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Band VIII (1994)Spalten 936-938 Autor: Michael Breydy

RÜCKER, Adolf, neben A. Baumstark die zweite Stütze der christlichen Orientalistik im Deutschland dieses Jahrhunderts, * 16. Mai 1880 in Lichtenwalde (Schlesien), + 13. November 1948 in Münster/Westfalen. - Nach dem II. Weltkrieg besetzte R. den einzigen in Deutschland bestehenden ordentlichen Lehrstuhl für die Kunde des christlichen Orients. - Seinen Gymnasialstudien folgte das philosophisch-theologische Studium an der Universität Breslau und dort, nach seiner Priesterweihe (1906), die Stelle eines Repetenten. In der folgenden Zeit widmete er sich dem Studium der orientalischen Sprachen, besonders dem Syrischen. 1908 promovierte er über »Die Canones des Simeon von Rewadeshir«. Zwei Jahre später erschien seine neue Übersetzung der »Nisibenischen Hymnen des hl. Ephraem«, eine Neubearbeitung für die 2. Auflage der Kösler Ausgabe der Kirchenväter (1910). Seine Orientkenntnisse vertiefte er während mehrerer Reisen im Nahen Osten, zunächst als Stipendiat der Deutschen Görresgesellschaft (1913-1914) in ihrem Jerusalemer Institut. Von dort begab er sich in die syrisch-sprechenden Regionen von Syrien, Libanon und Irak, um sich mit den verschiedensten Handschriftensammlungen der jeweiligen Bibliotheken der dortigen Klöster vertraut zu machen. - Hin und wieder erwarb er einige seltene Exemplare, die im damaligen Europa unbekannt waren. - Nach dem ersten Weltkrieg erhielt er im Jahre 1923 den freigewordenen Lehrstuhl für die Kunde des christlichen Orients innerhalb der katholisch-philosophischen Fakultät der Universität zu Münster. Im Jahr 1926 trat er in die Redaktion der Zeitschrift ORIENS CHRISTIANUS ein und blieb dieser Reihe sein Leben lang eng verbunden. - Sein Hauptinteresse galt der Liturgie und Literatur der Syrischen Kirche, insbesondere der ostsyrischen (chaldäischen/nestorianischen), und zeitweilig auch der armenischen Kirche. - Seine entsagungsvolle Forscherarbeit führte ihn zu besonderer Sorgfalt bei der Suche nach Primärquellen um daraus direkte Texteditionen zu machen. So gilt z.B. seine Ausgabe der Jakobusanaphora in der syrischen Sprache heute als allgemeines Musterbeispiel (1933), gefolgt von der Ausgabe der Timotheus-Anaphora (1939). - Von seiner »gütigen, friedlichen Art, Konflikte zu lösen und Spannungen zwischen den Kollegen zu behandeln«, wird ebenso berichtet. - Meine Forschungen betreffend seiner wertvollen Fachbibliothek führten zu drei verschiedenen Institutionen, die, unabhängig voneinander, Teile dieser Bibliothek erworben haben: die Abtei Maria Laach, die Universitätsbibliothek zu Münster/Westf., und die Abtei St. Joseph in Gerleve zu Coesfeld. Dieser bedauerliche Zustand ist das Los vieler literarischen Nachläße von deutschen Gelehrten, sehr zum Schaden der erwünschten Kontinuität in der Forschung und der allgemeinen Kultur.

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Werke: Aus der Vielfalt seiner Publikationen möchten wir folgende Titel besonders hervorheben: Die Canones des Simeon von Rewardeshir, Breslauer Dissertation., Leipzig 1908; Die nisibenischen Hymnen des Hl. Ephräm, Im ersten Band der deutschen Übersetzung der Köseler Väterausgabe, 2. Auflage, 1910; Die Lukas-Homilien des hl. Cyrill von Alexandrien. Ein Beitrag zur Geschichte der Exegese. Breslauer theolog. Dissertation, Breslau 1922; Über das Gleichnis vom ungerechten Verwalter (Luk. 16, 1-12). Biblische Studien 17,5, Freiburg 1912 (Breslauer Habilitationsschrift); Die liturgische Poesie der Ostsyrer, in Dritte Vereinschrift der Görresgesellschaft, 1914, Köln 1914; Die Syrische Jakobsanaphora nach der Rezension des Jakobs von Edessa, in Liturgiegeschichtliche Quellen, Heft 4, Münster/W., 1923; Ritus Baptismi et Missae quem descripsit Theodorus Episcopus Mopsuestenus in sermonibus catecheticis e versione syriaca ab A. Mingana nuper reperta in linguam Latinam translatus. Opuscula et textus historiam ecclesiae eiusque vitam atque doctrinam illustrantia. Series liturgica fasc. 2. Münster/Westf. 1933; Des hl. Ephräms des Syrers Hymnen gegen die Irrlehrer. 2. Band der oben genannten KÖSELER Väterausgabe, 1928; Anaphora Syriaca Timothei Alexandrini, in Anaphorae Syriacae, 1, Romae 1939; Nachtrag zur Beschreibung der syrischen Handschriften des jakobitischen Markusklosters in Jerusalem, in Or. Christ., 1912, 120-136; Über einige nestorianische Liederhandschriften, vornehmlich der griechischen Patriarchatsbibliothek in Jerusalem, ebd. 9 (1930), 107-123; Über zwei syrische Anaphorensammlungen, ebda 10-11 (1923) 154-157; Denkmäler altarmenischer Messliturgie. 4. Die Anaphora des Patriarchen Kyrillos von Alexandrien, ebda. 3. Serie, 1 (1927) 149-157; Denkmäler altarmenischer Messliturgie: 5. Die Anaphora des heiligen Ignatius von Antiochien, ebda. 1930, 56-79; Das fünfte Buch der Rhetorik des Anton von Tagrit, ebda. 1934, 13-22; Aus der Geschichte der jakobitischen Kirche von Edessa in der Zeit der Kreuzfahrer, ebda 10 (1935) 125-139; Die wechselnden Gesangsstücke der ostsyrischen Messe, in Jahrbuch der Liturgiewissenschaft 1 (1921) 61-86; Der Ritus der feierlichen Kniebeugung am Pfingsten in den orientalischen Kirchen, in Festschrift für Abt Ildefons Hervegen: »Heilige Überlieferung«, Münster (1928) 193-211. Aus der Rückersfeder stammen auch eine Reihe von Artikel im Lexikon für Theologie und Kirche, und viele Besprechungen im Oriens Christianus, in der Theologischen Revue und in der Byzantinischen Zeitschrift, u.v.a. Eine Fortsetzung der syrischen Literaturgeschichte von Baumstark unternahm A. Rücker für die moderne Zeit, also von 1922 bis 1948. Die Publikation fand erst fünf Jahre nach seinem Tod statt, und zwar in Handbuch der Orientalistik, Band III, das B. Spuler herausgab in Leiden 1954, 162-204. Sie wird daher irrtümlicherweise dem Herausgeber zugeschrieben (s. O. de Urbina in Orient, Christ. Period. 27- 1961 - 425 ff.), nicht dem mitwirkenden Autor. Diese letzte Frucht der wissenschaftlichen Arbeit Rücker's gilt als Testament zugunsten der syrischen Gemeinschaften, die er so geliebt hatte.

Lit.: Nachruf in Ephemerides Liturgicae (Engberding) 73, 1949, 312-316; - Nachruf in ZDMG (F. Taeschner) 1950, 159; - Nachruf in Oriens Christianus (Graf) Or. Chr., 1953, 3 ff.; - Hubertus Kaufhold, in Einleitung zum Gesamtregister des Or. Christianus, 1989, 9 ff.; - Breydy, Michael, Précisions historiques autour des œuvres d'Anton de Tagrit et des manuscrits de St. MARC à Jérusalem, in Göttinger Orientforschungen, Series Syriaca B. 17: Erkenntnisse und Meinungen, 11 (Harrassowitz, 1987), 15-52.

Michael Breydy

Letzte Änderung: 09.04.2011