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Band VII (1994)Spalten 994-995 Autor: Ekkart Sauser

PROKOPIUS von Ustjug: Hl. Narr um Christi willen, Wundertäter, † 1303, Fest am 8. Juli. - Pr. war nach seiner Lebensbeschreibung aus dem 16. Jh. ein Deutscher, »ein Kaufmann aus den Gegenden des Westens, von lateinischer Sprache und aus deutschem Land.« Er gilt als der erste heilige »Narr« Rußlands. In der näheren Beschreibung seiner Herkunft wird Lübeck genannt. Als Fremdling (»Deutscher«) nach Nowgorod gekommen, gelangt er zunächst zu Reichtum, verteilt aber dann sein Hab und Gut unter die Armen und »nimmt um Christi willen das Leben eines Jurodivyi an und beginnt, sich wild zu benehmen«, worüber Näheres nicht berichtet wird. Er lebt obdachlos, auf einem Müllabladeplatz oder auf den Treppen einer Kirche schlafend. Er wanderte stets nach Osten im »Suchen nach der Heimat«. Weil er sich als »Narr in Christo« zeigt, erfährt er »Vorwürfe, Schläge und Tritte«. Trotzdem: Sein Äußeres wird als schön und angenehm bezeichnet, er war »hell von Ansehen« und habe ein »süßes Lachen« gehabt. Auch hatte er einen Freund, dem gegenüber er jedoch seine Rolle als hl. Narr nicht spielte. (So wird auch in byzantinischen Legenden berichtet). Im Troparion seines Gedächtnisses in der Russischen Kirche am 8. Juli heißt es von ihm: »Von der Gnade Gottes erleuchtet, o Gottesweiser, hast Herz und Sinn ganz von dieser Welt unwandelbar zum Schöpfer du hingerichtet. In Lauterkeit und großem Dulden hast du den Lauf dieses Lebens gut vollendet und den Glauben unverletzt bewahrt. Deswegen erschien auch nach deinem Tode die Leuchtkraft deines Lebens, denn als unerschöpfliche Quelle von Wundern strömest du allen, die gläubig zu deinem heiligen Grabe eilen, allseliger Prokopius«. (Liturgikon-Meßbuch der byzantinischen Kirche, herausgegeben von N. Edelby, Recklinghausen 1967, 1022-1023). - In seinen Darstellungen auf russ. Ikonen trägt er als Attribut drei rote Schüreisen, die er mit dem Haft nach oben trug, wenn das Jahr fruchtbar zu werden schien, nach unten, wenn Mißernte drohte. Dargestellt auf russischen Ikonen zusammen mit Johannes von Ustjug, ebenfalls einem hl. Narren in Christo. Beispiele dieses Ikonentyps finden sich im Ikonenmuseum von Recklinghausen (E. 17. Jh.) und in der Ikonensammlung Prof. E. Sauser, Trier (17. Jh.). Als Randheilige kommen Prokopius und Johannes noch vor auf dem Ikonentyp »Triumph Christi«. (Ikonenkabinett der Abtei Kremsmünster in OÖ.) Johannes oder Ioann, mit dem Pr. oft gezeigt wird, stammte aus der Umgebung von Ustjug und starb im Jahre 1494. Die Verehrung des Pr. wurde 1547 von der Synode in Moskau bestätigt.

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Lit.: E. Benz, Russische Heiligenlegenden, Zürich 1953, 428-429, 283-292; - I. Kologriwow, Das andere Rußland - Versuch einer Darstellung des Wesens und der Eigenart russischer Heiligkeit, München 1958, 243-245; - Ausstellungskatalog: Ikonenmuseum Recklinghausen, Recklinghausen 1976, 102, Abb. 137; - M. Evdokimov, Russische Pilger, Vagabunden und Mystiker, Salzburg 1987, 41, LCHI VIII, 230.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 15.11.2011