REGINALD von Piperno. Dominikaner und Socius continuus des hl. Thomas von Aquin. * 1230/35 in Piperno, † 1285/1295 zu Anagni. - R. ist etwa um das Jahr 1230/35 in Piperno (heute Priverno) im südlichen Latium geboren. In Neapel trat er in den Dominikanerorden ein. Vielleicht schon seit den 50er Jahren (1. Parisaufenthalt des Aquinaten), wahrscheinlich aber erst seit der Rückkehr des Aquinaten vom ersten Parisaufenthalt begleitete er Thomas von Aquin als dessen socius continuus. Ihm hat Thomas sein Compendium theologiae gewidmet. Hier nennt er ihn seinen "filius carissimus". Bis zu seinem Tod war er dessen engster Vertrauter, bei ihm legte Thomas die letzte Beichte vor seinem Tod ab und er soll alle Autographen des Thomas "geerbt" haben. Nach dem Tod des Meisters übernahm er dessen Stelle als Konventslektor in Neapel. 1275 wurde er durch das Domkapitel zum Bischof von Marsico gewählt, konnte das Amt aber wohl aufgrund des Widerstandes des Ordensoberen Johannes von Vercelli nicht antreten. 1278 wurde er dann zum Socius des Definitors seiner Provinz gewählt. Er ist zwischen 1285 und 1295 in Anagni gestorben. - R. kann als einer der ersten Thomisten gelten: Nicht nur, daß viele seiner wertvollen Erinnerungen an das Leben des Aquinaten durch ihn der Nachwelt erhalten geblieben sind. Zahlreiche reportationes stammen aus seiner Feder, so etwa ein Großteil des Pauluskommentars, ebenso wie die Mitschriften wichtiger Predigten des Thomas. Außerdem kann man mit verhältnismäßig großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß das Supplementum der Summa theologiae (jener Teil der Summe, den Thomas selbst nicht vollendet hat) tatsächlich von Reginald erstellt ist. Und gerade hierin zeigt sich, ebenso wie in den teilweise erhaltenen Predigten, mit welchem Respekt und welcher profunden Kenntnis R. mit der Lehre des Thomas umgeht: Er nimmt völlig davon Abstand, eigene, gegenüber dem Lehrer neue Theorien in das Supplementum einzuschleusen; stattdessen orientiert er sich strikt an dessen Sentenzenkommentar. Ebenso zeigen die erhaltenen Predigten, daß R.s ganzes Denken zutiefst von Thomas geprägt war. Wenn auch nichts darauf hindeutet, daß sich R. nach dem Tod des Thomas als Führer einer sich neu formierenden Theologenschule verstand (Romanus Cessario), so kann er doch in gewissem Sinne in seiner Vertrautheit und Ergebenheit gegenüber dem Aquinaten auch Vorbild der Thomastreue für jeden Schüler des hl. Thomas bis zum heutigen Tag sein.
Lit.: P. Mandonnet, Des écrits authentiques de S. Thomas d'Aquin, Fribourg 1910, 37-41. 52-53. 153-154; - A. Dondaine, Secrétaires de saint Thomas, Rom 1956; - Id., Sermons de Réginald de Piperno, in: Mélanges Eugène Tisserant, Bd. 6, Vatikan 1964, 357-394; - Adriana Caparello, Il I libro del "De anima" e la "Reportatio" di R.d.P., in: Studi tomistici 17 (1982) 20-38; - M. Turrini, Raynald de Piperno et le texte original de la Tertia Pars de la Somme de Théologie de St. Thomas d'Aquin, in: RSPhTh 73 (1989) 233-247; - Jean-Pierre Torrell, Magister Thomas. Leben und Werk des Thomas von Aquin, Freiburg/Br. 1995, 285-288; - David Berger, Thomismus. Große Leitmotive der thomistischen Synthese, Köln 2001, 71-72; - Romanus Cessario, A short history of thomism, Washington 2005, 40-41.