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Band VII (1994)Spalten 757-758 Autor: Werner Raupp

PLÜTSCHAU, Heinrich, luth. Missionar, * 1675 (?) in Wesenberg bei Neustrelitz, † 4.1. 1752 in Beidenfleth in Holstein. - P. besuchte das Friedrich-Werder-Gymnasium in Berlin, dessen Rektor, Joachim Lange [s.d.], ein namhafter Führer der zweiten Generation des Pietismus, einen nachhaltigen Einfluß auf ihn ausübte. 1702 nahm er in Halle das Studium der Theologie auf und trat in Verbindung mit August Hermann Francke [s.d.], in dessen Stiftungen er auch bald unterrichtete. Von Lange zum Missionsdienst berufen, wurde er 1705 von der Dänisch-Halleschen Mission zusammen mit seinem Studienkollegen, dem nachmals berühmten Bartholomäus Ziegenbalg [s.d.], in die dänische Kolonie Trankebar an der Ostküste Südindiens entsandt. Sie waren nicht nur die ersten Sendboten des deutschen Protestantismus, sondern auch die ersten evangelischen Missionare in Indien überhaupt. Am 9.7.1706 in Trankebar angelangt, konnten sie bereits ein Jahr später die ersten Tamilen (»Malabaren«) und Mischlinge (»Portugiesen«) taufen und eine kleine lutherische Gemeinde gründen, die bis 1712 etwa 200 Glieder umfaßte. 1707 war auch der Grund für die »Neu-Jerusalemskirche« gelegt worden (neu errichtet 1718); ferner entstanden Schulen (u.a. 1707 die wohl erste Mädchenschule Indiens) und ein Lehrerseminar. Während sich Ziegenbalg vor allem um sprach- und religionsgeschichtliche Forschungen bemühte, die mehrere Übersetzungen ins Tamil hervorbrachten, übernahm P., jenem an Begabung nachstehend, hauptsächlich die Leitung der »Portugiesischen Gemeinde« und den Unterricht für die Katechumenen. Gesundheitlich angeschlagen, mußte er bereits 1711 nach Deutschland zurückkehren, blieb aber dennoch für die Mission tätig: Unter anderem verfaßte er einen kleinen Katechismus für die portugiesische Schule in Trankebar (1713 (?) von der Society for Promoting Christian Knowledge in London veröffentlicht) und unterrichtete kurzzeitig in Halle Missionskandidaten in Tamil (»Collegium Malabaricum«). Von 1714 bis 1750 amtierte er als lutherischer Pastor in Beidenfleth in Holstein. Er verstarb am 4.1. 1752 (und nicht - wie bisher angenommen - 1646/47).

Quellen: Missionsarchiv der Franckeschen Stiftungen, Halle (vgl. Jürgen Storz, Das Missions-Archiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle, in: Schriften zum Bibliotheks- und Bücherwesen in Sachsen-Anhalt 1986, 31-37); Archiv der ev.-luth. Pfarrei Beidenfleth/Holstein: Sterberegister 1752. Veröffentlichte Quellen: Merkwürdige Nachricht aus Ost-Indien, welche zwey Evangelisch-Lutherische Prediger, nahmentlich Herr Bartholomäus Ziegenbalg, gebürtig von Pulsnitz in Meissen und Herr Heinrich Plütscho, von Wesenberg in Mecklenburg, so von Seiner Königl. Majestät in Dennemark und Norwegen den 29. Nov. 1705 aus Copenhagen nach Dero Ost-Indischen Colonie in Trangebar gesandt, zum löblichen Versuch, ob nicht dasige angrentzende blinde Heiden einiger massen zum Christen thum möchten können angeführet werden [...] Hrsg. von Joachim Lange. 1708 (17092); Englische Übers. der Merkwürdigen Nachricht: Propagation of the Gospel in the East: Being an Account of the Success of two Danish Missionaries, 2 parts. 1708 (17183); Der Königlich-Dänischen Missionarien aus Ostindien eingesandte Berichte, 1710 ff. (1708; Hallesche Berichte); Wilhelm Germann, Ziegenbalg und Plüschau. Die Gründungsjahre der Trankebarschen Mission. Ein Beitrag zur Geschichte des Pietismus nach handschriftlichen Quellen und ältesten Drucken, Zweite Abtheilung: Urkunden, 1868; Alte Briefe aus Indien. Unveröffentlichte Briefe von Bartholomäus Ziegenbalg, 1706-1719; - Werner Raupp (Hrsg.), Mission in Quellentexten. Geschichte der Deutschen Evangelischen Mission von der Reformation bis zur Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910, 1990 (Dänisch-Hallesche Mission: 138-163, Lit., Quellen).

Lit.: J.L. Niekamp, Kurtzgefaßte Missions-Geschichte oder Historischer Auszug der Evangelischen Mißions-Berichte aus Ost-Indien von dem Jahr 1705 bis zum Ende des Jahres 1736, 1740; - J.H. Brauer, Die Sendboten Friedrich IV. von Dänemark, 1837; - J.F. Fenger, Geschichte der Trankebarschen Mission nach den Quellen bearbeitet, 1845, bes. S. 288 f.; - Wilhelm Germann, Ziegenbalg und Plütschau. Die Gründungsjahre der Trankebarschen Mission. Ein Beitrag zur Geschichte des Pietismus nach handschriftlichen Quellen und ältesten Drucken [Erste Abteilung], 1868; - Gustav Kramer, August Hermann Francke, Bd 2, 1880, 88; - Arno Lehmann, Es begann in Tranquebar, 19562 (= dt. Ausg. von It began at Tranquebar, the history of the first Protestant Church in India, 1955; schwed. Übers., 1956); - Otto Friedrich Arends, Geistliche in Schleswig-Holstein, Bd 2, o.J., 164; - E. Junge-Ivens, Unsere Kirche im Kirchenkreis Münsterdorf, 1980, 88; - Anders Nørgaard, Mission und Obrigkeit. Die Dänisch-hallische Mission in Tranquebar 1706-1845; - Hans-Werner Gensichten, Invitatio ad Fraternitatem. 75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Missionswissenschaft, 25-27.109 u.ö.; - Jöcher, III, 1636; Jöcher, Fortsetzung, VI, 425 f.; - Perthes', III, 81; - Kirchl. Handlexikon, V, 353; - ADB LIII, 85-87; - RGG V, 421; - DBA, Mf 966, 234-236; - weitere Lit. siehe Art. Bartholomäus Ziegenbalg.

Werner Raupp

Literaturergänzung:

2003

Werner Raupp, Plütschau, Heinrich, in: RGG, 4. Aufl., Bd. 6 (2003), Sp. 1411-1412.

Letzte Änderung: 06.12.2009