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Band VII. (1994) Spalten 1181-1182 Autor: Gabriele Lautenschläger

RACHILDIS, Inkluse, + 23.11. 946 in St. Gallen; verwandt mit dem Dichter, Mönch und Dekan von St. Gallen Ekkehard I. (910-973). Ihre Heimat ist möglicherweise der Thurgau. R. hat keinen eigentlichen Biographen gefunden. Angaben über ihr Leben können deshalb nur indirekt aus den Werken der Wiborada-Biographen, aus der St. Galler Klosterchronik sowie der Annalistik entnommen werden. Demzufolge litt R. an einer schweren Krankheit. Die Eltern wollten mit ihr eine Pilgerreise nach Rom unternehmen. Die Inkluse Wiborada riet von der Reise ab und bot stattdessen an, R. unter ihre Obhut zu nehmen. Am 8.9. 920 (oder 921) empfing R. die Inklusenweihe. Sie lebte fortan bei der dem Kloster St. Gallen benachbarten Kirche St. Mangen, wo auch ihre geistige Mutter und Lehrmeisterin Wiborada eine Zelle bewohnte. Die Wiborada-Vita führt den Arzt Notker im Zusammenhang mit der schwerkranken Inkluse R. an. Er habe ihr Beistand geleistet; eine Besserung sei jedoch letztendlich der Heilungsgabe Wiboradas zuzuschreiben. Ähnliches wird auch über Pliddruda (Hiltrude), eine leibliche Schwester der R. berichtet, die im Frickgau lebte und angeblich durch die Fürbitte der Wiborada von einer Krankheit geheilt wurde. Beim Ungarneinfall von 926 starb Wiborarda, während R. unentdeckt in ihrer Zelle überlebte. Sie blieb als Klausnerin in St. Gallen, mußte jedoch zeitlebens qualvolle Krankheiten ertragen. R. gilt als Mitbegründerin des in St. Gallen bis ins 16. Jahrhundert blühenden Inklusentums. Zwischen 946 und 958 wurden die sterblichen Überreste der beiden Inklusen Wiborada und R. in die Kirche St. Mangen überführt.

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Quellen: (Handschriften): Stuttgarter Passionale, Bd. 3, Bibl. fol. 58 (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart); Codices Sangallenses (Stiftsbibliothek St. Gallen).

Editionen: Acta Sanctorum Maji tomus I, hrsg. v. Gottfried Henschen SJ; Antwerpen 1680; Annales Sangallenses maiores, hrsg. v. Ildefons von Arx. In: MG SS 1, Hannover 1826, 73-85; Ex Hartmanni Vita S. Wiborada, hrsg. v. Georg Waitz. In: MG SS 4, Hannover 1841, 452-457; St. Galler Todtenbuch und Verbrüderungen, hrsg. v. Ernst Dümmler und Hermann Wartmann. In: Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte, hrsg. v. Historischen Verein in St. Gallen, Bd. IX, NF 1, St. Gallen 1869, 1-124; St. Gallische Geschichtsquellen, Bd. 3: Ekkeharti IV. Casus sancti Galli, hrsg. v. Gerold Meyer von Knonau, St. Gallen 1877 (= Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte, Bd. XV/XVI, NF 5/6); Die annalistischen Aufzeichnungen des Klosters St. Gallen, hrsg. v. Carl Henking. In: Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte, Bd. XIX, NF 9, St. Gallen 1884, 197-323; Der Liber Benedictionum Ekkeharts IV. nebst kleineren Dichtungen aus dem Codex Sangallensis 393, hrsg. v. Johannes Egli (= Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte, Bd. XXXI, St. Gallen 1909).

Lit.: (allgemein): DSp, Bd. XIII, Sp. 217 f. (Lit.); - Art. Inklusen. In: Wörterbuch der Kirchengeschichte, hrsg. v. Georg Denzler und Carl Andresen, München 1982, 273 f.; - Margot King, The Desert Mothers. In: Fourteenth Century English Mystics Newsletter 9 (1983), 12-25; - Helvetia Sacra. Die Orden mit Benediktinerregel, hrsg. v. Kuratorium der Helvetia Sacra, Bd. I/1-3, Bern 1986; - Art. Einsiedler. In: Wörterbuch der Mystik, hrsg. v. Peter Dinzelbacher, Stuttgart 1989, 131 f.; - Lexikon des Mittelalters, hrsg. v. Robert-Henri Bautier, Bd. V, München- Zürich 1991, Sp. 426 f.; - Weibliche Lebensgestaltung im frühen Mittelalter, hrsg. v. Hans-Werner Goetz, Köln u.a. 1991; - Die Abtei St. Gallen, Bd. II: Beiträge zur Kenntnis ihrer Persönlichkeiten. Ausgewählte Aufsätze v. Johannes Duft, hrsg. v. Peter Ochsenbein u. Ernst Ziegler, Sigmaringen 1991. - Lit. (speziell): Emil Schlumpf, Die Quellen zur Biographie der seligen Rachild. In: ZSKG 22 (1928), 69-72 und 284-300; - Otmar Doerr, Das Institut der Inclusen in Süddeutschland, Münster/Westf. 1934 (= Beiträge zur Geschichte des alten Mönchtums und Benediktinerordens, Heft 18); - Alfons Zimmermann OSB, Kalendarium Benedictinum. Die Heiligen und Seligen des Benediktinerordens und seiner Zweige, Bd. 3, Abtei Metten 1934, 347 ff.; - Emil Schlumpf, Quellen zur Geschichte der Inklusen in der Stadt Sankt Gallen, St. Gallen 1953 (= Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte, 2 XLI/2); - Art. R. In: LThK, Bd. 8, 1963, Sp. 961 f.; - Eva Irblich, Die Vitae sanctae Wiboradae. Ein Heiligen-Leben des 10. Jahrhunderts als Zeitbild, St. Gallen 1970 (zu R. siehe Register); - Johannes Duft, Notker der Arzt. Klostermedizin und Mönchsarzt im frühmittelalterlichen St. Gallen, St. Gallen 1972, 19, 45, 50 f.

Gabriele Lautenschläger