Verlag Traugott Bautz |
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
RINGEISEN, Dominikus, kath. Priester, * 6. Dez. 1835 in Unterfinningen (Kreis Dillingen) als Sohn eines Kleinbauern, † 4. Mai 1904, in Ursberg, zwischen Krumbach und Thannhausen gelegen, im Alter von 69 Jahren. - Nach der Priesterweihe 1864 war er zunächst 7 Jahre Kaplan in Frankenried bei Kaufbeuren, dann 11 Jahre Benefiziat in Obergünzburg bei Kaufbeuren. Dort sammelte er für den Neubau eines Krankenhauses 200 000 Mark. 1882 wurde er als Beichtvater und Religionslehrer ins Franziskanerinnenkloster nach Kaufbeuren versetzt. Die Spende der 46 Jahre alten Bauerntochter Monika Seemüller aus Schlingen nahe Wörishofen veranlaßte ihn, am 24. Februar 1884 das säkularisierte Kloster Ursberg zu kaufen. Nach vielen Verhandlungen mit staatlichen Stellen erhielt Ringeisen bereits am 24.8. 1884 die Genehmigung zur Begründung der Ursberger Anstalten, die bald die führende Pflegestätte für Geistesschwache, Taubstumme, Blinde und Körperbehinderte waren. Mit ungewöhnlicher Menschenliebe, eisernem Willen, tiefgründigem Gottesvertrauen und vor allem großem finanzpolitisch-organisatorischem Geschick führte er sein Werk fort und weitete es durch Zukäufe aus. So erwarb er 1885 das ehemalige Priesterseminar in Pfaffenhausen zur Einrichtung einer Blindenanstalt, 1897 den Klosterbesitz der ehemaligen Zisterzienserabtei Bildhausen in Unterfranken, um Strafentlassene unterzubringen. Heute ist es Ursbergs größte Filiale mit einem Heim für behinderte Männer und Frauen. 1901 kaufte er in Grönenbach bei Memmingen das dortige Schloß für eine Lernbehindertenschule. Diese wurde nach 50 Jahren aufgelöst und in ein Heim für behinderte Frauen mit notwendigen Werkstätten umgewandelt. 1891 war schon das Heilbad Krumbach erworben worden und 1895 Percha am Starnberger See. 1897 erstand Ringeisen in Karlshuld eine Spankorbfabrik, um Familien seßhaft zu machen. 1920 wurde dieses Unternehmen wieder aufgegeben. Nach seinem Tod kamen noch das Kloster Holzen mit Alten- und Pflegeheim sowie Breitenbrunn dazu. 1888 übernahm Ringeisen die Pfarrei Ursberg. Am 19. März 1897 konnte mit der Aufnahme von 155 jungen Schwestern die Gründung der St. Josefskongregation gefeiert werden. Mit ihrer Hilfe wollte er durch liebevolle Pflege, Erziehung, Unterricht und Arbeitstherapie seine Schützlinge »gut und glücklich« machen (M. Sailer). Am 4. Mai 1904 vollendete der ganze Christ und ganze Gottesmann in glaubenskräftiger Güte sein Leben.
Karl Mühlek
Literaturergänzung:
1998
Thoma, Reinhard: Religiöse Erziehung in den Anstalten für Geistesschwache, Frankfurt a. Main/ Berlin u.a. 1998 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 33, Bd. 19); -
2006
M. Katharina Wildenauer, Ich wäre nie so weit gekommen, wenn ich nicht so oft gehindert worden wäre, in: Glauben leben 2006, S. 132-134; - Andreas Magg, Hilfreich führen u. leiten - d. Führungscharisma von D.R., in: Wer hilft, wird ein anderer. Barbara Haslbeck, Jörn Günther (Hg.). Münster 2006, S. 221-229; -
2008
Andreas Magg, D.R. Heilsam leben u. wirken aus d. Quellen innerer Kraft. Salutogenet. Biografieforschung am Beisp. e. Seelsorgers u. Caritasgründers. Augsburg 2008.
Letzte Änderung: 09.04.2011