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Band VIII (1994)Spalten 134-136 Autor: Karl Dienst

RHEINBERGER, Joseph Gabriel (seit 1894: von), Dr. phil. h.c. (München 1899), dt. Komponist und Musikpädagoge, * 17.3. 1839 in Vaduz, Sohn des fürstl. Liechtensteinischen Rentmeisters Johann Peter R. und seiner (2.) Ehefrau Elisabeth. 8 Geschwister. 1867 heiratete R. die Dichterin Franziska von Hoffnass, geb. Jägerhuber (1832-1892). R. starb am 25.11. 1901 in München. - Bereits mit 4 Jahren erhielt R. von Sebastian Pöhli (Vaduz) Musikunterricht; mit 7 Jahren war er dort Organist. Seit 1848 von Philipp Schmutzer (Feldkirch) in Harmonielehre, Klavier- und Orgelspiel unterrichtet und mit Bach, Mozart und Beethoven bekanntgemacht, siedelte R. 1851 in seine Wahlheimat München über und besuchte dort bis 1854 die von F. Hauser geleitete Musikschule (Orgel bei Johann Georg Herzog, Kontrapunkt bei Julius Joseph Maier); privat bildete er sich bei Franz Lachner weiter. Mit Stundengeben und Organistentätigkeit an Münchner Kirchen (1853 St. Ludwig; 1857 St. Cajetan; 1863/67 Hofkirche St. Michael) verdiente er seinen Lebensunterhalt. Zwischen 1853 und 1859 komponierte er 124 Jugendwerke; allerdings bezeichnete er später als op. 1 die 1859 bei Peters erschienenen Klavierstücke. 1859 wurde R. Klavier- und dann Theorie-Lehrer an der von ihm besuchten Musikschule; 1864-1877 war er Leiter des Münchner Oratorienvereins, 1865-67 Solorepetitor an der Hofoper. Seit 1867 lehrte er bis zu seinem Tode als Professor für Orgel und Kontrapunkt an der inzwischen durch Richard Wagner und Hans von Bülow erneuerten, nunmehr Königlichen Musikschule. 1877 wurde er zum Hofkapellmeister ernannt und leitete als Nachfolger Franz Wüllners die Königliche Vokalkapelle. 1884 wurde R. Mitglied der Berliner Akademie, 1894 Geheimer Rat. - R.s musikalischer Nachlaß befindet sich in der Bayr. Staatsbibliothek München. Das Fürstentum Liechtenstein hat in Vaduz ein R.-Archiv eingerichtet. - Trotz seines umfangreichen kompositorischen Schaffens liegt die Bedeutung von R. vor allem in seinem Wirken als Musikpädagoge, als meisterlicher Kontrapunktlehrer. Als Komponist ist er der Tradition der Klassik und Frühromantik verbunden; Beethoven, Schubert, gelegentlich Mendelssohn und J. S. Bach sind für ihn Vorbilder. Richard Wagners musikalische Sprache lehnte er, wie die Hochromantik, ab. Für H. J. Moser war R.s Schaffen ein wichtiger Beitrag zur »Münchner Nachromantik zwischen Franz Lachner und dem jungen Richard Strauss«. A. Sandberger nannte ihn einen »Meister der Architektonik, ein Künstler des Plans«. Sein ureigenstes Gebiet war die Orgel-Sonate (20). Zu seinen Meisterschülern zählen Engelbert Humperdinck, Ludwig Thuille und Ermanno Wolf-Ferrari.

Werke: Ein Werkverzeichnis findet sich bei Th. Kroyer, J. R., 1916; eine Auswahl bei Anton Würz, in: MGG XI, 377-381; - Orgelwerke, hrsg. von Martin Weyer, 2 Bde., 1965/66. - Instrumentalmusik: Orchesterwerke und Konzerte: Wallenstein op. 10, sinf. Tongemälde (1867); Florentiner Symphonie F-Dur, op. 87 (1876); Ouvertüren zu Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung (op. 18) und Schillers Demetrius (op. 110); Akademische Festouvertüre (op. 195) (1900). Orgelwerke: Orgelsonate Nr. 3 in G-Dur (Pastoralsonate), op. 88; Nr. 11 in d-Moll, op. 148; Nr. 20 in F-Dur (»Zur Friedensfeier«), op. 196. Klavierwerke: Klavierkonzert op. 94 (1874). Vokalmusik: Bühnenwerke: Opern: Die sieben Raben, op. 20 (1869); Türmers Töchterlein, op. 70 (1873). Singspiel: Der arme Heinrich, op. 153 (1888). Oratorium: Der Stern von Bethlehem, op. 164 (1890). Ferner 18 Messen, 4 Requiem, 4 Stabat mater, 2 Vespern, 5 geistliche Oratorien, 36 Motetten, 25 geistliche Lieder.

Lit.: Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog 6, 1904, 409-413; - Th. Kroyer, J. R., 1916; - J. R. Gedenkschrift zu seinem 100. Geburtstag, hrsg. von H. W. Kaufmann, in: Jahrbuch des hist. Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 40, Vaduz 1940, 103-275; - Alfred Baumgartner, Musik der Romantik, 1983, 594 f.; - LThK2 VIII, 1274; - MGG XI, 377-381; - Das Große Lexikon der Musik, hrsg. von Marc Honegger und Günther Massenkeil, VII, 1987, 76.

Karl Dienst

Literaturergänzung:

2006

Michael Johann Aschauer, Einheit durch Vielfalt? D. Klavierkammermusikwerk ausgew. "Konservativer" um Johannes Brahms. Frankfurt a.M. 2006; -

2007

Harald Wanger, J.G.R. [Triesen] 2007; - Paul-Gerhard Nohl, Das Libretto zu J.G.R.s "Stern von Bethlehem", verfasst von Fanny von Hoffnaaß. Kommentierung d. Textes aus theol. Sicht. Stuttgart 2007.

Letzte Änderung: 19.08.2008