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Band VIII (1994)Spalten 1232-1233 Autor: Ute Önnerfors

SALMASIUS, Claudius (Saumaise, Claude de), bedeutender, vielseitiger Gelehrter, * 15.4. 1588 in Semur-en-Auxois, + 6.(3.)9. 1653 in Spaa. - S. wurde von seinem gelehrten Vater, der als Jurist tätig war, in früher Jugend mit den griechischen und lateinischen Autoren vertraut gemacht. Nach Philosophiestudien in Paris, wo er Casaubonus auffiel, ging er zum Rechtsstudium nach Heidelberg, widmete sich aber in der Bibliotheca Palatina bald ausschließlich und bis zur körperlichen Erschöpfung den klassischen Studien. Gleichzeitig bekannte er sich endgültig zum Protestantismus. Drei Jahre später kehrte er nach Frankreich zurück, blieb mit Textausgaben beschäftigt und begann einen umfangreichen Briefwechsel mit den Gelehrten seiner Zeit, wie Scaliger, Grotius etc. 1623 heiratete er Anne Mercier. Die Nachfolge seines Vaters auf dem Ratsherrenposten in Dijon wurde ihm wegen seines Bekenntnisses verweigert. Ohne fremde Hilfe lernte er Hebräisch und mehrere orientalische Sprachen. Nachdem er Angebote aus Padua und England ausgeschlagen hatte, nahm er das Angebot der Universität Leiden auf den Lehrstuhl von Scaliger an. Dadurch machte er sich den übergangenen Daniel Heinsius zum Feind. Überhaupt lag er in vielfacher Polemik mit Zeitgenossen. Sowohl Ludwig XIII als auch Henri de Bourbon versuchten ohne Erfolg, ihn nach Frankreich zurückzugewinnen. Spätere Versuche von Richelieu und Mazarin fruchteten ebenfalls nichts, dagegen konnte ihn Königin Christina von Schweden 1650 an ihren Hof gewinnen, wo er über ein Jahr verbrachte. Als er, nach Leiden zurückgekehrt, eine Gichterkrankung bei einer Kur in Spaa lindern wollte, erlag er einem Fieber. - S. hinterließ ein umfangreiches und höchst vielseitiges Werk, Papillon zählt etwa 50 Titel auf. Neben den Ausgaben antiker Autoren stehen enzyklopädische, theologische und politische Abhandlungen. Schon die frühe Herausgabe der griechischen Texte des Nilus und Barlaam veranlaßte ihn zu Angriffen auf den Primat des Papstes. Nach der Ermordung Karls I nahm er für das englische Königtum Stellung und geriet dadurch in Schlagabtausch mit Milton. Seine Stärke war weniger eine systematische und sprachlich sorgfältige Darstellung als die ungeheure Breite und Intensität seiner Forschungen und Veröffentlichungen.

Werke: Florus (1609); Historiae Augustae scriptores (1620); Plinianae exercitationes in Solini Polyhistorem (1629); De modo usurarum liber (1639); De lingua hellenistica (1643); De primatu Papae (1645), Defensio regis pro Carolo I (1649); Epistolae (1656); De re militari Romanorum (1657).

Lit.: E. Papillon, Bibliothèque des auteurs de Bourgogne II, 1742, 247-286; - G. Cohen, Écrivains français en Hollande, 1920, 311-333; - J.H. Hanford, A Milton Handbook (1926) 19544, 109 ff.; - Haag IX, 149-173; - E.M.W. Tillyard, Milton, (1930) 19705, 88-93, 180 ff.; - D.J.H. Ter Horst, Isaac Vossius en Salmasius, 1938; - A.J. Van der Aa, Biographisch Woordenboek der Nederlanden VI, 11-17 (Nachdruck: 1969); - Biographie Universelle (Michaud) ancienne et moderne, XXXVIII, 51-53; - Nouvelle Biographie Générale, XLIII, 360-364; - RE XVII, 397-399; - NNBW V, 649-652; - RGG V, 1335-36; - LThK IX, 270; - Grote Winkler Prins, Encyclopedie in twintig delen, XVI, 777.

Ute Önnerfors

Letzte Änderung: 09.03.1999