Verlag Traugott Bautz |
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QUIRINUS vom Tegernsee, Martyrer; 3. Jh. - Martyrer und Heiliger, der während der Regierung Claudius Gothicus (268-70) als Christ eingekerkert und enthauptet worden war. Seine Leiche wurde in den Tiber geworfen und blieb auf der Tiberinsel Lykanoia (San Bartolomeo) liegen. Sie soll von persischen Pilgern gefunden am 25. März in der Katakombe des Pontianus bestattet worden sein. - Kapitel 1-4 der Passio St. Q., die wörtlich von der Passio St. Marii (BHL II,815) abhängen sind unglaubwürdig. - Quirinalien des Metellus um 1160 sind davon beeinflußt und auch die zweite Passio des Mönchs Heinrich v. Tegernsee (um 1160-80) und die ihnen folgende Fundatio monasterio Tegernseenensis woben die Legende weiter. Q. erscheint als zweiter Sohn des röm. Kaisers Philippus Arabs; daher auch in Kunst mit Apfel und Szepter abgebildet. - Die Kapitel 5-11 der Passio erscheinen historisch bezeugt. Die Übertragung eines Märtyrerleibes namens Q., der nicht identisch mit Bischof Q. von Siscia, ist durch die beim Tegernsee begüterten Brüder Adalbert und Ottokar (Otgar) und ihren Neffen Uto (Eio) veranlaßst worden. So kamen die Gebeine von Q. von Rom in die Salvatorkirche zu Tegernsee, womit Gründung des Kloster im Zusammenhang steht. Dies geschah nach einer Urkunde Otto II. datiert vom 10.06. 979 (MGH Dipl Otto II Nr 192 S. 219) unter König Pippin und unter Papst Zacharias am 18.05. 746. Möglicherweise aber war es unter Papst Paul I. der um 761 mehrere Leiber, darunter einen am 23. März gefeierten Q. aus den Katakomben in die Silvesterkirche hat übertragen lassen. - Eine zweite Translation erfolgte am 16.6. 804 wohl von der Salvator- in die neue Peterskirche des Klosters, wo die Gebeine auf dem Hochaltar noch ruhen. Das Aufblühen von Tegernsee förderte auch den Kult um Q. - In Tegernsee entstanden vier weitere Viten, wie auch weitere Kultstätten: St. Quirin am Ostufer des Sees. Dort, wo im heutigen St. Quirin der Sarg bei der Übertragung letztmals abgestellt worden sei, entsprang eine Heilquelle. Darüber wurde eine Kapelle erbaut, die 1450 durch eine Steinkirche mit Marmorbrunnen in der Mitte des Schiffes als Gnadenquelle ersetzt wurde. Eine andere Kapelle von St. Quirin am Rombogen entdeckt um 1430 enthielt Erdöl, woraus das Q. Öl hergestellt, das als Heilmittel gilt. Fest 25. März; Translation 16. Juni.
Walter Troxler
Literaturergänzung:
1888
Anon. (vielleicht Gregor Pusch OSB, Archiv u. Historiker von Niederaltaich?), Wunderthätiges Leben und Tod des großen Blutzeugen Christi, des heiligen Quirini, Römischen Rottmeisters und besonderen Patron des zum Kloster gehörigen Gotteshaus Thundorf in Niederbayern, Straubing 1760; Neubearbeitung: Anon. (Vielleicht Andreas Rettenberger, damaliger Expositus in Thundorf?), Das wunderthätige Leben und der Tod des heiligen Martyrers Quirinus, Patrons des Gotteshauses in Thundorf nebst Ursprung und Schicksal der Kirche Thundorf, Osterhofen 1888; -
1946
Michael Hartig, Die mittelalterliche Kunsttätigkeit des Kosters Tegernsee, in: StMBO 60, 1946, 218-231; -
1983
Johann Weissensteiner, Tegernsee, die Bayern und Österreich. Studien zu Tegernseer Geschichtsquellen und der bayerischen Stammessage. Mit einer Edition der Passio secunda s. Quirini = Archiv für Österreichische Geschichte Bd. 133, Wien 1983; -
2007
Elisabeth Söllner, Die Wallfahrt zum hl. Q. in Tegernsee im 18. Jhr., in: BAK 50.2007, S. 75-132.
Letzte Änderung: 09.04.2011