SAPOR I. Perserkönig (243-273), Sohn des Ardašir, der nach der Ablösung des Partherreiches die Dynastie der neupersischen Sassaniden begründete. Er besiegte in langwierigen Kriegen die römischen Kaiser Gordian III., Philippus Arabs und den Christenverfolger Valerian, den er durch Verrat in seine Hände brachte und nicht mehr auslieferte (ca. 268). Seine militärischen Erfolge ließ er in einer Inschrift auf einem Grabturm in Naqs - i - Rustam in persischer, parthischer und griechischer Sprache beschreiben (Res Gestae Divi Saporis) und mehrfach auf Felswänden bildlich darstellen. Seine Eroberungen erstreckten sich zeitweise bis Kappadokien, Syrien (Einnahme Antiochias) und ins obere Mesopotamien, im Norden bis Transkaukasien und im Osten bis in das obere Industal. Er führte den Titel »König der Könige« und »König von Iran und Nichtiran«. In den neu gewonnenen Gebieten des früheren Achämenidenreiches ließ er, unterstützt von dem Reformator Kartir, die mazdaistische Staatsreligion wieder einführen, die von einer hierarchischen Priesterkaste und gewaltigen Feueraltären auf den Höhen gekennzeichnet war. Gegen die Christen zeigte er sich trotz der Abneigung Kartirs tolerant, indem er ihnen den Bau von Kirchen gestattete, in denen Gottesdienste in griech. und syr. Sprache gefeiert wurden; den Haß der Juden gegen die Römer suchte er politisch zu nutzen. Der Religionsstifter Mani konnte seine Lehren im gesamten Sassanidenreich verkünden und eine ungehinderte Missionstätigkeit ausüben. Nach der Auskunft des arabischen Historikers Tabari und dem Zeugnis von Inschriften, Münzen und Siegeln entfaltete er eine umfangreiche Bautätigkeit, erweiterte die Bürokratie und erwies sich als energischer, aber auch gerechter und fürsorglicher Herrscher.
Lit.: O. Seeck: RE I A 2, 1920 (s.v. Sapor I.): A. v. Harnack: Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jh.en, Leipzig 1924, 694 ff.; - M. Sprengling: Kartir. Founder of Sassanian Zoroastrism, Am. Journ. of Semitic Lang. and Lit. 57, 1940, 197 ff.; - M. Rostovtzeff: Res Gestae Divi Saporis and Dura, Berytus 8, 1943, 17 ff.; - J. Guey: Les Res Gestae Divi Saporis, REA 57, 1955, 113 ff.; - G. Widengren: Mani und der Manichäismus, Stuttgart 1961; - R. Frye: Persien bis zum Einbruch des Islam, Essen 1975; - F. Decret: Les conséquences sur le christianisme en Perse de l'affrontement des empires romain et sassanide. De Shâpur I
er à Yazdgard I
er, RecAug XIV, 1979, 91 ff.; - M. Back: Die sassanidischen Staatsinschriften, Berlin 1978; - E. Kettenhofen: Die röm.-pers. Kriege des 3. Jh. n. Chr., Stuttgart 1982.
Richard Klein
Letzte Änderung: 09.04.2011