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Band VIII (1994)Spalten 19-21 Autor: Hans Hubert Anton

REMIGIUS von Reims, Bischof, Heiliger (Fest 1. Oktober bzw. 13./15. Januar), * um 436, † 13./15. Januar wohl eines Jahres um 525. R. entstammte einer Familie, die die Reimser Tradition in Laon lokalisierte, die vielleicht aber in der unmittelbaren Nähe von Reims beheimatet war. Die Familie gehörte wohl zu der sozial führenden Schicht der gallischen Senatorenaristokratie und war begütert. Der Name der Mutter war Caelinia, ein Bruder trug den Namen Principius und war wohl Bischof von Soissons. Die wenigen Zeugnisse zu R., vier von ihm erhaltene Briefe, sein entgegen früherem Fälschungsverdikt (Krusch) echtes Testament, ein Kelchepigramm sowie die knappen Reflexe in seiner frühen Vita und in der Korrespondenz des Sidonius Apollinaris, in den Historien des Gregor von Tours und in der Hagiographie, vermitteln bei aller Spärlichkeit ein geschlossenes und aussagekräftiges Ensemble. Viele Informationen der Reimser Tradition, die vor allem Hinkmar von Reims in seiner 877/78 geschriebenen erweiterten Lebensbeschreibung bietet, bezeugen Erweiterung und Verbreitung des Kultes und der Legenden von und um R., deren Anfänge schon die bald nach seinem Tod entstandene erste Biographie erkennen läßt. - R. war bei Antritt seines Amtes erst 22 Jahre, es fiel in die Schlußphase der römischen Herrschaft in Gallien. Den salfränkischen König Chlodwig beglückwünschte er zu seinem Herrschaftsantritt (481/82) und suchte ihn dabei für eine Zusammenarbeit mit den Bischöfen und eine an antikem Ethos ausgerichtete Amtsführung zu gewinnen. Das herausragende Ereignis von R's Episkopat war die Taufe Chlodwigs Weihnachten 498 oder 499. Bei Gregor von Tours (Hist. II,31), der zu dem Vorgang wohl verschiedene Traditionen zusammenführt, wird R. beherrschender Anteil am Konversionsentschluß des Königs zugeschrieben und wird er in Analogie zu dem mit Konstantin verglichenen Chlodwig neben Papst Silvester gestellt. In einem Trostbrief an den König beim Tod einer Schwester und einer brieflichen Kontroverse mit bischöflichen Amtsbrüdern erscheint R. in der Rolle dessen, der ein mit christlichen und spätantiken Werten gespeistes Königsideal ausführt, die Kirchenherrschaft des Königs legitimiert und gleichsam als Wortführer einer christlichen Herrscherideologie Chlodwig als Verteidiger des Glaubens und Heidenbesieger feiert. In einem Konflikt mit dem Bischof von Tongern/Maastricht verteidigte er die territoriale Integrität des Reimser Sprengels. Mit Ordinationen und Einrichtung von Suffraganbistümern im fränkischen Landnahmeraum (Arras; Tournai) steckte er Ziele ab, ohne schon bleibenden Erfolg zu haben. R. wurde nach seinem Tod in einer Kirche seiner Stadt beigesetzt, die bald Zentrum seines Kultes werden sollte. Früh ist sein Kult über Reims hinaus verbreitet worden und in Metz, Toul und Trier nachzuweisen. Dies und weitere Indizien haben zu seiner weitgreifenden Charakterisierung als »Patron ... Austrasiens« (Schäferdiek) geführt. R's Reliquien wurden 1049 in die ehemalige Abtei St.-Remi übertragen, später in die Kathedrale von Reims. Sein Patrozinium und Kult ist in Frankreich und Deutschland, auch in Italien, verbreitet. In Köln wird am 1. Oktober die R.-Messe gefeiert, der Monat Oktober trägt den Namen R.-Monat.

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Werke: Epistolae: Wilhelm Gundlach MG Epistolae III (Merovingici et Karolini aevi I), 1892 (Ndr. 1957), 112-116; H.M. Rochais, CChr Series Latina CXVII, 1957, 407-413; Testamentum: Bruno Krusch, MG SS rer. Merov. III, 1896 (Ndr. 1977), 336-340 und 341-347; CChr Series Latina CXVII, 473-487; Vitae, Translationes, Miracula: AS Oct. I, 1765, 39-187; Bruno Krusch, MG AA IV,2, 1885 (Ndr. 1961), 64-67; Bruno Krusch, MG SS rer. Merov. III, 1896 (Ndr. 1977), 239-349.

Lit.: Bruno Krusch, Reimser R.-Fälschungen, In: NA 20, 1895, 509-568; - Karl Friedrich Stroheker, Der senatorische Adel im spätantiken Gallien, 1948 (Ndr. 1970), (107; 207); - A.H.M. Jones/ P. Grierson/ J.A. Crook, The authenticity of the »Testamentum S. Remigii«, In: Revue Belge de philologie et d'histoire 35,1, 1957, 356-376; - A. Paillard-Prache, St. Remi de Reims. Eglise de pèlerinage, In: Mémoires de la Soc. d'agriculture, commerce, sciences et arts du département de la Marne 76, 1959, 61-87; - Ulrich Nonn, Merowingische Testamente, In: Archiv für Diplomatik 18, 1972, 1-129; - Georges Boussinesq/ Gustave Laurent, Histoire de Reims depuis les origines jusqu'à nos jours I, 19802, (138-156); - Knut Schäferdiek, R.v.R. Kirchenmann einer Umbruchszeit, In: ZKG 4, 1983, 256-278; - G. Sperduti, Il papa frusinate Ormisda e R.d.R., In: Lazio 22, 1986, 202 f.; - LThK VIII, 1226 f.; - BS XI, 104 ff.

Hans Hubert Anton

Literaturergänzung:

1983

Francois Dolbeau, Trois sources patriciennes de la Vie de S. Remi par Hincmar, in: AnBoll 101.1983, S. 300; -

1987

Francois Dolbeau, Emprunts d'Hincmar à Grégoire le Grand dans la vie de S. Remi, in: Dass. 105.1987, S. 64; -

1990

Emilio Panella, Nuova cronologia remigiana, in: AFP 60.1990, S. 145-311; -

2006

Hl. R.v.R. († 533), in: Dirspir 2006, Januar, S. 21-23; - Nikolaus Staubach, Regia sceptra sacrans. Erzbischof Hinkmar von Reims, der heilige Remigius u.d, 'Sainte Ampoule', in: FMSt 40.2006, S. 79-101.

Letzte Änderung: 09.04.2011