Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band XVI (1999)Spalten 1252-1253 Autor: Sebastian Bialas

PONTIUS, Diakon von Karthago im 3. Jahrhundert. - P. gilt als der Verfasser der Vita Cypriani (siehe Cyprian v. Karthago). Daß er als solcher und überhaupt bekannt ist, geht allein auf die Notiz des Hieronymus in seiner christlichen Literaturgeschichte »De viris illustribus« zurück. In ihr nennt ihn Hieronymus »diaconus Cypriani« (68). Demnach war er zu Lebzeiten des Bischofs Cyprian Diakon in Karthago. Außerdem habe er sich mit Cyprian im Exil befunden, bis jener das Martyrium erlitt (14. September 258). Inwieweit Hieronymus diese Informationen selbst nur aus der Vita Cypriani (Hieronymus nennt sie »vita et passio«) schließt, ist offen. P. nennt sich in ihr selbst zeitweiliger Augenzeuge, ansonsten würde das, was er über das Wirken Cyprians zu Papier bringt, auf der Befragung älterer Augenzeugen beruhen. Die biographische Schrift hat eine Länge, die durchaus geeignet war, im Gottesdienst gelesen bzw. als Erinnerungsrede gehalten zu werden. Das Bemühen um rhetorische Gewandheit weißt auf eine entsprechende Bildung des P. hin. Die rhetorisch durchgestaltete Form läßt Walter Berschin an den klassischen Panegyricus, die Lobrede, denken (S. 63-65). Harnack ordnet die Vita dem Typ der Biographie zu und nennt sie die »erste christliche Biographie«. Sicher ist, daß P. seinem Bischof als »Heiligen« ein ehrendes Andenken verschaffen möchte, in dem er großartige »Werke« und »Verdienste« Cyprians, die jener zu Lebzeiten tat, darstellt. P. ist an Cyprians Lebenswandel seit dessen Bekehrung zum Christentum interessiert. Die Intention des P., Cyprian als »Muster« eines Christen darzustellen, das Cyprian laut P. auch gewesen sei, wenn er nicht als Märtyrer gestorben wäre, macht diese Schrift zur deutlich »lobgefilterten Biographie«. Der »Lobfilter« wirkt kunstvoll, wenn beispielsweise P. Cyprians Flucht vor dem Opferbefehl des Decius (250) aufs Land damit begründet, daß Cyprian sonst die guten Taten nicht hätte vollbringen können, die er seitdem tat. Als historische Quelle kann seine Vita nur sehr begrenzt gelten. Hagiographisch ist diese Schrift des P. äußerst wertvoll und markiert nach der im Kern autobiographischen »Passio SS. Perpetuae et Felicitatis« die Anfänge der christlichen Lebensbeschreibung heiliger Frauen und Männer.

Werk: vita Cypr., Hartel, CSEL 3/3 1871 [T]; A.A.R. Bastiaensen, Vite dei Santi 3, Mailand 1975, 4-48, 249-279 [T/ital. Ü/K]; J. Baer (BKV2 34), Kempten 1918, 1-32 [dt. Ü.].

Lit.: LACL (Lexikon für antike christliche Literatur) (11998) 142-147 (A. Hofmann), 513 (B. Breilmann); - BiblSS 10, 1020f (G. D. Gordini); - W. Berschin, Biographie und Epochenstil im lateinischen Mittelalter. Bd. 1, Stuttgart 1986, 57-65 (mit weiterer Lit.); - A. Harnack, Das Leben Cyprians von Pontius. Die erste christliche Biographie. in: ders. u. C. Schmid, Texte und Untersuchungen zur altchristlichen Literatur. Bd. 39, Heft 3, Leipzig 1913; - ders., Geschichte der altchristlichen Literatur bis Eusebius. 2. Halbband, Leipzig 1958, 729; - D. Hoster, Die Form der frühesten lateinischen Heiligenviten von der Vita Cypriani bis zur Vita Ambrosii und ihr Heiligenideal. Diss. Köln 1963; - H. Montgomery, Pontius' Vita S. Cypriani and the making of a saint. In: Symbolae Osloenses 71 (1996), 195-215.

Sebastian Bialas

Letzte Änderung: 03.12.1999