PROKOPIUS von Ustjug: Hl. Narr um Christi willen, Wundertäter,
† 1303, Fest am 8. Juli. - Pr. war nach seiner Lebensbeschreibung
aus dem 16. Jh. ein Deutscher, »ein Kaufmann aus den Gegenden des
Westens, von lateinischer Sprache und aus deutschem Land.« Er gilt
als der erste heilige »Narr« Rußlands. In der näheren Beschreibung
seiner Herkunft wird Lübeck genannt. Als Fremdling (»Deutscher«) nach
Nowgorod gekommen, gelangt er zunächst zu Reichtum, verteilt aber
dann sein Hab und Gut unter die Armen und »nimmt um Christi willen
das Leben eines Jurodivyi an und beginnt, sich wild zu benehmen«,
worüber Näheres nicht berichtet wird. Er lebt obdachlos, auf einem
Müllabladeplatz oder auf den Treppen einer Kirche schlafend. Er wanderte
stets nach Osten im »Suchen nach der Heimat«. Weil er sich als »Narr
in Christo« zeigt, erfährt er »Vorwürfe, Schläge und Tritte«. Trotzdem:
Sein Äußeres wird als schön und angenehm bezeichnet, er war »hell
von Ansehen« und habe ein »süßes Lachen« gehabt. Auch hatte er einen
Freund, dem gegenüber er jedoch seine Rolle als hl. Narr nicht spielte.
(So wird auch in byzantinischen Legenden berichtet). Im Troparion
seines Gedächtnisses in der Russischen Kirche am 8. Juli heißt es
von ihm: »Von der Gnade Gottes erleuchtet, o Gottesweiser, hast Herz
und Sinn ganz von dieser Welt unwandelbar zum Schöpfer du hingerichtet.
In Lauterkeit und großem Dulden hast du den Lauf dieses Lebens gut
vollendet und den Glauben unverletzt bewahrt. Deswegen erschien auch
nach deinem Tode die Leuchtkraft deines Lebens, denn als unerschöpfliche
Quelle von Wundern strömest du allen, die gläubig zu deinem heiligen
Grabe eilen, allseliger Prokopius«. (Liturgikon-Meßbuch der byzantinischen
Kirche, herausgegeben von N. Edelby, Recklinghausen 1967, 1022-1023).
- In seinen Darstellungen auf russ. Ikonen trägt er als Attribut
drei rote Schüreisen, die er mit dem Haft nach oben trug, wenn das
Jahr fruchtbar zu werden schien, nach unten, wenn Mißernte drohte.
Dargestellt auf russischen Ikonen zusammen mit Johannes von Ustjug,
ebenfalls einem hl. Narren in Christo. Beispiele dieses Ikonentyps
finden sich im Ikonenmuseum von Recklinghausen (E. 17. Jh.) und in
der Ikonensammlung Prof. E. Sauser, Trier (17. Jh.). Als Randheilige
kommen Prokopius und Johannes noch vor auf dem Ikonentyp »Triumph
Christi«. (Ikonenkabinett der Abtei Kremsmünster in OÖ.) Johannes
oder Ioann, mit dem Pr. oft gezeigt wird, stammte aus der Umgebung
von Ustjug und starb im Jahre 1494. Die Verehrung des Pr. wurde 1547
von der Synode in Moskau bestätigt.
Lit.: E. Benz, Russische Heiligenlegenden, Zürich 1953,
428-429, 283-292; - I. Kologriwow, Das andere Rußland - Versuch
einer Darstellung des Wesens und der Eigenart russischer Heiligkeit,
München 1958, 243-245; - Ausstellungskatalog: Ikonenmuseum Recklinghausen,
Recklinghausen 1976, 102, Abb. 137; - M. Evdokimov, Russische
Pilger, Vagabunden und Mystiker, Salzburg 1987, 41, LCHI VIII, 230.