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Verlag Traugott Bautz
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PIUS II., Enea Silvio de' Piccolomini, humanistisch gebildeter Jurist, später Priester, Bischof, Kardinal und Papst. Eine der gebildetsten, aber durch sein Vorleben auch abenteuerlichsten Gestalten auf dem Papstthron. * 18.10. 1405 in Corsignano (nach ihm Pienza genannt) bei Siena, † 15.8. 1464 in Ancona. - Das Leben und Wirken P. zerfällt in drei Perioden. Die erste ist gekennzeichnet durch sein Wirken als Dichter, Lebemann, kaiserlicher Sekretär und Anhänger der konziliaren Idee. Die zweite beginnt mit seiner Laufbahn als Kleriker und Vertreter der papalen Idee, der es bis zum Bischof und Kardinal brachte. Die dritte endlich zeigt ihn als Papst und Kämpfer für den Papalismus gegen Fürsten und Hussiten sowie als Kreuzzugsführer gegen die Türken. - 1432 reiste er als Begleiter des Kardinals Domenico Capranica zum Basler Konzil (1431-1499). Beide, Herr und Sekretär, zeigten sich dort als Anhänger der Opposition gegen Eugen IV., der die antipäpstliche Atmosphäre von Basel fürchtete und das Konzil nach Italien verlegen wollte, was ihm 1439 auch teilweise gelang (Konzil von Florenz). Das Basler Konzil, das den Papst abgesetzt hatte, fühlte sich ermächtigt, einen neuen Papst zu wählen, der als Felix V. zum konziliaren Gegenpapst wurde. Als Sekretär von Felix V. verteidigte P. eifrig die Einsetzung des Gegenpapstes und die Rechte des Basler Konzils gegen das von Florenz (1440: »Libellus dialogorum de generalis Concilii auctoritate«). 1442 wurde er als Gesandter vom Konzil zum Frankfurter Reichstag entsandt und übernahm die Stelle eines Sekretärs bei König (ab 1452 Kaiser) Friedrich III. von Habsburg. P., der in der Welt Boccaccios lebte (»Ich bin kein Kastrat«), fühlte sich auch zum Dichter berufen und wurde für seine lockeren Verse von Friedrich III. zum »poeta laureatus« erhoben. Der Eintritt in den kaiserlichen Dienst führte ihn nach Wien, wo er an der Universität Vorlesungen über antike Dichter hielt und damit »entscheidenden Einfluß auf den deutschen Humanismus nahm« (H. Kühner). Als Diplomat Friedrichs III. nahm P. eine neutrale Stellung zwischen den sich bekämpfenden Gegenpäpsten ein. - 1445 wandte er sich endgültig von seinem »weltlichen, sittlich ungebundenen Leben« (G. Schwaiger) ab und ließ sich 1447 zum Priester weihen (»Ich habe mir an Venus den Überdruß geholt«). Hand in Hand damit erfolgte aus realpolitischer Einsicht sein Frontwechsel zu Eugen IV., dessen Anwalt er nun beim Kaiser wurde. So kam es 1448 zum Wiener Konkordat, das dem Papst beträchtliche Privilegien bei der Besetzung geistlicher Ämter im Reich einräumte. Zum Lohn für seine Verdienste um die Festigung der päpstlichen Macht wurde er 1447 zum Bischof von Triest und 1449 von Siena berufen. 1456 empfing er die Kardinalswürde. Der Fall Konstantinopels (1453) erschütterte den Humanisten tief. Von da an wirkte er im Auftrag Nikolaus V. für die »erhabene Idee« (v. Pastor) eines allgemeinen Kreuzzuges gegen die Türken. - 1458 - nach einem bewegten Konklave - wurde der schon kranke und mittellose P. zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Pius an, wohl weniger in Erinnerung an den altchristlichen Bischof von Rom Pius I. (2. Jh.) als mehr aus Verehrung für den pius Aeneas des Vergil (H. Kühner). Als Papst sah er seine Hauptaufgaben im Kampf gegen die Türken - 1461 schrieb er einen (nie abgesandten?) Brief an den Sultan Mehmed II., um ihn nach dem Vorbild Konstantins zum Christentum zu bekehren -, in der Durchsetzung der papalen Idee - 1460 erließ er die Bulle »Execrabilis«, in der er die papale Suprematsidee verfocht und jede Appellation an ein allgemeines Konzil verdammte - und in der Eindämmung der Waldenser- und Hussitenbewegung - Aufhebung der Basler Kompaktaten, die den Böhmen das Abendmahl »sub utraque specie« (mit dem Kelch) zugestanden hatten. Diese Pläne trafen auf Widerstand in Böhmen (Georg von Podiebrad) und Deutschland. Die Gegner beriefen sich auf den ursprünglich von P. vertretenen Konziliarismus. Zur Klarstellung seiner Position erließ er daher 1463 die Bulle »In minoribus agentes« (»Weist von euch Aeneas, nehmt Pius auf«). Von den europäischen Mächten kaum unterstützt, stellte sich der unkriegerische Gelehrte am Ende seines Lebens selbst an die Spitze eines Kreuzfahrerheeres - nach H. Kühner eine »ebenso heilige wie erschütternde Donquichotterie«, starb aber mitten in den Vorbereitungen zum Kreuzzug. P. gehört zu den Päpsten, »über welche die verschiedenartigsten Urteile gefällt worden sind« (v. Pastor), denn »als Abenteurer hat er begonnen und wie einer der größten Päpste des MA geendet« (P. Joachimsohn).
Werke: Opera omnia, Basel 1551; G. D. Mansi (Hrsg.), Orationes politicae et ecclesiasticae, Lucca 1755-59; J. Cugnoni (Hrsg.), Opera inedita, Rom 1883; R. Wolkan (Hrsg.), Der Briefwechsel des Eneas Silvius Piccolomini, Wien 1909-18.
Lit.: K. Benrath (Zöpffel), RE3 XV, 422-35; - L. v. Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters, Fr. i. Br. 192810-12, II, 5-289; - G. Paparelli, E. S. Piccolomini, Bari 1950; - H. Marc-Bonnet, Les Papes de la Renaissance, Paris 1953; - H. Kühner, Lexikon der Päpste, Frankfurt/M. 1960, 97-100; - F. Bock, RGG3 V, 389-90; - G. Schwaiger, LThK2 VIII, 528-29; - K. A. Fink, Päpste der Frührenaissance, in: Handbuch der Kirchengeschichte (H. Jedin, Hrsg.), Fr. i. Br. 1973, III/2, 640-48; - R. Fischer-Wollpert, Lexikon der Päpste, Regensburg 1985, 105-06.
Hans Heinz
Werkeergänzung:
2005
Österreichische Geschichte. Aus d. vatikan. Ms. hrsg. u. auf d. Grundlage d. Übertr. Theodor Ilgens übers. von Jürgen Sarnowsky. Darmstadt 2005 (=Ausgew. Quellen zur dt. Geschichte d. MA; 44); - Europa. Hrsg. von Günter Frank u. Paul Metzger. Übers. von Albrecht Hartmann. Heidelberg 2005; - Konstantin Vogas, D. Stadt als Bühne. Zur Selbstinszenierung Pius' II. in d. Architektur Pienzas. Berlin 2005;
2007
Commentaries. Ed. by Margaret Meserve and Marcello Simonetta. 2 Vol. Cambridge, Mass. 2003-07;
2008
Ich war Pius II. Memoiren e. Renaissancepapstes = Commentarii. Ausgew. u. übers. von Günter Stölzl. Ausw.-Ausg. Augsburg 2008;
2009
Historia Austrialis. 2 Teile Hannover 2009; Pentalogus. Eneas Silvius Piccolomini. Hrsg. von Christoph Schingnitz. Hannover 2009.
Literaturergänzung:
1931
Buyken, Thea: Enea Silvio Piccolomini - Sein Leben und Werden bis zum Episkopat, Bonn/Köln 1931; -
1960
Widmer, Berthe: Enea Silvio Piccolomini - Papst Pius II., Basel/Stuttgart, 1960; -
1962
Schmidt, Adolf: Enea Silvio Piccolomini - Deutschland - Der Brieftraktat an Martin Meyer, Köln/Graz 1962; - Adel, Kurt: Enea Silvio Piccolomini - Papst und Humanist, Graz/Wien 1962; -
1982
Justo Fernández Alonso, Los beneficios "encorozados" de Galicia en el siglo XV. Fernando Basanta, nuncio de Pio II (1464), in: AnAn 28./29.1981/82, S. 553-579; -
1998
Luigi Totaro, Il Pio Enea. Un papa umanista, in: Anima e paura. Macerata 1998, S. 355-366; -
1989
Worstbrock, F.J.: Piccolomini, Aeneas Silvius (Papst Pius II.), In: Ruh, Kurt (Hrsg): Die deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon Bd. 7, Berlin 1989; -
1996
Meuthen, Erich: Pius II., In: Krause, Gerhard/Müller, Gerhard (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Bd. 26, Erlangen 1996; 89; -
1999
Gerhard Podskalsky, Drei vorreformator., miteinander befreundete Humanisten u. ihre Beziehung zu Frankfurt, in: AmrhKG 51.1999, S. 83-92; -
2006
Enea Silvio Piccolomini. Uomo di lettere e mediatore di culture. A cura di Maria Antonietta Terzoli. Basel 2006; - Enea Silvio Piccolomini. Arte, storia e cultura nell'Europa di Pio II. A cura di Roberto Di Paola. Romae 2006; -
2007
Pio II umanista europeo. Atti del 17. Convegno Internazionale (Chianciano-Pienza 18-21 luglio 2005), Firenze 2007; - Enea Silvio Piccolomini. Pius Secundus poeta laureatus Pontifex Maximus. Atti del Convegno Internazionale, 29 settembre - 1 ottobre 2005, Roma, e altri studi. Romae 2007; - "Dignitatis humanae". La libertà religiosa in Paolo VI. Colloquio internazionale di studio, Brescia 24-25-26 settembre 2004. Brescia [u.a.] 2007;- Papst Benedikt XVI., Allocutio in CX anniversaria memoria a natali die Ioannis Baptistae Montini, in: AAS 99.2007, S. 866f.; -
2008
Benjamin Weber, Conversion, croisade et oecuménisme à la fin du Moyen-age. Encore sur la lettre de Pie II à Mehmed II, in: Crus 7.2008, S. 181-197; - Enea Silvio Piccolomini nördl. d. Alpen. Hrsg. von Franz Fuchs. Wiesbaden 2008; - Martin Wagendorfer, Die Editionsgeschichte d. "Historia Austrialis" d. Eneas Silvius Piccolomini, in: DA 64.2008, S. 65-108; - Tommaso Braccini, Pio II, l'Oriente et la crociata. Per una nuova interpretazione di due episodi storici, in: OrChrP 74.2008, S. 431-442;- Arnold Esch, Landschaften der Frührenaissance. Auf Ausflug mit Pius II. München 2008; - Martin Wagendorfer, Die Editionsgeschichte der "Historia Austrialis" d. Eneas Silvius Piccolomini. Addendum, in: DA 64.2008, S. 597-601.
Letzte Änderung: 06.11.2009