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Band XXV (2005) Spalten 1183-1185 Autor: Matthias Wolfes

ROHLEDER, Paul, evang. Theologe und religiöser Schrifsteller, * 11. April 1906 in Haßfelden (Württemberg), † 1. September 1982 in Neubulach (Schwarzwald). - R. wuchs als Sohn des dortigen Pfarrers in Haßfelden bei Schwäbisch Hall auf. Seit 1917 besuchte er das Eberhard-Ludwig-Gymnasium in Stuttgart. 1920 absolvierte er das sogenannte Landexamen, die Aufnahmeprüfung für die niederen theologischen Seminare Württembergs. Von 1920 bis 1924 war er Seminarist in Schöntal und Urach, bevor er, nach Ablegung der Reifeprüfung, in das Evangelische Stift in Tübingen aufgenommen wurde und mit dem Studium der Theologie begann. Er tat dies als "Werkstudent", das heißt mit längerwährenden Arbeitseinsätzen in Landwirtschaft oder Industrie. In einer autobiographischen Niederschrift heißt es hierzu: "Die Verwirklichung irgend eines Arbeitsdienstes, von dem in jener Zeit umsonst viel geredet wurde, war mein höchster Wunsch. Ich trug in mir ein kräftiges Bedürfnis, nicht nur auf den geraden, fest umschränkten Berufswegen zu gehen, sondern in möglichst vielseitiger, eigener Erfahrung das menschliche Leben und Zusammenleben mit seinen mannigfachen Wirklichkeiten und Gedanken kennenzulernen. Aus diesem Grund verschrieb ich mich dem Werkstudententum, ohne daß ich aus finanziellen Gründen dazu gezwungen war." Im Sommer 1924 arbeitete R. während der Semesterferien als Landarbeiter im pommerschen Wilhelmsburg, ein Jahr später in einem württembergischen Textilunternehmen. Im Wintersemester 1925/26 setzte R. das Studium in Erlangen fort, insbesondere bei Paul Althaus, und im Sommersemester 1926 an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Auch beteiligte er sich an den Untersuchungen der "Sozialen Arbeitsgemeinschaft" unter der Leitung von Friedrich Siegmund-Schultze. Zum Wintersemester 1926/27 kehrte er nach Tübingen zurück, wo er im Frühjahr 1928 die erste Theologische Dienstprüfung ablegte. Er trat in den württembergischen Kirchendienst ein und versah zunächst während einiger Jahre unterschiedliche Aufgaben. Nach Ablegung der zweiten Dienstprüfung übernahm er 1932 die Pfarrstelle der Gemeinde Obersontheim. Bereits in dieser Zeit trat R. mit ersten Gedichtpublikationen hervor. 1935 erschien eine kleine Sammlung neuer Tischgebete in Versform. Von 1936 bis 1955 amtierte er als Pfarrer der Schwarzwaldgemeinde Neubulach. Eine eigene Gedichtsammlung gab R. 1951 unter dem Titel "Fröhlich unterwegs. Kleine Lieder von der großen Wanderschaft des Lebens" (Stuttgart 1951) heraus. 1955 wurde er auf die erste Pfarr- und Dekansstelle in der ehemaligen fürstlichen Residenzstadt Langenburg (Hohenlohe) berufen. Aufgrund eines Augenleidens mußte er nach sechsjähriger Tätigkeit um die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand nachsuchen und das Pfarramt aufgeben. Noch im Jahr 1961 wurde ihm die Leitung das Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg bei Sulz am Neckar übertragen. Der Evangelischen Michaelsbruderschaft, die mit dem Berneuchener Haus eng verbunden war, gehörte R. seit 1939 an. Da sich jene Erkrankung nicht in der zunächst befürchteten Intensität bemerkbar machte, konnte er - anfänglich noch unterstützt von seinem Vorgänger Oskar Planck (1888-1970) - bis 1972 in Kloster Kirchberg eine umfangreiche und vielseitige Wirksamkeit entfalten. Als Prediger, Liturg, Meditationsleiter, Seelsorger, Organisator und Gesprächspartner machte er sich um das spirituelle und religiöse Leben der Studien- und Tagungsstätte in hohem Maße verdient. Eine große Rolle spielte dabei die Fastenthematik. Ihr widmete er nicht nur mehrere Schriften (vgl. u.a.: Beten und fasten, Sulz / Neckar 1981), sondern er begründete auch die seither fest etablierten Fastenwochen in Kloster Kirchberg (vgl.: Zehn Jahre Fastenübung, in: Quatember. Vierteljahreshefte für Erneuerung und Einheit der Kirche 36 (1972), 99-101).

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Veröffentlichungen: Zwölf neue Tischgebete für das deutsche Haus, o.O. o.J. [1935]; Predigt beim Heimkehrergottesdienst in Neubulach. Sonderdruck, Calw o.J. [circa 1950]; Fröhlich unterwegs. Kleine Lieder von der großen Wanderschaft des Lebens, Stuttgart 1951; Walter Rein / Paul Rohleder: Es schläft in allem Ding ein Klang. Partitur für vierstimmigen Männerchor, Mainz o.J. [ca. 1951]; Kirchberg - Erfahrung und Erwartung, in: Quatember. Vierteljahreshefte für Erneuerung und Einheit der Kirche. Herausgegeben von der Evangelischen Michaelsbruderschaft und dem Berneuchener Dienst 26 (1961/62), 124-126; Das Vesperbild in Kloster Kirchberg, in: Quatember 32 (1967/68), 1; Thomas von Aquin, in: Quatember 32 (1967/68), 97; Das Kirchberger Tympanon, in: Quatember 32 (1967/68), 160; I will nix gsoch howa. Heitere Betrachtungen aus Hohenlohe. Fünfte Auflage, Gerabronn 1972 [die früheren Auflagen erschienen undatiert im Selbstverlag des Autors]; Von der spontanen zur methodischen Meditation, in: Quatember 36 (1972), 35-36; Zehn Jahre Fastenübung, in: Quatember 36 (1972), 99-101; Beten und fasten (Kirchberger Hefte Nr. 3), Sulz / Neckar 1981; Von der Naturmeditation zur Christusmeditation, in: Gedenken an Paul Rohleder. Herausgegeben von Hans Nickles (Kirchberger Hefte. Nr. 8), Pfullingen o.J.; Das Gebet als Waffe im Michaeliskampf, in: Gedenken an Paul Rohleder. Herausgegeben von Hans Nickles (Kirchberger Hefte. Nr. 8), Pfullingen o.J.; Das Kranzgebet. Eine Anleitung zu biblischer Gebetsandacht für den Einzelnen und die Gemeinschaft, o.O. o.J.

Lit.: Reinhard Mumm: An der Kirche bauen. Evangelische Michaelsbruderschaft, Berneuchener Dienst, Kloster Kirchberg. Vierte Auflage (Kirchberger Hefte. Nr. 2), Sulz am Neckar 1979; - Der Berneuchener Dienst. Auftrag und Weg - Zum 50jährigen Bestehen des Berneuchener Dienstes. Herausgegeben von Hans Nickles, Stuttgart 1982 [Nachdruck: Stuttgart 2001]; - Der Friede ist unter uns, darum: gehalten in Ängsten. Tagung zum 25jährigen Bestehen des Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg. Herausgegeben von Konrad Weymann (Kirchberger Hefte. Nr. 5), Sulz / Neckar o.J. [1983]; - Gedenken an Paul Rohleder. Herausgegeben von Hans Nickles (Kirchberger Hefte. Nr. 8), Pfullingen o.J. (hier finden sich auch Passagen aus autobiographischen Aufzeichnungen Rohleders, aus denen oben im Text zitiert wird).

Matthias Wolfes

Letzte Änderung: 09.04.2011