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Band VIII (1994)Spalten 1016-1018 Autor: Gertrud Thoma

RUPERT (Hrodpert), Hl., Bischof um 700, stammt aus der hochadeligen rheinfränkischen Familie der Rupertiner, † 27.3. wohl nach 716, nicht in Salzburg, sondern wahrscheinlich in seiner rheinischen Heimat. Seine Gebeine wurden 774 in den Salzburger Dom überführt. - R. kam als Bischof vor 696 auf Einladung des mit ihm verschwägerten Herzogs Theodo nach Austausch von Gesandtschaften nach Bayern. Die Überlieferung, daß er Bischof von Worms war, wird heute meist für zutreffend gehalten; möglicherweise veranlaßten ihn auch politische Schwierigkeiten mit den Karolingern von dort wegzugehen. Eine spätere Datierung seiner Ankunft in Bayern hat sich in der Forschung nicht durchgesetzt. Von Regensburg, wo er wohl ehrenvoll empfangen wurde und den Herzog und die Großen religiös unterwiesen - nicht getauft! - hatte, kam R. auf der Suche nach einem angemessenen Ort für seine Tätigkeit über Lorch und möglicherweise Seekirchen in das römische Salzburg, wo ihm der Herzog offensichtlich umfangreichen Besitz schenkte. Sein Sitz war das Peterskloster, das er aber wohl nicht gründete, sondern an eine ältere christliche Einrichtung anknüpfend wiederbelebte oder reorganisierte und dessen Baulichkeiten er erneuerte; der Kirchenbau geht auf R. zurück. Sicher gegründet hat R. die Maximilianszelle im Pongau (711/2), das Frauenkloster auf dem Nonnberg und eine Kirche in Seekirchen am Wallersee. Bei diesen Tätigkeiten erhielt er materielle Unterstützung von Theodo und dessen in Salzburg residierenden Sohn Theodebert. Nach 711/2 dürfte er kurzzeitig in seine Heimat gegangen sein, um Unterstützung, u.a. seine Verwandte Erintrud als Äbtissin für das Nonnbergkloster, zu holen. Nachdem er in St. Peter einen Nachfolger eingesetzt hatte, kehrte er vor seinem Tod wahrscheinlich wieder nach Worms zurück. Wegen des Bestrebens, die spätere Vorherrschaft Salzburgs mit R.s Tätigkeit zu begründen, ist die Auswertung der Quellen sehr schwierig. - R.s Bedeutung liegt in der Reorganisation und Reform christlichen Lebens und kirchlicher Ordnung im Salzburger Raum und der Mission an der Slawengrenze. Er war Bischof, aber weder regulärer Diözesanbischof von Salzburg noch Gründer des Bistums Salzburg. Allerdings schuf sein Wirken in Salzburg die Grundlagen für die Bistumserrichtung durch Bonifatius.

Lit.: Notitia Arnonis, ed. W. Hauthaler, in: Salzburger Urkundenbuch I, 1910, 3-16; - Gesta Hrodperti, ed. W. Levison, in: MG SS rer. Merov. VI, 1913, 140-162; - Breves Notitiae, ed. W. Hauthaler/ F. Martin, in: Salzburger Urkundenbuch II, 1916, Anh. 1-23; - Conversio Bagoariorum et Carantanorum, ed. H. Wolfram, 1979; - Erich Zöllner, Woher stammte der heilige R.?, in: MIÖG 57, 1949, 1-22; - Jgnaz Zibermayr, Die Rupertlegende, in: MIÖG 62, 1954, 67-82; - Ders., Noricum, Bayern und Österreich, 2. Aufl. 1956; - Karl Bosl, Der »Adelsheilige«. Idealtypus und Wirklichkeit, Gesellschaft und Kultur im merowingischen Bayern des 7. und 8. Jahrhunderts. Gesellschaftsgeschichtliche Beiträge zu den Viten der bayerischen Stammesheiligen Emmeram, Rupert und Korbinian, in: Speculum Historiale, Festschr. J. Spörl, hrsg. v. Cl. Bauer/ L. Boehm/ M. Müller, 1965, 167-187; - Herbert Klein, Juvavum-Salzburg, in: Vorträge und Forschungen 4, 1965, 77-85; - Friedrich Prinz, Salzburg zwischen Antike und Mittelalter, in: Frühmittelalterliche Studien 5, 1971, 10-36; - Ders., Frühes Mönchtum im Frankenreich, 2. Aufl. 1988; - Helmut Beumann, Zur Textgeschichte der Vita Ruperti, in: Festschr. H. Heimpel Bd.3, 1972, 166-196; - Herwig Wolfram, Der heilige R. und die antikarolingische Adelsopposition, in: MIÖG 80, 1972, 4-34; - Ders., Die Zeit der Agilolfinger - Rupert und Virgil, in: Geschichte Salzburgs - Stadt und Land, hrsg. v. H. Dopsch /H. Spatzenegger, 1981, 121-156; - Ders., Vier Fragen zur Geschichte des heiligen R. Eine Nachlese, in: StMBO 93, 1982, 2-25; - Hermann Baltl, Zur Datierungsfrage des hl. Rupert, in: ZSavRGkan 61, 1975, 1-16; - Salzburg im 8. Jahrhundert, hrsg. v. H. Koller/ H. Dopsch, in: Mitt. d. Gesellschaft f. Salzburger Landeskunde 115, 1975, 3-174; - Jörg Jarnut, Beiträge zu den fränkisch-bayerisch-langobardischen Beziehungen im 7. und 8. Jahrhundert (656-728), in: ZBLG 39, 1976, 327-352; - Heinz Dopsch/ Herwig Wolfram, Neubeginn oder Kontinuität? Probleme um die Anfänge von St. Peter, in: Das älteste Kloster im deutschen Sprachraum. St. Peter in Salzburg, 1982, 20-26; - Stefan Karwiese, Erster vorläufiger Gesamtbericht über die Ausgrabungen zu St. Peter in Salzburg, in: StMOB 93, 1982, 404-532; - Frühes Mönchtum in Salzburg (Salzburg-Diskussionen 4), hrsg. v. E. Zwink, 1983; - Gottfried Mayr, Frühes Christentum in Baiern, in: Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, hrsg. v. H. Dannheimer/ H. Dopsch, 1988, 281-286; - ADB XXIX, 697-699; - LThK IX, 106/7; - RGG V,1221; - CathEnc XII, 723/4; - BS XI, 506 ff.; - Bavaria Sancta I 107-120; - Handbuch der bayerischen Geschichte, hrsg. v. M. Spindler, I, 2. Aufl.1981, 199-201; - Lexikon der dt. Gesch., hrsg. v. G. Taddey, 2. Aufl. 1983, 1070.

Gertrud Thoma

Literaturergänzung:

Ingrid Donner-Lebitsch, Der hl. Rupert u.d. hl. Erentrudis von Salzburg, in: CPB 120.2007, S. 118-120.

Letzte Änderung: 29.07.2007