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Band VIII (1994)Spalten 1342-1344 Autor: Johannes Madey

SANTORI (Santorio), Giulio Antonio, * 6.6. 1532 in Caserta/Süditalien, 28.5. 1602 in Rom. In Neapel studierte S. zunächst Zivilrecht und wurde Rechtsanwalt. Doch gab er bald seinen Beruf auf, um Priester zu werden. Nach seiner Priesterweihe wirkte er zunächst als Generalvikar seines Heimatbistums (1560-1564), anschließend ein Jahr als Generalvikar des Kardinals Alfonso Carafa, Erzbischof von Neapel. Man bezichtigte S. als Attentäter auf das Leben des Papstes Pius IV. und klagte ihn an; er wurde jedoch freigesprochen. Papst Pius V. machte ihn zu seinem Ratgeber und verlieh ihm 1566 das Erzbistum Santa Severina in Kalabrien. Erzbischof S. wurde am 17.5. 1570 Kurienkardinal; an der römischen Kurie gab er in seiner 32jährigen Tätigkeit wirksame Impulse. In den Konklaven Sixtus' V. und Clemens' VIII. wurde seine Wahl zum Papst von den gemäßigteren Kardinälen, die seine energischen Reformen fürchteten, bekämpft. S. war ein Befürworter der liturgischen Reform bei den ostkirchlichen Basilianermönchen; ebenso setzte er sich für die Gründung der Kongregation für die Ausbreitung des Glaubens (»Propaganda Fide«) ein, deren Präfekt er wurde, sowie für die Schaffung eines päpstlichen Kollegs für Alumnen aus Griechenland und dem Nahen Osten (heute das Griechische Kolleg) und vor allem für eine wirksame Tätigkeit des Heiligen Offiziums (heute: Glaubenskongregation). S. war ein Mann hoher Bildung und Kultur und Berater von sieben Päpsten. Er hinterließ zahlreiche liturgische, geschichtliche und kirchenrechtliche Schriften, ebenso Tagebücher, von denen ein Teil noch nicht veröffentlicht ist; diese bilden eine wichtige Quelle für die Kirchen- und Zeitgeschichte des ausgehenden 16. Jahrhunderts.

Quellen: C. Cugnoni (Hrsg.), Autobiografia di mons. G. A. S., cardinale di S. Severina, in: Archivio della Reale Società Romana di Storia Patria 12-13 (Rom 1889-90), 327-372; P. Tacchi-Venturi (Hrsg.), Diario Concistoriale di G. A. S., card. di S. Severina in: Studi e documenti di Storia e Diritto 23 (Rom 1902), 297-346; 24 (1903), 73-102; 25 (1904), 90-135.

Lit.: L. v. Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters, 16 Bde, Freiburg 1885 ff., Bde VIII, IX, X, passim; - C. Korolevskij, Le udienze e relazioni concistoriali del Cardinale G. S. per gli affari della Chiesa Orientale 1566-1602, in: Supplementum allo Studion 5 (1928), 8 (1931); - B. Löwenberg, Das Rituale des Kard. J.A. Santorius, München 1937; - G. Mercati, in: Studi e Testi 77 (Rom 1937), 497-500; - G. Papa, in: Rivista di Storia della Chiesa in Italia 8 (Rom 1954), 267-277; - R. de Maio, in: Asprenas 6 (Neapel 1959), 219-230; - ders., Alfonso Carafa Cardinale di Napoli, in: Studi e Testi 210 (1961), 133-136 und passim; W. de Vries; Rom und die Patriarchate des Ostens, Freiburg-München 1963, 197 ff. und 354; - Pontificio Collegio Greco, in: S. Congregazione per le Chiese Orientali (Hrsg.), Oriente Cattolico. Cenni storici e statistche, Vatikanstadt 41974, 759; - Dictionnaire de Théologie Catholique XIV, 1104 f.; - ECatt X, 1883; - LThK 2IX, 322.

Johannes Madey

Literaturnachtrag:

1998

Filippo Tamburini, Gli scritti del cardinale G.A.S. († 1602), penitenziere maggiore ed inquisitore generale, in: AHP 36.1998, S. 107-136.

Letzte Änderung: 19.06.2009