Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band VII (1994)Spalten 1320-1323 Autor: Josef Theodor Rath

RANCÉ, Armand-Jean Le Bouthilier de, Priester und Abt, * 9.1. 1626 in Paris, † 27.10. 1700 in La Trappe, aus hohem franz. Adel, Sohn des Privatsekretärs der Königin Maria von Medici und Patenkind des Kardinals Richelieu, war ihm zunächst eine militärische Laufbahn zugedacht. 1637 gab ihn sein Vater anstelle seines verstorbenen Bruders Denis in den Dienst der Kirche. Elf Jahre alt, wurde er Kommendatarabt in fünf Abteien, darunter La Trappe in der Normandie, und Domherr in Notre Dame in Paris. Hochbegabt erwarb er sich auf vielen Gebieten das Wissen seiner Zeit. 1651 empfing er die Priesterweihe. 1654 wurde er an der Pariser Sorbonne zum Doktor in der Theologie promoviert. Seit 1655 war er Mitglied der franz. Klerusversammlung. Um diese Zeit übertrug ihm sein Onkel, Erzbischof von Tours, das Amt des Erzdiakons in seiner Diözese. Daß er auch noch zum Koadjutorbischof mit dem Recht der Nachfolge bestellt wurde, verhinderte Kardinal Mazarin. Im »Krieg der Fronde« 1648-1653 gegen Mazarin hatte er mit Leidenschaft Partei für den Adel ergriffen. Dafür stellte ihn der Herzog Gaston D'Orleans als Hausgeistlichen an. In dieser ganzen Zeit führte der Geistliche in Amt und Würden ein sehr weltliches Leben. Seine Konversion geschah am 28.4. 1657 nach dem fast plötzlichen Tod der Herzogin de Montbazon, die mit der Familie Rancé seit langer Zeit befreundet war.« Im Leben Armands hat sie nach dem Tod seiner Mutter 1638 wahrscheinlich der Reihe nach mehrere Rollen gespielt. Welcher Art das Verhältnis beider zueinander wirklich war, darüber läßt sich heute so wenig mit Sicherheit sagen wie damals«. Nur das ist sicher, als die noch junge Witwe, die er von Kind auf kannte unerwartet aus seinem Leben verschwand, änderte das von Grund auf sein Verhalten. Er begab sich auf eines seiner Güter und befreite sich zunächst von allen seinen Ämtern und Pfründen. Nur die Abtei La Trappe behielt er. Er nahm Beziehungen auf zum Pariser Oratorium von Jesus und befaßte sich mit den Mönchen aus frühchristlicher Zeit. Johannes Climakus nahm ihn gefangen. Als nun auch der Herzog von Orleans starb, bestellte er sein Haus und zog sich 1662 nach La Trappe zurück, das Mönche aus Perseigne zu reformieren begonnen hatten. In Perseigne machte er sich mit dem Mönchsleben der Zisterzienser vertraut. Im Juni 1664 legte er die Ordensgelübde ab. Am 7. Juli 1664 wurde er in La Trappe zum Abt geweiht. Die Reform durchzusetzen, wie sie ihm vorschwebte, war nicht einfach. Auch in Rom hielt man den Rigorismus der Zisterzienser für jansenistisch. - Breve des Papstes Alexanders VII: »In Suprema«, 1666 - Papst Innozenz XI erlaubte 1678 »Le Règlement de La Trappe« und ermöglichte dadurch den Trappistenorden als selbständige Gemeinschaft in der großen benediktinischen Ordensfamilie. - Was Abbé de Rancé über das Mönchetum dachte, hat er in seinem glänzend geschriebenen Buch: »Traité de la sainteté et de la vie monastique« von 1683 aufgeschrieben. »Den gekreuzigten Heiland kennen lernen, soll die einzige Wissenschaft der Trappisten sein,« und sämtlicher anderer Ordensleute. Sein Buch löste den sogenannten Wissenschaftsstreit aus. Der Abt führte ihn mit Leidenschaft und Schärfe gegen den gelehrten Benediktiner Mabillon, die Mönche von St. Maur und den Generalabt der Kartäuser, Innocent Le Masson. Mabillon verteidigte maßvoll gegen den »Abbé Tempète«, so nannte man R. inzwischen, die wissenschaftliche Arbeit der Mönche, 1685, in »Eclaircissements du livre des devoirs«, und 1691 in »Etudes Monastiques«. Auch sonst redete der Abt überall mit, wo es in der Kirche Frankreichs zu seiner Zeit zu Auseinandersetzungen kam im Streit um Fénélon und den Quietismus, im Streit um die Gnadenlehre und die Moraltheologie der Jesuiten. La Trappe wurde dabei zu einem Zentrum starken religiösen Lebens. Sein erstaunliches Büsserleben und sein hinreißendes Wort wirkten wie ein Magnet. Bei seinem Tod lebten in La Trappe an 90 Mönche, und es gab fünf weitere Abteien und ein Frauenkonvent, in denen man seine Regel befolgte. Sein Büßerleben verschaffte R. den Ruf es mit den Jansenisten zu halten. Er hatte aber mit Port-Royal, wie seine vielen Briefe - an 2000 - es ausweisen, nichts zu schaffen. Er wollte Buße tun, weil er auf eine so ganz unwürdige Weise Priester geworden und es solange geblieben war. In seinen Briefen war er nicht nur streng. Viele Männer und Frauen, die in ähnlicher Lage waren, wie er, erlebten bei ihm das Erbarmen des guten Hirten, die Visitantin Louise Rogier, die frühere Geliebte des Gaston d'Orleans und die Karmelitin Louise de la Vallière, die frühere Geliebte Ludwigs XIV. Krank und müde trat Abbé de Rancé, vier Jahre vor seinem Tod, 1696, von seinem Amt zurück.

Werke: Zu den schon genannten: Les Règlements de L'Abbaye de Notre Dame de La Trappe en forme de Constitutions, Paris 1690; Relations de la mort de quelques réligieux de l'abbaye de La Trappe, Paris 1691, 5 Bde; Reponse au Traité des Etudes Monastiques, Paris, 1692. Antwort an Mabillon; Conférences sur les Epîtres et les Evangiles des dimanches et principales fêtes de l' année, Paris, 1698, 4 Bde; Lettres de piété, Paris 1701... 1846, 2 Bde.

Lit.: Lebensbilder P. de Maupéon, Paris 1702, 2 Bde; - P. de Nain, Rouen 1715. Paris 1719; - Fr. R. de Chateaubriand, Paris, 1844; - H. Brémond, L' Abbé Tempète, Paris, 1929; - W. Nigg, Buch der Büßer, Eine Donnerstimme war es: Abbé de Rancé, 127-150. Olten 1970; - LThK. VIII, 1963, 988 f; - Dict. Théol. Cath. XIII2, Col 1652-56. (Lit); - Dict. de Spiritualité Ascét. et Myst. XIII, 1988, Col 81-89 (Lit.)

Josef Theodor Rath

Bibliographieergänzung:

David N. Bell, A.-J. Le B. de R.: a bibliography of printed sources. Supplement, in: Citeaux 57.2006, S. 137-145.

Literaturergänzung:

2005

David N. Bell, Understanding R. The spirituality of the abbot of La Trappe in context. Kalamazoo 2005; -

2007

J. Henry O'Shea, Dürfen Mönche studieren? Zum Gedenken an Jean Mabillon (1632-1707), in: EuA 83.2007, S. 381-390; -

2009

Chrysogonus Waddell, R. and his "Declarationes in Regulam beati Benedicti", in: CSQ 44.2009, S. 321-366.

Letzte Änderung: 14.08.2009