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Band VII. (1994) Spalten 1173-1175 Autor: Susanne Siebert

RABER, Vigil, Maler u. Sammler von geistlichen u. weltlichen Spielen, * im letzten Viertel des 15. Jh. in Sterzing, † vor dem 14.12. 1552 ebd. - R., der aus einer Bäckerfamilie in Sterzing stammte, erlernte dort das Kunsthandwerk der Malerei. Das erste Zeugnis über R.s Wirken stammt aus dem Jahr 1510 und steht im Zusammenhang mit der Abschrift eines Fastnachtsspiels in Bozen. Seitdem war er bis 1522 dort als Maler von Altartafeln und Restaurator sakraler Kunstgegenstände tätig. Zu seinen Förderern gehörte Bischof Georg von Neidegg. R. trat 1514 als einer der Initiatoren und als Organisator und Schauspieler der siebentägigen Bozener Passionsspielaufführung in Erscheinung. Während seiner Bozener Zeit unternahm er im Frühjahr 1515 eine Reise nach Trient. 1517 leitete er die Inszenierung des Himmelfahrtsspiels in Cavalese. Gegen Ende seines Aufenthaltes in Bozen beginnt er die Arbeit am Wappenbuch der St. Christophs-Bruderschaft auf dem Arlberg (bis ca. 1548). Von 1524 an ist R. wieder in Sterzing bezeugt, wo er mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod als Maler arbeitete. Für die Jahre 1527 bis 1533 fehlen jegliche Nachrichten über ihn. In Sterzing regte R. seit 1533 wieder geistliche Spiele an, organisierte und leitete sie, wie er auch als Schauspieler mitwirkte. Dies ist auch in den Jahren 1535, 1538, 1541, 1543 und zuletzt im Rahmen der weltlichen Fastnachtsspiele des Jahres 1548 der Fall. Die Zuschreibung von Bildwerken zu R.s Schaffen ist unsicher und eine vergleichende Beurteilung daher fast unmöglich. Von hervorragender Bedeutung ist dagegen sein Wirken als Sammler und Redaktor von Texten geistlicher und weltlicher Spiele. Zwar sind seine Texte in der Hauptsache durch Kompilation entstanden, doch durch Erweiterungen und konkrete Charakterisierung von Rollen, Aufnahme aktueller politischer und zeitkritischer Stoffe - wie in dem Fastnachtsspiel »Die zwen Stenndt« von 1535 die Schilderung von Unruhen, verursacht durch die Reformation, und der Zustände an der Wiener theologischen Fakultät - und durch eine konsequente Verfolgung ästhetischer Bearbeitungsprinzipien zeichnet sich R.s Sammlung vor anderen als sehr anspruchsvoll aus.

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Werkausgaben: Sterzinger Spiele. Nach Aufzeichnungen des V.R. hrsg. v. Oswald Zingerle, Wien 1886; Josef Eduard Wackernell, Altdeutsche Passionspiele aus Tirol, Graz 1897; D. Wuttke (Hrsg., Mithrsg. W. Wuttke), Fastnachtsspiele des 15. u. 16. Jahrhunderts, 19782; W. Lipphardt, H.-G. Roloff (Hrsgg.), Die geistlichen Spiele des Sterzinger Spielarchivs, Bd. 1 u. 5, Bern u.a. 1980 f.; W.M. Bauer (Hrsg.), Die weltlichen Spiele des Sterzinger Spielarchivs ..., Wien 1982.

Lit. Auswahl: A. Pichler, Über das Drama des Mittelalters in Tirol, Innsbruck 1850; - K. Fischnaler, V.R., der Maler u. Dichter, ebd. 1894; - Ders., Das Volksschauspiel zu Sterzing im XV. u. XVI. Jahrhundert, Zeitschr. des Ferdinandeums 3.F. 38 (18942), 353-382; - J.E. Wackernell, Altdt. Passionsspiele ..., VI-XVIII; - R. Jordan, Das Sterzinger Weihnachtsspiel v.J. 1511 u. das hessische Weihnachtsspiel, Jb. des k.k. Staats-Obergymnasiums in Krumau 30 (1902/03), 1-32; - K. Moeser, Die Meraner Malerfamilie, in: Festschr. zu Ehren Konrad Fischnalers (Schlern-Schriften 12) 1927, 188-214; - A. Bäschlin, Die altdeutschen Krämerspiele, Diss. Basel 1929; - A. Dörrer, V.R.s Hss.-Sammlung in Sterzing, in: Zeitschr. f. deutsches Altertum 83 (1951/52), 236-238; - Ders., Das Reformationsspiel der beiden Stände von 1532, in: ZfVk 50 (1953), 98-106; - Ders., Schicksale des Sterzinger Spielarchivs, in: Zeitschr. f. deutsches Altertum 94 (1965), 138-141; - E. Catholy, Das Fastnachtsspiel des Spätmittelalters, Tübingen 1961; - L. Schmidt, Maler-Regisseure des Mittelalters, in: Maske und Kothurn 4 (1958), 55-78; - I. Glier, Personifikationen im deutschen Fastnachtsspiel des Spätmittelalters, in: Deutsche Vierteljahresschrift f. Literatur- u. Geistesgeschichte 39 (1965), 542-587; - N. Hölzli, der Arzt als komische Figur auf der Tiroler Bühne, Der Schlern 40 (1966), 139-152; - D. Hutschenblatt, Die Frau mit dem Apfel u. Frau Venus im Moriskentanz u. Fastnachtsspiel, in: Volkskultur u. Geschichte, Festschr. J. Dünninger, 1970, 585-603; - E. Simon, The alemannic »Herbst und Mai« Play and its Literary Background, Monatshefte 62 (1970), 217-230; - E. Kühebacher (Hrsg.), Tiroler Volksschauspiel, Bozen 1976, darin: E. Catholy, 60-73 u. N.R. Wolf, Die Bozener Passion von 1514, 380-400; - H. Schuhladen, V.R. u. die Tiroler Fastnachtsspieltradition, in: Deutsche Vierteljahresschrift ... 51 (1977), 396-421; - E. Thurnher, V.R., in: Der Schlern 52 (1978), 664-667; - W.M. Bauer, Das tirolische Reckenspiel, in: Deutsche Heldenepik in Tirol, hrsg. v. E. Kühebacher, Bozen 1979, 355-381; - B. Garbe, »Rumpolt der dasig knecht«, Zeitschr. f. deutsches Altertum 108 (1979), 443-448; - H.-G. Roloff, Ein geistliches Gerichtspiel v.J. 1529, in: Studien z. deutschen Lit. des Mittelalters, hrsg. v. R. Schützeichel, 1979, 713-725; - M. Zimmermann, Die Sterzinger Miszellaneen- Handschrift, Innsbruck 1980; - A. Stella, Cultura umanistica e riforma religiosa nei Passionsspiele e Fastnachtsspiele di V.R., in: Atti e Memorie dell' Academia Patavina di Scienze, Lettere e Arti 96 (1983/84), 101-113; - H. Linke, Die beiden Fassungen des Tiroler Fastnachtsspiels »Die zwen Stenndt«, in: Daphnis 14 (1985), 179-218; - Bernd Neumann, Das spätmittelalterliche geistliche Spiel in Tirol, in: Zeman 1, 2, 521-545; - Ders., Geistliches Spiel im Zeugnis der Zeit, München 1987; - Anton Schwob, Die zeremonielle Entweihung formaler und sprachlicher Rituale in einer spätmittelalterlichen Urkundenparodie, Zu V.R.s Consistory Rumpoldi II, in: Parodie u. Satire in der Literatur des Mittelalters, Greifswald 1989, 113-128; - Stephen Wailes, A dramatization of social discontent from Reformation Tyrol, in: German studies review 13 (1990),211-224; - ADB LIII, 182-184; - Kosch KD II, 3751; - Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künste XXVII, 539, hrsg. v. H. Vollmer, Leipzig 1933; - LThK2 VIII, 960; - DLL XII, 481 f.; - VerfLex VII2, 943-958; - Walther Killy (Hrsg.), LiteraturLexikon, IX, 262 f., München, Gütersloh 1991.

Susanne Siebert

Literaturergänzung:

Alle Handschriften des Stadtarchivs Sterzing sind digitalisiert abrufbar unter: http://www.literature.at/webinterface/library/COLLECTION_V01?objid=14047.

Letzte Änderung: 09.04.2011