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Verlag Traugott Bautz
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RUTH. Hauptperson des gleichnamigen biblischen Buches. Der Name bedeutet wahrscheinlich »Freundin, Gefährtin«. R. ist die moabitische Schwiegertochter der Judäerin Noomi, deren Familie wegen einer Hungersnot aus Bethlehem nach Moab ausgewandert war. Nach dem Tod der beiden Söhne wandert Noomi zurück nach Juda. Ihre beiden verwitweten Schwiegertöchter, die zunächst mit ihr ziehen, schickt sie, wie üblich, zurück in deren Elternhäuser. R. jedoch will bei ihr bleiben. Mit den berühmten Worten »Wo du hingehst, da will ich auch hingehen ... Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott« bleibt sie bei Noomi. In Bethlehem geht sie auf die Felder der Bauern, um dort unter Ausnützung des Armenrechtes die bei der Ernte liegengebliebenen Ähren einzusammeln und so sich und ihre Schwiegermutter zu ernähren. Dabei kommt sie auch auf die Besitzungen des Boas, der sie dort nicht nur duldet, sondern fördert. Noomi weiß, daß dies ein Verwandter ist, und empfiehlt ihr, sich beim abschließenden Erntefest des Nachts auf die Tenne zu Boas zu begeben. Dieser erkennt die Situation und entläßt sie zunächst mit einer reichlichen Gabe und der Zusage, daß er die Verhältnisse rechtlich klären will. Das geschieht in einer berühmten Gerichtsszene (Kap 4). Dort geht es zunächst um den Rechtsvorrang eines nicht namentlich genannten »Lösers«, der anfangs den von Noomi herkommenden Erbbesitz »lösen« will, jedoch verzichtet, als er erfährt, daß er zugleich mit R. die sogenannte Schwagerehe (Leviratsehe) eingehen müßte. Sinn dieser Rechtsinstitution (vgl. Dtn 25,5 ff.) wäre es, mit R. einen Nachkommen zu zeugen, der als Sohn des verstorbenen Mannes der R. gelten würde, dem schließlich auch der Erbbesitz wieder zufallen würde. Der (an erster Stelle stehende) Löser verzichtet daher auf sein Recht bzw. seine Pflicht, die nun Boas übernimmt. Boas heiratet R. und zeugt mit ihr einen Sohn. Noomi nimmt sich in besonderer Weise ihres Enkels an. Das Kind erhält den Namen Obed, interessanterweise von den um Noomi versammelten Nachbarinnen. Insbesondere wird dann vom Erzähler vermerkt, daß Obed der Großvater des großen israelitischen Königs David war. Dies wird in einer Genealogie des Königs David (4,18-22) nochmals ausdrücklich festgehalten. Die Moabiterin R. kam somit durch ihre Treue zu Noomi und durch ihre Jahweverehrung einerseits und durch die gute Führung Gottes andrerseits nicht nur zu einer neuen gesicherten Existenz, sondern sie wurde sogar die Urgroßmutter des größten israelitischen Königs. - Die Historizität der Geschichte ist ebenso wie ihr Alter umstritten und wird es wohl auch bleiben. Wichtiges Argument für eine späte, d.h. nachexilische Datierung sind sprachliche Beobachtungen. Für eine frühere Datierung, d.h. vorexilisch in die israelitische Königszeit, spricht das Argument, daß man schwerlich dem großen König David eine ausländische Großmutter angedichtet hätte, zumal nach der Zeit Davids jahrhundertelang Konflikt mit den Moabitern bestand und das deuteronomische Königsgesetz (Dtn 17) einen Israeliten als König forderte und darüber hinaus das deuteronomische Gesetz die Aufnahme der Moabiter in das Volk Israel verbot (Dtn 23,4). - Dem wird entgegengehalten, daß mit der Ruthgeschichte gerade gegenüber restriktiven und ausländerfeindlichen Tendenzen der nachexilischen Zeit darauf hingewiesen wird, daß an der Herkunft Davids - und damit letztlich auch des Messias - auch ausländische Frauen beteiligt waren. Jedenfalls konnte man das Buch Ruth - unabhängig von der Zeit seiner Entstehung - in der nachexilischen Zeit in diesem Sinn verstehen - Das Buch Ruth ist in der hebräischen Bibel bei den fünf Megilloth (Festrollen) eingeordnet und als solche mit dem Wochenfest (Zeit des Abschlusses der Ernte) verbunden. Dagegen steht es in der griechischen Bibel (Septuaginta) sozusagen chronologisch richtig zwischen den Büchern Richter und Samuel. In der jüdischen Überlieferung wurde das Buch in verschiedener Weise aktualisiert und korrigiert. Josephus tilgte (so wie die rabbinischen Ausleger) den erotischen Aspekt der Szene auf der Tenne, andererseits entfaltete er den Aspekt der göttlichen Führung und der Erhöhung aus Niedrigkeit. In der aramäischen Übersetzung und der rabbinischen Überlieferung wird die Übereinstimmung der Handlungen aller Beteiligten mit dem jüdischen Gesetz betont. Außerdem werden zusätzliche Verbindungen zur alttestamentlichen Geschichte hergestellt und R. wird, sozusagen standesgemäß, zur Tochter des moabitischen Königs aufgewertet. - In der christlichen Auslegung dagegen wurde die Ausländerin R. als Hinweis auf die Kirche auch aus den Heiden verstanden. Daß im Stammbaum Jesu im Matthäusevangelium R. neben den Frauen Thamar, Rahab und Bathseba genannt wird, ist wahrscheinlich ebenfalls bereits ein Hinweis auf die universale Herkunft und damit auch Bedeutung Jesu - Darstellungen der R., meist bei der Erntearbeit, finden sich in Bibelillustrationen ab dem 12. Jh. (Admonter Bibel, Nationalbibliothek Wien), in der Neuzeit in der Merian-Bibel von 1630 und bei französichen, englischen und israelischen Malern bis zur Gegenwart. In der Literatur wurden Gestalt und Geschichte der R. im 19. und 20. Jh. in verschiedener Weise in Erzählungen, Romanen und Gedichten aufgegriffen (vgl. Enc.Jud.). - In der neueren feministischen Auslegung des Buches werden besonders das Ausbrechen R.s aus den traditionellen Rollen und Verhaltensweisen einer Witwe, das gute Verhältnis der beiden Frauen und ihre Initiativen positiv hervorgehoben. Kritisch vermerkt wird, daß die Erzählung am Schluß stark in traditionelle Rollenbilder einmündet und in der Schlußszene R. zugunsten der Noomi und sogar der Nachbarinnen ganz übergangen wird.
Quellen: Buch Ruth.
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Aufsätze: Johannes B. Bauer, Das Buch R. in der jüdischen und christlichen Überlieferung, BiKi 18, 1963, 116-119; - Johannes Schildenberger, Das Buch R. als literarisches Kunstwerk und als religiöse Botschaft, BiKi 18, 1963, 102-108; - Matthias Bruppacher, Die Bedeutung des Namens R., ThZ 22, 1966, 12-18; - Jan de Waard, Translation Techniques used by the Greek Translators of R., Bib 54, 1973, 499-515; - D.R.G. Beattie, The Book of R. as Evidence for Israelite Legal Practice, VT 24, 1974, 251-267; - ders., Jewish Exegesis of the Book of R., JSOT.SS 2, 1977; - Oswald Loretz, Poetische Abschnitte im R.buch, UF 7, 1975, 580-582; - ders., Das Verhältnis zwischen Rut-Story und David-Genealogie im Rut-Buch, ZAW 89, 1977, 124-126; - Hagia H. Witzenrath, Das Buch R., 1975; - Arndt Meinhold, Theologische Schwerpunkte im Buch R. und ihr Gewicht für seine Datierung, ThZ 32, 1976, 129-137; - Willem St. Prinsloo, The Function of R. in the Book of R., OTWSA 20/21, 1977/78, 110-129; - ders., The Theology of the Book of R., VT 30, 1980, 330-341; - André Lacocque, Date et milieu du livre de R., RHPhR 59, 1979, 583-593; - Calum M. Carmichael, »Treading« in the Book of R., ZAW 92, 1980, 248-266; - Harold Fisch, R. and the structure of convenant history, VT 32, 1982, 425-437; - Hans-Friedemann Richter, Zum Levirat im Buch R., ZAW 95, 1983, 123-126; - Eryl W. Davies, R. IV 5 and the duties of the go'el, VT 33, 1983, 231-234; - Athalya Brenner, Naomi and R., VT 33, 1983, 385-397; - Paul A. Kruger, The Hem of Garment in Marriage. The Meaning of the Symbolic Gesture in R. 3:9 and Ezek 16:8, JNSL 12, 1984, 79-86; - Eugene H. Merrill, The Book of R.: Narration and the Share Themes, BS 142/566, 1985, 130-141; - Kirsten Nielsen, Le choix contre le droit dans le livre de R.. De l'aire de battage au tribunal, VT 35, 1985, 201-212; - Calum McCarthy, The Davidic Genealogy in the Book of R., Proceedings of the Irish Biblical Association 9, 1985, 53-62; - Ina Johanne Petermann, Travestie in der Exegese? - Über die patriarchalische Funktionalisierung eines gynozentrischen Bibeltextes: Das Buch R. und seine Kommentare, DBAT 22, 1985, 74-117; - Anthony Phillips, The Book of R. - Deception and Shame, JJS 37, 1986, 1-17; - G.R.H. Wright, The Mother-Maid at Bethlehem, ZAW 98, 1986, 56-72; - Robert Gordis, Personal Names in R. - A Note on Biblical Etymologies, Judm 35, 1986, 298-300; - Basil Rebera, Lexical Cohesion in R.: A Sample, in: Edgar W. Conrad; Edward Newing (Eds.), Perspectives in Language and Text, FS Francis I. Andersen, Eisenbrauns 1987, 123-149.; - René Vuilleumier, Stellung und Bedeutung des Buches R. im alttestamentlichen Kanon, ThZ 44, 1988, 193-210; - Robert L. Hubbard, Ruth IV 17: A New Solution, VT 38, 1988, 293-301; - Danna Nolan Fewell / David M.Gunn, »A Son is born to Naomi!« Literary Allusions and Interpretation in the Book of R., JSOT 40, 1988, 99-108; - diess., Compromising Redemption: Relating Characters in the Book of R., Literary Currents in Biblical Interpretation, 1990; - Jack M. Sasson, R.: A New Translation with a Philological Commentary and a Formalist-Folklorist Interpretation, The Biblical Seminar XIX, 1989; - Frieda Clark Hyman, R. - A Pure Drove of Israel, Judm 38, 1989, 53-62; - Peter W. Coxon, Was Naomi a Scold? A Response to Fewell and Gunn, JSOT 45, 1989, 25-43; - Gillian Feeley-Harnik, Naomi and R.: Building up the House of David, in: Susan Niditch (ed.), Text and Tradition: The Hebrew Bible and Folklore, Atlanta 1990, 163-191; - James Black, R. in the Dark: Folktale, Law and Creative Ambiguity in the Old Testament, LitTheol 5, 1991, 20-35; - Moshe J. Bernstein, Two Multivalent Readings in the R. Narrative, JSOT 50, 1991, 15-26; - Reg Grant, Literary Structure in the Book of R., BS 148/92, 1991, 424-441; - Irmtraud Fischer, Eine Schwiegertochter mehr wert als sieben Söhne! Rut 4,15, in: Herlinde Pissarek-Hudelist u.a. (Hrsg.), Mit allen Sinnen glauben, FS Elisabeth Moltmann-Wendel, Gütersloh 1991, 30-44; - Amy-Jill Levine, R., in: The Womens Bible Commentary, Carol A. Newsom / Sharon H. Ringe (Ed), 1992, 78-84; - RE 17, 265-267 (ältere Lit.); - RGG2 IV, 2180-2182; - RGG3 V, 1252-1254; - LThK IV, 124 f.; - Jew.Enc. X, 576 f.577 f.; - Enc.Jud. XIV, 518-524; - DB.S X 1108-1118; - ABD V, 842-847; - EKL3 III, 1736-1738.
Siegfried Kreuzer
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2009
Yitzhak Berger, R. and inner-biblical allusion. The case of 1 Samuel 25, in: JBL 128.2009, S. 253-272; - David Volgger, Tamar, Rut und Dtn 25,5-10. Drei bibl. Wendepunkte, in: Antonianum 84.2009, S. 235-250; - Agnethe Siquans, Foreignness and poverty in the book of R. A legal way for a poor foreign woman to be integrated into Israel, in: JBL 128.2009, S. 443-452; - Gabriella DelSignore, La storia di R., la straniera, in: Horeb 18.2009,3, S. 48-54; - D. Johnston, Setting the book of R. in its literary context with special reference to the epilogue of the book of Judges, in: IBS 27.2009, S. 156-162; -
2010
Melanie Köhlmoos, R. Göttingen 2010.
Letzte Änderung: 07.02.2010