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Band VIII (1994)Spalten 1314-1321 Autor: Peter Kränzle

SANDRART, Joachim von, * 12.5. 1606 in Frankfurt/Main, † 14.10. 1688 in Nürnberg. Maler des deutschen Barock, bedeutend weniger wegen seines künstlerischen Schaffens als vielmehr aufgrund seiner kunsthistorischen Schriften. Mit seinem zweibändigen Werk, der `Teutschen Academie der edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste' (1675 und 1679), legte er den Grundstein für die spätere kunstgeschichtliche Forschung und lieferte zugleich eine ausführliche Zusammenstellung von Biographien deutscher Barockkünstler. - S. wurde 1606 als Sohn des Kaufmanns Laurentius (Lorenz) Sandrart und dessen Frau Antonetta (geborene de Bodeau) geboren. Die Familie Sandrart stammte ursprünglich aus dem Hennegau, einer Region im heutigen Belgien und Frankreich, einstmals zu den südlichen Niederlanden gehörend, mußte jedoch wie so viele andere Calvinisten den Katholischen Habsburgern weichen. S.s Vater zog deshalb 1602 von Valenciennes nach Frankfurt um, wo er sich inmitten der calvinistischen Gemeinde niederließ. S. selbst blieb sein Leben lang der durch die Verfolgung stark international gewordenen Religionsgemeinschaft eng verbunden. Die Sandrarts verfügten dank ihrer niederländischen Herkunft über gute und weitverzweigte Handelsbeziehungen. Eine anderes Charakteristikum der niederländischen Kaufleute sollte jedoch für den jungen S. bestimmend werden: Der besonders ausgeprägte Sinn der Kaufleute für Kunst und Gewerbe ließ den `Artiste-Amateur' entstehen - ein Mann, der sich neben seinem Beruf intensiv mit der Kunst beschäftigte und sie selbst ausübte. In einem derartig künstlerisch interessierten Kreis wuchs S. auf. Der Kontakt mit dem Artiste-Amateur Michiel le Blon, einem schwedischen Agenten, Kaufmann und Goldschmied und vor allem mit Daniel Soreau, einem calvinistischen Textilkaufmann, der sich im Alter nurmehr der Malerei widmete, veranlaßte S. die künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Dennoch blieb S. Zeit seines Lebens ein idealer Vertreter dieses `Berufszweiges', denn er war Maler, Kunsthistoriker, Galerieverwalter, Betriebsverwalter seines Gutshofs bei Stockau und schließlich Ältester der Nürnberger Calvinisten-Gemeinde in einer Person. - Bei Soreau begann S. 1619 sich in der Malerei zu schulen, ehe er 1620 eine Stecherlehre bei Peter Isselburg in Nürnberg antrat. Als Isselburg zwei Jahre später nach Bamberg übersiedelt, zog es S. nach Prag zu Aegiduis Sadeler, der S. riet, sich verstärkt der Malerei zuzuwenden, da der beginnende Barock dort eine bessere Auftragslage bieten würde. S. strebte daraufhin eine gründlichere Ausbildung an, die ihn 1625 nach Utrecht führte, da der Weg nach Antwerpen für S. als Calvinisten versperrt war. Dort ging er bei Gerhard von Honthorst in die Lehre. 1627 lernte S. Rubens kennen und begleitete ihn auf einer Reise in die nördlichen Niederlande. Im gleichen Jahr half er seinem Lehrer bei einem Auftrag am englischen Königshof. - 1629 begleitete S. seinen Mentor le Blon nach Italien. Bis 1635 sollte der Italienaufenthalt von S. dauern und ihn grundlegend beeinflußen. S. erlebte in Rom den Beginn des Hochbarock, der sich gegen eine beruhigtere und rationalere Richtung durchzusetzen begann. S. selbst versuchte sich als Vermittler beider barocker Richtungen. Dies drückt sich nicht nur in seinem Werk aus. Schon damals wurde er von seinen Zeitgenossen in erster Linie aufgrund seiner Kunstkennerschaft und als `Mann der Mitte' geschätzt und als Vermittler gesucht. Nebenbei beschäftigte er sich mit der Antike und der umfangreichen Sammlung in der Galleria Giustiniana, wo er als Leiter angestellt war. - Von falschen Friedensgerüchten geleitet, kehrte S. 1635 nach Frankfurt zurück. Dort erlebte er jedoch das Chaos und Elend des 30jährigen Krieges: Frankfurt wurde belagert und Pest und Hungersnot setzte der Bevölkerung zu. Diese Krise überstand der Kreis um S. mutig und ungebrochener Finanzkraft. 1637 heiratete S. Johanna Milekaus, die Tochter eines reichen Bankiers, der zuvor auf Anraten S.s die Hofmark Stockau, ideal zwischen Nürnberg, München und Augsburg gelegen, gekauft hatte. Die beiden Jungvermählten zog es jedoch nach Amsterdam, wo sie sich zwischen 1637 und 1645 aufhielten. Hier hatten beide Verwandte und die Lage war für einen Künstler weit besser als in Frankfurt. In Amsterdam stand erneut le Blon S. hilfreich zur Seite und half ihm, als Maler Fuß zu fassen. In Amsterdam gab es vor der Mitte des 17. Jahrhunderts eigentlich nur Rembrandt als bedeutenden Künstler, ein Grund, daß sich S. schnell einen Kundenkreis als Porträtist aufbauen konnte. Erst Aufträge des bayerischen Kurfürsten Maximilian, ab 1641, erlaubten S., sich verstärkt auch anderen Genres zuzuwenden. 1645 besuchte S. endlich auch Antwerpen und lernte dort das umfangreiche Œuvre von Rubens kennen, das auf seine eigene Kunst großen Einfluß ausüben sollte. Im selben Jahr starb allerdings sein Schwiegervater, so daß S. nach Deutschland zurückkehren mußte. - Seine Rückkehr 1645 stand dieses unter besseren Vorzeichen: nach dem Ende des 30jährigen Krieges und dem Friedensschluß hatte sich die Auftragslage verbessert. Im Zuge der Gegenreform wurden zahlreiche Aufträge für Altarbilder vergeben, die S. in den nächsten Jahren voll beschäftigten. Zudem übernahm S. als Erbe Hofmark Stockau. Wie sich zeigen sollte, keine leichte Aufgabe, denn als Gutsverwalter hatte er laufend Probleme und Rechtsstreitereien mit den umliegenden Gemeinden, Bauern, dem Klerus und dem Beamtenapparat. Zudem wurde das Gut 1647 von marodierenden französischen Truppen zerstört. Zum Glück stärkten seine zahlreichen Aufträge von seiten des katholischen Klerus seinen guten Ruf als Maler - ein in Italien und den Niederlanden geschulter Künstler durfte einen unbezahlbaren Bonus für sich verbuchen. Von Vorteil erwies sich auch seine leutselige Art, obschon der neue Reformorden Anstoß an seiner calvinistische Herkunft nahm. - Etwa ab den 1660er Jahren widmete sich S. verstärkt der Tätigkeit als Kunsthistoriker und Lehrer. Er war wohl maßgeblich beteiligt am Aufbau der Kunstakademien in Nürnberg (1662) und Augsburg (1670). Angezogen vom künstlerischen Leben in Augsburg verkaufte S. 1670 die Hofmark Stockau und siedelt dorthin um. Nun begann er vermehrt an der `Teutschen Akademie' zu schreiben, die in der Folgezeit sein Freund Sigmund von Birken (1626-1681), Dichter und Publizist, redigierte und schließlich in zwei Folgen 1675 und 1679 herausgab. 1672 starb S.s Ehefrau Johanna und S. begann wieder an eine Rückkehr nach Nürnberg zu denken. Die überraschende Heirat mit Esther Barbara Blomert, 1673, liefert letztendlich den Grund für die Umsiedelung 1674 nach Nürnberg. - Während seines letzten Lebensabschnittes 1674 bis 1688 in Nürnberg betätigte sich S. kaum mehr als Maler. Er war als Kunsthistoriker, als Akademielehrer und als aktives Mitglied der Calvinisten-Gemeinde aktiv. In dieses Bild paßt der Erwerb des Dürer-Grabs 1680 durch S.; er ließ es als Denkmal für den bedeutenden Künstler restaurieren. Nach kurzem Leiden starb S. am 14. Oktober 1688 in Nürnberg. Neben der `Teutschen Academie', in der seine Vita basierend auf eigenen Aussagen von Freunden eingefügt wurde, liefert die umfangreiche Korrespondenz, die schriftlichen Hinterlassenschaften seines Freundes von Birken und die Akten zu der Hofmark Stockau wichtige Aussagen und Daten zum Leben des bedeutenden ersten deutschen Kunsthistorikers. Lediglich ein persönlicher Charakterzug sticht hervor: seine Bescheidenheit. - Die Bedeutung S.s als wichtigster deutscher Kunstschriftsteller zwischen Albrecht Dürer und Joachim J. Winckelmann führte dazu, daß S. Stellung als Maler in den Hintergrund rückte. In der Tat gilt seine `Teutsche Academie' bis heute als gewinnbringende Lebensbeschreibung der Künstler des 17. Jhs. Sowohl als Kunsttheoretiker als auch als Künstler versuchte S. südliche mit nördlichen Elementen zu vereinen. Am Ende entstand daraus ein mittelmäßiges und unauffälliges Formprinzip, die Affekte wirken zurückhaltend, alles bleibt konventionell und im Allgemeinverständlichen verhaftet. Diese `aurea mediocritas' darf keinesfalls negativ verstanden werden. Im Gegenteil: Die Mittelmäßigkeit und Normalität war zu S. Zeit positiv geachtet und angestrebt worden. Erst im Nachhinein wurde seine Kunst als charakterlos eingestuft, eine Kritik, die nicht der Absicht und dem Anliegen von S. gerecht wird.

Werke: Sandrart als Maler: - S. als bedeutenden Barockmaler einzustufen wäre falsch, dazu war sein Stil zu konventionell und seine Begabung zu wenig herausragend. Dennoch war er ein gefragter Künstler im süddeutschen Raum und konnte auf ein umfangreiches Oevre zurückblicken, aus dem Porträt- und Altarbilder herausragen. Falls nicht anders angegeben, handelt es sich bei der folgenden Aufzählung um Ölgemälde: 1630/31, Der Tod Catos (Padua, Museo Civico) ist eines der frühesten Werke S.s, noch mit den italienischen Vorbildern verhaftet, doch schon die später für S. typische beruhigte Komposition und den gemäßigten Ausdruck andeutend; - 1632, Der barmherzige Samariter (Mailand, Pinacoteca di Brera); - 1636, Johann Maximilian zum Jungen (Frankfurt, Historisches Museum); - 1636, Mondlandschaft mit Amor und Venus pudica (Seligenstadt, Privatbesitz) gilt als Geschenk des Künstlers an seine spätere Frau Johanna, ein Gemälde, das von dem komplementären Kontrast von Nacht und erhellter Höhle, in der Amor sitzt, lebt; - 1639-1641, Vier Bildnisse von Angehörigen der Familie Bicker: Jacob und Alida Bicker (beide Bildnisse in: Amsterdam, Historisches Museum), Hendrik Bicker und Eva Geelvinck (beide Bildnisse in: Amsterdam, Rijksmuseum); - 1638, Die Schützenkompagnie des Kapitän Cornelis Bicker (Amsterdam, Rijksmuseum) stellt eines der Hauptwerke von S. auf dem Gebiet des Bildnisses dar. Neben der dekorativen Komposition weicht das Gemälde wegen seiner ungewöhnlich reichen Architekturdarstellung vom üblichen Schema ab; - 1641, Bildnis Kurfürst Maximilian von Bayern (zahlreiche Wiederholungen erhalten, u.a. Wien, Kunsthistorisches Museum, München, Residenz und Bayerische Staatsgemäldesammlungen); - 1641, Bildnis Erzherzogin Maria Anna, Kurfürstin von Bayern (Wiederholungen in Wien, Kunsthistorisches Museum). Beide Bildnisse standen am Beginn zahlreicher Aufträge, die S. vom bayerischen Hof erhielt, und die ihm die Rückkehr von Amsterdam nach Süddeutschland erleichterten; - 1642, Odysseus und Nausikaa (Amsterdam, Rijksmuseum), S. hielt sich hier eng an die homerische Schilderung der Szene; - 1642/43, Die zwölf Monate, der Tag und die Nacht (München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen). Den Auftrag für diese vierzehn Gemälde erteilte Kurfürst Maximilian von Bayern; - 1644, Die Heilige Familie (Rennes, Musée des Beaux-Arts) zeigt noch deutlich Anklänge an die venezianische Malerei; - 1644, Die Pflege des heiligen Sebastians und der Abschied der Apostel (zwei Altarblätter in St. Ignatius, Landshut). Diese beiden Blätter bildeten den Einstieg S.s in die Altarbildnis-Malerei, die ihn in den folgenden Jahren in ihren Bann ziehen sollte; - 1644, Fischhändlerin (Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum); - 1644, Minerva und Saturn beschützen die Künste (Wien, Kunsthistorisches Museum); - 1644, Selbstbildnis (nur durch Kopie und Kupferstich überliefert: Florenz, Uffizien), eines der wenigen Selbstporträts des Künstlers; - 1645, Cimon und Pero (Bremen, Kunsthalle); - 1646, Der wunderbare Fischzug (München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen) steht ganz in der Tradition niederländischer Markt- und Küchenszenen; - 1646, Der Englisch Gruß-Altar (München, Frauenkirche); - 1646/47, Die Kreuzabnahme und die Himmelfahrt Mariae (zwei Alterblätter für den Dom, Würzburg); - 1647, Joseph und Joachim (München, Pfarrkirche St. Peter, Altarbild der sechsten nördlichen Seitenkapelle); - 1647, Die mystische Vermählung der heiligen Katharina mit St.Leopold und Wilhelm (Wien, Kunsthistorisches Museum); - 1648, Jakobs Traum (München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen) ist noch stark am niederländischen Realismus orientiert; - 1648, Friedensmadonna (Münster, Westfälisches Landesmuseum), angeregt durch den Westfälischen Frieden schuf S. mehrere Gemälde; - 1649/50, Porträts von Teilnehmern am Nürnberger Friedensexekutionskongreß (die Originale wurden für Schwedens König Carl Gustav geschaffen, jedoch 1609 beim Brand der Residenz in Stockholm zerstört, erhalten sind fünf Bildnisse im Schloß Skokloster, die in einer zweiten Serie für Feldmarschall Wrangel entstanden sind); - 1650, Carl Gustav, designierter König von Schweden zu Pferd (Schweden, Skokloster); - 1650, Königlich schwedisches, zur Feier der Unterzeichnung des Friedensexecutionspräliminarrezesses am 25. September 1649 im Nürnberger Rathaussaale gehaltenes Friedensmahl (Nürnberg, Stadtmuseum Fembohaus). Der besondere Wert des Gemäldes liegt in der historischen Faktizität, Zudem diente es zahlreichen Stichen als Vorlage, kein anderes S.Bild wurde so oft reproduziert; - 1651, Die Enthauptung Johannis des Täufers (Bamberg, Diözesan-Museum); - 1651, Schutzmantel-Maria (Bamberg, Diözesan-Museum); - 1651/52, Corporis Christi-Altar (Linz, Stadtpfarrkirche); - 1651, Pythagoras (Wien, Kunsthistorisches Museum); - 1651/52, Drei Porträtstiche von Angehörigen der kaiserlichen Familie: Kaiser Ferdinand III (Wien, Nationalbibliothek), Kaiserin Eleonora und König Ferdinand IV (beide Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum); - 1653, Die Kreuzigung (Wien, Pfarrkirche Neulerchenfeld); - 1653, Die Auffindung des heiligen Kreuzes (Brünn, Kapuzinerkirche, Hochaltar); - 1656, Großer Fischmarkt (Wien, Kunsthistorisches Museum); - 1654-56, Sieben Altarbilder für die Benediktiner-Stiftskirche Lambach: Himmelfahrt Mariä, Rosenkranzbild, Die Übergabe der Reliquien des heiligen Julian, Das Martyrium des heiligen Placidus und seiner Gefährten, Die Wunder des heiligen Benedikt, Die Pflege des heiligen Sebastians, Der Tod Josephs, Immaculata; - etwa 1657, Christus und die reuigen Sünder (Augsburg, Handelskammer); -1661/62, Zwei Altarblätter für die Kapuzinerkirche in Linz: Die Kreuzigung und die schmerzensreiche Muttergottes; - 1662, Die unbefleckte Empfängnis Mariae (Freising, Dom, erster Seitenalter links); - 1664, Die Verherrlichung der heiligen Walburga (Eichstätt, Benediktinerinnenkloster- und Wallfahrtskirche St. Walburgis, Hochaltar); - 1666, Das Martyrium des heiligen Emmeram (Regensburg, St. Emmeram, Hochaltar); - 1666, Pfingsten und das Jüngste Gericht (Waldhausen, ehemalige Augustinerchorherren-Stiftskirche, Hochaltar); - 1670, Kajetans wunderbares Eingreifen bei der Pest zu Neapel (München, ehemalige Theatinerkirche St. Kajetan, linkes Querschiff); - 1671, Die himmlische Glorie (Wien, Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten, Praelatensaal); - 1678, Die heilige Sippe (Neukirchen bei Lambach, Pfarrkirche St. Stephan); - 1679, Jakobs Traum (Augsburg, Barfüßerkirche); - 1679, Die Erziehung Jupiters (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum); - 1683, Zwei Gemälde für die Triumphbogenaltäre der Lambacher Klosterkirche: Die Kreuzigung und die Ausgießung des heiligen Geistes (Pfingsten); - 1685, Der Tod des heiligen Benedikt (Garsten, ehemalige Benediktinerklosterkirche, vorderster Seitenaltar links).

Sandrart als Kunsthistoriker: Ursprünglich war von S. nur ein Band der `Teutschen Academie' konzipiert. Dieser wurde erst zum `1. Band', als 1679 der zweite erschien. In diesem finden sich zahlreiche Wiederholungen aus dem theoretischen Teil des ersten Buches, wenige Zusätze zu den Künstler-Viten, jedoch eine umfassende Ergänzung zu den Illustrationen und viel historisch-antiquarisches Material. Ursprünglich gab es von diesen beiden Bänden 1683 eine lateinische Ausgabe. Wie weiter oben schon ausgeführt, spielte Sigmund von Birken eine wichtige Rolle hinsichtlich der schriftlichen Ausformulierung des Werkes. Bis ins frühe 19. Jh. war die `Teutsche Academie' allseits anerkannt und berühmt. Sie diente dabei nicht nur als historisches Werk, sondern wurde selbst für die Kunstausübung als Lehrbuch verwendet.

Werke: Joachim von Sandrart, Teutsche Academie der Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste von 1675. Leben der berühmten Maler, Bildhauer und Baumeister (Nürnberg 1675); ders., Der Teutschen Academie Zweyter und letzter Haupt-Teil, Von der Edlen Bau- Bild und Mahlerey-Künsten... I-III (Nürnberg 1679) - beide 1925 von A.R. Peltzer neu herausgegeben und 1971 in verkleinertem Format nachgedruckt; weitere Publikationen: Joachim von Sandrart, Iconologia Deorum oder Abbildung der Götter... (1680), hierbei handelt es sich um eine Übersetzung des Buchs von Vinzenzo Cartaris (lateinische Ausgabe von 1581, italienische Ausgabe von 1615); ders., Sculpturae veteris admiranda... (1680), zusammengefaßt sind die Kupferstiche nach Antiken aus der `Teutschen Academie'; ders., Academia nobilissimae Artis pictoriae... (Nürnberg 1683); ders., Romae antiquae et novae theatrum... (1684), S. versuchte hier einen Überblick über die antike und moderne römische Architektur zu geben, wobei er sich einer italienischen Vorlage von 1660 bedient.

Lit.: Anm.: Generell wurde nur Literatur ab 1900 und nur Aufsätze, die leicht zugänglich sind und in größerem Umfang Sandrart behandeln, aufgenommen. Eine ausführliche Literaturliste findet sich bei Christian Klemm, Joachim von Sandrart. Kunst-Werke und Lebens-Lauf (1986), 361 ff.; - P. Kutter, Joachim von Sandrart als Künstler. Nebst Versuch eines Katalogs seiner noch vorhandenen Arbeiten (Diss. Straßburg 1907 = Studien zur deutschen Kunstgeschichte 83); - R.A. Peltzer, Sandrart - Studien. I. Eine unbekannte Sammlung von Handzeichnungen Sandrarts in der Münchener Staatsbibliothek. II. Das Nachlaßinventar des Nürnberger Kunstverlegers Johann Jakob von Sandrart von 1698, MüJb NF II, 1925, 103-165; - J. Huggenberger, Briefe des Malers Joachim von Sandrart, Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 1, 1929, 379-394; - A. Stavenow, Joachim von Sandrart och Fredsmaltiden i Nürnberg 1649, in: Nationalmusei Arsbok NF. 4 (1934) 31-48; - W. Luger, Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach, in: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs II (1951 = Mitt. des Österreichischen Staatsarchivs. Erg.band III) 502-513; - K. Gerstenberg, Joachim von Sandrart - Deutscher und Europäer, Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 50, 1960, 352-373; - L. Grote, Joachim von Sandrart und Nürnberg, in: Barock in Nürnberg (1962) 10-21; - A. Nicopoulos, Die Stellung Joachim von Sandrarts in der europäischen Kunsttheorie (Diss. Kiel 1976); - C. Klemm, Sandrart à Rome, GazBA VI Bd. 93, 1979, 153-166; - ders., Joachim von Sandrart in Nürnberg, Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 72, 1985, 136-146; - ders., Joachim von Sandrart. Kunst-Werke und Lebens-Lauf (1986); - ders., Sigmund von Birken, Jacob und Joachim von Sandrart. Zur Entstehung der `Teutschen Academie' und über andere Beziehung von Literat, Stecher und Maler (in Vorbereitung). - Allgemeine Werke: Barock in Nürnberg 1600-1750. Ausstellungskatalog Germanisches Nationalmuseum Nürnberg (1962); - Deutsche Maler und Zeichner des 17. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog Berlin (1966); - G. Adriani, Deutsche Malerei im 17. Jh. (1977).

Peter Kränzle

Literaturergänzung:

2006

Michèle-Caroline Heck, Théorie et pratique de la peinture. S. et la Teutsche Academie. Paris 2006; -

2008

Michael Thimann: Gedächtnis und Bild-Kunst. Die Ordnung des Künstlerwissens in Joachim Sandrarts Teutscher Akademie. Quellen zur Kunst Band 28. 143 S., 21 Abb., Freiburg im Breisgau 2008.

Letzte Änderung: 06.10.2009