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Band VIII (1994)Spalten 1236-1246 Autor: Siegfried Kreuzer

SALOMO. Israelitischer König, ca. 965 bis 926 v.Chr. - S. war der vierte der thronberechtigten Söhne Davids. Er kam nach dem Tod der Prinzen Amnon und Abschalom und in Rivalität mit Adonija zur Herrschaft, wobei seine Mutter Batscheba und der Hofprophet Natan für ihn intervenierten, und er durch den jerusalemer (vielleicht ursprünglich jebusitischen) Priester Zadok gesalbt wurde. Damit hatte die mehr traditionell israelitisch orientierte Richtung um Adonija und den Priester Abjatar verloren und trat eine mehr städtisch und kanaanäisch orientierte Richtung in den Vordergrund. Bald nach dem Tode Davids ließ S. Adonija auf Grund eines - über die Königinmutter vorgebrachten und in seiner Bedeutung nicht ganz klaren Wunsches - töten (1.Kön 1-2). - Die eigentliche S.geschichte beginnt mit der Darbringung von Opfern an der großen Kultstätte in Gibeon und der berühmten Traumoffenbarung. Der König durfte dabei, wie auch sonst aus dem orientalischen, insbesondere ägyptischen Königszeremoniell bekannt, einen Wunsch an Gott äußern. S. wünschte sich nun nicht Macht und Reichtum, sondern Weisheit, um sein großes Volk gut zu regieren, und bekam nicht nur diesen Wunsch erfüllt, sondern auch alles andere dazu geschenkt (1.Kön 3). Die geschenkte Weisheit bewährt sich sogleich im berühmten salomonischen Urteil. S. ist aber nicht nur durch richterliche Weisheit ausgezeichnet, sondern auch durch die sog. Listenweisheit. In dieser Gattung der Weisheit werden in enzyklopädischer Form Gegebenheiten des Kosmos, der Natur, aber auch von Fauna und Flora zusammengestellt. Der Ruhm seiner Weisheit soll schon zu seinen Lebzeiten auch in fernen Ländern bekannt gewesen und anerkannt worden sein (Besuch der Königin von Saba; 1. Kön 10). - S.s Reich war das von David geschaffene Großreich, zu dem neben den Israeliten auch die Ammoniter und die Moabiter, zeitweise auch noch die Edomiter, die Philister und die Aramäer gehörten. S.s Aufgabe bestand vor allem in der Festigung dieses Reiches. Er baute dazu die Verwaltungsstruktur aus. Dazu gehörten Ämter und Einrichtungen in der Hauptstadt, aber auch regionale wirtschafts-, verwaltungs- und militärische Zentren (vgl. die Listen in 1.Kön 4-5). In den Berichten werden die baulichen Leistungen in Jerusalem, der Palast und besonders der Tempel, hervorgehoben. Am Tempel baute S. 7 Jahre, am Palast und seinen Nebengebäuden 13 Jahre (1.Kön 6,38; 7,1). Der Tempel, wahrscheinlich aber auch der Palast, wurden unter Heranziehung phönizischer Baumeister und Fachkräfte errichtet. In seiner Bauweise entspricht der salomonische Tempel dem in Kanaan und Phönizien verbreiteten Langhaustyp mit hintereinander angeordneten Räumen, wobei im innersten Raum, dem Debir bzw. »Allerheiligsten«, die beiden Keruben und zwischen ihnen die Bundeslade aufgestellt waren (1.Kön 8). Mit dem salomonischen Tempel ist ein wichtiges neues Element für den israelitischen Jahweglauben gegeben, das prägende Kraft für die Religion Israels und für die Geschichte Jerusalems und auch der Daviddynastie entfaltete. - Zur Errichtung der königlichen Bauten im ganzen Land und zur Versorgung des Hofes richtete S. ein Frondienst- und Abgabensystem ein. Dazu wurde das Land in 12 Distrikte eingeteilt, die je für einen Monat den Hof zu versorgen hatten. Es ist umstritten, ob dieses System ganz Israel umfaßte oder den Stamm Juda aussparte, was dann zum späteren Abfall der nördlichen Stämme mit beigetragen hätte. Für viele seiner Aktivitäten (Handel, Verwaltung, Streitwagenheer) konnte und mußte S. auf die kanaanäischen Teile der Bevölkerung zurückgreifen, was zu einer Aufwertung des kanaanäischen Bevölkerungselementes gegenüber dem israelitischen beitrug. - Die aus Phönizien bezogenen Materialien und Fachleute bezahlte S. mit landwirtschaftlichen Produkten (1.Kön 5,15-26) und durch Abtretung galiläischer Ortschaften (1.Kön 9,10). Andererseits unternahm er zusammen mit den Phöniziern vom Golf von Akaba aus Handelsschiffahrt bis in das sagenhafte Goldland Ophir, das wahrscheinlich in Südarabien oder in Ostafrika liegt (1.Kön 9,26-28). Für die Handelswege nach Innerarabien (1. Kön 10,15) war der Besitz des Ostjordanlandes wichtig. Der Besuch der Königin von Saba hatte wahrscheinlich handelspolitische Anlässe. S. zog auch Einkünfte aus dem Handel zwischen Ägypten und Nordsyrien (1. Kön 9,28 f.). Die Bergbauaktivitäten S.s sind wahrscheinlich nicht bei den traditionell so bezeichneten Kupferminen S.s in Timna nahe Eilat, sondern weiter im Norden der Araba, etwas südlich des Toten Meeres anzunehmen. - S. führte anscheinend keine Kriege (jedenfalls gibt es keine Berichte), aber entfaltete weitreichende diplomatische Aktivitäten und betrieb auch eine entsprechende Heiratspolitik. Erstaunlich ist die Nachricht, daß S. sogar eine ägyptische Prinzessin heiraten konnte. Sie hatte wohl den Rang der Hauptfrau und jedenfalls gehörte ihr ein besonderer Teil des Palastes (1.Kön 3,1; 7,8; 9,24). Jedoch stammt der Thronfolger Rehabeam nicht von ihr, sondern ist der Sohn der ammonitischen Prinzessin Naama (1. Kön 14,21). Darüber hinaus werden moabitische, sidonische und (syro-) hethitische Frauen erwähnt (1. Kön 11,5). S. hatte gewiß einen Harem, der den Davids (2.Sam 15,16; 16,21 f.) übertraf, und mit dem er sich mit anderen Herrschern messen konnte, die Angabe von 700 Haupt- und 300 Nebenfrauen ist aber wahrscheinlich übertrieben. Die im Zusammenhang mit seinen ausländischen Frauen kritisierte Verehrung fremder Götter, insbesondere der Astarte von Sidon, des Kemosch von Moab und des Milkom von Ammon, und die Errichtung von Heiligtümern zumindest für Kemosch und Milkom (1.Kön 11,5.7 f.), geschah nicht nur für diese, sondern auch für die entsprechenden Teile der Bevölkerung. Diese Religionspolitik ist somit eine Entsprechung zur salomonischen Innen- und Außenpolitik. - Dennoch gelang es nicht, das Reich in seiner ganzen Größe zu erhalten. Im Süden kehrte der zu Davids Lebzeiten nach Ägypten geflohene edomitische Prinz Hadad zurück und errichtete (wieder) ein selbständiges edomitisches Königreich (1. Kön 11,14-22.25b). Im Norden konnte der Söldnerführer Reson Damaskus unter seine Herrschaft bringen und damit den künftigen Aramäerstaat von Damaskus aus der israelitischen Vorherrschaft lösen (1.Kön 11,23-25a). Schließlich erwuchsen auch im Inneren erhebliche Widerstände, einerseits auf Grund der starken sozialen Belastungen durch die Frondienste, andererseits wohl auch wegen der Bedeutungsminderung des Landadels (der Ältesten Israels) und schließlich (vielleicht wegen der Religionspolitik) auch aus prophetischen Kreisen. Jedenfalls geriet der tüchtige und beliebte Frondienstaufseher Jerobeam - wegen seiner Designation durch den Propheten Ahia von Silo, vielleicht aber auch wegen konkreter Umsturztendenzen - in Konflikt mit dem König und mußte nach Ägypten fliehen. Von dort kehrte er nach dem Tode S.s zurück und übernahm nach dem Scheitern der Verhandlungen die Herrschaft über die zehn Nordstämme, während für S.s Sohn Rehabeam nur der Süden, d.h. Jerusalem, Juda und ein kleiner Teil des Stammesgebietes von Benjamin blieb. - S.s Königtum war geprägt von einer zunehmenden Entfaltung und Durchsetzung der Herrschaft des Königs und einer Übernahme der sog. orientalischen Königsideologie. Ausdruck dafür ist die Gestaltung des Palastes und des Königthrons (1.Kön 10,18-20), die Nähe des Tempels zum Palast mit der Rolle des Königs als Kultherr und oberster Priester (1.Kön 8) und das Selbstverständnis des Königs als von fast göttlicher Würde (König als Sohn Gottes, ähnlich wie in Ägypten). - Unter der Regierung S.s kam es mit dem Aufschwung von Verwaltung und internationalem Handel wahrscheinlich auch zu einer beträchtlichen kulturellen Entwicklung. Mit den notwendig gewordenen Verwaltungs- und Schreiberfähigkeiten standen auch Kräfte für literarische und kulturelle Aufgaben zur Verfügung. So ist es noch immer wahrscheinlich, daß in der salomonischen Zeit die ersten israelitischen Geschichtswerke (Aufstiegsgeschichte Davids, Thronnachfolgegeschichte, Jahwist) - zumindest in ihrem Grundbestand - verfaßt wurden. Die Begegnung mit internationaler Kultur war wohl auch ein wichtiger Impuls für die weisheitlichen Bemühungen (im o.g. weiten Sinn). Die Person des weisen S. steht hier gewiß nicht nur für ihn selbst, sondern verkörpert die Entwicklungen seiner Zeit und insbesondere am Königshof. - Die Nachwirkung der Gestalt S.s ist sehr groß. Die indirekte Nachwirkung durch den salomonischen Tempel kann hier nur erwähnt werden, ebenso die indirekte Nachwirkung der salomonischen Politik auf und durch die Reichsteilung. Schon früh wurde S. mit der Weisheitsliteratur in Verbindung gebracht (vgl. Spr 25,1). Die Sprüche S.s wurden nicht nur in einzelnen Sammlungen (Spr. 10,1; 25,1) sondern insgesamt (1,1) ihm zugeschrieben. Auch der Prediger kleidet sich bei seinen kritischen Reflexionen (zumindest teilweise) sozusagen in den Königsmantel S.s. Ähnliches gilt auch für die Liebeslieder des Hohenliedes. In der Darstellung der um 300 entstandenen Chronik ist das Bild S.s gegenüber den Königsbüchern neu akzentuiert. In Anspielung an die friedliche Regierungszeit S.s. und insbesondere wegen des Anklangs des Namens S. an Schalom, Frieden (1.Chron 22,9), wird die Tatsache des Tempelbaus erst durch S. damit erklärt, daß S. ein Friedenskönig war, während Davids Regierung noch zu sehr mit Kriegen verbunden war, sodaß David zwar den Tempel vorbereiten aber noch nicht bauen durfte. Die Zuschreibung von Ps 72 und Ps 127 an S. knüpft wahrscheinlich an seine friedliche und gerechte Regierung bzw. an seine Bautätigkeit an (einschließlich des Gedankens, daß er als erster Nachfolger Davids die davidische Dynastie »baute«). - Bei Ben Sira wird S. im »Lob der Väter« ausführlicher erwähnt (47,14-26). Betont werden die Friedenszeit, die Ausführung des Tempelbaus, seine Weisheitssprüche, seine Berühmtheit und sein Reichtum. Mit der Betonung der Weisheit »in deiner Jugend« (V.16) wird die spätere negative Entwicklung vorbereitet. Während jedoch in 1.Kön der falsche religiöse Einfluß der Frauen genannt wird, läßt sich S. bei Ben Sira durch sie beherrschen und vergeudet er seine Kraft, sodaß »der Zorn (Gottes) über deine Nachkommen erging«, was in weiterer Folge zur Reichsteilung führte (V. 21-23). - Die Weisheit Salomos (ca. 1.Jh. v.Chr.) nennt zwar im Text nicht den Namen S., setzt aber in 6,22-25 und in 7 und 8 Zeit und Person S.s eindeutig voraus. S. ist hier der große, umfassend gebildete und wissende Weise, der seine Weisheit allen Menschen kundtut. Sein Leben ist zweigeteilt: Zuerst der unerfahrene jugendliche Mensch, dann, mit der Thronbesteigung, der weise König. Das Wichtige für diesen Wechsel ist nicht der Traum in Gibeon (der nicht erwähnt wird), sondern sein Verlangen nach und sein Gebet um Weisheit. In dieser Hinsicht kann jeder seinem Beispiel nachfolgen, und zu dieser wahrhaft weisen Haltung will der weise S. jeden auffordern. - In der weiteren jüdischen Literatur werden die positiven Seiten S.s, von seiner Weisheit bis zu seiner Bautätigkeit und sich weit erstreckenden Herrschaft gerühmt. Besonders zu nennen sind die Psalmen Salomos (zwischen ca. 70 und 45 v.Chr.). In Psalm 17 werden von den bekannten Zügen S.s. besonders seine Weisheit und Gerechtigkeit hervorgehoben und zur eschatologischen Erwartung weitergeführt. S. ist in wörtlichem Sinn Sohn Davids und so wird dieser Sohn Davids als königlicher Messias kommen. Durch seine Weisheit und Gerechtigkeit wird er Jerusalem reinigen, (s)ein heiliges Volk sammeln und führen und die Nationen richten. Das alles wird nicht kriegerisch, sondern in Frieden geschehen. Als weitere Belege der Rezeption der S.gestalt wären Texte und Fragmente aus Qumran, die Erwähnungen bei Josephus (starke Überhöhung S.s: Über 1. Kön 5,12 hinaus dichtete S. 1005 Bücher mit Liedern und 3000 Bücher mit Sprüchen; darunter auch exorzistische zur Befreiung von bösen Geistern), im Testament Salomos (3. Jh.; stark magisch akzentuierte »Weisheit«) und im Talmud (s.u.) zu nennen. - Im Neuen Testament wird S. zehnmal erwähnt. Auch hier ist Salomo eine komplexe Gestalt als königlicher Messias, Sohn Davids, Friedenskönig, Weiser und in seiner Macht über die Dämonen. Die großartigen zeitgenössischen Vorstellungen über S. spiegeln sich in dem Satz »S. in all seiner Herrlichkeit...« (Mt. 6,29). Dabei geht es nicht um S. an sich, sondern um die mit ihm verbundenen Erwartungen und um den Hinweis »Hier ist mehr als Salomo« (Mt 12,42; Lk 11,31). - In den um ca. 100 n.Chr. anzusetzenden, wahrscheinlich judenchristlichen Oden Salomos wird der jetzt gekommene Messias gepriesen. Indem S. dies tut, steht der Messias/Christus im Licht der S.traditionen, aber er ist mehr als S. - Die talmudischen Texte erweitern S.s Weisheit und Pracht durch zusätzliche Beispiele, seine baulichen Leistungen werden mit mancherlei magischen Elementen gedeutet. Die biblische Angabe, daß er am Tempel nur 7, am Palast jedoch 13 Jahre baute, wird mit seinem übergroßen Eifer für den Tempel (und daraus folgender Schnelligkeit beim Bau) begründet. Dieser Eifer bewahrt ihn trotz seiner Sünden (z.B. daß er mehr als die für einen König erlaubten 18 Frauen hatte und er zu viele Pferde und Reichtümer gesammelt hatte, vgl. Dtn 17,14 ff.) davor, unter die unfrommen Könige gerechnet zu werden. Gleich nach der Herrlichkeit des Tempels rangierte die Herrlichkeit seines Thrones. Wegen seiner Sünden verlor er jedoch allmählich seine Herrschaft, die sich ursprünglich auch auf die Bewohner der oberen Welt und der unteren Welt und die Völkerwelt erstreckt hatte, bis er nur mehr über sein eigenes Volk, ja gar nur mehr über sein Hofpersonal herrschte. Es gibt sogar die Tradition über einen zeitweiligen Verlust der Herrschaft, was an das Nebukadnezar/Nabonid-Motiv aus Dan 4 und Qumran erinnert. In dieser Zeit soll er Kohelet geschrieben haben (vgl. Pred. 1,12), nachdem er in seiner Jugend das Hohelied und in der Mitte seines Lebens die Sprüche verfaßt hatte. - Die Gestalt S.s war schon in der vorislamischen arabischen Welt bekannt. Im Koran und bei dessen Kommentatoren finden sich viele der aus dem Judentum und Christentum geläufigen Aspekte. Er ist weise und gerecht, er versteht die Tiere und Vögel und herrscht über den Wind (Sure 27,15 f.81; 31,11), ja auch über die Geister (die für ihn Bauten errichten; 21,82; 34,11 f.). S. ist auch besonders gottesfürchtig (38,29); nur einmal ist er so begeistert von seinen Pferden, daß er das Abendgebet nicht rechtzeitig hält, woraufhin er diese als Ausdruck seiner Reue tötet (38,31-33). S. verlor jedoch sein Königtum, weil er auf seine Frau Tarada, die Tochter des Königs von Sidon, hörte. Zur Strafe mußte er sein eigenes Reich verlassen. Er regierte Israel 40 Jahre und starb im Alter von 58 Jahren. - In der Literatur kommt S. vor allem als Tempelbauer und weiser König vor. In der mittelalterlichen Literatur ist er dabei zugleich Prototyp für Christus. Ab dem 15. Jh. finden sich in vielen europäischen Ländern Dramen mit dem S.-Stoff, wobei neben S. oft auch die Königin von Saba und Schulamit (Hhld.) berücksichtigt werden, z.B. das anonyme deutsche Stück »Das Spil von Kunig Salomon mit den zweyen Frawen« (1461), ein Stück von Hans Sachs (1550) und ein neulateinisches Stück »Sapientia Salomonis« von Sixtus Birck (1547). Ab dem 17. Jh. gewinnen die Stücke eine mehr philosophische und skeptische Note (Bezugnahme auf das Buch Prediger), z.B. »Schauplatz der Eitelkeit« (1688, anonym) oder »Solomon on the Vanity of the World« von Matthew Prior (1690/1718). Für das 18. Jh. ist Gottlieb Klopstocks Tragödie »Salomo« zu nennen und als religiöses Drama »Die Torheiten des weisen Königs« von Johann Jacob Bodmer (1776). Ab dem 19.Jh. wurden die legendarischen Elemente aus den in dieser Zeit bekannt werdenden nachbiblischen Texten berücksichtigt. - Schon in der Synagoge von Dura Europos werden die Salbung S.s und der Besuch der Königin von Saba dargestellt. Szenen aus dem Leben S.s finden sich in byzantinischen Handschriften ebenso wie in den Glasfenstern mittelalterlicher Kirchen. Dargestellt wurden vor allem die Salbung und Krönung S.s, sein Urteil und sein Tempelbau, der Besuch der Königin von Saba und manchmal auch sein Götzendienst. Das weise Urteil S.s. findet sich in vielen hebräischen Handschriften aus Deutschland und Frankreich. Als Beispiel für gerechtes Richten findet es sich in vielen Gerichtssälen, nicht zuletzt auch in einer Skulptur im Dogenpalast aus dem 15.Jh. Der Besuch der Königin von Saba wird ab dem 12. Jh. als Gegenstück zum Besuch der Könige bei Jesus dargestellt. Skulpturen der Königin von Saba finden sich an den großen gotischen Kathedralen wie Chartres, Reims, Amiens und Wells. In der Renaissance erfreute sich das Thema wegen der hier darstellbaren Pracht großer Beliebtheit. - Auch musikalisch ist S. ab dem 16. Jh. in Motetten, Oratorien und Opern berücksichtigt. S.s Krönung bot sich als Thema für aktuelle Krönungsfeierlichkeiten an: Erstmals von Porsile, 1711 in Barcelona; die von Georg Friedrich Händel für Georg III. 1727 komponierten vier Krönungshymnen werden noch heute bei einer britischen Königskrönung gesungen. Ein weiteres, auch im 19. und 20. Jh. sehr beliebtes Motiv ist der Besuch der Königin von Saba. - Für die Wirkungsgeschichte der Gestalt S.s sind noch zwei Themen zu nennen: In Aufnahme des Besuchs der Königin von Saba bei S. verstand sich das äthiopische Königshaus bis ins 20.Jh. als aus der Verbindung von S. und der Königin von Saba hervorgegangen. Die andere weitreichende Nachwirkung ist die Darstellung des Königs S. gegenüber der Christusdarstellung auf der (im 10. Jh. geschaffenen) Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches.

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Siegfried Kreuzer

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Letzte Änderung: 07.02.2010