REHABEAM, »Das Volk ist weit geworden, hat sich ausgebreitet«; LXX, V, NT Roboam; engl. Rehoboam) König von Juda, Sohn und Nachfolger König Salomos, erster König des Südreiches (SR) nach dem Auseinanderbrechen der Personalunion zwischen Juda und Israel nach Salomos Tod (926-910 vor Christus, nach anderen Datierungen 922-915 oder 931/ 30-913), Sohn Salomos und der Ammoniterin Naama (1 Kön 14, 21. 31). - Die Datierung und Chronologie der Regierungszeit R.s ist umstritten. Seine 17 Jahre dauernde Regentschaft (1 Kön 14, 21; 2 Chr 12, 13) läßt sich nur schwer mit anderen historischen Ereignissen aus der Königszeit verbinden. Auf der Grundlage weniger Quellen können nur einige Hauptzüge des Geschichtsverlaufs rekonstruiert werden. Das deuteronomistische Geschichtswerk (DtrG) stellt R.s Regentschaft in 1Kön 12, 1-24 und 14, 21-31 dar. Das chronistische Geschichtswerk (ChrG) berichtet über sie in der Parallele 2 Chr 10-12. - Von grundlegender Bedeutung für die Regentschaft R.s ist die Nichterneuerung der staatlichen Einheit von SR und Nordreich (NR), die in Personalunion, von David und Salomo verwaltet wurde. Sie konnte nach Salomons Tod nicht erneuert werden und wird nur undeutlich sowie mißverständlich mit dem Begriff »Reichsteilung« wiedergegeben. Denn sie stellte nur ein Stadium wieder her, das vor David bestanden hatte. Es zeichnete sich durch ein System kleiner und selbständiger Staatengebilde aus, das durch den Dualismus von Nord und Süd geprägt und nur vorübergehend durch die Personalunion verdeckt werden konnte. Daneben hatten bereits zu Lebzeiten von R.s Vater, Salomo, Abspaltungen von der Personalunion durch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Aramäer und Edomiter begonnen, die sich gegen ihn und seine Unterdrückungspolitik richteten (1 Kön 11, 14-25). In ihrem Gefolge wurde dem späteren König des NRs, Jerobeam I. ben Nebat (927-907), in Ägypten von Pharao Schoschenk I. (alttestamentlich Schischak: 945-924, nach anderen Datierungen 935-914, Begründer der 22. Dynastie) politisches Asyl gewährt. Nach dem Tode Salomos bestieg R. scheinbar ohne große Schwierigkeiten den Thron in Jerusalem und Juda (1 Kön 14, 21). War hier der dynastische Gedanke lebendig und die Thronnachfolge des Davidsenkels als legitim anerkannt worden, so wandte sich das vom charismatischen Königsideal geprägte NR gegen das dynastische Königtum der Familie Davids. Denn hier war sein Thronanspruch von der Zustimmung der Stämmeversammlung abhängig, zu der sich R. in Sichem einfand (1 Kön 12; 2 Chr 10, 1-19). Die Vertreter des NR forderten von R. die Lockerung einerseits der von Salomo verhängten Frondienste und andererseits der mit der salomonischen Provinzeinteilung zusammenhängenden Abgabepflichten (1 Kön 4f; 9, 15-23; 11,28). R. beriet sich mit dem eilends einberufenen Kronrat, der sowohl aus alten als auch aus jungen Mitgliedern zusammengesetzt war. Obwohl die älteren Mitglieder zum Eingehen auf die Forderungen mahnten, folgte R. der jungen Beratergeneration (1 Kön 12, 10-14), die an einer Autoritäts- und Prestigesicherung interessiert war. Aufgrund der Ablehnung sah sich das NR zur Verweigerung der Gefolgschaft und Königsakklamation gezwungen. Mit den Worten des Benjaminiten Scheba ben Bichri, mit denen er einen erfolglosen Aufstand gegen David eingeleitet hatte (2 Sam 20, 1), riefen sie die Unabhängigkeit von der davidischen Dynastie aus (1 Kön 12, 16; 2 Chr 10, 16). Endgültig zerbrach die Personalunion, als der Frondienstminister Adoniram, der von R. als Unterhändler mit einem letzten Verhandlungsangebot zu den Vertretern des NR geschickt worden war, von diesen gesteinigt wurde (1 Kön 12, 18). Kurz darauf wurde der aus dem Exil zurückgekehrte Jerobeam von der Stämmeversammlung zum König über Israel, wie das NR im folgenden genannt wird, gekrönt. Die Geschichtsschreiber sahen in R.s verhängnisvollen politischem Fehlurteil, mit dem er seinen jüngeren Beratern folgte, Jahwes Fügung (1 Kön 12, 15; vgl. 1 Kön 11, 29-31). Mit dem Ratschlag des Propheten Schemaja an R., von einem Vergeltungsfeldzug gegen Israel abzusehen (1 Kön 12, 21-24; 2 Chr 11, 1-4), versuchen sie, R.s offenbar fehlende Initiative zur Rückgewinnung des NR zu erklären. R.s Herrschaftsgebiet erstreckte sich nur noch über das Gebiet von Juda und Benjamin. Die gesamte Regierungszeit R.s scheint von kriegerischen Streitigkeiten mit Jerobeam und Israel bestimmt worden zu sein (1 Kön 12, 21-24; 14, 30; 15, 6; 2 Chr 12, 15). Hierbei scheint es sich offenbar sowohl um Grenzscharmützel hinsichtlich des Gebietes Benjamin als auch um die Verbesserung der besonders gefährdeten Lage der Hauptstadt Jerusalem gehandelt zu haben. Nach 2 Chr 11, 5-12, sicherte R. das judäische Kerngebiet mit 15 Festungen: Bethlehem, Etam, Thekoa, Bethsur, Hebron, Ziph, Adoraim, Marescha, Lachisch, Adullam, Socho, Aseka, Gath, Zorea und Ajalon. In diesen Festungsgürtel wurde die Küstenebene und die Bucht von Beerseba nicht eingeschlossen. Umstritten ist, ob diese Festungen die der »levitischen Städte« (Jos 21; 1 Chr 6) ergänzen sollten und ob sie in R.s Regierungszeit oder aber erst in die 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts zu datieren sind. Allerdings unterstützt dieser Festungsgürtel die verkehrsgeographisch abgelegene Situation des SRs, die den theologischen Konservatismus Judas und die davidische Monarchie förderten. R. scheint auch nicht besonders von dem Feldzug Pharao Schoschenk I. nach Palästina im fünften Regierungsjahr R.s betroffen worden zu sein (1 Kön 14, 25-28; 2 Chr 12, 2-13), dessen Gründe unbekannt sind. Jedoch darf angenommen werden, daß mit dieser Machtdemonstration die alte ägyptische Hegemonie über Palästina wiederbelebt werden sollte. Den Texten zufolge konnte R. sich und sein Herrschaftgebiet durch den Jerusalemer Tempel- und Palastschatz freikaufen. Die Siegesliste Schoschenks am sog. Bubistan-Portal des Amun-Tempels in Theben-Karnak erwähnt keine judäischen, dafür aber israelitische Orte, die erobert wurden. - Der chronistische Bericht versucht den Feldzug Schoschenks gegen R. damit zu erklären, daß sowohl R. als auch sein Volk vom Gesetz Jahwes abgewichen seien (2 Chr 12, 1). Allerdings findet sich der einzige Bezug R.s zu religiösen Fragen im ChrG nur im Zusammenhang mit Leviten, denen er auf dem Hintergrund israelitischer Religionspolitik unter Jerobeam die Einhaltung des Kultgesetzes ermöglichte (2 Chr 11, 13-17). Sie verhielten sich als ehemalige Verwaltungs- und Kultbeamten unter David und Salomo gegenüber R. loyal. Dagegen verurteilt das DtrG Juda des kultischen Abfalls von Jahwe, indem während der Regentschaft R.s Höhen, Steinmale und Ascherabilder errichtet und Tempelprostitution betrieben wurde (1 Kön 14, 22-24). Dieses Urteil entspricht dtr Theologie und Stil in seiner Beurteilung der Könige. Während 1 Kön keine Angaben zur Familiensituation R.s gibt, hatte R. nach Darstellung von 2 Chr 11, 18-21 in Anlehnung an David 18 Frauen, von denen aber nur Mahalat und Maacha namentlich genannt werden, und 60 Nebenfrauen. Er war Vater von 28 Söhnen und 60 Töchtern. Mit Ausnahme des Harems von Salomo übertrifft R. mit diesen Zahlen alle übrigen Mitglieder der davidischen Dynastie. Gleichzeitig verweist ChrG in diesem Zusammenhang auf die mit den vielen Frauen verbundenen Gefahren des Synkretismus und der Fremdgötterkulte (2 Chr 11, 23 - 12, 1). Aus den Thronwirren nach dem Tod Salomos schien R. gelernt zu haben. Er bestimmte Abija, den Sohn seiner Lieblingsfrau Maacha, offenbar schon früh zum Thronnachfolger. - Im Gegensatz zu Jerobeam, der vom DtrG allein für das Scheitern der Personalunion verantwortlich gemacht wird, zeichnen sowohl DtrG als auch ChrG ein positiveres Bild von R. Aber auch seine Regentschaft ist von dem traditionell spannungsgeladenen Verhältnis zwischen NR und SR bestimmt. Sein politisches wie religiöses Verhalten bewerten die Redaktoren auf dem Hintergrund ihrer idealisierten Vorstellungen im Bezug auf das davidische Königtum und den Jerusalemer Tempel, die zur Zeit R.s selbst wohl nicht die Bedeutung gehabt hatten wie zur Zeit des DtrG und des ChrG. R. erscheint in der Genealogie Jesu in Mt 1, 7. In der Aggada dankt David Gott, daß er Mischehen mit Ammoniterinnen und Moabiterinnen zugelassen hat. Beispielhaft werden David selbst als Nachkomme der Moabiterin Ruth und R. als Sohn der Ammoniterin Naama genannt (Yev. 77a). Am Beispiel von R.s politischem Fehler betont Hor 10a-b, daß der König nicht Herrscher über sondern Diener an seinem Volk ist. In der Kunst wird R. in vielfältiger Weise dargestellt. Neben Szenen aus seinem Leben ist er sowohl als Beispiel eines ungerechten Herrschers als auch als Bußfertiger vor Christus überliefert.
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