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Band XVII (2000)Spalten 1186-1188 Autor: Wilhelm Kohl

SALENTIN v. Isenburg, Erzbischof u. Kurfürst von Köln, Bischof von Paderborn, * 1532, † 19. März 1610 auf Burg Isenburg b. Neuwied, bestattet in der Abteikirche Rommersdorf; Eltern: Heinrich Graf v. Isenburg-Grenzau und Margaretha Gräfin v. Wertheim. Gegen seine Neigung wurde S. früh von der Familie für die geistliche Laufbahn bestimmt. Ihm fielen Dompräbenden in Trier, Mainz, Köln und Straßburg zu. Als ihn das Kölner Domkapitel nach der Resignation Hermanns v. Wied zum Erzbischof postulierte (23. Dezember 1567), lehnte er alle Weihen ab und wollte auch dem Papst keinen Glaubenseid leisten. Der Kaiser und Spanien bewirkten schließlich, daß Papst Pius V. sich mit einem ungeweihten Erzbischof zufrieden gab. Erst nach dem Tode des Papstes leistete S. insgeheim den Glaubenseid und erlangte damit im Dezember 1573 die päpstliche Konfirmation ohne Taxe, wobei der Papst sich in der Hoffnung wiegte, S. werde demnächst zugunsten des bayerischen Prinzen Ernst resignieren. Ohne mit den befreundeten Spaniern zu brechen, verschaffte sich S. aber eine französische Rente, die ihm Rückhalt gewährte. Am 21. April 1574 wurde er auch zum Bischof von Paderborn postuliert. In beiden Hochstiften wirkte er als guter Haushalter. Im Mai löste er von den Grafen von Schaumburg das diesen seit langer Zeit verpfändete Vest Recklinghausen ein. Mit dem Kölner Domkapitel geriet er in Streit über die Rückgabe von Zons mit dem dortigen Zoll sowie die Zölle in Bonn, Linz und Rheinberg. Kaiser Maximilian II. († 12.10. 1576) stützte ihn, doch ließ ihn dessen Nachfolger Rudolf II. im Stich. Das verstärkte den schon lange gehegten Wunsch S.s, ins weltliche Leben zurückzukehren, zumal er schon eine Braut gefunden hatte, Antonia Wilhelmina, Tochter Johanns v. Ligne, Grafen v. Arenberg. S. beabsichtigte, Köln an Ernst v. Bayern zu überlassen, was der Papst am 30.6. 1576 genehmigte, Paderborn aber seinem Freund Heinrich v. Sachsen-Lauenburg, Administrator des Erzstifts Bremen, einem Protestanten, zu übergeben. Gegen den Willen des Papstes gelang ihm nach der in Paderborn am 5.9. 1577 erfolgten Resignation, Heinrich die dortige Nachfolge zu sichern. Dagegen postulierten seine zahlreichen Feinde im Kölner Domkapitel nach der Resignation (13.9. 1577) Gebhard Truchseß v. Waldburg. S. heiratete nun am 10.12. 1577 und zog sich auf seine Grafschaft zurück, mischte sich aber nach dem Übertritt Gebhards zum Calvinismus in den »Kölnischen Krieg« auf der Seite Ernsts v. Bayern ein und übernahm zeitweise sogar die Führung. Als in Münster die Entscheidung über die Zukunft des Bistums heranreifte, bemühte er sich zugunsten Heinrichs v. Sachsen-Lauenburg bzw. dessen Bruders Friedrich. Der unerwartete Tod Heinrichs († 3.5. 1585) verschaffte jedoch Ernst v. Bayern den Sieg. Dafür gelang es S., auf dem Wege der Pfandschaft die einträglichen Ämter Linz, Altenwied und Neuerburg für seine Familie zu erwerben. 1587 ernannte ihn Kurfürst Ernst von Köln zum Statthalter des Erzstifts. In einem Jahr brachte S. Ordnung in das verworrene Steuer- und Söldnersystem, zog sich dann aber zurück. Er hinterließ zwei Söhne, von denen Salentin 1619 in Böhmen fiel, Ernst als spanischer Feldherr großen Ruhm erwarb. Mit ihm († 30.5. 1664) erlosch die Linie Grenzau des Hauses Isenburg.

Lit.: Heinrich Johannes Kampschulte, Graf S. v. I., freiresignirter Churfürst und Erzbischof von Köln sowie Administrator des Fürstbisthums Paderborn (In: Zschr. f. Vaterländ. Geschichte 32, 1874, T. 2, 20-32); - Ludwig Keller, Die Gegenreformation in Westfalen und am Niederrhein 1 (Publik. aus d. Preuß. Staatsarchiven 9), Leipzig 1881, Neudr. 1965, 549-553, 592-598; - Max Lossen, Der Kölnische Krieg 1: Vorgeschichte 1561-1581, Gotha 1882; 2: 1582-1586, ebd. 1887, passim; - Max Lossen, S. Graf v. I. (In: ADB 30, Leipzig 1890, Neudr. Berlin 1970, 216-224); -Konrad Mertens, Die Bildnisse der Fürsten und Bischöfe von Paderborn von 1498-1891. Mit erläuterndem Texte, Paderborn 1892, 11-12; - J. Widemann, Die Hochzeitsgeschenke des Grafen S. v. I. 1577 (Walhalla 4, München 1908, 149-152); - Lorenz Leineweber, Die Paderborner Fürstbischöfe im Zeitalter der Glaubenserneuerung. Ein Beitrag zur Reformationsgeschichte des Stifts Paderborn (In: Zeitschr. f. Vaterländ. Geschichte 67, 1909, T. 2, 115-200, bes. 150-171); - Karl Heinrich Graff, Der Kölner Kurfürst S. v. I. (Veröff. d. Kölner Geschichtsvereins 15), Köln-Kalk 1937; - Wilhelm Segin, Das Gymnasium Salentinianum (In: Klemens Honselmann [Hrsg.], Von der Domkirche zum Gymnasium Theodorianum, Paderborn 1962, 145-174); - Franz Petri, Im Zeitalter der Glaubenskämpfe 1500-1648 (In: Rheinische Geschichte in drei Bänden 2, Düsseldorf 1976, 75-90 passim); - Hans Jürgen Brandt (u.) Karl Hengst, Die Bischöfe und Erzbischöfe von Paderborn, Paderborn 1984, 212-217; - Zedler's Großes Universal-Lexikon 33, Halle/Leipzig 1742, Neudr. Graz 1961, 872; - Gerhard Taddey, S. v. I. (In: Lexikon d. Deutschen Geschichte, Stuttgart 1977, 1057-1058).

Wilhelm Kohl

Letzte Änderung: 19.05.2000