SCARAMELLI, Giovanni Battista S. J., Prediger und Schriftsteller, * 23. November 1687 in Rom, † 11. Januar 1752 in Marcerata. - Nach einer Jugend in Rom tritt S. am 20. September 1706 in das Noviziat der Jesuiten S. Andrea in Rom ein. Bereits zuvor hatte er das propädeutische Philosophiestudium absolviert. Nach zwei Jahren Noviziat und einem Jahr Rhetorikstudium wird er bereits 1709 wegen seiner großen Kenntnisse zum Lehrer an den Collegien in Ragusa und Loreto (1712) bestellt. Von 1714-1718 absolviert er sein Theologiestudium am Collegium Germanicum, ist aber dort auch bereits als Repetitor tätig. 1717 wird S. zum Priester geweiht, nach einer Tätigkeit in den Ordensniederlassungen von Florenz und Marcerata erfolgt am 2. Februar 1722 seine endgültige Aufnahme in den Orden. In diesem Jahr beginnt er in Ascoli seine Predigttätigkeit, die ihn in den kommenden dreißig Jahren nicht mehr loslassen sollte. Als unermüdlicher Volksmissionar und Exerzitienmeister durchstreift er den Kirchenstaat (Marcerata, Monte Santo, S. Sepolcro) und findet bei den Gläubigen einen ungeheueren Anklang und Zulauf. Aufgrund dieser Erfahrungen verfaßt er dann seine geistlichen Texte die aber mit Ausnahme der »Vita di Suor Maria...« posthum erscheinen. Unerwartet und plötzlich stirbt S. am 11. Januar 1752 in Marcerata. - In seiner Praxisverbundenheit und Schlichtheit ist S. einer der bedeutensten Gestalten des Jesuitenordens in der Aufklärungszeit, bzw. der ital. Geistesgeschichte jener Zeit überhaupt. Durch die in seiner reichen Tätigkeit gesammelte Erfahrung erkannte S. die Notwendigkeit klarer Lebenshilfen und praktischer Orientierungen für die Seele auf ihrem Weg zu Gott (via ordinaria). Allerdings beschränkt er sich nicht, wie die Aufklärer, auf diesen Aspekt, sondern gesteht durchaus, ja betont, das unerklärbare Eingreifen Gottes selbst in die menschliche Seele zu (via straordinaria). Es wird allerdings keine Wertung unter diesen Formen der `Askese', also des normalen Weges mit notwendiger Führung, und der `Mystik' der besonderen Begnadung vorgenommen. Ja nicht einmal die Contemplation ist unabdingbar notwendig zum Heile, da selbst große Heilige nicht contemplativ waren (Dir. mist. II, 9-14, 263). Diese Einsicht, getragen von der Warnung von jeder Art von `eccessi', war es, die die ungeheuere Popularität S.s und die enorme Verbreitung seiner Werke erklärt (20 ital., 8 engl., 5 dt., 21 frz., 4 span. und 3 lat. Auflagen allein seines Dir. ascet.). Diese ermöglichten es dem tieffrommen Mann auch, alle gehässigen Angriffe der `aufgeklärten Zeit' zu überstehen.
Werke: Vita di Suor Maria Crocifissa Satellico, monaca francescana nel monastero del Monte Nuovo, Venezia 1750; Discernimento de'Spiriti, per il retto regolamento della azioni proprie ed altere, Venezia 1753 (dt. 1904); Direttorio ascetico, 2 vols, Venezia 1754 (dt
61923); Direttorio mistico, indirizzato a'direttori di quelle anime, que Iddio conduce per la via della contemplazione, Venezia 1754 (dt. 1937); Dottrina di S. Giovanni della Croce, in tre parti: I: Salita del Monte, II: L'Essercizio di amore e fiamma di amor vivo, III: Le notte scure, Lucca 1860; Vita della Serva di Dio Angelica Cospari, fondatrice delle Maestre Pie in Borgo S. Sepolcro (ms.).
Lit.: Nuovo Dizionario istorico ovvero storia in compendio..., 1796; - Augustin und Aloyse de Backer, Bibliothèque des écrivains de la compagnie de Jésus, III, 1855, 581-584; - Ottavio Marchetti, S., in: Arch. Hist. S. J. 2 (1933), 230-257; - Louise E. de la Hogue, The Direttorio mistico of J.B. S., in: Arch. Hist. S. J. 9 (1940), 1-39; Heinrich Bleienstein, G. B. S., in: Zeitschr. für Askese und Mystik 15 (1940), 124-135; - Luigi Toguetti, Direttorio ascetico di G.B.S. (= Introduz. al...), 1942, VII-XV; - Angelo Portaluppi, Dottrine spirituali, 1943; - Sergio Conte, La pratica della direzione spirituale nel S., in: Scuola Cattol. 72 (1944), 40-57, 111-127; - Sommervogel VII, coll. 689-694; - DThC XIV, coll. 1259-1263; - Kirchenlexikon X (1897), 1751 f.; - Enc. Catt. XI (1953), coll. 16 f.; - LThK IX (1964), 357; - Cath.Enc. XII (1981), 11 16 f.
Josef Johannes Schmid
Werkeergänzung:
2008
Regeln zur Unterscheidung der Geister. Hrsg. von Wilhelm Schamoni. Kisslegg 2008.
Letzte Änderung: 09.04.2011