Erneuerung des christlichen Glaubens sich einsetzende, gegen Bolschewismus wie gegen Nationalsozialismus auftretende konservative Gruppierung, die das Pendant zur katholischen Zentrumspartei sein wollte, tatsächlich aber nur den Charakter einer Splitterpartei besaß. Ihre Gründungsmitglieder waren einerseits Vertreter demokratischer Traditionen des württembergischen Pietismus (bis 1930 "Christlicher Volksdienst"), andererseits ehemalige Abgeordnete der Deutschnationalen Volkspartei, die sich zur "Christlich-sozialen Reichsvereinigung" zusammengeschlossen hatten. Ohne Erfolg kandidierte Petersen bei den Reichstagswahlen am 31. Juli und am 6. November 1932 sowie am 5. März 1933 für den CSVD, der bis Juni 1933 existierte. Petersen gehörte, soweit bekannt, weder den "Deutschen Christen" noch der "Bekennenden Kirche" an. Den vom "Deutschchristentum" geprägten Thüringischen Lehrplan für den Religionsunterricht lehnte er ab. - Während in Petersens Veröffentlichungen der zwanziger Jahre kaum religionspädagogische Themen zu finden sind, wird dies ab 1933 anders. Es wurden nun sowohl schulpädagogisch bedeutsame Richtungen in der evangelischen Theologie thematisiert, als auch ihr Verhältnis zur Erziehungswissenschaft näher bestimmt. Die Jenaer Universitätsschule wurde in der NS-Zeit nicht geschlossen; als international bekannter Reformpädagoge hatte Petersen, soweit bekannt, in seiner Lehrtätigkeit kaum Einschränkungen erfahren. Seine Erziehungswissenschaftliche Anstalt an der Universität konnte Petersen 1934 durch einen Fröbel-Kindergarten erweitern. Während des Zweiten Weltkrieges wurde darüber hinaus eine Hortgruppe und ein Kleinkinder-Tagesheim eingerichtet. - Petersen in der Zeit des Nationalsozialismus: Petersens anfängliche Hoffnung, mit Hitlers Machtergreifung könne sich der Jenaplan in ganz Deutschland ausweiten, erfüllte sich nicht. Mit dem Beginn der NS-Ära wurden zwei Jenaplan-Schulen mit sozialdemokratisch orientierter Lehrerschaft in der preußischen Provinz Brandenburg sofort verboten, andere - in Westfalen -, deren Start zunächst offiziell Zustimmung fand, durften nur bis 1936 als Reformschulen mit dem Petersenschen Konzept arbeiten. Petersen war kein Nationalsozialist, aber sichtlich bemüht, in seiner Publizistik den Eindruck zu erwecken, daß seine volkstheoretisch begründete Pädagogik mit der NS-Ideologie in Übereinstimmung stehe. Von Vertretern der NS-Pädagogik wurde Petersen als einer überholten Zeit zugehörig kritisiert. Seine Äußerungen über "Bedeutung und Wert des Politisch-Soldatischen" (1934) oder über den Jenaplan "im Lichte des Nationalsozialismus" (1935) sind mehr als nur inakzeptabel und durch den Tatbestand kaum gegenstandslos zu machen, daß er sich gleichzeitig bemühte, die Universitätsschule von der allgemeinen Politisierung durch die NS-Ideologie, insbesondere dem Einfluß der Hitler-Jugend, frei zu halten. Glaubhaften Zeitzeugenberichten zufolge nahm Petersen in seine Schule mehrere Kinder auf, deren Eltern aus politischen Gründen in der NS-Zeit benachteiligt oder verfolgt wurden. Andererseits besuchten auch Kinder einzelner Nazi-Kollegen der Universität Petersens Schule. Mehrere Dissertationen, die bei Petersen geschrieben und von ihm begutachtet wurden, sind voll von NS-Ideologie. Als besonders problematisch muß die Tatsache gewertet werden, daß Petersen während des Krieges an verschiedenen NS-Eliteeinrichtungen zur HJ-Führerschulung sowie Ausbildungseinrichtungen der Wehrmacht Vorlesungen hielt, kurzzeitig auch im KZ Buchenwald. - Das Ende des Jenaplans ab 1945 in der SBZ/DDR: Da Petersen nicht der NSDAP angehörte, war er einer der wenigen Professoren der Jenaer Universität, die nicht aus politischen Gründen als Hochschullehrer entlassen wurden. Die neu gegründete Sozialpädagogische Fakultät nahm unter der kommissarischen Leitung Petersens als Dekan am 9. Oktober 1945 ihre Arbeit auf. Am 2. Dezember legte er eine "Denkschrift über die Eingliederung der Franckeschen Stiftungen in die Pädagogische Fakultät Halle" vor. 10 Tage später erhielt Petersen den Ruf auf den neueingerichteten Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft der Universität Halle; er wurde zum Institutsdirektor sowie zum Dekan der dort neu gegründeten Sozialpädagogischen Fakultät ernannt. Weder war die Führung von zwei Instituten bzw. Dekanaten an zwei verschiedenen Universitäten möglich, noch fand Petersen in Jena einen Nachfolger, der sein dortiges Lebenswerk fortsetzte und es ihm selbst erlaubt hätte, nach Halle zu gehen. Schließlich gab er am 6. Juni 1946 die Berufung nach Halle zurück. Petersen blieb Dekan in Jena (nach Kaßner, in Rülcker/Kaßner 1992, S. 39 f.). Der weitere Fakultätsaufbau in Jena war durch vielfältige Konflikte und Eingriffe der Sowjetischen Militäradministration im Verein mit dem von der SED beherrschten Volksbildungsministerium geprägt (vgl. Dudek 1996). Ab Frühjahr 1948 war Petersen wachsendem Druck der SED ausgesetzt, im Oktober 1948 wurde er als Dekan abgesetzt. 1949 erhielt er Prüfungsverbot. Im August 1950 schloß die SED die zuletzt 266 Schüler zählende Universitätsschule gegen den Willen der Eltern. - Am 1. Februar 1946 war Petersen in die SPD eingetreten. Durch deren Zusammenschluß mit der KPD im April 1946 in der sowjetisch besetzten Zone wurde er Mitglied der SED, die er am 4. Mai 1948 aus Protest verließ. Vergeblich versuchte Petersen, in Westdeutschland als Hochschullehrer Fuß zu fassen. Für die geplante Universität Bremen schrieb er 1948 eine Denkschrift; das Angebot an Petersen, eine Professur zu bekleiden, wurde schließlich mit dem Hinweis auf politisch belastende Äußerungen in der NS-Zeit wieder zurückgenommen. Mit seinen letzten Aufsätzen sowie mit der posthum (1954) veröffentlichten Schrift "Der Mensch in der Erziehungswirklichkeit" wandte sich Petersen verstärkt seelsorgerischen und anthropologisch-religiösen Fragestellungen zu. - Ehe, Kinder und Familie: Petersen heiratete 1911 Gertrud Zoder (1892-1957). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Nach der Scheidung (1927) heiratete Petersen 1928 die Studienassessorin Dr. Else Müller (1891-1968). Aus dieser Ehe gingen ebenfalls drei Kinder hervor. Gertrud Petersen, geb. Zoder, heiratete 1931 in zweiter Ehe den Physiker Dr. Otto Eppenstein (1876-1942) und zog von Lüneburg, dem Wohnort der Kinder Petersens nach der Scheidung, mit den beiden Söhnen wieder nach Jena. Eppensteins erste Ehe, die seit 1911 bestand, wurde 1928 geschieden. Seine erste Frau, Ellen, geb. Hoffmeyer, Dänin von Geburt; ging nach Dänemark; drei der vier gemeinsamen Kinder blieben in Jena bei ihrem Vater, ab 1931 in der neuen familiären Konstellation. Für ihre Emigration zu ihrer Mutter sorgte Eppenstein in den ersten Jahren des Dritten Reiches. Jüdischer Abstammung, hatte er 1924 den evangelischen Glauben angenommen. Auf Grund der Freundschaft Gertrud Petersens und Ellen Eppensteins standen sich die beiden Familien seit Petersens Anfängen in Jena sehr nahe. Petersen hielt zu der ab 1933 vom NS bedrohten Familie Eppenstein, dem Zuhause seiner Familie aus erster Ehe, engen Kontakt. Die beiden Söhne waren ab 1939 an der Front, einer blieb vermißt; im Ersten Weltkrieg hatte Petersen drei Brüder verloren. Otto Eppensteins Schwester wurde in das KZ Belzyce/Polen verschleppt und dort im Oktober 1942 ermordet; Eppenstein starb im selben Monat in Jena. - Dieser komplexe biographische Hintergrund läßt das posthum veröffentlichte Spätwerk Petersens, das in großen Teilen schon während des Krieges fertig gestellt war, in einem besonderen Licht erscheinen. Hatte Petersen den Menschen vor 1933, in der Tradition Leibniz' und Wundts, aber auch der christlichen Schöpfungslehre stehend, als "von Natur gut" bezeichnet und das keineswegs verleugnete Böse im Menschen als "Arbeitsfeld für seine sittlichen Kräfte gesehen (1931, S. 106), so wird in dem spröden, von Skepsis durchzogenen Spätwerk (1954, S. 190 ff.) der "Satanie in der vieldeutigen Welt" breiten Raum gewidmet, in welcher der selbstüberhebliche, von Machtgier getriebene "homo satanicus" dominiere; demgegenüber versuche der "homo religiosus", selbstlos und ohne davon Aufhebens zu machen, Zerstörung zu heilen, "damit Menschen menschlich wohnen und leben und den Frieden wiedergewinnen". - Zum philosophischen und gesellschaftstheoretischen Hintergrund der Pädagogik Petersens: Die Überzeugung von der sittlichen Höherentwicklung der Menschheit im Zuge fortschreitender Selbstaufklärung, wie sie Kant gegenüber Moses Mendelssohn vertrat, hatte Petersen von Anfang an nicht geteilt. Darin blieb er Luther verbunden und verstand sich als Gegner der Aufklärung, des Rationalismus und des Liberalismus. Petersens Grundaussage (1954, S. 11), "Die Erziehung allein macht den Menschen zum Menschen", ist sehr viel stärker dem Denken Friedrich Fröbels als der Anthropologie Kants verpflichtet. Die von Petersen vertretene metaphysische Anschauung, Erziehung wirke als "eine kosmische Funktion innerhalb der Menschheit", sieht die Ratio als zweitrangig an gegenüber einem erweiterten Vernunftbegriff, der irrationale Momente, die Gemütswerte und emotionalen Qualitäten des Erlebens, nicht ausschließt. - Petersen lehnte den Idealismus hegelscher, herbartischer oder neukantianischer Prägung ab zugunsten einer realistischen Grundhaltung, "welche vom Seienden ausgeht" (1932, S. 92 ff.). Diesen "pädagogische Realismus" fand Petersen im historischen Rückblick insbesondere bei Luther und Pestalozzi, innerhalb der zeitgenössischen Theologie bei L. Heitmann, F. Delekat und H. Schreiner. In der zeitgenössischen Philosophie sah Petersen bei Karl Jaspers in existenzphilosophischer, bei Max Scheler in wertphilosophischer und bei Nicolai Hartmann in erkenntnistheoretischer Hinsicht ("kritischer Realismus") Anknüpfungspunkte für seinen Standpunkt. - Der ausgeprägte Antiliberalismus Petersens beruht auf seiner radikalen Kritik an den menschenunwürdigen Auswirkungen der kapitalistischen Industriegesellschaft. Dieser Tadel ging einher mit einer nicht minder starken Kritik an Staat und Kirche als autoritären Institutionen, die das Volk ihrer Macht unterwerfen, anstatt Entscheidungsfreiheit zu gewähren. Die Schule wollte Petersen deshalb als autonome öffentliche Einrichtung außerhalb des direkten Zugriffs von Staat und Kirche mit direkter Beteiligung aller "Interessenten", insbesondere der Eltern, etablieren. Als "Schule des Volkes" sollte sie ohne soziale Benachteiligung für alle Kinder dieselbe sein (Gesamtschulprinzip). Antiliberalismus ist bei Petersen aber auch als Antiindividualismus zu verstehen. Er wird bedingt durch die "Grundannahme einer "urgemeinschaftlichen Verbundenheit" der Individuen und der "Bruderschaft aller Menschen" (1932, S. 113). - Petersens Versuch, die Kapitalismuskritik in positive Leitideen umzuformulieren, lag in der Hinwendung zu den sozialkonservativen Gesellschaftstheorien des späten 19. Jahrhunderts. Sie lehnten die vertragstheoretischen Staatstheorien des 17. und 18. Jahrhunderts ab und griffen auf die historisch gewachsenen Formen des Gemeinschaftsdenkens zurück, wie sie die mittelalterlichen Bruderschaften (Gilden), das Genossenschaftswesen, die freie Selbstverwaltung sowie der Schulgemeindegedanke zum Ausdruck brachten. Lorenz v. Stein, Otto v. Gierke, Wilhelm Wundt, Karl Lamprecht, Ferdinand Tönnies und andere sozialkonservative Denker sind unter diesem Aspekt von Petersen schon während seines Studiums rezipiert worden. Ihnen (wie auch Petersen) war der Sozialismus als Ideal nicht fremd, jedoch verbunden mit einer durchaus antimarxistischen Sichtweise. - Darüber hinaus ist die volkstheoretische Begründung in Petersens Pädagogik zentral. Sie ist fundiert durch einschlägige biographische Erfahrungen - wie der Sozialisation durch die zweisprachige Kultur Schleswigs, der Auseinandersetzung mit der preußischen Ostmarkenpolitik während des Posener Aufenthaltes sowie der Agitation in den deutsch-dänischen Abstimmungskämpfen 1920. In Petersens christlichem Sozialkonservatismus, der in Beziehung zur katholischen Soziallehre des 19. Jahrhunderts steht, spielt neben "Deutschtum", "Dienst am Volke" und "Volksgemeinschaft", auch die Achtung vor der Kultur anderer Völker eine wichtige Rolle. Individueller Widerstand gegen Gewalt und "Auflehnung gegen eine unterdrückende Obrigkeit" werden von Petersen als Gebote Jesu gerechtfertigt. - Würdigung und Kritik: Petersen setzte sich ein für eine autonom begründete Erziehungswissenschaft, für die vollakademische Lehrerbildung an der Universität, für die Gesamtschule (im Rahmen seines Jenaplan-Konzeptes) und für die empirische Unterrichtsforschung. Letztere führte, angeregt durch den Jenaer Gastaufenthalt der Wiener Psychologin Elsa Köhler (1879-1940), in den Jahren 1931-33 unter dem Signum "Pädagogische Tatsachenforschung" zu zahlreichen Forschungsarbeiten. Die Methodik der Pädagogischen Tatsachenforschung baute Petersens zweite Frau Else (Müller-Petersen) aus. Die Zahl der von Petersen als Erst- oder Zweitreferent begutachteten Dissertationen beträgt 110. Die Zahl seiner Schüler, die nach dem Zweiten Weltkrieg Professuren an Universitäten oder Pädagogischen Hochschulen innehatten, erreicht den zweistelligen Bereich. Erscheinen, so gesehen, Petersens Leistungen als Hochschullehrer herausragend, blieben seine Bemühungen, der Jenaplan-Pädagogik, der universitären Lehrerbildung und der Pädagogische Tatsachenforschung (nicht der empirischen pädagogischen Forschung allgemein) in ganz Deutschland und international zum Durchbruch zu verhelfen, erfolglos. Die Kompromißlosigkeit, mit der er den Jenaplan in verschiedenen politischen Systemen trotz seines Scheiterns vertrat, ist allerdings beeindruckend (Dudek 1996, S. 133). Das Interesse, sich mit der Pädagogik Petersens innerhalb der reformpädagogischen Diskussion auseinanderzusetzen, ist nach wie vor ungebrochen. - Nachdem Schüler Petersens in der Nachkriegszeit ein allzu euphemistisches Bild des bedeutenden Reformpädagogen zeichneten und seine "unpolitische" Haltung hervorhoben, setzte in der deutschen Erziehungswissenschaft parallel zur politischen Auseinandersetzung mit der Reformpädagogik eine bis heute andauernde kritische Diskussion über Petersen ein. Diese Kritik betrifft nicht nur Petersens publizistisches Einschwenken auf die NS-Ideologie, sondern ebenso seine Gemeinschaftspädagogik auf dem Hintergrund einer vormodernen, ständischen (sich auf Luther berufenden) Gesellschaftsauffassung. - Die Selbstdarstellung Petersens nach dem Ende des Dritten Reiches war nicht frei von der Intention, den Eindruck erwecken zu wollen, primär Opfer des NS gewesen zu sein, eine "eindeutig antinazistische Haltung" gezeigt und dem politischen Widerstand nahe gestanden zu haben (vgl. Petersen, in Kluge 1992, S. 338). Dies geht an der historischen Realität wohl ebenso vorbei wie die Deutung besonders engagierten Kritiker, Petersens Pädagogik sei von Anfang an antidemokratisch, totalitär und gegen die Weimarer Republik gerichtet gewesen, um wenig später mühelos den Übertritt in den NS vollziehen zu können (Döpp 2003, S. 694). Die deutsche wie die internationale Erziehungswissenschaft vor 1933 interpretierte Petersens Anschauungen sicher nicht als der SPD zugehörig, aber ebensowenig als antidemokratisch oder faschistisch-totalitär. Im Zeitraum 1934-44 konnte an politischen Einfärbungen der Publizistik Petersens, die in den USA und in Skandinavien aufmerksam registriert wurden, allerdings berechtigte Kritik angemeldet werden. Nach 1945 bekannte sich Petersen zur "demokratischen Schule". Die Selbstverständlichkeit, mit der er den Wechsel von der NS-Ideologie in die Demokratie vollzog, ohne innezuhalten und zu einigen Aspekten seiner eigenen Rolle im NS Stellung zu nehmen, ließ nach Kriegsende Kritik laut werden (so etwa von dem Entschiedenen Schulreformer Paul Oestreich), die Petersen tief verletzte und ihm unverständlich blieb. Doch Petersens Rechtfertigung, er habe auch im Dritten Reich immer nur das gesagt, was er auch vorher schon behauptet habe, läßt zu viele Fragen offen und hält einem kritischen Urteil nicht stand. - Die heutige Praxis von Jenaplan-Schulen, die in Europa vor allem in den Niederlanden und in Deutschland existieren, unterzog viele Anschauungen Petersens einer Revision. Weder sein Führerbegriff, noch die volkstheoretische Begründung sind Bestandteil der modernen Jenaplan-Pädagogik. Mit einem organologisch-ständischen Gesellschaftsverständnis ist der Jenaplan heute nicht zu legitimieren, und der Neigung Petersens, den Gemeinschaftsgedanken zu hypertrophieren, muß man keineswegs folgen. Doch wäre es ebenso unangemessen, seine kommunitäre anthropologische Grundeinstellung als Mißachtung der Freiheit des Einzelnen oder der (naturrechtlich verstandenen) Rechte von Kindern zu interpretieren. Prinzipien Petersens, die für die Jenaplan-Pädagogik auch heute kaum etwas von ihrer Bedeutung verloren haben, betreffen das wechselseitige Helfen in der Lerngemeinschaft altersdifferenter Gruppen, die Bedeutung von Arbeit, Gespräch, Spiel und Feier für die Gestaltung pädagogischer Situationen, den hohe Stellenwert von Arbeitsmitteln für die Selbsttätigkeit der Schüler, die Integration behinderter Kinder, "die Verordnungen" des vom Lehrer vorbereiteten Unterrichts und die aktive Rolle der Eltern im Schulleben.

Selbständige Werke u. Einzeleditionen: Der Entwicklungsgedanke in der Philosophie Wundts. Zugleich ein Beitrag zur Methode in der Kulturgeschichte, 1908; Die Philosophie Friedrich Adolf Trendelenburgs. Ein Beitrag zur Geschichte des Aristoteles im 19. Jahrhundert, 1913; Goethe und Aristoteles, 1914; (Hrsg.) Der Aufstieg der Begabten. Vorfragen, 1916; Gemeinschaft und freies Menschentum. Die Zielforderungen der neuen Schule - eine Kritik der Begabungsschulen, 1919; Geschichte der aristotelischen Philosophie im protestantischen Deutschland, 1921, Reprint 1964; (Hrsg.) Der Kampf um die Schuldauer. Gegen jede Verlängerung des Lehrgangs der höheren Schule. Fünfzehn Betrachtungen, 1921; Allgemeine Erziehungswissenschaft, 3 Bde.: Allgemeine Erziehungswissenschaft 1924, Reprint 1962; Bd. 2: Der Ursprung der Pädagogik 1931; Bd. 3: Der Mensch in der Erziehungswirklichkeit oder Der Mensch in der vieldeutigen Welt, 1954, Reprint 1984; Innere Schulreform und Neue Erziehung, Gesammelte Reden und Aufsätze, 1925; Wilhelm Wundt und seine Zeit, 1925; (mit H. Wolff): Eine Grundschule nach den Grundsätzen der Arbeits- und Lebensgemeinschaftsschule, 1925; (mit W. Zimmermann, Hrsg.): Die Aufgaben des neuen Berufsschulwesens und die Berufsschulgemeinde im Lichte der Jugendkunde und sozialer Politik, 1925; Die Neueuropäische Erziehungsbewegung, 1926; Der Jena-Plan einer freien allgemeinen Volksschule, 1927 (unter dem Titel "Der Kleine Jena-Plan einer allgemeinen freien Volksschule", 200162); Eine freie allgemeine Volksschule nach den Grundsätzen Neuer Erziehung (Der Jena-Plan), 3 Bde. 1930-34: Schulleben und Unterricht einer freien allgemeinen Volksschule nach den Grundsätzen Neuer Erziehung, 1930; Bd. 2: Das gestaltende Schaffen im Schulversuch der Jenaer Universitätsschule 1925-1930, 1930; Bd. 3: Die Praxis der Schulen nach dem Jena-Plan, 1934; Grundfragen einer pädagogischen Charakterologie, 1928; Die Philosophie in erziehungswissenschaftlicher Beleuchtung, 1929, 19302; Fahnenflüchtig. Ernstes Volksstück in 1 Aufzuge, 1930; Pädagogik, 1932; Meine Rechenreise. Rechenwerk für das einzelunterrichtliche Verfahren in der Schule, bearb. und hrsg. v. P. Petersen u. G. Steiner, 1934; Pädagogik der Gegenwart. Ein Handbuch der neuen Erziehungswissenschaft und Pädagogik [2. Aufl. der "Pädagogik"], 1937, Reprint 1973; Führungslehre des Unterrichts, 1937, Reprint 1984 nach der 10. Aufl. von 1971; Friedrich Fröbel. Deutschlands größter Erzieher, 1942; Die Wissenschaft im Dienste des Lebens, 1943; Jesuitenerziehung, 1944; Jugenderziehung und Jugendseelsorge. Erziehungswissenschaftliche Grundfragen, 1949; Die Führung der Jugend zu Staat und Gesellschaft vom Evangelium aus, 1950; Die Pädagogische Tatsachenforschung. Peter und Else Petersen (besorgt von T. Rutt), 1965.

Bibel-Bearbeitungen: Die Bibel in Auswahl fürs Haus, hrsg. v. E. Lehmann u. P. Petersen, 1912; Die Bibel in Auswahl für Schule und Heim, hrsg. v. E. Lehmann u. P. Petersen, 1912, 19152; Die Bibel in Dr. Martin Luthers Übersetzung. Eine Auswahl fürs deutsche Haus, hrsg. v. R. Seeberg u. P. Petersen, 1915, 19254; Biblisches Lesebuch für den Schulgebrauch, bearb. v. R. Seeberg u. P. Petersen, 1914, 4. u. 5. Aufl. vermutlich vor 1927.

Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden (Auswahl): Beitrag zur Geschichte des ehemaligen adeligen Gutes Lindewitt. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Bd. 39, 1909; Religionsunterricht und Jugendkunde. In: Der Säemann, 5. Jg. 1914; Luther, der Auf-Rührer. In: Die Literarische Gesellschaft, 3. Jg. 1917; Neugestaltung des Religionsunterrichts in den höheren Schulen. In: Der Aufbau, 1. Jg. 1919; Die Volkskirchenbewegung - ein Kampf des unbedingten Geistes. In: Die Literarische Gesellschaft, 5. Jg. H. 2, 1919; Eine erziehungswissenschaftliche Betrachtung der Reifeprüfung. In: A. Grimme (Hrsg.): Vom Sinn und Widersinn der Reifeprüfung, 1923; Der Lehrer als "Führer" im Unterricht. In: Pädagogisches Zentralblatt, 4. Jg. 1924; Die Stellung des Landerziehungsheims im Deutschen Erziehungswesen des 20. Jahrhunderts. Ein typologischer Versuch. In: E. Huguenin: Die Odenwaldschule, 1926; Erziehung und Führung. Ein Grundproblem der allgemeinen Erziehungswissenschaft. In: Pädagogische Antithesen. Vorträge von S. Behn u.a., 1926; Die Gegenwartsaufgabe der Volksschule und die neue Lehrerbildung. Ein Programm. In: Die Volksschule, 22. Jg. 1926/27; 10 Jahre Lebensgemeinschaftsschule (1919-1929). In: Die Volksschule, Jg. 1929/30; Vergeistigung als Sinn der Erziehung. In: Pädagogische Warte, Jg. 38, 1931; Schulgemeinden nach dem Jena-Plan, ihr Wochenarbeitsplan und dessen pädagogische Situationen. In: Deutsche Lehrerzeitung, 46. Jg. 1933; Nationalpolitische Bildung der menschlichen Sittlichkeit. In: Die Erziehung, 10. Jg. 1934/35; Bedeutung und Wert des Politisch-Soldatischen für den deutschen Lehrer und unsere Schule. Eine erziehungswissenschaftliche Betrachtung. In: Deutsches Bildungswesen, 2. Jg. 1934; Psychologische Bedeutung der politischen Symbole. In: Zeitschrift für Jugendkunde, 4. Jg. 1934; Auf dem Wege zu neuen Formen religiöser Unterweisung in der Schule. In: Die Deutsche Schule, 39. Jg. 1935; Die erziehungswissenschaftlichen Grundlagen des Jenaplanes im Lichte des Nationalsozialismus. In: Die Schule im nationalsozialistischen Staat, 11. Jg. 1935; Die neue deutsche Erziehungswissenschaft und ihre Stellung zum Religionsunterricht. In: Luther-Akademie <\<>Sondershausen<\>>: Nachrichten der Luther-Akademie in Sondershausen, H. 12, 1936; Die religiöse Unterweisung im Licht der neuen deutschen Erziehungswissenschaft und Schulpraxis. In: Deutsche Evangelische Erziehung, 47. Jg. 1936; Luther, der Auf-Rührer. In: Heimat und Arbeit, 12. Jg. 1939; Auf dem Wege von der Schulklasse zur Schülergruppe als echte Arbeitsgemeinschaft. In: M. Wieschke-Maaß: Gegenseitige Hilfen im Unterrichtsleben einer Untergruppe auf Grund protokollarischer Aufnahmen in der Universitätsschule Jena, 1940; Von der Fröbelschen "Vermittlungsschule" zur deutschen Fröbelschule. In: S. Mentz u.a.: Kindergarten und Volksschule organisch verbunden, 1940; La Pedagogia en la nueva Alemania. In: Revista nacional de la education, 1941; Erziehung zur Selbstverantwortlichkeit in der deutschen Jugend. In: Geist der Zeit, 20. Jg. 1942; Von der Pädagogik zur Erziehungswissenschaft. Die Begründung des pädagogischen Realismus. In: Europäischer Wissenschaftsdienst 3. Jg.. H. 6; Wissenschaftliche Pädagogik im Dienste der demokratischen Erziehung und akademischen Lehrerbildung. In: Pädagogik, 1. Jg. 1946; Methodische Strömungen der internationalen Gegenwart. In: Ziel und Methode der neuen demokratischen Schule, 1946; Die Dorfschule als demokratische Lebensform. In: J. Dietz (Hrsg.): Das Dorf als Erziehungsgemeinde, 19473; Der Kameradschaftsunterricht und das gruppenunterrichtliche Verfahren nach dem Jenaplan. In: Pädagogik, 2. Jg. 1947; Eigenständige Erziehungswissenschaft und Jena-Plan. Zur Geschichte und zum Schrifttum. 100 Jahre Pädagogisches Seminar und Universitätsschule in Jena 1844-1944. In: Peter Petersen, Jenaische Erziehungswissenschaft und Jena-Plan. Ihr Schrifttum, systematisch geordnet. Jena, Pädagogische Fakultät, 1950.

Von Petersen herausgegebene Schriftenreihen: Forschungen und Werke zur Erziehungswissenschaft (23 Bände im Zeitraum 1925-1936); Mitteilungen aus der Erziehungswissenschaftlichen Anstalt der Thüringischen Landesuniversität zu Jena. 6 Hefte (1925-1934); Pädagogische Studien und Kritiken (14 Bände im Zeitraum 1927-1939); Pädagogik des Auslands. Herausgegeben im Auftrag des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht (8 Bände im Zeitraum 1928-1936); Neue Forschungen zur Erziehungswissenschaft (2 Bände im Zeitraum 1939-1940); Pädagogische Studienhilfen. Wege und Weisungen für Fortbildung und Praxis, hrsg. von Peter Petersen und Rektor Erich Vogt (19 Hefte im Zeitraum 1950-1961, bis Heft 5 [1951] hrsg. v. Peter Petersen; ab Heft 6 hrsg. von Erich Vogt).

Petersen-Gesamtbibliographie: W. Stallmeister: Peter Petersen, Jenaplan. Erziehungswissenschaft in Jena 1923-1952. Fernuniversität Hagen, 1999.

Petersen-Biographie: B. Kluge: Peter Petersen. Lebenslauf und Lebensgeschichte. Auf dem Weg zu einer Biographie, 1992.

Von Petersen autorisierte Darstellungen seines Lebens und Selbstdarstellungen: E. Saupe: Deutsche Pädagogen der Neuzeit, 19297/8 (darin P. Petersen, S. .398-412); E. Saupe, Deutsche Pädagogen der Neuzeit und Vorkämpfer deutscher Bildung im 19. Jahrhundert, 19429/10 (darin P. Petersen, S. 370-383); Lebenslauf P. Petersen vom 1.1.1942, in Kluge 1992, S. 15 ff; Lebenslauf P. Petersen vom 19.12.1945, in Kluge 1992, S. 376.

Biographische Darstellungen P. Petersens in der Sekundärliteratur: in Döpp-Vorwald (19692, S. 127 ff.), in Rutt (1984, S. 33 ff.), in Maschmann/Oelkers (1985, S. 25 ff.), in Mitzenheim/Wennrich (1991, S. 6 ff., S. 239 ff.), in U.-K. Petersen (1991, S. 23 ff.), in Rülcker/Kassner (1992, S. 11 ff.), in Dietrich (19956), in Stallmeister (1999, S. 43 ff.).

Lit. (Monographien): R. Maskus: Peter Petersens Gemeinschaftsbegriff und seine erziehungswissenschaftliche Bedeutung, 1958; - H. Mieskes (Hrsg.): Jenaplan - Anruf und Antwort, 1965; - H. Mieskes: Jenaplan und Schulreform. Erläuterungen, Erwägungen, Erfahrungen, 1966; - W. Kosse: Erziehung und Lebenssinn. Untersuchungen zur Erziehungsmetaphysik Peter Petersens, 1967; - G. Slotta: Die pädagogische Tatsachenforschung Peter und Else Petersens. Studien zur Stellung und Bedeutung der "empirischen" Forschung in der Erziehungswissenschaft, 1968; - H. Döpp-Vorwald: Die Erziehungslehre Peter Petersens, 19692; - D. Höltershinken: Anthropologische Grundlagen personalistischer Erziehungslehren. M. Buber, R. Guardini, P. Petersen. Eine vergleichende Untersuchung, 1971; - H. Tannous, Gesamtschule und Jenaplan. Anspruch und Wirklichkeit. Ein Vergleich, 1978; - E. Skiera: Die Jena-Plan-Bewegung in den Niederlanden. Beispiel einer pädagogisch fundierten Schulreform, 1982; - T.F. Klaßen (Hrsg.): Pädagogik der Mitmenschlichkeit. Beiträge zum Petersen-Jahr 1984, 1984; - T. Rutt: Peter Petersen. Leben und Werk, 1984; - I. Maschmann/J. Oelkers (Hrsg.): Peter Petersen. Beiträge zur Schulpädagogik und Erziehungsphilosophie, 1985; - B. Ofenbach: Individuum, Gemeinschaft, Erziehung. Ein anthropologischer Ansatz zur Neustrukturierung der Reformpädagogik, 1985; - Ch. Salzmann (Hrsg.): Die Sprache der Reformpädagogik als Problem ihrer Reaktualisierung, dargestellt am Beispiel von Peter Petersen und Adolf Reichwein. Zusammenfassender Bericht über das gleichnamige wissenschaftliche Symposion vom 16./17. November 1984 an der Universität Osnabrück, 1987; - T.F. Klaßen: Die erste Jenaplan-Schule. Texte zur Theorie und Praxis der Universitätsschule in Jena, 1988; - P. Mitzenheim/W. Wennrich (Wiss. Redaktion): Reformpädagogik in Jena. Peter Petersens Werk und andere reformpädagogische Bestrebungen damals und heute, 1991; - A. Warzel: Heiligkeit der Vernunft. Existenzphilosophische, polarische und dialektische Ansätze bei Peter Petersen, 1990; - D. Benner/H. Kemper: Einleitung zur Neuherausgabe des Kleinen Jena-Plans, 1991; - T. Rülcker/P. Kaßner (Hrsg.): Peter Petersen: Antimoderne als Fortschritt? 1992; - K. Hofmann (Hrsg.): Peter Petersen und die Reformpädagogik, mit 12 Beiträgen zur Petersen-Forschung. Fernuniversität-Gesamthochschule in Hagen, FB Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften, 1993; - H. Retter (Hrsg.): Jenaplan-Pädagogik als Chance. Kindgerechte Schulpraxis im Zeichen europäischer Verständigung, 1993; - T. Dietrich: Die Pädagogik Peter Petersens. Der Jena-Plan - Beispiel einer humanen Schule, 19956; - D. Sommerfeld: Peter Petersen und "der Kleine Jena-Plan" im Spannungsfeld der Schulreform in der SBZ/DDR, 1945-1950, 1995; - A. Warzel: Peter Petersen und Maurice Blondel. Denkmuster und Grundmotive im Spannungsfeld von Erziehung und Lebenssinn, 1995; - R. Richly: Das Verhältnis von Freiheit und Bindung in der Bildungstheorie Peter Petersens, 1995; - H. Retter, Theologie, Pädagogik und Religionspädagogik bei Peter Petersen, 1995; - H. Retter (Hrsg.), Peter Petersen und der Jenaplan. Von der Weimarer Republik bis zur Nachkriegszeit. Berichte - Briefe - Dokumente, 1996; - H. Retter (Hrsg.): Reformpädagogik zwischen Rekonstruktion, Kritik und Verständigung. Beiträge zur Pädagogik Peter Petersens, 1996; - J.D. Imelman/P. Jeunhomme/W.A.J. Meijer: Jena-Plan. Eine begriffsanalytische Kritik, 1996; - P. Dudek: Peter Petersen. Reformpädagogik in der SBZ und der DDR 1945-1950. Eine Fallstudie, 1996; - K.-H. Sander: Die Jenaplan-Schulen in Braunschweig-Gliesmarode und Braunschweig-Ölper. Entstehung und Ende in der Zeit von 1949-1968. Eine historisch-systematische Untersuchung, 1998; - U. Gödde: Jenaplan-Schule. Dokumentation der Entwicklung und des aktuellen Standes des Thüringer Schulversuches, 2000; - H. Eichelberger/M. Wilhelm: Der Jenaplan heute. Eine Pädagogik für die Schule von morgen, 2000; - S. Bockenheimer/M. Cecelka/H. Druve: Jenaplanschule Lübbenau. Ein Schulvesuch zur Reform der Grundschulen, 2000; - B. Ofenbach: Erziehung in Schule und Unterricht. Peter Petersens Modell einer erziehenden Schule, 2000; - T. Schwan: Die Petersen-Rezeption in der Bundesrepublik Deutschland 1948-1960, 2000; - K. Both: Jenaplan 21. Schulentwicklung als pädagogisch orientierte Konzeptentwicklung, 2001; - M. Klein-Landeck: Freie Arbeit bei Maria Montessori und Peter Petersen, 20013; - R. Koerrenz/W. Lütgert (Hrsg.): Jena-Plan - über die Schulpädagogik hinaus, 2001; - B. Ofenbach: Peter Petersen: Allgemeine Erziehungswissenschaft. I. Teil, 2002; - I. Hansen-Schaberg/B. Schonig (Hrsg.): Jenaplan-Pädagogik, 2002; - R. Döpp: Jenaplan-Pädagogik im Nationalsozialismus. Ein Beitrag zum Ende der Eindeutigkeit, 2003; - Arbeitskreis Jenaplanpädagogik: Die Jenaplan-Schule Jena, 2003; - H. Retter (Hrsg.): Reformpädagogik: Neue Zugänge - Befunde - Kontroversen, 2004 (mit Beiträgen über P. Petersen). - Die zahlreichen Handbücher und Sammelwerke zur Reformpädagogik, die Petersens Pädagogik neben vielen anderen Konzepten darstellen, werden nicht berücksichtigt.

Hein Retter

Literaturergänzung:

2007

Hein Retter, Reformpädagogik u. Protestantismus im Übergang zur Demokratie. Studien zur Pädagogik P.P.s. Frankfurt/M. 2007; -

2008

Gesa Bergmann, Zur Rolle d. Lehrerin oder d. Lehrers in d. Schulkonzeptionen von Maria Montessori u. Peter Petersen. Saarbrücken 2008; -

2009

Michael Klein-Landeck, Freie Arbeit bei Maria Montessori u. Peter Petersen. 5. Aufl. Berlin 2009.

Letzte Änderung: 04.06.2009