Verlag Traugott Bautz |
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RUDOLF von Fulda, Geschichtsschreiber und Theologe, * vor 800, † 8.3. 865 in Fulda. Seit 812 in der Kanzlei des Klosters Fulda tätig, betreute R. die geographisch geordnete Sammlung der Klosterurkunden; auch fälschte er mehrere Urkunden zur rechtlichen Sicherung der Abtei. 822 wurde er Subdiakon, 827 zum Priester geweiht. Wohl schon 822 folgte der "Magister Fuldensis" seinem zum Abt gewählten Lehrer Hrabanus Maurus als Leiter der Klosterschule. Das hohe Ansehen R.s als Lehrer und Gelehrter bezeugen die Widmumgen seiner Schüler Erkanbert von Fulda und Ermenrich von Ellwangen sowie der vermutlich von Meginhard von Fulda stammende Eintrag in die Annales Fuldenses anläßlich des Todes R.s. Ob dieser die (vielleicht von Einhard begonnene) Chronik - die Fortsetzung der Fränkischen Reichsannalen im Ostteil des Reichs - von 838-863 selbst fortschrieb oder leitete, ist umstritten, aber keinesfalls auszuschließen. Um 836 verfaßte R., der auch ein enger Vertrauter König Ludwigs des Frommen gewesen sein dürfte, die Lebensbeschreibung der Hl. Lioba von Tauberbischofsheim († 780). Die zwischen 842 und 847 entstandenen "Miracula sanctorum ecclesias Fuldensium translatorum" R.s schildern Reliquienerwerbungen des Abtes Hrabanus Maurus, bei denen er selber mitwirkte, verbunden mit Wunderberichten; sie enden mit einer Zusammenstellung der Werke Hrabans. Nachdem dieser 847 Erzbischof von Mainz geworden war, folgte ihm R. dorthin, kehrte aber später wieder nach Fulda zurück. Die "Translatio Alexandri", an der er von 863 bis zu seinem Tode schrieb (vollendet von Meginhard), schildert die Überführung der Gebeine des römischen Märtyrers Alexander durch Waltbert, einen Enkel des von Karl d. Gr. unterworfenen Sachsenfürsten Widukind, im Jahre 851 von Rom nach Wildeshausen im Oldenburger Land; sie kann, da sie in starker Anlehnung an die "Germania" des Tacitus mit einer Stammesgeschichte der Sachsen beginnt, als ältestes niedersächsisches Geschichtsdenkmal gelten. R. verfaßte ferner einen (verlorenen) Johanneskommentar und trat offenbar auch als Maler und Dichter in Erscheinung.
Lit.: F. Kurze, Über die Annales Fuldenses, in: NA 17 (1892), 53-158; - S. Hellmann, Die Entstehung und Überlieferung der Annales Fuldenses, in: NA 33 (1908), 697-742 (I), NA 34 (1909), 17-66 (II); - Ders., Einhard, Rudolf, Meginhard. Ein Beitrag zur Frage der Annales Fuldenses, in: HJb 34 (1913), 40-64; - E.E. Stengel, Die Urkunden-Fälschungen des Rudolf von Fulda (Fuldensia I) in: AUF 5 (1914), 41-152, auch in: ders., Abhandlungen und Untersuchungen zur Hessischen Geschichte, Marburg 1960, 27-146; - Ders., Über die karolingischen Cartulare des Klosters Fulda (Fuldensia II), in: Ders., Abhandlungen und Untersuchungen zur Hessischen Geschichte, Marburg 1960, 147-193; - Ders. (Hrsg.), Urkundenbuch des Klosters Fulda, Bd. I, 1, Marburg 21956, Bd. I, 2, Marburg 1954, passim; - W. Finsterwalder, Beiträge zu Rudolf von Fulda (Diss.), Königsberg 1922; - K. Lübeck, Die Reliquienerwerbungen des Abtes Rabanus Maurus, in: ders., Fuldaer Studien, Bd. II, Fulda 1950, 113-132; - H. Tüchle, Ältere Überlieferung in der Translatio Alexandri?, StMBO 79 (1968), 23-25; - D. Appleby, Rudolf, Hrabanus and the Ark of the Covenant reliquary, in: ABR 46 (1995), 419-443; - W. Berschin, Biographen im karolingischen Fulda, in: G. Schrimpf (Hrsg.), Kloster Fulda in der Welt der Karolinger und Ottonen, Frankfurt a.M. 1996, 315-324; - J. Raaijmakers, Een sacraal landschap: Rudolf van Fulda over Hrabanus' reliekentranslaties, in: Millenium 14 (2000), 5-21; - I. Wood, The Missionary Life. Saints and the Evangelisation of Europe, 400-1050, Harlow 2001, 67-68; - Wattenbach I, 227f., 238-239; - Manitius I, 668-671; III, 324, 352; - Potthast I, 67; II, 1151, 1429, 1540; - Wattenbach-Levison VI, 678-682, 694-695, 709-713; - Hauck II, 372, 374, 632, 678-679; - VerfLex2 VIII, 351-356; - Brunhölzl, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, Bd. I, München 1975, 343-345, 557; - LMA VII, 1085; - CathEnc XIII, 218; - LThK2 IX, 86-87; - LThK3 VIII, 1343-1344.
Bernd Goebel
1991
Walter Berschin, Biographie u. Epochenstil im lat. Mittelalter. Bd. 3. Stuttgart 1991, S. 258-264; -
2004
Michael M. Gorman, From the classroom at Fulda under Hrabanus. The commentary on the Gospel of John prepared by Ercanbertus for his "Praeceptor" Ruodulfus, in: Augustinianum 44.2004, S. 471-502; -
2009
Petrus W. Tax, Der Kommentar des "Erkanbert" zum Johannes-Evangelium. Ein Beitr. zur Verfasserschaft, Quellenfrage u. Textkritik, in: SE 48.2009, S. 169-190.
Letzte Änderung: 09.04.2011